BOLIVEN

un corto viaje a siete mil ochocientos tienta y seis palabras

Bolivien Altiplano Uyuni Salt Lake La Paz

Intro
Langsam kriecht die Sonne über den Horizont. Die Berge färben sich  langsam von schwarz zu braun, Steine und harte Grasbüschel werfen lange Schatten wie Pfeile nach Westen. Meine Bewegungen sind langsam und schwer. Bei jedem Schritt ist in der Stille das Knirschen jedes einzelnen Steins unter den Sohlen zu hören. Das Geräusch des Atmens ist eigenartig verstärkt wahrnehmbar, wie bei einem Kosmonauten unter seinem schweren Helm. Doch mein Atem entweicht nicht durch ein Ventil im Helm. Er kondensiert in der kalten Luft. Fauchend schießt eine Säule aus Schwefeldampf in das dunkle Stahlblau des Himmels. Jetzt, in diesem Moment, zwischen Nacht und Tag glaubt man sich auf der Oberfläche eines entfernten, der Erde ähnlichen Planeten. Der Planet heißt Altiplano und ich befinde mich auf 4850 Metern an den Geysiren der Sol de Manana. Wie bin ich bloß hierhergekommen? Ich wollte doch nur den „Camino de la muerte“ mit dem Fahrrad befahren.

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Es regnete Steine.

Individual pro + contra
Fast ein Jahr lang  habe ich mich mit dem Land beschäftigt und mehr und mehr Interessantes entdeckt. Erst kam der Salar Uyuni mit auf den Reiseplan, dann wurden auch die Vulkane zum Ziel, ach gucke da, die Lagunen sind ja auch ganz schön, och ja, wenn wir schon mal bis zur Laguna Verde fahren, dann kann man auch noch gleich in die Dali Wüste, ins Rock Valley, zum Vulkan Ollagüe fahren und plötzlich sind zwei Wochen nicht mehr genug, dabei wollten wir nur Resturlaub verballern. Das breite Spektrum Boliviens ist damit noch lange nicht erschöpft. Zu Unrecht ist Bolivien nur als Andenstaat bekannt. Zwei Drittel des Landes bestehen aus Tiefland und tropischen Regenwäldern.
Aus der Erinnerung kenne ich das schöne Gefühl, auf der heimischen Couch zu sitzen, in Reisekatalogen zu blättern und sich eine Pauschalreise auszusuchen, die dann bequem in einem Reisebüro gebucht wird. Haben wir im vorigen Jahrhundert auch schon mal gemacht. Warum jedoch so einfach, wenn es doch viel komplizierter geht. Die Definition einer Individualreise klingt so wunderbar einfach, dass ich offensichtlich von Reise zu Reise vergesse, beziehungsweise verdränge, wie viele Wochenenden und Abende dafür draufgehen. Wenn es nur darum ginge irgendwo hinzufliegen und dann zu sehen, was sich ergibt, dann wäre es einfach und noch dazu sehr günstig. Es ist aber wie mit allem im Leben, hat man konkrete Vorstellungen und möchte man eigene Ideen umsetzen, dann wir es kompliziert oder teuer. Meistens beides. Es sind nicht die fünf Sterne Plus Hotels oder europäische Annehmlichkeiten die mir wichtig wären. Nein, ich schlafe auch schon mal im Dschungel in der Hängematte zwischen zwei Bäumen. Es geht mir darum, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort zu sein und Zeit zu haben, die Seele und das Wesen eines Ortes intensiv zu erleben. Es ist sicher schön, die grüne Lagune zu besuchen, wirklich beeindruckend ist es jedoch nur, wenn man die einzigartige Färbung der Lagune von blau zu grün auch selbst beobachten kann. Es ist ein besonderes Erlebnis, den Salar in Bolivien besucht zu haben. Die besondere Magie hat es, wenn sich der Salar nach langen Regenfällen mit Wasser gefüllt und in einen gigantischen Spiegel verwandelt hat, in dem in den letzten Minuten Tageslicht, fantastische Licht- und Wolkenspiele reflektiert werden.

Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz Lama

Como te llama? Lama!

