KENIA – SANSIBAR – TANSANIA

EINE REISE NACH OSTAFRIKA

Afrika ostafrica elefant ngorongoro tarangire manyara safariTIERBESTAND
Afrika ist berühmt für seine Tierwelt und nur zu leicht entsteht bei Millionen Touristen der Eindruck eines Paradieses, wenn sie durch die Nationalparks reisen. Gorillas, Schimpansen, Giraffen, Leoparden, Löwen, Elefanten und Nashörner schaffen es auf die vorderen Plätze. Allerdings sind es die Plätze auf der roten Liste der bedrohten Arten. Wilderei in Tansania, Kenia, Mosambik, Sudan, Kamerun, Südafrika oder Simbabwe setzen den Beständen immer stärker zu. Der Bestand der Waldelefanten hat in den letzen zehn Jahren um 60 Prozentabgenommen. Die illegale Jagd auf Nashörner in Südafrika hat zwischen 2007 und 2015 um mehr als 9000 (kein Schreibfehler) Prozent zugenommen. Etwa vier Tiere pro Tag werden Ofer von Wilderen. 50.000 Euro pro Kilo bringt Nashornpulver auf Märkten in Asien. In den 80er Jahren lebten noch 1,2 Millionen Elefanten in Afrika. Heute leben noch 350.000 Savannenelefanten in einigen afrikanischen Ländern. Jährlich sinkt der Bestand um acht Prozent. Nur Südafrika verzeichnet konstante Bestände. Die Zahl der Löwen sank von 200.000 im Jahr 1970 auf heute 25.000 Exemplare. Die Löwenjagd ist teilweise legal. Großwildjäger zahlen umgerechnet 30.000 Euro, um auf Safaris Löwen zu schießen. Seit dem Jahr 2000 wurden mehr als 5.000 Löwentrophäen legal exportiert. Auch der Leopard macht sich rar. Das anmutige Tier, welches unter normalen Umständen schon schwer zu sehen ist, verlor seit 2008 fast 70 Prozent des Bestandes. Die strengen europäischen Importregelungen nützen wenig, denn die Wachstumsmärkte liegen auch bei den Fellen in Asien oder gar in Afrika selbst. Es ist nicht neu, dass AIDS ein gesellschaftliches Problem in Afrika ist. Wunderheiler verbreiten den Glauben, aus dem Knochenmark der Giraffen Aids-Medizin herstellen zu können. Das auch nur ein Mensch durch diese Medizin geheilt wurde, ist bisher nicht bekannt geworden. Dafür hat es das größte Landwirbeltier der Erde 2017 ebenfalls in die Liste der bedrohten Arten geschafft. Durch Wilderei verloren die Giraffen in den letzten 30 Jahren 40 Prozent ihres Bestandes. Der Bestand wird derzeit auf etwas über 100.000 geschätzt. Schimpansen kennen wir vor allem als possierlichen Nebendarsteller in fast jedem verklärenden Afrika-Film. In Afrika selbst kennt man ihn vor allem als „Bush-Meat“ oder auch als Haustier in einem Stahlkäfig. Die Schätzungen zu den heute noch frei lebenden Schimpansen differieren stark. Der Bestand wird aktuell auf 100.000 – 150.000 Individuen geschätzt.* Damit hat sich der Bestand innerhalb der letzten 15 Jahre mehr als halbiert. Ausländische Firmen sorgen in Tansania und anderswo für eine funktionierende Infrastruktur. Im Gegenzug bekommen sie Rechte an den (Boden)schätzen des Landes. So kann es vorkommen, dass im Schutz der Nacht Hubschrauber in den Nationalparks landen, abknallen was sie brauchen, das Elfenbein verladen und wieder abheben. So ließe sich die Liste immer weiter fortführen. Von kleinen Nagern, über Amphibien, Insekten bis zu den Meeresbewohnern. Es ist aber nicht unsere Absicht jemanden die Lust oder den Spaß an einer Afrika Reise zu verderben. Im Gegenteil, desto mehr Tourismus, je mehr wird man sich in Afrika auf den Wert einer intakten Natur besinnen – hoffentlich.

