MALEDIVEN TAUCHEN MIT WALHAIEN UND MANTAS

MaledivenKeinen Reisebericht zu schreiben, hatte ich für mich beschlossen, bevor wir auf die Malediven geflogen sind. Ich wollte nur ein wenig meine Tauchskills verbessern und ein, zwei, drei Bilder von Walhaien und Mantas mit nach Hause nehmen. Doch dem, was wir erlebt haben, musste ich dann doch einige Zeilen widmen. Nur so als Warnung für uns selbst.

Fliegen ist unter Corona Auflagen möglich, macht aber selten wirklich Freude. Grundsätzlich gilt: Du darfst gerne mit einer Fluggesellschaft einen Beförderungsvertrag schließen. Auch wenn der Flug erst viele Monate später stattfinden soll, bezahlt werden muss sofort. Ob die Fluggesellschaft dann den Flug durchführt, an andere Fluggesellschaften, weitergibt, verschiebt oder ganz absagt, bleibt ihr überlassen. Wie Du dann an dein Geld oder die gezahlten Leistungen kommst ist dein Problem! Wie kommen wir zu dieser Erkenntnis? Hier ein Beispiel:

1.Flug, gebucht am 11.10.2021, 09:02
Mo. 27. Dezember 2021: Berlin – Zürich, LX 967, Lufthansa, Codeshare- Swiss International Air Lines
14:55 Uhr  Berlin Berlin Brandenburg (BER)
16:20 Uhr  Zürich Zurich (ZRH)
Mo. 27. Dezember 2021: Zürich – Male
18:45 Uhr  Zürich Zurich (ZRH) LX 8066, Lufthansa, Codeshare – Edelweiss Air
08:15 Uhr +1     Male Intl Apt (MLE)

Fr. 07. Januar 2022: Male – Frankfurt/Main
10:40 Uhr  Male Intl Apt (MLE) LH 705, Lufthansa
17:25 Uhr  Frankfurt/Main Frankfurt (FRA)
Fr. 07. Januar 2022: Frankfurt/Main – Berlin, LH 190, Lufthansa
18:45 Uhr  Frankfurt/Main Frankfurt (FRA)
19:55 Uhr  Berlin Brandenburg (BER)  3.878,94 €

05.11.2021 Lufthansa verlegt den Flug um einen Tag vor und bietet den Kunden eine Erstattung an. Da wir keine Unterkunft für eine zusätzliche Nacht haben und man unter C-19 Restriktionen sich nicht einfach am Airport in Male ein Hotel nehmen kann, nehmen wir die Erstattung und buchen neu.

2. Flug gebucht am 20.11.2021 um 20:32 Uhr

Mo, 27. Dez., BER, 15:50, Qatar Airways, Flug QR82
Mo, 27. Dez. · 23:35, DOH · Doha
Aufenthalt: 3 Std. 10 Min.
Di, 28. Dez. · Abflug 02:45, DOH · Doha Flug QR670
Di, 28. Dez. · Ankunft 09:25, MLE · Male

Rückflug nach Berlin
Fr, 7. Jan. · 19:00, MLE · Male
Fr, 7. Jan. · 22:10, BAH · Bahrain, Gulf Air, GF145
Aufenthalt: 3 Std. 00 Min.
Sa, 8. Jan. · 01:10, BAH · Bahrain, Flug GF17
Flugdauer: 6 Std. 50 Min.
Aufenthalt: 45 Min.
Sa, 8. Jan. · 06:45
FRA · Frankfurt Terminal 1, Lufthansa LH170
Sa, 8. Jan. · 07:55, BER, Berlin     3.286,25 €

So weit so schön, beziehungsweise soweit die Theorie. In der Praxis sieht das dann unter Umständen anders aus. Die lange und beschwerliche Anreisezeit beinhaltet ja die Zeit von Tür zu Tür. Diese Zeit setzt sich dann wie folgt zusammen:

zu Hause – BER 1 h
BER check in – Abflug 2,5 h
BER – DOH 6 h
DOH Wartezeit 8:45 h
DOH – MAL 4 h
MAL Übergang 3 h
Male- Maamigili 30 min
Maamigili – Hotel 15 min
26 h Anreisezeit

18.12.2021 Qatar bietet die Flüge 200 Euro pro Person günstiger an, weil sie beide Verbindungen nicht voll auslasten können.