Aber zurück zur Individualreise, bei deren Organisation ich immer wieder Zweifel hatte, dass sich Mühe und Aufwand lohnen würden. Im Fall von Bolivien ist es nicht übertrieben wenn ich sage, die Zeit der Vorbereitung war annähernd so lang wie die Reise selbst. Bei den Recherchen zu unserer Reise las ich unzählige Tourberichte. Alles was dort berichtet wurde, klang einfach nur nach Massenware, die darauf abzielt, möglichst kostengünstig viele Touristen durch dieses Gebiet zu schleusen. Wenn eine solche Tour nach meinen Vorstellungen verläuft wäre dann ein sehr unwahrscheinlicher Zufall. Das war nicht das was ich wollte!

Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz Lama Killi Killi

La Paz vom Mirador Killi Killi

Der andere Wetter- und Klimaratgeber
Klimadiagramme und Empfehlungen zu Reisezeiten taugen wenig und anhand dieser kann man nur einen groben Zeitraum für die Reiseplanung festlegen.
Will man wissen wie das Wetter vielleicht sein könnte, hilft es nur ein Jahr vorher die Wetterberichte aus dieser Region zu verfolgen. Genau das hatten wir getan. Wir mussten danach mit Regen in La Paz und in den Yungas Bergen rechnen und mit Wolken und Temperaturen zwischen 5° Celsius am Morgen und Höchsttemperaturen von 17° Celsius. In den Yungas Bergen stimmten die Voraussagen. In den Yungas Bergen hat es nur kurz getröpfelt als wir mit dem Auto zurück nach La Paz fuhren. In La Paz lagen die Frühtemperaturen bei 6° Celsius und die Höchsttemperaturen bei sommerlichen 22° Celsius. In den ersten drei Tagen hat es nicht einmal geregnet, in den letzten drei Tagen gab es über Mittag regelmäßig ein Gewitter, danach war es etwas wolkig Am Tag unseres Abflugs fuhren wir mit dem Taxi  los, es waren 19° Celsius, Auf halber Strecke fing es an zu hageln. Innerhalb von fünf Minuten lagen die Hagelkörner drei Zentimeter dick auf der Fahrbahn, der Verkehr kam fast zum erliegen und die Temperaturen stürzten auf 5° Celsius.
Über dem Altiplano war während unseres Aufenthaltes kaum mal eine Wolke zu sehen und Mittagstemperaturen von 25° Celsius waren eher die Regel als die Ausnahme.
Die Klimaveränderungen dieses Jahrhunderts haben keinen Winkel der Erde ausgelassen.
Im Norden Boliviens gab es im Februar 2014 schwere Überschwemmungen durch anhaltenden Regen. In den Jahren davor waren die Sommer eher trocken. *So kam es zu Ernteverlusten von durchschnittlich 0,3 Prozent pro Jahr. Das klingt wenig ist aber wie gesagt ein Durchschnittswert. 20.000 Familien haben ihre kompletten oder einen Großteil ihrer Einkünfte verloren. Es gilt als erwiesen, dass allein der Klimawandel und seine sehr gegensätzlichen Folgen daran schuld sind. 21.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche wurden entweder überschwemmt, verhagelt oder sind schlicht vertrocknet. Während die Viehzuchtregionen im nördlichen Departement Beni von Überschwemmungen heimgesucht wurden, leiden die südlichen Regionen oft unter Dürren. Wissenschaftliche Studien haben, insbesondere auf dem Altiplano, eine gefährliche Wasserknappheit festgestellt. Damit wird auch die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung zunehmend schwierig.*
Vor den Toren der Hauptstadt La Paz lag der Chacaltaya Gletscher. Der Gletscher auf 5.400 Metern Höhe war eins der beliebtesten  Skigebiete Lateinamerikas. Seit 2009, wesentlich früher als von Wissenschaftlern errechnet, ist der Berg nicht mehr mit Eis und Schnee bedeckt. Dieser lateinamerikanische Gletscher ist als erster von der Weltkarte verschwunden. Mit seinem Verschwinden kommt die Wasserknappheit in der Region.

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Sin puesta de sol en La Paz !

Zuerst haben wir die Inlandsflüge gebucht, dann die Überseeflüge. Inlandsflüge sind besonders in Südamerika und noch dazu in der Nähe touristischer Hot Spots in der Saison schnell ausgebucht. Wir flogen mit Aerolinas Amazonas für 200 €. EcoJets fliegt ebenfalls die Relation zu ähnlichen Preisen. Von Deutschland nach La Paz flogen wir mit KLM 1040 € in der Holzklasse von Berlin Tegel über Amsterdam und Lima nach La Paz. Allein wegen der Aussicht haben wir und im Stannum Boutique Hotel für 85,00 € pro Nacht gebettet. Will man die noch nicht gänzlich zugebaute Aussicht auf den schneebedeckten Illimani vom Bett aus genießen muss man auf die Nordseite bestehen. Service und Frühstück verbessern sich spürbar, wenn die Besitzer anwesend sind. Dann kann man zum Frühstück den Toast sogar getoastet bekommen. Früchte, Rührei und sogar frisch gebackenen Zitronenkuchen gibt es dann nicht nur für die Frühaufsteher unter den Gästen.