KENIA – OL PEJETA
Jackson Karauke biegt mit seinem Toyota Land Cruiser in die Zufahrt zum Flughafen ein. Heute holt er wieder zwei deutsche Touristen ab. Eine gute Gelegenheit sein Vokabular zu üben und zu verbessern. Die Agentur für die er seit 15 Jahren arbeitet, rekrutiert hauptsächlich Touristen aus dem deutschsprachigen Raum und inzwischen hat er sich schon viele Redewendungen und Worte angeeignet. Als das Gepäck verladen ist, setzt die Dämmerung ein. Hell wird es aber kaum, denn heute beginnt es seit Monaten endlich zu regnen. Es ist Sonntag und die Straßen in und um Nairobi sind fast leer und so kommen sie zügig Richtung Norden voran.
Die neu errichtete Ol Pejeta Serena Lodge im postkolonialen Stil, bietet außer einem opulenten Buffet, einem Pool und diversen Tourangeboten, 40 komfortable Zelte, die sich in einer Parkanlage, halbkreisförmig um eine große Wasserstelle reihen. Ein Großaufgebot an Personal ist stets bemüht, den Gästen jeden Wunsch aus dem Gesicht zu lesen. Detailverliebt, werden am Abend während des Dinners, in einem für Afrika ungewöhnlichem Tempo alle Tageskissen auf den Betten eingesammelt, die Zimmer abermals gereinigt, aufgeräumt und unter den Decken Wärmflaschen deponiert.
Ol Pejeta Sudan Southern white rhinoDrohnen, Hubschrauber, Elektrozäune und Ranger bewachen im Ol Pejeta Sanctury, 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr, die letzten drei Nördlichen Breitmaulnashörner. Sudan (44 Jahre), Fatu (17 Jahre) und Najin (28 Jahre) sind die letzten ihrer Art und nicht mehr in der Lage ihre Spezies zu erhalten. Auf einem Rundgang durch die Anlage, kann man das blinde Spitzmaulnashorn Baraka füttern, streicheln und Selfies machen. Alles das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, wie traurig der letzte Akt für viele Arten verläuft. 88 Spitzmaulnashörner und 11 der Südlichen Breitmaulnashörnern leben im Ol Pejeta Park, der damit die höchste Population in ganz Afrika aufweist. Auch Tiere wie Schimpansen, Löwen, Gazellen und Elefanten finden in diesem privaten Schutzgebiet eine sichere Zuflucht, die sie zwar vor Wilderern, nicht jedoch vom Aussterben bewahrt.
01.10.2017: Abendsafari: Kaffernbüffel, Adler, Impala, Thompson Gazelle, Waterbock, Elefanten, Zebras, Giraffe, Hyäne, Warzenschweine, Nashorn (weit weg an der Lodge),  Kudus und Kronenkraniche.

02.10. 2017: Morgensafari: Schakale, 1 Gepard, 8 Nashörner (das erste, einzeln Southern White Rhino, die Mutter mit Jungem ist Southern Black Rhino), Elefant, Zebras, Giraffe, Hyäne, Warzenschweine, ein Gepard (zu weit weg für ein Foto) Schimpansen (im Gehege), Fischadler, Sekretär, Marabu, Elanantilope. Das Baby des Southern Black Rhino ist wie der Schatten der Mutter. Es folgt exakt jeder Bewegung die sie macht. Während sie flüchten, rennt es neben der Mutter her, statt ihr nur zu folgen. So kann die Mutter es beim Rhinozeross Galopp im Auge behalten. Bei den Northern White Rhinows allerdings folgt das Junge der Mutter in der Flucht, da diese Art sich in den Büschen versteckt. Da die Kleinen, jedoch noch nicht in der Lage sind, beim Laufen mit ihrem Gewicht einen Tunnel in das Buschwerk zu fräsen, folgen sie der Mutter.
Abendsafari: das 4.137ste Perlhuhn, Southern Black Rhino (Spitzmaulnashorn), Northern White Rhino, (im Schutzgehege) Löwen, Antilopen, Gazellen, und was man sonst noch alles so sieht.

03.10.2017: Kurz vor sechs, nachdem wir jemanden gesucht haben, der uns das Tor öffnet, starten wir zu unserer morgendlichen Safari. Vorher stakse ich noch durch den hüfttiefen, über und über mit Wasserpflanzen bewachsenen Sumpf, um ein Bild vom Sonnenaufgang über dem Mt. Kenia zu machen. Auf dem Weg dorthin treffen wir im Dämmerlicht auf den ersten Löwen, der kurz vor unserem Toyota die Straße kreuzt. Zwei Löwenmännchen sehen wir nach Sonnenaufgang über die Savanne trotten, bevor sie sich mit Aussicht auf Herden schmackhafter Antilopen, Gazellen und Warzenschweine in das gelb-braune Gras legen. Wenige hundert Meter weiter liegen dann die Weibchen mit vier Jungen auf einer Anhöhe im Gras. Das sind dann zehn Löwen im besten Licht vor dem Frühstück. Ein vor uns flüchtendes Nashorn, zwei grasende Elefanten, zwei Schakale, sowie das immer präsente Löwenfutter runden den Ausflug ab.
Ol Pejeta Sudan Southern white rhinoSo zu Beginn unserer letzten Abendsafari im Ol Pejeta Park, denke ich: „Jetzt schon wieder hier durch das Buschwerk streifen, irgendwie hab ich gar nicht so wirklich Lust drauf“. Zunächst treffen wir auch nur auf drei Giraffen, Zebras und die zwei alten Elefantenbullen, die wir am Morgen schon abgelichtet haben. Das ist nicht so der Thrill. Doch dann entdecken wir vier Rhinos, die um ein natürliches Wasserloch grasen. Sogar die Sonne kommt in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang noch einmal hinter den Wolken hervor und die urzeitlichen Giganten zeigen sich in allen erdenklichen Posen. Fast eine Stunde verweilen wir in diesem völlig surrealen Moment der Stille, den nur wir zwei teilen. Die einzigen Geräusche sind der Gesang der Vögel und das Reißen der harten Halme, das die Dickhäuter mit den wulstigen dicken Lippen abrupfen.
Während die kleine Regenzeit am Nachmittag Wolkenberge am Himmel auftürmt, beginnt die dem Horizont zustrebende Sonne am Abend ihr dramatisches Lichtspiel aus Farben und Strahlen. „Die silbrig versponnene Dornsteppe, die einem schattenlosen, gleichwohl undurchdringlichen, weil dolchbewährten Buschwald glich, wurde abgelöst von lichten weiten Ebenen, in denen einzelne Büsche, Bäume oder Baumgruppen aus dem dürren, goldgelb lodernden Steppengras ragten, und mit Entzücken erging sich das eben noch gefesselte Auge in der ungemessenen Weite solcher Parklandschaften, an deren fernstem Ende ein Rudel kobaltblauer Berge in einem wahren Geisterlicht über die Kimme äugte.“**