21.12.2021 Qatar streicht unseren Flug und bucht uns auf den folgenden Flug, der sechs Stunden später Doha verlässt. Das bedeutet wir warten nun 8:45 h auf unseren Anschlussflug nach Male.
Gleichzeitig wurden uns die Notausstiegsplätze des Fluges von Berlin (BER) nach Doha (DOH) weggenommen.Diese Sitzplätze haben wir wegen der besseren Beinfreiheit reserviert und bezahlt.

Die Antwort auf unserer Beschwerde bei Booking, wo wir die Flüge gebucht haben, verweist uns an Qatar. Qatar hat zwei Servicenummern in Frankfurt/Main und eine 0800 Nummer. „Diese Rufnummern sind uns nicht bekannt“, verkündet eine Computerstimme und die Nullachthundert „ist derzeit nicht erreichbar“.  Eine Anfrage über das Kontaktformular von Qatar, bring erwartungsgemäß auch nichts.
Das Capsule-Hotel im Flughafen Doha wurde mit Beginn der Pandemie geschlossen.

Doch Qatar Airways ist großzügig. Ab zehn Stunden Wartezeit, hat man das Anrecht eine Hotelübernachtung zum „QatarSpecial Transit Preis“ von 250Euro, die man natürlich selbst zahlt, zu buchen. Getränke und Mahlzeiten sind exklusive.

Doha Flughafen Wartebereich

Doha Airport – Quite Room

Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude und Vorfreude war ein wichtiger Teil einer jeden Reise. Dieses Gefühl ist heute weitgehend vom Studieren der geltenden Regeln in den Destinationen und vom Bangen, ob das jeweilige Land auch offenbleibt und den häufigen Meldungen über die veränderten Flugzeiten, verdrängt. Das allerwichtigste jedoch ist, das korrekte Ausfüllen und Drucken aller Tests und Formulare. Vollständig geimpft reicht nicht mehr, es braucht auch einen PCR-Travel-Test in Deutsch und Englisch, mit der Passnummer, den nur wenige Testcenter anbieten. Je nach Fluggesellschaft wird der Test abfotografiert und dafür muss man dann auch noch einmal eine Eigenwilligungserklärung ausfüllen und unterschreiben. Reisen ist heute vor allem ein bürokratischer Akt!

Man hat ja die schlimmsten Befürchtungen, wenn man vom Flughafen BER fliegt und verabschiedet sich meist mit den Worten: „Mal schauen, vielleicht sind wir ja heute Abend wieder zu Hause“. Besonders im Winter, wenn Temperaturen unter null Grad sinken oder gar verirrte Schneeflocken über die Runway tanzen, kann der Flugbetrieb ganz schnell zum Erliegen kommen. Doch nichts dergleichen! Die Computer sind hochgefahren, die Kofferbänder laufen und nur der Wichtigtuer von der WISAG vor dem Check-In Schalter nervt. Er akzeptiert keine Tests, die auf dem Smartphone sind und zweifelt die Gültigkeitsdauer jedes zweiten Tests an. So müssen viele erst zum Copy-Shop, der mit Sicherheit von seiner Frau betrieben wird, um dort eine Hardcopy für zwei Euro pro Seite machen zu lassen. Wir sind perfekt geprappt und haben den Check-In in nur fünfzig Minuten bewältigt. Das, obwohl wir noch unsere bezahlten aber nicht mehr reservierten Notausstiegsplätze einfordern und bekommen haben.

Die Flugbegleiter bei Qatar haben jetzt ein neues Outfit. Sie tragen weiße Vlieskittel, tragen die allgegenwärtigen medizinischen Masken und wirken damit unfreiwillig wie OP-Personal. Die gereichten Mahlzeiten allerdings würden jede Krankenhausküche beleidigen und nach nur wenigen Tagen eine Patientenrevolte auslösen. Man denkt immer es geht kulinarisch nicht mehr schlechter, aber der geschmackliche Sinkflug geht immer weiter.

In Male angekommen, latschen wir in die nächste Falle. Koffer, bei denen der Verdacht besteht, dass sich jemand alkoholische Getränke mitbringt, werden beidseitig mit einem roten Aufkleber versehen.