La Paz Viele Lagen bunter Röcke, ein dicker Pullover, eine Strickjacke darüber, das dicke schwarze Haar zu langen Zöpfen geflochten an deren Ende Haarschmuck aus Lamawolle eingeflochten ist und auf dem Kopf den Bowlerhut. So sitzt sie an der Straßenecke vor ihrem Laden in der Altstadt von La Paz und strickt die Mützen, Schals, Pullover und Decken die in dem Eckladen verkauft werden. Viele diese indigenen Frauen kleiden sich auch heute noch sehr traditionell. Warum sie das tun wissen wir nicht. Mit ihrer Lebensweise sind sie aber maßgeblich für die Bewahrung der Traditionen verantwortlich. Umgeben von einer eigenen Aura leben sie in ihrer Welt aus indianischen Traditionen, Naturglauben und dem Weltbild das die Inka einst schufen. Dies verbinden sie auf ihre Art mit der Moderne. Sie bauen auf der Straße einige Marktstände auf und beginnen Obst und Strickwaren zu verkaufen. Der Verkehr staut sich der weile durch die Nebenstraßen. Hier in der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt ist das noch Alltag.

 Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz Lama Indigena Women

Indigena Women

Aus der Mitte heraus haben sich Beton und Glastürme wie ein Geschwür durch das gesamte Zentrum gefressen. Vom ehrwürdigen Bahnhof ist nur noch das repräsentative Empfangsgebäude geblieben. Die Gleisanlagen sind der Seilbahn zum Opfer gefallen, die mit drei Linien La Paz mit El Alto verbinden soll. Es soll mit elf Kilometern das größte Seilbahnnetz der Welt werden und mit 172 Millionen Euro wird es auch sicher nicht das günstigste. Das alte La Paz ist tot. Es lebt bestenfalls in den Vorzeigegassen der Altstadt. In der Altstadt sind es vor allem die Calle Jaen und die Calle Linares die unseren Vorstellungen von südamerikanischen Städten am ehesten entsprechen. Restaurierte historische Gebäude, kleine Cafés und Restaurants und Schmuckgeschäfte. In der Calle Linares werden auch noch traditionelle Devotionalien aus der Inkazeit von den Indigenen gehandelt.

Karneval Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz

Karneval – La Paz

Wir hatten das Glück, den Karneval in La Paz mitzuerleben. Der Karnevalsumzug ist am 3. März, aber schon während der Tage davor ist die Stadt im Ausnahmezustand. Karneval in Bolivien unterscheidet sich grundsätzlich vom Karneval in Brasilien mit Salsa und viel nackter Haut. In Bolivien feiert man die Traditionen, die Tänze und die Musik. Hier tanzen die Bolivianerinnen in ihren Trachten ausgelassen und nicht selten haben sie schon einige Flaschen Bier geleert. Bier ist auch das Weihwasser mit dem Häuser, Autos, Marktstände und Geschäfte geweiht werden. Alles für Pachamama damit das Geschäftsjahr erfolgreich wird. Kein heiliges Ritual, kein Priester. Hier kann jeder etwas weihen. Danach setzt man sich meist noch zusammen und leert ein Bier nach dem anderen. Der erste Schluck aber wird immer für Pachamama ausgegossen. Voll ist die Luft vom Lärm und Qualm der Knallfrösche, von der Musik der zahlreichen Kapellen die in den Nebenstraßen spielen während sich die anwesenden in Trance trinken und tanzen. Luftschlangen und Konfetti zieren Jeden und alles. Selbst Hunde schleppen mehrere Meter Luftschlangen auf ihrem Pelz mit sich herum. Wer aus Altersgründen dem Genuss bewusstseinserweiternder Drogen noch nicht frönen darf, geht den Karneval rein Spaß orientiert an. In Fantasieverkleidungen und bewaffnet mit Wasserbomben, gigantischen Spritzpistolen und Schaumsprays liefern sich die Kids erbarmungslose Schlachten bei denen auch Unbeteiligte und Touristen schon mal mit einen dicken Teppich aus Seifenschaum eingedeckt werden.