04.10.2017: Für uns ein letzter Sonnenaufgang über dem Mount Kenia, ein letztes Frühstück an dem reichhaltigen Buffet, ein letztes Fotoarrangement mit dem Nashorn Sudan, dessen Bilder die Dramatik der Situation für viele Arten in Afrika symbolisieren sollen. Vorbei an Zebras, Kuhantilopen und Ankole Cows verlassen wir den Ol Pejeta Park.
Dann sind wir auf der neu gebauten, asphaltierten Straße nach Nairobi unterwegs. Überall rechts und links der Straße werden neue mehrstöckige Häuser errichtet. Doch für Zufahrten, Seitenstraßen, Wege, den Bauschutt, den Müll oder irgendetwas Grünes fühlt sich niemand verantwortlich. So fügen sich auch die neuen Viertel übergangslos in das postapokalyptische Erscheinungsbild aller afrikanischen Städte und Siedlungen. Von Nairobi fliegen wir mit Kenya Airways, mit einer Embraer 190, nach Dar es Salam. Die Übergangszeit ist ausreichend, um die chaotischen Einreiseformalitäten zu erledigen. Einer unserer Koffer ist orange. Dieser Tatsache ist es zu verdanken, dass wir unsere Koffer im Vorbeigehen am Gepäckband entdecken. Diese sollten ja nach Sansibar durchgecheckt sein. Wurden sie aber nicht! Nach dem wir eine weitere Durchleuchtung absolviert haben, checken wir für den Flug ein, für den wir bereits Bordkarten in der Hand halten. Oben, vor den Gates werden wir erneut durchleuchtet. Irgendwann sitzen wir dann in der Precision Air Maschine und warten auf den Abflug. Und warten und warten, während Techniker im Cockpit verschwinden. Als sie nach einer halben Stunde wieder rauskommen heißt es. „There are technical problems…bla bla bla. You see the airplane right next to us…bla bla bla.“ Precision Air steht außerhalb Afrikas auf der „roten Liste“ der unsicheren Airlines. So wechseln zumindest wir lieber das Flugzeug, als irgendwo ins Meer zu plumpsen. Aber als wir das Flugzeug verlassen, trotten alle wieder zurück ins Flughafengebäude. Wir wundern uns, trotten aber hinterher. Nun sitzen alle Passagiere der Maschine im Terminal ratlos rum, wir bekommen Blanko-Tickets und auf Nachfrage heißt es, wir würden mit der 8:40 PM Maschine aus Nairobi nach Sansibar fliegen. Daraus wird natürlich nichts. Nachdem sich einige der 20 Gestrandeten beschweren, heißt es wir würden vielleicht mit der 9:40 PM Maschine fliegen, woran wir aber nicht glauben. Warum sollten ausgerechnet auf der letzten Maschine noch 20 Plätze frei sein? Und richtig! Niemand von uns fliegt heute noch irgendwo hin. Wir bekommen Hotelgutscheine und fahren gegen 10 PM zum FQ Hotel, wo es auf Kosten von Precision Air noch ein Abendessen, Softdrinks und knapp fünf Stunden Schlaf gibt. Der Weiterflug am nächsten Tag mit Precision Air ist mehr als unsicher, und so beschließen wir und einige andere am nächsten Morgen die Fähre nach Sansibar zu nehmen.

SANSIBAR
05.10.2017: Zwei selbst organisierte Sammeltaxis holen uns um 5 AM am Morgen vom Hotel ab und bringen uns zum Hafen, wo wir sogar noch Tickets für die sonst völlig ausgebuchte Fähre bekommen. Die Fahrt mit der Fähre ist für alle die nach Sansibar wollen in jedem Fall der zuverlässigere Transport. Allerdings fährt die erste Fähre um 7 AM und die letzte um 4 PM aus beiden Richtungen. Um 9 AM legt der Katamaran in Sansibar Town an und nach fünf Minuten Fußweg sind wir im Hotel und bekommen noch ein Frühstück auf der Terrasse und schauen dabei auf das Meer und die sanften Wellen, „die unter einer harten Sonne aus dem Blauen heran, und den Sand hinauf rollten, welcher sich gutmütig immer ein bisschen höher schieben ließ, dann aber ebenso gelassen mit der Gicht wieder umkehrte.“**
Women_walking in Stone Town SansibarEin erster Rundgang durch Stone Town offenbart, dass auch ein „Stadtplan“ nicht hilft. Man muss sich einfach durch die engen, nach Gewürzen duftenden Gassen treiben lassen. Hat man ein Ziel, fragt man sich am besten von Straßenecke zu Straßenecke durch. Verweilt man an einer Stelle länger als fünf Sekunden, kommen sofort aus allen Richtungen hilfsbereite Insulaner, fragen ob sie helfen können, bieten Touren oder Stadtrundgänge an oder bitten in eines der vielen Geschäfte.

