LONDON BOOMT!

Um 7:00 Uhr auf nach Schönefeld und dann mit Easy Jet nach London. Wir geben unser Gepäck auf und müssen pro Stück 36 Euro bezahlen. Die Schlange am Security Check ist gefühlte zweihundert Meter lang. „Thats a airplane not a truck“ sagt der Flugbegleiter zu einem der Passagiere von der Rollkoffer-Community, die sich das Geld für das Einchecken des Gepäcks gespart haben und sich nun laut echauffieren, das ihr Gepäck nicht mehr in die Handgepäckfächer  passt. Mehrere Fluggäste müssen nun doch ihre Koffer oder Rücksäcke abgeben, die dann im Laderaum verstaut werden. Zahlen müssen sie nicht. Ignoranz und Dreistigkeit kommt eben doch meist weiter. Trotz der kleinen Widrigkeiten starten wir pünktlich in den Mädelsurlaub unbd evor wir das Motel One unweit der Tower Bridge erreichen, sind wir bereits ein Vermögen los.
Für den Gatwick Express bis zur Victoria Station und zurück löhnen wir 61,50 Euro. Die „3 days oyster card“ kostet 28,28 Euro. In der Nähe unseres Hotels starten wir unser Londonabenteuer mit einem Latte Macchiato bei Starbucks. Für die „hopp on hopp off“ Bus Tour zahlen wir 34,00 Euro. Auf dem Oberdeck lassen wir uns auf Kühlschrankniveau runter temperieren. Mit Daunenjacke und Schal trotzen wir dem Fahrtwind. Die Tour, auf der alle „hot spots“ der Inselhauptstadt bequem an einem vorbeiziehen, ist eine gute erste Orientierung. Nach zweieinhalb Stunden sind wir gesättigt mit Eindrücken und Erklärungen. Als wir aus dem Bus off hoppen ist unsere Körpertemperatur gefühlt einstellig. Es ist gerade Teatime und so leiten wir auf der Regent Street lebensrettenden Maßnahmen ein und trinken bei Starbucks Tee. Der Abend klingt bei Burger und Pin im Mary James Pub in der Minories Street aus. Um halb elf knipsen wir das Licht aus.

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Um 7:00 Uhr sitzen wir bereits wieder am Frühstückstisch. Vorbei die Zeit als sich Besucher des Inselreichs mit gebratenem Frühstücksspeck, kleinen, ebenfalls gebratenen Würstchen, Porridge gegrillten Tomaten und der würzig-sauren Brown Sauce anfreunden mussten. Internationale Hotelketten sorgen heute für globalisiertes Einheitsfrühstück, was mir ehrlich gestanden entgegen kommt. Erstes Ziel des Tages ist der Leaden Hall Market. Die 1881 erbaute Markthalle in der Gracechurch Street liegt versteckt im Finanzdistrikt. In der Hoffnung einen Goldbarren anfassen zu dürfen, laufen wir zu Bank of England. Doch wir sind zu früh. Die Bank ist noch geschlossen. Wir träumen weiter von Gold, während wir mit der Tube zum House of Parliament fahren. Als wir am Big Ben ankommen zeigt sich endlich die Sonne. West Minster Abbey ist derzeit leider eingerüstet und die Menschenschlange vor dem Eingang 300 Meter lang. Wir verzichten daher auf eine Besichtigung des Innern und laufen zum Trafalgar Square. Im Café Nero an dem berühmten Platz, genießen wir einen Lemon Poppy Muffin und trinken einen Latte Macchiato.

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Wenig aristokratisch durchschreiten wir den Admiralty Arch und laufen auf der Mall, der rot asphaltierten Straße, welche zum Buckingham Palace führt. Unterwegs begegnen wir der „Horse Guard“, der berittenen Palastwache, die zur Wachablösung in der Horse Guards Parade die  Whitehall hinunterreitet. Täglich um 11:00 Uhr an jeden Tag findet diese Parade statt. Wir gehen jedoch weiter Richtung Buckingham Palace, wo um 11:30 Uhr die Wachablösung stattfindet.  Um 11:05 Uhr treffen wir vor dem Tor ein. Doch wir sind natürlich nicht die einzigen. Schätzungsweise fünftausend Schaulustige wollen den, zur Touristenattraktion avancierten Dienstwechsel der Palastwache sehen, fotografieren und filmen. Mit den sprichwörtlichen Pauken und Trompeten wird den Zuschauern dann auch das royale Schauspiel geboten, dass sie erwartet haben. Wo kann man heute noch so lebendige Geschichte erleben?
Sich an den Linksverkehr zu gewöhnen, fällt uns ganz schön schwer. Selbst die Tube und die Schiffe auf der Themse fahren auf der „falschen“ Seite. An einer der zahlreichen Ampeln schauen wir wieder mal in die falsche Richtung und werden fast „stilecht“ von einem der roten Busse auf dem Asphalt ausgewalzt. Für „damn stupid tourists“ ist an den Übergängen in der City auf der Straße in riesigen Buchstaben aufgeschrieben, in welche Richtung man schauen muss.