Wer das nicht weiß und wem es nicht gelingt, diese Aufkleber hinter einer Säule unauffällig zu entfernen oder in einen kleinen Rucksack zu verstauen, der darf diese gegen Quittung abgeben. Das hat nichts mit der Kultur der Malediven zu tun, auch wenn man es gerne beteuert. Es sichert den Resorts lediglich die satten Gewinne beim Verkauf alkoholischer Panschgetränke. Um 0,7 Liter Rum erleichtert, gehen wir nun zum Domestic Terminal um für unseren Flug nach Maamigili einzuchecken.

Doch wen überrascht es noch, dass die Abflugzeit nun nicht mehr 17:30 Uhr, wie noch am 23.12. bestätigt, sondern 18:15 Uhr ist?Damit die Anreise nicht so eintönig verläuft, verschiebt „Flyme“ die An- und Abflugzeiten beliebig hin und her. Das ist aber nur ein kleines Ärgernis im Vergleich zu der Erkenntnis, dass wir gar nicht auf der Passagierliste stehen. Es ist ja nicht unsere erste Reise und so haben wir natürlich jeden erdenklichen Schriftverkehr als Hardcopy dabei. Das erweist sich immer wieder als sehr hilfreich. Glücklicherweise sind die Malediver netter und hilfsbereiter als das Personal, das man beispielweise am Flughafen-BER antrifft. Sie telefonieren mit dem Hotel, dass dann die Flugbestätigungen sendet. Moment mal. Was ist das für eine Fluggesellschaft, bei der der Kunde die Buchungsbestätigung per Email zum Flughafen sendet, damit die dann wissen, wer auf die Maschine gebucht ist? Na ja, wir bekommen jedenfalls Plätze auf der letzten Maschine an diesem Tag und freuen uns zumindest nicht noch in Male zu stranden. Touristen ist es durch die C-19 Bestimmungen nicht gestattet, die Hauptstadt Male zu betreten, was bedeutet, dass diejenigen, die ihren Flug verpassen, viele Stunden auf dem Flughafen von Male verbringen müssen, bis sie ein neues Ticketfür einem der nächsten Flüge bekommen.

Maamigili ist eine Insel im Süd-Ari Atoll, die vornehmlich von Einheimischen bewohnt wird.

Malediven Bewohner Fischmarkt

Heute gibt es frischen Fisch!

Auf der von Büschen und Rankenpflanzen überwucherten Werft, werden Boote repariert, einmal am Tag kommt das Müllschiff und Fischer versorgen am Hafen die Bewohner mit dem frischen Fang. Die Insel hat einen eigenen Fußballclub, die „Eagle“ und oft wird am Nachmittag auf dem Sportplatz trainiert oder es werden Turniere ausgetragen. Auf der sandigen Hauptstraße, die gerade neue Gehsteige erhalten hat, kann man sich in kleinen Läden mit dem Notwendigsten versorgen. Die Strände sind unspektakulär und leider hier und da durch Müll verunreinigt. Wer also nach der Postkartenidylle der Malediven sucht, ist in Maamigili am falschen Ort.

Die Fähren und die Flugzeuge aus Male bringen nur selten Touristen hierher, die auf Maamigili verweilen. Die meisten reisen per Boot weiter in umliegende Resorts. Maamigili selbst hat vier Gästehäuser für insgesamt vierzig Besucher. Das „Shamar Guesthouse & Dive“ ist eine einfache Unterkunft, die alle Wünsche, außer dem nach einem Pool, erfüllt. Doch wer braucht schon einen Pool, wenn das Meer nur sechzig Meter entfernt ist? Wie der Name es vermuten lässt, ist der Service des Gästehauses auf die Wünsche und Bedürfnisse von Tauchern zugeschnitten.

Aus der zweiten Silbe des Namens des Inselstaates Malediven, lässt sich schon ableiten was man hier tun muss, um überhaupt einen Eindruck von dem Inselstaat zu bekommen. Es ragen zwar tausendzweihundert Inseln und Inselchen aus dem indischen Ozean, auf den sich Palmen, Büsche, Vögel, Geckos, Insekten und hier und da auch Menschen angesiedelt haben, aber neunzig Prozent dessen, was die Malediven zu einem einzigartigen Reiseziel macht, spielt sich unter der Wasseroberfläche ab. Wer also auf den MaleDIVEN nicht getaucht ist, hat auch nur wenig gesehen und schon gar nichts erlebt. Mantas und Walhaie trifft man hier öfter an als in allen andere Regionen der Meere.