Es ist ein unscheinbares Gebäude wie viele in der Altstadt von Stone Town. Verwittertes Weiß, Balkone und Klimaanlagen an den Außenwänden und Kabel die sich in alle Richtungen zu den umliegenden Gebäuden spannen. Hier finden sich viele geführte Touristengruppen ein, um das Gebäude hundertfach zu fotografieren. Es wird als das Geburtshaus von Farrokh Bulsara, der als Freddie Mercury, Sänger der Band Queen, zu Weltruhm gelangte, vermarktet. Es ist nicht überliefert in welchem Haus in Stone Town Farrokh Bulsara geboren und aufgewachsen ist. So gibt es viele Häuser in Stone Town, die mit dem selbst verliehenen  Prädikat „Das Geburtshaus von Farrokh Bulsara“ zu sein, Geschäfte machen.
HIV und Homosexualität sind auf Sansibar und in Tansania absolute Tabuthemen. Die Regierung führt „Schwulenlisten“ und droht Homosexuellen mit bis zu 25 Jahren Haft. So ist Sansibars berühmtester Sohn in der muslimischen Bevölkerung auch mehr als umstritten. Farrokh Bulsara, der verlorene Sohn Sansibars, ist nie nach Sansibar zurückgekehrt – vielleicht aus diesem Grund.

CHILLAXEN
06.10.2017: Sansibar – die beiden weich gesprochenen „S“ klingen wie die sanft auf weißem Sand auflaufende Wellen und wie die warme Briese unter einem Palmen gesäumten Strand. Diese Exotik ist für uns die nächsten zwei Tage Programm. Zunächst fahren wir nach Changuu Island, das auch als Prison Island bekannt ist. Auf der Insel leben etwa 200 Giant Aldabran Schildkröten. Die beiden ältesten sind 156 und 192 Jahre alt. Die gutmütigen Tiere können gefüttert und gestreichelt werden und scheinbar mögen sie die Streicheleinheiten sogar. Auf dem weiteren Rundgang über das Eiland müssen wir uns Erläuterungen zu den Bedingungen im vor langer Zeit aufgegebenen Gefängnis über uns ergehen lassen. Dann geht es endlich los zum Baden und Schnorcheln. Nach unserer Rückkehr in Stone Town wird das Mittagessen durch einen Eiskaffee und ein Stück Browniekuchen im Mizingani Seafront Hotel ersetzt.
Im Gassenlabyrinth von Stone Town entdeckt man Märkte, auf denen man der Zubereitung der lokalen Köstlichkeiten beiwohnen kann. Ob man das wirklich sehen möchte soll jeder selbst entscheiden. Der Forodhani-Park verwandelt sich zum Sonnenuntergang in ein Freiluftrestaurant. Hier geben sich Einheimische und Touristen der Verlockungen der arabischen und afrikanischen Küche hin. Wem das nach den Beobachtungen der Zubereitung auf der vorher beschriebenen Märkten zu gewagt erscheint, der findet in der nahen Umgebung viele Alternativen.

red colobus monkey tansania sansibar07.10.2017: Inselrundfahrt: Da wir unseren Führerschein vergessen haben, mieteten wir uns ein Auto mit Fahrer und starten am frühen Morgen unsere Rundfahrt über die Insel. Eine halbe Autostunde südlich von Stone Town befindet sich der Jozani Forest, der letzte intakte Wald auf der Insel. Hier leben die seltenen Red Colobus Affen, sowie die Blue Monkeys. Ab dem späteren Morgen fluten Massen an Touristen dieses Naturrefugium. Wer dort ungestört wandern und beobachten möchte sollte eher einen Besuch am frühen Morgen planen.
Fünfzehn Prozent Regenwahrscheinlichkeit! Von wegen! Es regnet nun immer wieder wie aus Eimern, was unseren Plan, die Strände der Insel zu erkunden fast in Gänze zu Nichte macht. Auf einem Felsen in der Bucht von Kijiweni Beach an der Ostküste, liegt „The Rock“. Sansibars überbewertetes Restaurant. Bei Ebbe läuft man über einen Steg aus Zementsäcken zum Restaurant, bei Flut schwimmt man einfach rüber oder fährt mit einem Boot. Das auf dem Korallenfelsen Fischgerichte zubereitet werden, ist weder eine Überraschung noch ein Alleinstellungsmerkmal. Zudem öffnet das Restaurant erst um 12 Uhr. Wir finden hier nur das Personal auf den Chillout-Möbeln schlafend und bekommen um 11 Uhr nicht mal eine kalte Cola!

Die weitaus bessere Option an diesem Ort ist das Restaurant Upendo direkt gegenüber. Hier am weißen Sandstrand findet man chillige Sitzmöbel, coole Musik und alles was man sonst auf einer Matratze im Schatten liegend benötigen könnte. Auch alkoholische Getränke sind hier auf der touristisch geprägten Ostseite der Insel kein Problem, zu welcher Tageszeit auch immer.
Matemwe, Kendwa, Pongwe und Jambiani sind die Topstrände auf Sansibars Hauptinsel Unguia . Da die Strände sehr flach ins Meer abfallen, muss man bei Ebbe fast einen Kilometer bis zum Wasser  zurücklegen. Auf dem Weg dorthin lauern an einigen Stränden tausende Seeigel darauf, einem die nächsten Tage zu versauen. Für die Korallen, Seesterne und anderen Meeresbewohner die bei Ebbe in den flachen Wassern verblieben sind, ist es sicher auch besser wenn man hier nicht durchlatscht.