Karneval Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz

Karneval – La Paz

Algo mas?
Si. La Paz war nur Ausgangsbasis für die Tour nach Corioco und als Puffertag geplant. Durch leichte Abweichungen im Programm hatten wir nun einen ganzen Tag mehr den wir füllen mussten. Sehenswert sind der Mirador Killi Killi auf dem das beste Licht zum Fotografieren der Stadt bis mittags herrscht, und der Mirador Jach’a Kollo. Dieser Platz wurde schon von den Inka für die Belagerung der Stadt im Jahr 1781 genutzt. Heute dient dieser Aussichtspunkt auch als Ort an dem traditionelle Zeremonien stattfinden, um Pachamama (Mutter Erde) zu feiern und zu ehren. Es war auch genug Zeit das Valle de Luna zu besuchen. Das Valle de la Luna befindet sich zehn Kilometer südöstlich von La Paz, leicht erreichbar mit Bussen oder dem Taxi. Das Mondtal besteht aus tausenden Lehmtürmen, Spalten und unterirdischen Gängen, die im Laufe tausender Jahre durch Erosion und Regen aus dem Boden gewaschen wurden. Zwischen den Lehmspalten huschen immer wieder scheue Vizcachas (Chinchillaart mit Kaninchenohren) hin und her. Noch vor fünfzehn Jahren lag das Mondtal unberührt vor den Toren der Stadt. Heute durchschneidet eine Straße die Wunderwelt aus Lehm und die Häuser sind bis an die Grenze des Tals gebaut worden. Wie lange dieses kleine Naturwunder dem Siedlungsdruck noch standhalten kann bleibt abzuwarten. Der Besuch dort hat mich trotzdem angenehm überrascht.

Valle de la Luna Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz

Valle de la Luna – Wunderwelt aus Lehm und Phantasie.

Eine Stunde verbrachten wir auf dem Cementerio General der, wie es der Name nahelegt, der Hauptfriedhof von La Paz ist. Abseits vom lauten Alltagsleben können die Lebenden hier mit ihren Verstorbenen in Zwiesprache treten. Typisch für Friedhöfe in südamerikanischen Städten finden sich hier die engen Gänge mit den Grabmauern beiderseits. Aus Platzmangel wurden schon in den 70er Jahren vierstöckige Betonneubauten errichtet in denen mehrere hundert Grabkammern Platz finden. Aus diesen Grabkammern reist die Seele der Toten auf einem Weg aus Sternen hinüber in die andere Welt.

Cementerio General Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz

Cementerio General – La Paz

Ein besonderes Restaurant ist das Angelo Colonial I Der enge Torbogen, zugestellt mit Zeugen der Vergangenheit ist eine direkte Einladung in eine andere Welt. Alte Bilder, Malereien, Öfen, Lampen Eisenbahndevotionalien, Hinweisschilder, Karten, Schwerter, Jagdtaschen, Spiegel, Uniformen und Grammophone, wild zusammengestellt, machen die Räume und die Galerie zu einem Museum. Ein Museum mit Dingen die Menschen einst achtlos auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen haben. Während man sich dort entspannt, seine Getränke und Speisen genießt, wird man mit jedem Blick Neues entdecken. Dieser Ort an dem selbst der Zahn der Zeit nagt, ist einer jener Orte, von denen es auf der Welt zu wenige gibt und von denen man hofft, dass er sich in dem schnell verändernden La Paz noch lange erhalten bleibt.

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Café Restaurant “Angelo Colonial I” in La Paz, Calle Linares

Die alten amerikanischen Busse von Chevrolet und Dodge sind in La Paz seit 1938 im Einsatz und sind inzwischen Teil der Verkehrsgeschichte. Jeder Einwohner von La Paz erkennt die unverwechselbare  Silhouette und das tiefe Brummen der Motoren. Die ersten Busse wurden als Chaucheros bezeichnet, was soviel bedeutet wie Wollbeutel.  Vermutlich, weil die Passagiere in den Bussen so eng zusammengepfercht waren. Die heutige Generation der Busse stammt meist aus den frühen 70er Jahren.