So starten wir gleich am ersten Morgen zu einer Bootsfahrt zu zwei Tauchspots. Es ist windig und das Meer ist rauer als erwartet. Eine Stunde kämpft sich der Kutter, im Stil eines traditionellen Fischerbootes durch die Wellen. Das Boot stampft und rollt und immer wieder schaffen es die Wellen über das Deck. Selbst so manchen Tauchprofi bekommt das nicht und so werden schon vor Eintreffen am Tauchspot „Huru Olhi Kandu“die Fische gefüttert. Unsere Vomex-Tabletten gegen Seekrankheit halten jedenfalls was sie versprechen.

Nach einer Stunde Fahrt plumpsen wir ins Wasser. Ich kämpfe wie immer mit dem Druckausgleich in meinen Ohren, schaffe dann aber doch in einen Tiefe von dreiundzwanzig Metern. Einige Weißspitzenriffhaie und wenige Fische sind die enttäuschende Bilanz.

Der zweite Tauchgang, den ich auslasse, findet unmittelbar an der Rückseite des Hafens von Maamigili statt und wie ich es schon vermutet hatte, gab es außer kleinen Weißspitzenriffhaien nichts zu sehen.

Der Wind hat nachgelassen, die Wellen sind nicht so hoch wie gestern und zu unserer großen Freude wird unser Boot etwa zehn Minuten von einer großen Gruppe neugieriger Delphine begleitet, die dann auch ganz nah an unser Boot kommen. Nach wiederum etwa einer Stunde Fahrt, erreichen wir den Tauchspot Kuda Rah Thila. Wenn man es erst mal hinuntergeschafft hat, erwartet einem in achtzehn Meter Tiefe eine intakte Unterwasserwelt Korallen, Seesternen, Riffhaien, Muränen, Oktopussen, Thunfischen und Kugelfischen. Unter einem Felsbogen, unter dem man hindurch tauchen kann, versteckt sich ein riesiger Schwarm Blaustreifen-Schnapper.

Ebenso interessant ist der Tauchspot Dhihdhoo Bayrruam „LUX* South Ari Atoll Resort & Villas“, denn hier trifft man im kristallklaren seichten Wasser sehr oft auf Schildkröten.

Madivaru Manta Point lautet der verheißungsvolle Name unseres ersten Tauchspots am letzten Tag des Jahres.Als ich entschieden habe auf die Malediven zu reisen, war ich der Meinung man könne trockenen Fußes auf dem Rücken von Mantas und Walhaien von einer Insel zur nächsten laufen. Diese Illusion hat der polnische Sumo Tomecho mir schon am ersten Abend zerstört, als er mir erzählte, dass er schon seit dem 24.12.2021 hier sei und bisher weder einen Manta noch einen Walhai gesehen habe.

So tuckern wir zum Madivaru Manta Point in der festen Überzeugung, dass wir heute Glück haben. Nachdem ich mich gegen den stechenden Schmerz in meinen Ohren auf elf Meter hinunter gekämpft habe, geschieht dann auch wirklich das Wunder. Drei riesige Mantas ziehen über den Riff etwa zehn Minuten ihre Kreise, bevor sie sich im tiefen Blau des Ozeans auflösen.

Als alle wieder an Bord sind, tuckern wir in Richtung Hollywood Thila, einem Tauchspot, an dem man hin und wieder Walhaie trifft. Per Handy erreicht unseren Guide die Nachricht, dass dort heute mehrere Walhaie gesichtet wurden. Schon von weitem erspähen wir drei Boote die dort liegen. Hektik bricht aus und alle machen sich eilig daran, sich zum Schnorcheln vorzubereiten. Hektisch springen wir ins Wasser und finden uns in einer Gruppe von etwa zwanzig weiteren Schnorchlern wieder, die in heillosen Durcheinander, den Walhaien versuchen zu folgen. Nachdem sich das Schnorcheln als ziemlich aussichtslose Aktion herausgestellt hat,entscheidet unser Guide nun doch noch hier zu tauchen. Also wieder zurück in das Boot, Tauchausrüstung anlegen und springen. Das Wasser ist hier eine Suppe aus Plankton und Myriaden von fluoreszierenden Quallen, von denen einige unangenehme Hautreizungen auslösen. Die Quallen und das Plankton sind aber auch der Grund dafür, warum die Walhaie hierherkommen.