Ein kleiner Ort, dann ein paar kleine Felder, Gestrüpp und Bäume. Dann wieder ein kleiner Ort, mit den gleichen, einfachen Hütten deren Häupter mit verrosteten Blechen bedeckt sind. So wiederholt es sich bei der Fahrt über die Insel. Kein Ortsschild, obwohl doch die Ortsnamen das einzige Unterscheidungsmerkmal wären.
Nungwi, an der Nordspitze der Insel hat dem interessierten Besucher viel zu bieten. Das sind zunächst die Dau-Bootsbauer. Hier entstehen in Handarbeit die traditionellen Fischerboote und es ist interessant, den Handwerkern eine Weile bei ihrer Arbeit zuzuschauen. Keine hundert Meter entfernt befindet sich das Mnarani Aquarium. Traditionell werden auf Sansibar Meeresschildkröten wegen ihres Fleisches gejagt. Seit 1993 gibt es in Nungwi das Schildkröten-Projekt. Fischer die eine Schildkröte im Netz haben, bekommen ein Entgelt, wenn diese im Aquarium abgegeben werden. Hier werden Karettschildkröten und die Grüne Meeresschildkröte nachgezüchtet und jedes Jahr im Februar entlässt man den Nachwuchs in die Freiheit des Meeres. Hoffentlich macht dieses Projekt Schule, denn in anderen Küstenorten Sansibars werden die seltenen Tiere immer noch bejagt.
Da Nungwi eines der touristischen Hauptziele der Insel ist, gibt es auch eine große Zahl an Hotels und Lodges. Meist trennt nur eine drei Meter hohe und zwanzig Zentimeter breite Mauer die Welt des Überflusses von der Lebenswirklichkeit der Inselbewohner. Hütten, staubige Wege, zentrale Wasserstellen, Müllberge und die Sorge morgen die Familie satt zu bekommen, prägen jenseits der Mauern den Alltag. Das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt 400 Dollar, in abgelegenen Gebieten bringen es manche nur auf 100 Dollar pro Jahr! Unser Leben ist so schön und glücklich, allein durch die Tatsache, nicht auf dem afrikanischen Kontinent geboren zu sein.
Von hier aus fahren wir wieder zurück nach Stone Town und genießen den Abend in der Komfortzone.

Tansania-Sansibar-Stone Town- fish market08.10.2017: Stone Town- Fischmarkt: Wenn der Muezzin am Morgen gerufen hat, erwacht der Fischerhafen  in Stone Town zum Leben. Viele der traditionellen Dau-Boote und Speerfischer finden sich hier am frühen Morgen ein, um den Fang der Nacht zu verkaufen. Laute Rufe schallen durch dichtes Gedränge auf dem kleinen Areal hinter dem Containerterminal. Eimer mit winzigen silbrigen Fischchen und hier und dort mal ein paar handtellergroße Rifffische. Im Gedränge versuchen Katzen etwas abzubekommen und gleichzeitig nicht zertreten zu werden. Hier ist Stone Town am ursprünglichsten. Touristen wagen sich nur selten hierher, doch wer sich für das Leben der Menschen auf der Insel wirklich interessiert, darf einen Besuch hier nicht verpassen.

Noch einen Eiskaffee, noch einen Brownie, dann nehmen wir Abschied von Meer und Strand und stauen uns durch die Stadt zum Flughafen. Unsere Maschine ist eine einmotorige Cessna 208 Caravan für 13 Passagiere. „Welcome on board, my name is Sarah, we flight to Arusha, if you like some drinks, there is water in the cool box, please help yourself“, sagt die junge blonde Südafrikanerin. Frauen fahren nicht nur besser Auto, sie fliegen auch besser! So schweben wir vorbei am Kilimandscharo  und am Mount Meru in den Sonnenuntergang und kommen trotz verspäteten Start und Zwischenlandung in Dar es Salam, pünktlich in Arusha an. Dort übernachten wir im Green Mountain Hotel.

09.10.2017: Breit, glatt und frisch geteert sind die Straßen auf denen die Touristen zu den Nationalparks, die von Arusha aus angefahren werden, benutzen. Die Sukoma und die Massai sind die beiden größten der 135 Stämme in Tansania. Doch nur die Massais haben es zu überkontinentaler Bekanntheit gebracht und sind touristische Ikonen geworden. Rechts und links, nah der Straße haben die Maasai ihre Krals  hinter dornenbewährten mannshohen Hecken errichtet. „Dort wo das Gestrüpp eine Lücke ließ, stand eine unwahrscheinlich dünne und lange Gestalt im schmutzigen Überwurf, die uns nach einigen unverständlichen Worten ohne weitere Umstände ins Innere des Krals geleitete. Das schaffte mir doch rechte Enttäuschung! Da war man nun bei Wilden zu Gaste, und wenn ich auch nicht erwartet hatte dass ich mir den Arm ritzen und das Blut meiner schwarzen Gastfreunde trinken musste bevor ich eintreten durfte, so hatte ich doch noch viel weniger vorausgesehen , das  man uns derart sachlich kommen würde. Kaum je ist mir so klar geworden, wie tief unmenschlich und beleidigend alles nur-sachlich erledigen ist. Mein Argwohn, dass dieser straßennahe Kral von den verderblichen Wirkungen des Fremdenverkehrs nicht verschont geblieben, wurde bestätigt durch die Getriebenheit, mit der sich die um uns versammelten Kralsritter sich und ihre Damen dem Aufgenommen werden entzogen. Sie waren dabei nicht um ihre Seel besorgt wie die armen Neger, sondern tatsächlich hatte ihr Anführer, an Willkomms statt, nur das Trinkgeld beredet, das sie für Anschauen und Aufnehmenlassen forderten; M. (der lokale Begleiter) hatte es aber als unverschämt, rundweg abgelehnt. Für jede einzelne Aufnahme wünschten sie einen ganzen Schilling einzustecken; es war ausgemachter Hohn, der zeigte was sie von den Fremdlingen hielten.“**