London boomt und mit dem Boom kommt auch der Lärm. London hat einen Lärmpegel wie NYC und wie im Big Apple gibt es überall Baustellen und Gerüste. Jeder Winkel wir genutzt oder bebaut. Wir laufen über die Regent Street, die St. James Street und die Piccadilly Street zum Piccadilly Circus. Warum der Piccadilly Circus als einer der „hot spot´s“ gilt ist mir unklar, handelt es sich doch nur um eine Kreuzung, an deren einer Seite ein Gebäude von einer gigantische Reklametafel verdeckt wird. In NYC gibt es das auch, in Asiens Hauptstädten sind solche Tafeln ungezählt und auch dort überall finde ich das nicht sonderlich spannend. Es ist hier nur noch lauter und voller als anderswo in London. Um 13:15 Uhr kommen wir dort an. Um 13:17 Uhr verlassen wir den furchtbaren Platz, der ja seit 130 Jahren kein Kreisverkehr, sondern nur eine mehrfach umgestaltete Kreuzung ohne jeden historischen Wert ist.

Zum Lunch fahren wir zur South Kensington U-Bahnstation. Auf der gestrigen „hopp on hopp off“  Bus Tour habe ich dort einige nette Restaurants gesehen. Wir entscheiden und für das „Le Pain Qutidien und speisen eine Avocadostulle, eine Chickenbemme, trinken einen Latte Macchiato und eine Himbeer Limo. Das schmeckt super lecker, man sollte aber auch ganz langsam kauen und genießen, denn das Mal kostet 42 Euro.
Nicht verpassen sollte man die ägyptischen Rolltreppen im Harrods. Jedoch sind die rollenden Treppen nicht so alt wie man vermuten würde. Zwar wurde im Jahr 1910 hier die erste Rolltreppe Englands eingeweiht, doch die heutigen „ägyptischen“ Rolltreppen sind Teil der ägyptischen Akzente, die Mohamed Al-Fayed setzte, dem das Harrods seit 1985 gehört. Shoppen dagegen ist im Harrods für Normalverdiener eher schwierig, da Herr Al-Fayed die Preise anscheinend selbst festlegt und sich dabei an seinem eigenen Finanzbudget orientiert. Es ist eben alles relativ. Meine Freundin entpuppt sich als Souvenierschnäppchenjägerin und shoppt zwei T-Shirts, eine Tasse und Gin Flaschen mit Hut. Wir fahren zurück zu unserer Bettenburg um die Souvenirs abzuwerfen und laufen noch einmal zur Tower Bridge.

Die Füße schmerzen schon, aber das Programm wird gnadenlos durchgezogen. So gehen wir auch noch zur St. Pauls Cathedral. Der Anblick von außen muss uns genügen, da es bereits 5 o’clock ist und die Cathedral um 4 o’clock schließt. Wir suchen nun das „Inns of court“. Nach langem Suchen finden wir das Gewirr aus kleinen verwinkelten Gassen, in denen sich Anwaltskanzleien und eine juristisch Fakultät befinden und haben Mühe wieder herauszufinden. Touristen meinen mit Covent Garden den ehemaligen Obst und Gemüsemarkt, der heute Covent Garden Piazza heißt, und einem Mix aus Geschäften und Restaurants und Unterhaltungsbühnen beherbergt. Die geschichtsträchtige Markthalle gehört heute zu den Touristenattraktionen, weil shoppen und essen scheinbar das neue Reisen ist. Für eine kleine Kugel Eis verlangt man hier 5,50 Euro!!! Meine Freundin braucht eine Schachtel Zigaretten die wir für 12,25 Euro erwerben. Niemals würde ich 12,25 Euro für Rauch ausgeben. Wir fahren zurück zur Tower Hill Station und suchen uns eine Res
auration zum Dinieren. Da wir keinen Appetit auf überteuerte „fish & ships“ oder vor Fett triefende Burger haben, besuchen wir ein Thai Restaurant.