 

Das Autofocussystem der Kamera hat es in dieser Grütze schwer die Walhaie zu fixieren, die uns umkreisen. Da kann man noch so vorbereitet und mit noch so gutem Equipment am Tauchspot erscheinen. Wenn die Fische zu nah sind, oder die Sicht unter Wasser so schlecht ist wie hier. Ist eine GoPro die bessere Wahl. Aber das Erlebnis, von den Walhaien umkreist zu werden, von denen einer  etwa fünfzehn Meter Länge misst, ist auch ohne Kamera unvergesslich.

Als wir nach einer dreiviertel Stunde wieder aus dem Wasser kommen, resümiert Shamoon, unser Tauchguide, dass dies sein bester Tauchgang in diesem Jahr war. Diese Aussage wollen wir nur allzu gerne glauben.

Am Abend arrangiert das Personal des Gästehauses ein Dinner am Strand. So verbringen wir den letzten Abend des Jahres mit drei Feuerwerken von den umliegenden Resort-Inseln, bei warmen Starkbier, ebenso warmer Cola und Smalltalk.

Als wir aufwachen brennt die Sonne schon erbarmungslos hernieder und kein Lüftchen bewegt die Palmwedel vor unserem Fenster. Verlässt man das klimatisierte Zimmer, ist es als komme man in einen Backofen und sofort verspürt man das Verlangen wieder zurück ins kühle Zimmer zu gehen.

Whale Shark Dive

Wir chillaxen bis nach dem Mittag und fahren dann noch einmal hinaus zum Tauchspot Ariyadhoo Kandu. Diesen Tauchspot mag ich nicht und habe ihn schon beim ersten Mal ausgelassen. Da es dort wenig zu sehen gibt, überlege ich auch diesmal nicht mitzugehen, lasse mich dann doch überreden, wenigstens der Übung wegen mit zu tauchen. So also gehen wir zu viert ins Wasser und tauchen ab. Viel Zeit für den Druckausgleich bleibt mir heute nicht. Unterhalb von drei Metern werden wir von einer Strömung erfasst regelrecht mitgerissen. In Sekunden sinken wir auf in eine Tiefe von zehn Metern. Doch auch in dieser Tiefe lässt die Strömung nicht nach. Ich suche meinen Riffhaken. Rechte Tasche – Nichts! Linke Tasche – Nichts. Jemand von der Crew muss ihn aus der Weste genommen haben und ich habe es nicht kontrolliert. Anfängerfehler! Ich halte am Riff nach Steinen Ausschau die nicht scharfkantig sind um mich daran festzuhalten. Gleichzeitig muss ich aufpassen die anderen nicht zu verlieren. Endlich ein schöner runder Felsvorstand. Ich hänge senkrecht in der Strömung. In Sichtweite hinter mir haben sich die anderen drei mit Riffhaken Halt gesucht. Ich lasse den Stein los und treibe mit der Strömung zu den anderen. Da hängen wir nun zur viert Hand in Hand im Kreis. Keine Chance gegen die Strömung anzukommen. Es bleibt uns nichts als wieder aufzutauchen und es an einer anderen Stelle zu versuchen. Das Boot fährt an ein flach abfallendes Riff, nahe einer Insel und wir gehen dort noch einmal tauchen. Hier jedoch ist das Wasser so Plankton haltig, dass die Sicht nur etwa fünf Meter beträgt. So sind die einzigen Attraktionen, die wir finden ein etwa zweieinhalb Meter langer Albino-Ammenhai, der in einer Höhle schläft und eine Languste.