Tansania-dry-lake-manyara-animals-wildbeestDas Haupttor des Lake Manyara Nationalpark erinnert an das beeindruckende Tor des Jurassic Park. Rechts und links plätschern künstliche Wasserfälle eine nachempfundene Felswand hinunter. Lake Manyara – „The home of tree climbing lions“ verkündet ein großes Schild. Das ist der Grund warum sich hier täglich am Morgen viele Offroadfahrzeuge voller Besucher einfinden und nach Entrichtung der Parkgebühr, von 126 Dollar mit erwartungsvollen Minen über die sandigen Pisten durch den Park streifen. Rechts und links der Sandpisten verschwinden überall Tierpfade in den Wald und das Unterholz. Doch selbst Elefanten die auf diesen Wegen die Straße kreuzen werden  nach wenigen Metern vom Wald verschluckt. Die dichten Wälder des Lake Manyara Parks bieten den Tieren gute Rückzugsmöglichkeiten und erschweren Tiersichtungen erheblich.  So fahren die meisten Besucher wieder ab, ohne überhaupt auch nur einen Löwen zu Gesicht bekommen zu haben. Auch wir hatten an dem Tag, an den wir langsam die Wege abfuhren und dabei mit sechs Augen das Gelände absuchten kein Glück. Alles was wir aufspüren konnten waren ein Martial Adler, Pawiane in Massen, Blue Monkeys, Elefanten, einzelne Giraffen, Zebras, Gnus, Impalas, Antilopen, Giant Stork, einen in der Ferne unter einem Baum schlafenden Löwen, der auf den Bildern eher als unscheinbarer Felsbrocken gewirkt hätte, wenige Flamingos und andere Vögel, Hyrax (Nagetier) und Wasserböcke.

Isotok bedeutet in der Sprache der Massai: Land mit vielen Steinen und wären Steine ein Zahlungsmittel, so gehörten die Massai in diesem Gebiet zu den reichsten Menschen in unserer Welt. Die „African Root Fondation“ betreibt abseits der Hauptstraße die Isotok Lodge. Die weitläufige Anlage ist ähnlich einem Kral gestaltet, nutzt Regenwasser und Solarenergie. Obwohl die Annehmlichkeiten hier spartanischer als in anderen Lodges sind, sollte diese Lodge wegen ihres Engagements die erste Wahl sein. Hier, in mitten der Dornensteppe, wo am Abend die Gesänge und Rufe der Massai durch die Dunkelheit hallen, während man sich am Lagerfeuer Geschichten erzählt, ist man Afrika und seinen Menschen näher als anderswo.
Da der Lake Manyara Nationalpark von uns eher in die Liste der Enttäuschungen eingestuft ist und die Chance auf Sichtungen von Löwen und Leoparden nahe Null geht, ändern wir unseren Plan und fahren zum Tarangire Nationalpark. Hier auf dem Parkplatz fragen wir eine große Reisegruppe, die gerade den Park verlässt, ob sie irgendetwas gesehen haben. Sie haben! Etwa zwei Kilometer entfernt liegt ein Leopard auf einem Baum, den wir dann auch direkt ansteuern. Dort warten wir ein paar Stunden bis er vom Baum herunter kommt. Inzwischen haben sich nicht weniger als 15 Fahrzeuge eingefunden. Vorbei an Straußen, Zebras, Gnus, Warzenschweinen, Elandantilopen, Giraffen, Elefanten, Löwen, Wasserbüffeln und Impalas fahren wir zur Picknick Side und beschließen am Nachmittag noch einmal wiederzukommen. Da es unser Guide nicht tut, fragen wir an der Picknick Side Touristen, ob sie Löwen gesehen haben. Sie haben! Gleich unterhalb der Picknick Side, nahe dem Tarangire River liegt eine Gruppe Löwen. Sie liegen jedoch weit verstreut im hohen Gras und so widmen wir unsere Zeit den Elefanten und Zebras am Fluß. Auf dem Weg aus dem Park treffen wir noch einmal auf den Leoparden, bei dem wir am Morgen schon zwei Stunden warteten. Doch auch jetzt am Nachmittag sehen wir ihn zwar recht gut, doch für ein gutes Foto sind die Bedingungen ungünstig. Die Sonne senkt sich über dem Tarangire Nationalpark und wir fahren vorbei an den mächtigen Affenbrotbäumen, die hier mehr als anderswo zu finden sind. „Sie sind mit keinem anderen Baum je zu vergleichen dank dem unförmig dicken Stamm, aus dem die Äste wie dünne Kinderärmchen hinausgreifen, um am Ende ein flehendes Blatthändchen in die Sonne zu halten. Kein Baum sieht dem auch das ganze Jahr über so kahl aus wie dieser vielarmige, und von den schweren Früchten möchte man meinen, sie wären aufgehängt. Häufig sind auch das, was so aussieht, keine Früchte sondern Holztrommeln, welche tatsächlich die Schwarzen hinaufhängen, damit die wilden Bienen sie brauchen sollen. Und die guten tun es, trotz der sehr alten Erfahrung, dass sie eines Tages ausgeräuchert und ihres Honigs verlustig gehen.“**