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Der Handywecker nervt um 6:00 Uhr und um 7:00 Uhr sitzen wir beim Frühstück. Um 8:00 starten wir nach Notting Hill, dem Stadtbezirk der durch den gleichnamigen Hollywoodstreifen mit Starbesetzung zu Weltruhm gelangte. Hier wird jeden Sonntag auf der Portobello Road ein Antiquitätenmarkt abgehalten, der seit der Jahrtausendwende durch den Film ebenfalls zum Touristenmagnet geworden ist. Endlich fängt es auch mal an zu nieseln und ich kann meinen London-Regenschirm, dessen Stadtmotive sich bei Feuchtigkeit Bunt färben, zum Einsatz bringen. Vielen Dank nach China, wo man unermüdlich daran arbeitet, uns mit solchen Gimmicks Freude zu bereiten. Die Portobello Road ist der Markt und es wird im wesentlichen nur der Raum zwischen den Häusern und der Straße genutzt, was für beengte Verhältnisse sorgt. Die ganze Straße runter reiht sich Stand an Stand auf denen alles angeboten wird, von dem man glaubt, dass es Touristen für viel Geld mit nach Hause schleppen. Als wir zurück zur Tube laufen kommen uns hunderte Touristen entgegen, die alle auf den Markt wollen, auf dem es nun sicher richtig voll wird. Wir fahren zum Trafalgar Square, wo wir zunächst wieder einen Lemon Poppy Muffin und einen Latte Macchiato genießen, bevor wir noch einmal zur Wachablösung gehen. Dieses Vorhaben scheitert, da ab August die Zeremonie nur alle zwei Tage abgehalten wird.
Schräg ist vor allem das Viertel um die Camden High Street, im Bezirk Camden Town, die man in Reiseführern unter Camden Market findet. Die Ansammlung von pittoresk gestalteten Häusern und vielen Märkten bilden einen der bekanntesten Märkte in London. Im Unterschied zu den anderen Märkten Londons, wo eher der Mainstream Geschmack bedient wird, wird in Camden der ausgefallene Geschmack fündig. Allgegenwärtig sind hier die Accessoires der Grunge, Metal und Gothik Szene. Hier ist alles skurril, so wie die Darsteller des Strassentheaters, welche die Besucher in ihre Performance mit einbeziehen.

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Camden High Street

Zum Lunch probieren wir heute einen anderen Starbucks in der Vigo Street. Hier hat man bei der Inneneinrichtung scheinbar auf ausrangierte Gestaltungselemente des Buckinham Palastes zurückgegriffen. Dieser Starbucks gehört wohl zu den schönsten und chilligsten, die ich je besucht habe.
Auf der Regent Street befindet sich eine gigantische Spielzeughölle auf sieben Etagen. Hupen, Blinken, Bimmeln und Sirenen. Alles zugleich und tausendfach. Zwischen den Menschenmassen stehen die Verkäufer, die Papierflugzeuge und Bumerangs fliegen lassen und laut rufend die potentiellen Kunden zum Kauf animieren. Eine Hölle aus Lärm. Warum wir überhaupt dort waren? Hamleys soll das älteste Spielwarengeschäft der Welt sein. Founded by William Hamley as “Noah’s Ark” in High Holborn , London, in 1760, it moved to Regent Street in 1881. Von William Hamley als “Arche Noah” im Jahr 1760 eröffnet, zog es 1881 in die Regent Street um. Wir tauchen nun in die Welt der Bücher ein. Die Britsh Libary ist eine der ältesten Bibliotheken der Welt und der Gegenentwurf zum Hamleys. In Leder gebundene Bücher von George III. statt chinesischer Spielzeugrobotter, lernende Studenten vor ihren Macboocks statt Marktschreier. Das neue London wird vor allem durch das weithin sichtbare London Eye repräsentiert, welches unser nächstes Ziel ist. Als wir dort eintreffen zeigt sich abermals kurz die Sonne. Von dem „schönen“ Wetter animiert, machen wir nun einen zweieinhalb Stunden walk von der Waterloo Bridge über die Tower Bridge zum Motel One. Fussschmerz lass nach! Den gesamten Weg gehen wir an der Themse entlang, wo man Sand- und Strandkünstler, Pubs, Geschäfte und ruhige Ecken entdecken kann.

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Eye + London

Das Motel One liegt im Bezirk  Tower Hamlets, in dem Büro und Verwaltungsgebäude mit verspiegelten Fassaden das historische Antlitz des Stadtteils ausgelöscht haben. Einst war dieser Bezirk ein klassischer Arbeiterbezirk in dessen dunklen feuchten Gassen Jack the Ripper im 18. Jahrhundert sein blutiges Werk verrichtete.
An Wochenenden sind in dieser Gegend die meisten Restaurants geschlossen. So müssen wir nach einer kurzen Pause noch einmal in die Tube um nach South Kensington zum Dinner zu fahren. Inzwischen haben wir Bahn fahren total satt, ständig Trepp auf Trepp ab, durch nicht enden wollende Betonröhren – wie die Maulwürfe. Völlig erschöpft schlafen wir schon kurz vor 10 o´clock ein. Um 2 o´clock in der Nacht wache ich auf und fange ohne es zu wollen, zu rechnen an. Wir haben uns um eine Stunde verrechnet und müssen schon um 5:00 Uhr früh zum Flughafen Gatwick. Also stelle ich den Wecker auf 4:00 Uhr. Da die Tube erst ab 7:00 Uhr fährt, organisiert uns das Hotelpersonal ein Taxi zur Victoria Station. 7,2 Kilometer, Fahrzeit 25 Minuten für 30,05 Euro. So treffen wir um 7 o´clock am Airport Gatwick ein wo meine Freundin sogleich nach Coffein und Nikotin verlangt. So nehmen wir vor dem Abflug noch ein schmales Frühstück auf dem Flughafen ein.

London – it was nice to meet you but you kicked me not.

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tube

 Quellen: Reiseaufzeichnungen C. Witt

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