Am letzten Tag auf der Insel Maamigli fahren wir noch einmal hinaus zum Tauchen. Der Wind türmt die Wellen auf und die Schaluppe rollt und stampft wie kaum zuvor, da die Wellen uns meist von der Seite treffen. Die erste Divesite „Brooken Rock“ hat so starke Strömung, dass das Tauchen abgebrochen werden muss. Mit der Drohne wollte ich filmen,wie die Taucher ins Wasser gehen und sie ist noch in der Luft, als das Boot wieder losfährt. Ich brülle: „Stopp, my drone! Ich hole das Boot zwar wieder ein aber es schwank so stark, bewegt sich auf und ab und hält auch die Position nicht. In der Mitte des Sonnendecks setze ich zur Landung an, aber die nächste Welle, versetzt den Landepunkt gleich wieder um zwei Meter. Vor meinem inneren Auge sehe ich die Drohne schon crashen und über Bord gehen. Doch ich schaffe es so weit runter, dass sie in der fünfzehn Zentimeter hohen Umrandung des Decks hängenbleibt. Das kostet einen Rotor, aber immer noch besser als die ganze Drohne. Nachdem die anderen an einem anderen Riff getaucht sind, steuern wir die Divesite Dhihdhoo Bayruu an. Da man hier die Chance auf Schildkröten hat, gehe ich mit rein. Doch ich bin kein begeisterter Taucher. Für mich ist das nur Mittel zum Zweck, um Großfische fotografieren zu können. So finde ich keinen wirklichen Gefallen an diesem Tauchgang. Das Riff erinnert mich eher an einen steinigen eintönigen Abhang und eine Muräne ist das einzige was mir in der trüben Brühe vor die Linse kommt.

Unterwasser SchildkröteNachdem Mittag wechseln wir ins „Sun Island Resort“, was natürlich wieder voll in die Grütze geht. Der Flieger aus Male ist wieder einmal verspätet und so auch der Transfer zur Nachbarinsel. Wir gammeln in der Unterkunft rum und als wir endlich zum Hafen gefahren werden, sehen wir das Boot, dass uns abholen sollte, in der Ferne verschwinden. Da sitzen wir nun, im Schatten des Wartehäuschens am Hafen. Wir bitten einen Einheimischen uns zu helfen und im Sun-Island oder unseren Guide anzurufen. Das Sun-Island können wir nicht erreichen, da wir nicht die richtige Telefonnummer haben. Aber unseren Guide Shamoon erreichen wir. Der versichert uns,im Sun-Island anzurufen, damit die von dort ein Boot schicken, dass uns abholt. Und wir warten weiter. Wir rufen Shamoon noch einmal an, der sich zwar schockiert zeigt, dass wir immer noch am Hafen sitzen, aber an der Situation auch nichts ändern kann.

Resorts, wie das Sun-Island betreiben touristische Massenmenschenhaltung und alles läuft nach einem festgelegten Plan ab. Wenn du dein Boot verpasst hast, dann wartest du eben bis der nächste Flieger kommt, so es noch einen gibt und der Sammeltransfer-Wasserbus dich hinüber schaukelt. Dabei sei aber noch angemerkt, dass für die Strecke von zwei Kilometern pro Person hin und zurück fünfundvierzig Dollar berechnet werden. Bei einer Bootsladung Touristen sind das dann etwa zweitausend Dollar. Boot, Personal, Instandhaltung und Benzin haben sich somit in einem Monat amortisiert!

Vierzig Chinesen und zehn Russen stürmen die Fähre, kaum dass sie sitzen haben alle ihre Smartphones in der Hand und filmen und machen Selfies. Alle johlen durcheinander und wir sind froh, als wir nach zehn Minuten wieder aussteigen dürfen.

Willkommen in der Fünf-Sterne-Hölle, in der auch noch am 2. Januar alles weihnachtlich geschmückt ist. Mit den Worten „Welcome. Please take a seat and wait here“, will man uns in der Lobby in das Check-In Prozedere zwingen. Ich fauche die nette Dame an: „I don´t like sit and wait here! I was waiting at Maamigili harbor for one and a half hour for our transfer!”Ihre dunklen Augen werden noch größer als sie es ohne hin schon sind und sie läuft erschrocken und schnellen Schrittes zur Rezeption und wir können das Formular- und Einweisungsritual ohne weitere Worte und grimmiger Mimik meinerseits zügig hinter uns bringen.

Wir beziehen unseren Strandbungalow De Luxe. Das einzige was an der abgerockten Hütte mit runtergewohnten und geschmacklosem Mobiliar „De Luxe“ ist, ist der Preis. Der Charme der 90er Jahre ist schon lange eher chabby. Im Bad hängt ein Fön an der Wand, der einst wahrscheinlich einmal ein weißes Gehäuse hatte. Nun ist er braun. Auf dem Typenschild lesen wir: ELITE Wandhaartrockner, ALISEO GmbH, D-7620 Wolfach. Ein Schelm, wer daraus Rückschlüsse auf den Zustand von Gebäude und Einrichtung zieht. Was will man aber für 680 Euro am Tag auch anderes erwarten? Einzig die Lage am Strand, mit eigener Terrasse und Liegen unter Palmen und Büschen davor ist wirklich traumhaft. Immerhin gibt es hier eine ebenso runtergekommene Einkaufsmeile mit Souveniergeschäft, ein Fitnesscenter, ein Spa, einen Fotografen, eine Piano Bar, ein italienisches Restaurant, ein Café und eben noch all so Zeug, dass man auf den Malediven braucht, wie einen rostigen Nagel im Kopf.