cars-lion-safari-africa-tansania11.10.2017 Ngorongoro
Das Desaster beginnt als wir mit dem Frühstück fertig sind. Es war vereinbart um 6:30 AM loszufahren. Die Planung basierte auf der Aussage von Sole, unserem Fahrer, der bei der Planung für den Tag sagte, dass man für die Fahrt bis zum Haupttor 45 Minuten und bis zum Kraterboden auch noch einmal höchstens 45 Minuten benötigt. Das hätte bedeutet, dass wir um 8 AM im Krater sind, was mir persönlich schon zu spät ist, aber ich bin ja kompromissbereit. Doch zunächst fällt unserem Fahrer noch ein, dass er die drei fehlenden Pfandflaschen suchen muss. Das ist bei einem Reisepreis im vierstelligen Bereich auch nicht mal so zu vernachlässigen und der Verlust von dem Pfand für drei Flaschen, hat sicher schon so manche Agentur an den Rand der Insolvenz gebracht. Trotzdem noch immer zwei Flaschen fehlen, fahren wir um 6:50 AM los und benötigen 1 Stunde 5 Minuten bis zum Haupttor des Ngorongoro Conservation Areas. Hier herrscht in der Nebensaison schon Parkplatznot! Hier verbringen wir 15 Minuten mit Formaltäten und da die Agentur irgendetwas zu registrieren vergaß, müssen wir dann zur Verwaltung um uns dort anzumelden. Dann fahren wir weiter, passieren einen weiteren Checkpoint und erreichen um 10 AM den Kraterboden. Die Kamera kann man um diese Zeit getrost wieder einpacken. Die fünf Löwen auf die wir treffen, haben sich in einer Höhle aus dornenbewährten Buschwerk zurückgezogen und auch die meisten anderen Tiere dösen nun in ihrem Mittagstraum. In Kolonne streifen wir auf den Pisten durch den Park. Staubschleppen ziehen die Fahrzeuge hinter sich her, die uns überholen. Einige der Insassen haben Listen dabei, auf denen sie die Tiere abhaken, die sie gesehen oder fotografiert haben. Kilometer machen, statt sich auf die Magie dieses einzigartigen Ortes einzulassen. Wichtig ist nur einmal hier gewesen zu sein. Ein Gepard im Gras, selbst mit dem Fernglas kaum auszumachen. Egal, Haken ran und weiter geht die Fahrt. Noch einmal treffen wir auf zwei Löwen nahe der Straße. Vor den blauen Kraterwänden gruppieren sich in einer uns fremden Ordnung Gnus, Büffel, Zebras, Antilopen und Warzenschweine. Ein Schakale und ein Löwe sind noch auf der Suche nach einem Versteck vor der sengenden Mittagssonne. Wie viele Picknick Sides mag es Ostafrika wohl geben, die im Namen Hippo haben? Am Hippo Pool im Ngorongoro gibt es zumindest eine nennenswerte Anzahl, denen man beim Blubbern, Pupen, Grunzen und Schwimmen zuschauen kann, während man seine Lunchbox vor Vogelangriffen schützt. Hier herrscht Volksfeststimmung! „Wie ist das wohl erst in der Saison, wenn hier einhundert Fahrzeuge im Krater unterwegs sind?“, geht es mir durch den Kopf. Als ein Gewittersturm aufzieht, machen wir uns wieder auf den Weg, um noch irgendetwas Spektakuläres auf die Speicherkarte zu bannen. Zunächst fahren wir im strömenden Regen durch abgebranntes Steppengras und von Tieren ist weit und breit nichts zu sehen. Die Szenerie wirkt wie ein grauer Novembertag in den Agrarflächen Brandenburgs. Als ich mir schon sicher bin, das Desaster wird sich so fortsetzen, wie der Tag begann, sichten wir eine große Fahrzeugansammlung. Wir treffen auf eine Gruppe von neun Löwen, davon vier Junge. Ein frischer Riss liegt im Gras und die Jungen üben spielend das Jagen und Zerlegen der Beute. Leider regnet es noch immer. Daher warten wir hier zweieinhalb Stunden in denen sich die Situation immer wieder ändert. Einzelne Löwen die Straßenseite wechseln und am Ende sogar die Sonne wieder hinter den Wolken vorkommt. Auf dem Weg zur Lodge sehen wir dann noch einen Löwen. Lonley Planet schreibt: „Mit ein wenig Glück kann man auch Löwen sehen“. Wir denken dabei im falschen Nationalpark zu sein, denn zumindest an den Tagen an denen wir im Park waren, war es unmöglich keine Löwen zu sehen, denn die lagen zum Teil mitten auf dem Weg und schliefen, trotz der zwanzig Autos die nur wenige Zentimeter dicht an den Tieren vorbeifuhren. Der Toyota Landcruiser schraubt sich nun wieder auf einer schmalen Straße die Kraterwand hinauf. Desto weiter hinauffuhren „desto freier erging er sich der Blick rechter Hand in sanft abfallenden ungeheuren Grasländern, auf deren Boden, wie Spielzeug verstreut, kleine vulkanische Kegelberge lagerten, blau-rötlich schimmernd. Fernhin hob sich die weite Mulde wieder hinan, und Reihen von Gebirgen, verschattet oder von Strahlenbändern überblendet, türmten sich feierlich übereinander wie in Erwartung der Sonne, die ihnen schon merklich zustrebte.**

Tansania Ngorongoro crater-Lion -grassplant12.10.2017: Nachdem ich mit unserem Fahrer am gestrigen Tag mehrfach aneinandergeraten war und ihn deutlich habe spüren lassen, das ich mit dem was er leistet mehr als unzufrieden bin, legt er sich heute scheinbar etwas ins Zeug, denn wir starten schon um 6 AM von der Lodge in Richtung Kraterboden. Keine Sekunde zu früh, um am „kleinen Check-In“ gerade noch den Sonnenaufgang zu erwischen. Bis auf zwei Pausen an der Hippo Pool Picknick Side, streifen wir den ganzen Tag über alle Wege durch den Krater. Löwenplage ist heute das geflügelte Wort. Wir zählen sie nicht mehr und fotografieren sie nur noch, wenn sie sich im besten Licht und guten Posen zeigen. Um die Aufzählung nicht unendlich zu wiederholen, seien nur die Tüpfelhyänen mit Jungen, die Schakale, die Hippos und die Elefanten erwähnt. Von letzteren soll es laut „Lonley Planet“ im Krater bis zu 300 geben, unser Fahrer sagte es seien maximal 58! Wir sahen aber nur einzelne Elefanten und davon auch an beiden Tagen nicht mehr als fünf. So müssten sich im Lerei-Forrest 53 Elefanten und 22 Nashörner verstecken. Der Lerei-Wald ist der größte von drei kleinen Wäldern am unteren Rand des Kraters. Alle drei Wälder haben wir mehrfach durchfahren und keiner Vertreter der beiden Spezies gesehen. Die starken Abweichungen zwischen den Angaben im Reiseführer, den Aussagen des Guides und unseren Sichtungen legen nahe, das auch letztere Zahlen schon nicht mehr der Realität entsprechen. Die Reiseagenturen haben ein ökonomisches Interesse daran, den Mytos vom einzigartigen Artenreichtum in Ngorongoro Krater aufrecht zu erhalten. Nachdem wir den ganzen Nachmittag auf der Suche nach Nashörnern durch die letzten Winkel des Kraters streiften, sehen wir am Rand des Lerei Waldes drei der seltenen Spitzmaulnashörner. Es gibt sie also doch noch. In welcher Zahl bleibt unklar. Ein letztes Mal am Lagerfeuer in der Rhino Lodge, mit dem Gebrüll der Löwen das aus dem Wald hinauf schallt. Ein letztes Dinner am spärlichen Buffet und dann packen wir unsere Koffer, legen uns auf die Bettgestelle und schalten in den Abreisemodus.

13.10.2017, Rückreise: „Noch einmal breitet sich die Massaisteppe in wunderbaren Tönungen zu unseren Füßen: lachsrot und blauschattig stiegen die Kegel kleiner Vulkane aus dem flammend goldenen, hie und dort rauchschwelenden Grasland; im Südosten blinkte im Schatten eines Gebirges der Spiegel eines Sees, den ich bislang noch nie bemerkt hatte. Ein unsäglicher Anblick in der Stunde des Abschieds: das sanfte rauchende Land in seiner schön gegliederten, unverletzten Weite glich einem Altar, auf dem das Opfer der Ehrfurcht und Freude, auch des Danks für die Gnade des Lebens, verklärt in alle Himmel stieg.
cars-lion-safari-africa-tansaniaDas Land durch das wir jetzt kamen schien auffallend leer. Wohl hingen in die Baobabs die walzenförmigen Körbe, welche die Eingeborenen für die wilden Bienen aufhängen, damit sie sie mit Honig füllen. Doch von jenen war so wenig zu sehen, als wären sie nicht größer als die betörten Bienen selbst. Auch Wild ließ sich nirgends spüren, weder Giraffen noch Zebras noch Strauße, nicht einmal Gazellen, und solch ein Anblick war uns doch kürzlich noch ganz vertraut gewesen. Mag sein, dass die Wildherden sich auf jene großen Wanderungen begeben hatten, die zu gewissen Jahreszeiten entsprechend der zunehmenden Austrocknung der Wasserstellen, ganze Landstriche von ihnen entblößen. Noch wahrscheinlicher freilich: dass auch diese endlosen Ebenen, die kein Jagdverbot rechtzeitig in Schutz genommen, leergeschossen waren. Da kam es einem so recht zum Bewusstsein, wie der Mensch, in dem er eine natürliche Ordnung zerstörte, die weiten Gras-und Dornbuschländer auch für sich selber unnütz gemacht hatte. Denn zu bebauen waren sie ja nicht. Sie waren aber geschaffen, riesige Tierherden zu ernähren, die keiner anderen Hüter bedurften als der Löwen und Leoparden, Geier und Hyänen, die dafür sorgten, dass das Kranke und Schwache nicht überhandnahm. Solange der Mensch sich in diesen Zusammenhang einordnete, konnte er – als Jäger – die gewaltigen Herden nützen, als wären sie die seinen. Er konnte Fleisch machen Fleisches übergenug! Nun aber, durch die sinnlose Niederknallerei, die der Weiße auf dem Gewissen hat, sind die bogenbewehrten Steppenbewohner ärmer denn arm geworden. Und auch das Land selbst, seines lebendigsten Schmucks beraubt, ist davon trauriger nun.“**
Wir besteigen das Flugzeug und „mit einem mal schlossen sich enge Wände nach Wochen ungemessener Weite beklemmend um Leib und Seele. Alles schien in diesem Augenblick zu Ende!“**
Quellen:
*   http://www.mz-web.de/6772912 ©2017
** Hans Braun, Eine Reise nach Ostafrika, 1938, S. Fischer Verlag

 

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