Sun Island Beach Bungalow

Aussicht aus unserem De Luxe Beach Bungalow.

Dann schreiten wir zum Abendessen. Ich kann mich nicht erinnern so etwas schon mal gesehen zu haben. Ein Restaurant, so groß, dass man um von einem zum andere Ende zu gelangen einen E-Skooter benötigt. Ein Buffet so lang, das man erst Mal alles ablaufen muss um einen ersten groben Überblick zu erhalten. Dabei fällt dem aufmerksamen Betrachter allerdings auf, dass es von der Menge her viel ist, sich aber ab dem sechsten Warmhaltetiegel immer wiederholt. Einzig das frische Obst, ist wirklich einladend. So laufe ich mit meinem leeren Teller, ohne dass ich in dem Einheits-Großküchen-Fraß irgendwas finde. Am Ende entscheide ich mich für frischen Ananas, und ein paar Mini-Schokokuchen.

Aufgetakelte Frauen mit Schlauchbootlippen und Fenditaschen stolzieren mit Chinesinnen im Gardinenkleid und Yves Saint Lorant Tasche um die Wette. Dicke Russen laden sich die Teller voll, dass es akrobatische Fähigkeiten erfordert, diese zum Tisch zu jonglieren, ohne dass dabei einem anderen Gast was auf seine neuen weißen Sneakers fällt.

Wir verlassen so schnell es geht diese surreale Szenerie und chillen auf unserer Terrasse, während sich im Bungalow nebenan lautstark ein russisches Paar streitet, während von der Bar die Diskorhythmen herüber wummern.

Die Einreisebedingungen und die Maßnahmen zur Begrenzung der Covid-19 Fälle werden restriktiv eingehalten und kontrolliert. In den Resorts achtet man auf die Maskenpflicht in den Restaurants, Cafés und Geschäften. An jeder Ecke gibt es Desinfektionsmittel-Spender, die aber nicht von allen Gästen genutzt werden. Doch trotz allem ist dies eine trügerische Sicherheit. Bei unserer Inselrundfahrt mit dem Rad werden wir von einem der Elektrokarren überholt, auf dem Personal im Vollschutzanzug und zwei Gäste sitzen, die alle Masken und zusätzliche Gesichtsschilde tragen. Denen folgt ein weiteres Fahrzeug mit einigen Koffern und Taschen. Da es auf der Insel selbst ein Gesundheitszentrum gibt, in dem Tests durchgeführt werden, vermuten wir, dass es sich um Gäste mit positivem Test handelt. Wenig später, als wir den rückwärtigen Versorgungshafen erreichen, sehen wir, wie das Gepäck der beiden Gäste mit Desinfektionsmittel besprüht und dann verladen wird. Von hier werden die Gäste dann zu einer Isolationsstation gebracht. Echt dumm gelaufen.

Strand Boot Insel

Was wird denn so als Beschäftigung angeboten auf so einem Ferien-Eiland? Man kann Riffhaie, Ammenhaie und Rochen von Stegen der Wasserbungalows beobachten und am Abend werden dort die Haie und Rochen angefüttert. Außer der schon erwähnten Wellness-Oase und dem Fitnesscenter, könnte man Minigolfen, mit einen einem Glasbodenboot fahren und durch matte zerkratzte Scheiben die Unterwasserwelt bestaunen, mit einem Jetpack abheben oder Jetski fahren. Allerdings betragen die Kosten für fünfzehn Minuten Jetski, einhundertzwölf Dollar, was das günstigste Angebot ist. Es gibt auch das unglaubliche Angebot „Whale Shark, Manta, Turtles& Fishing“. Das heißt, man erfreut sich an dem Leben unter Wasser und versucht dann Fische zu fangen, um sie zu töten. Wozu? Weil das Buffet nicht ausreichend ist? Es gibt natürlich keine Garantie, dass man Walhaie, Mantas oder Schildkröten sieht. Das ist auch egal, die zweihundertfünfundzwanzig Dollar sind vorher zu entrichten.Wer die Hundertdollar Scheine in Bündeln mit sich trägt, kann auch eine Tour buchen, die sich „Fullday Deepsea Trolling, Popping & Jiggeling“ nennt, nur acht Stunden dauert und 1.279 Dollar kostet. An der krummen Summe erkennt man gleich, wie scharf und knapp das Resort hier kalkuliert hat (LOL). Das wir nicht die Klientel sind die hier angesprochen werden soll ist uns inzwischen bewusst. Wir wären durchaus bereit gewesen, eine abartige Summe Geld auszugeben, um mal zu einer kleinen unbewohnten Insel zu fahren, die alle Klischees der Malediven erfüllt. Zu unserem Erstaunen ist es aber, Zitat: „not possible because of the corona restrictions”. Es ist also durchaus möglich von Insel zu Insel zu reisen, auf denen viele Menschen wohnen oder Urlaub machen, es ist aber verboten, für ein paar Stunden auf eine kleine unbewohnte Insel zu fahren. Um wen nicht anzustecken? Die Insekten oder die Seegurken?

Wir sind hier also zur Erholung gezwungen, was ja auch ganz gut für Körper und Seele sein soll. Frühstück, Mittag, Abendessen und zwischendurch mal Radfahren, schwimmen gehen, lesen, Gewittern beim Vorbeiziehen beobachten oder auf schöne Sonnenuntergänge warten.

Ein lauer Wind weht vom Meer bei 30 Grad Celsius im Schatten. Wir fletzen in Lounge-Möbeln, die Füße im weißen Sand und schauen auf das türkisfarbene Meer. Gedämpfte Chill-Out Musik säuselt aus den Lautsprechern der Bar, während wir unsere Drinks durch den Strohhalm aus Gläsern ziehen, an denen das kondensierte Wasser herunterläuft. Genau das ist der Zustand an den man sich gewöhnen kann und bei dem man sich fragt – warum kann das nicht immer so sein. Ganz einfach – weil es dann nichts Besonderes mehr wäre. Nun können wir nachvollziehen, dass man ganz leicht in eine Art Ferienstrudel geraten kann. Ehe man sich versieht, ist man völlig degeneriert und findet Gefallen an dieser Art der Zeitverschwendung in einer All-In Blase.

Malediven Insel Himmel

Auch wenn das für ein paar Tage mal ganz nett ist, Begegnungen in der Tierwelt sind mir wichtiger als eine Sonnenliege am Strand und Etwas über das Leben der Einheimischen zu erfahren ist mir wichtiger als ein „All you can eat Buffet“.

Massentourismus kompatibel sind wir, insbesondere ich, nicht. Ich werde schon agro, wenn ich diese Massen sehe. Auch ein Resort, wie das Sun-Island hat so seine Probleme mit uns. Sie können Individualtouristen nicht handhaben. Das Personal ist es nur gewohnt, Pauschaltouristen, die auch die Flüge bei ihnen gebucht haben, abzuwickeln.

So standen wir auch bei der Abreise wieder auf keiner Liste und hätten wir nicht mehrfach nachdringlich auf uns aufmerksam gemacht, hätte man uns auch bei der Abreise wieder vergessen.

Ein von Einheimischen geführtes kleines Gästehaus ist OK aber Resorts wie das Sun Island & Co. (Villa Shipping and Trading Company) lehnen wir aus vielen Gründen ab. Besonders wenn es so überteuerte Money-Maschinen sind wie die Resorts auf den Malediven, wo dem Preis nur selten ein adäquater Gegenwert gegenübersteht. Die Malediven, die es nur durch die Corona Beschränkungen auf unsere Reiseliste geschafft haben, empfinden wir eher als langweilig, es sei denn man ist Taucher.

Sun Island – Airport Maamigili  2h
Maamigili – Male 20 min
Male Wartezeit 6 h
Male-Bahrein 5:50 h
Bahrein Wartezeit 3h
Bahrein – FRA 5:30 h
FRA Übergang 1,5h
FRA – BER 1h
BER – zu Hause 1h
Heimreisezeit 25:10 h

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