Die Busse sind eine gute Möglichkeit Stadtrundfahrten zu machen. Für zwei Bolivianos kann man von Endstation zu Endstation fahren. Einige der Linien sind Rundkurse und führen über die großen Straßen von La Paz wie zum Beispiel die Av. Buenos Aires, durchqueren das geschäftige Viertel Max Paredes, rollen entlang der unzähligen Schulen auf der Avenida Armentia und winden sich durch den Wohnbezirk Sopocachi Bezirk.

Man weiß nie, was einen erwartet, ein Schokoladenverkäufer im Bus oder ein Musiker, eine Demonstration oder die „Señorial Illimani Morenada“ Tänzer die  auf einem der Plätze proben. Einige der Busse der Linie  Nr. 2 tragen heute noch Beulen und Kratzer vorangegangener Putsche auf ihrem alten Blech. Am und vor allem innen auf dem Armaturenbrett wird der Glaube an die Copacabana Jungfrau durch zahlreiche Ornamente ausgedrückt. Der historische bolivianische Anspruch und die Trauer um den Zugang zum Meer findet seinen Ausdruck auf Aufklebern auf Spiegel und Scheiben.

In der Windschutzscheibe steht ” Llegada ” oder ” Salida “. Nur Einheimische verstehen ob die Buss in das Zentrum oder vom Zentrum wegfahren.
Die Busse und besonders zu erwähnen die Colectivos der Linie 2 überlebten die Straßenbahnen der Stadt in den 40er Jahren , die Kleinbusinvasion in den 80er und 90er Jahren. Nun beginnt die Zeit der teleférico und Puma Kataris (große moderne Busse) und die alten Colectivos werden sich neu erfinden müssen um zu überleben. Im Jahr 2018 tritt Decreto Supremo 890 in Kraft. Dieses Gesetz verbietet das Betreiben von Fahrzeugen , die mehr als 12 Jahre alt sind.

 Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz Dodge Bus

Sahne Nuss im Dodge Bus – Linea 2 – La Paz

Camino de la Muerte
Den „Camino de la muerte“ zu fahren ist wohl ein Muss, wenn man in Bolivien ist. Die Straße, die richtig Yungas-Straße heißt, ist eine einspurige Schotterpiste, die in den 1930er Jahren von paraguayischen Kriegsgefangenen in die Gebirgshänge geschlagen wurde. Seit ihrer Erbauung dürfte sie wohl weit über tausend Menschenleben gefordert haben, was ihr den Namen Todesstraße einbrachte. 1995 wurde die Yungas-Straße von der Interamerikanischen Entwicklungsbank als gefährlichste Straße der Welt eingestuft. Die Konsequenz daraus war der Bau einer neuen weniger gefährlichen Strecke, welche Ende 2006 eröffnet wurde. Seit dem wird die Straße weniger befahren und avancierte zu einer Touristenattraktion nicht nur für ambitionierte Biker. Auch wenn die Straße einiges an Gefährlichkeit und Faszination verloren hat, so verunglücken auch heute noch lokale Fahrzeuge und Touristen. Die Strecke verzeiht nur selten Fahrfehler.
Der Camino de la muerte kann in vier Abschnitte unterteilt werden. Der Erste Abschnitt ist die Straße aus La Paz hinaus. Der Camino de la muerte steigt hier stetig an und schraubt sich von 3.600 Meter bis zum La-Cumbre-Pass auf 4.650 Meter Höhe. Der zweite Abschnitt ist die Asphaltstrecke vom La Cumbre Pass abwärts. Hier starten die Radtouren. Von dort geht es zweiundzwanzig Kilometer auf einer Asphaltstraße stetig bergab. Ab dem Eingang zum Nationalpark, wo auch die Frühstückspause eingelegt wird, fährt man noch etwa acht Kilometer mit dem Bus. Warum ist mir unklar. Vielleicht ist der Grund wirklich der, dass es leicht bergauf geht. Dann beginnt der dritte Abschnitt, der unbefestigte Teil des Camino de la muerte. Die Piste besteht aus dem was die Natur hier zur Verfügung stellt. Steine unterschiedlicher Größe und Sand. Die Strecke ist kurvenreich und landschaftlich sehr spannend. An manchen Stellen passen zwei Autos aneinander vorbei, an anderen wird es für ein Auto schon eng. Immer wieder hat man unvergessliche Ausblicke auf die steil aufragenden, tropisch bewachsenen Felswände von denen Wasserfälle hunderte Meter in die Tiefe stürzen. Einige Male muss man auf der Straße diese Wasserfälle durchfahren. Etwa zwölf Kilometer vor der Einmündung zur Asphaltstraße bei La Senda Verde, wird das Tal wieder weiter und Camino de la muerte verliert seine Gefährlichkeit. Der vierte Teil beginnt bei Yolosa auf 1.200 Metern. Von hier führt eine Asphaltpiste acht Kilometer bergauf durch den Dschungel der Yungas Berge nach Coroico auf 1.744 Meter.

Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz Camino de la muerte

Camino de la muerte

Bikingboliva hatten wir mit drei Monaten Vorlauf informiert, dass wir in Corioco übernachten wollen und darum gebeten ein Zimmer im Hotel Esmeralda zu reservieren, da dies von Deutschland aus nicht möglich ist. Eine Woche vor unserer Ankunft hatte Jenaro, der Inhaber von Bikingbolivia, versucht, im Hotel Esmeralda ein Zimmer zu bekommen. Da jedoch auch in Corioco vom 29.02.2014 – 03.03.2014 ausschweifend Carneval gefeiert wird, waren alle Zimmer ausgebucht. Davon wurde uns jedoch nie etwas mitgeteilt. Im Gegenteil. Am Abend vor dem Tourstart hatte Jenaro noch versucht uns einen privaten Transfer nach Coroico zu berechnen obwohl der Tourbestandteil ist. Wahrscheinlich war es der siebente Sinn, der uns am Abend zuvor selbst in Corioco anrufen ließ, wo wir dann erfuhren, dass es unmöglich ist, dort in der Gegend ein Zimmer zu bekommen. Bikingbolivia hätte uns nach Coroico fahren lassen – vielleicht nicht aus Böswilligkeit aber zumindest aus Gleichgültigkeit. Am nächsten Morgen fanden wir uns dann in einer Gruppe von sechs Personen und machten die Tour die alle machen, die den Camino de la muerte runterfahren. Wir hatten bei bikingbolivia  gebucht und Veranstalter war nun Altitude. Etwas von zu Hause aus zu organisieren, ist total sinnlos. Wenn nicht gerade Ferien sind oder Karneval gefeiert wird, bekommt man in Coroico sicher ein Zimmer. In diesem Fall muss man die Rückfahrt auf eigene Kosten durchführen. Das Equipment auf unserer Tour war bestenfalls an der Grenze seiner Nutzungsdauer, eher noch darüber. Zwei Guides begleiteten uns. Das ging dann etwa so: „Wir fahren jetzt diesen und jenen Tourabschnitt und da müsst ihr auspassen es ist sehr glatt, da liegen viele Steine, da kommen Kinder und so weiter“. Alle gucken ernst und nicken. „Seid ihr bereit?“ Alle nicken wieder. „Vamos!“ Der Guide jagt los als gäbe es kein Morgen. Ich immer drei Meter hinter ihm. Die letzten unserer Gruppe wenigstens einen Kilometer hinter ihm. Ob jemand ein Problem mit dem Fahrrad hat, stürzt oder über den Abhang geht, er hätte es nicht bemerkt. In unserer Gruppe hat es keinen halben Kilometer auf dem unbefestigten Camino gebraucht, da war der erste Tourteilnehmer verschwunden. Wir fanden ihn dann zehn Meter tiefer im Gestrüpp. Er war das Glückskind des Tages. Außer ein paar Abschürfungen war nichts passiert. Im weiteren Verlauf des Tages gab es auf dem Camino de la muerte noch einen Sturz mit Abschürfungen und einen Motoradfahrer, der in einer Kurve die Kontrolle über sein Motorrad verlor, fünfunddreißig Meter tiefer auf einen Felsvorsprung aufschlug und dann von seinem Motorrad getroffen wurde. Man konnte ihn nur noch tot bergen.

Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz Camino de la Muerte.

Auf den Camino de la Muerte.

Tourismus auf dem Altiplano

Im Februar 2014 führt die Route der Rallye Dakar erstmals nach Bolivien und soll der Region weiteren Auftrieb bringen. In diesen Monaten waren Reisen in dieser Region nur schwer möglich. Alles war total ausgebucht und die Preise im Tourismus, stiegen zu dieser Zeit um bis zu 500 Prozent.
Die touristische Infrastruktur entwickelt sich positiv. Es entstehen an vielen Orten neue Refugios, Hostals und Hotels, Straßen werden ausgebaut und die Tourangebote werden langsam vielfältiger. Ein Paradies für Backpacker. Viele Gebiete im Hochland sind zwar für Reisende ohne Guide erreichbar, es handelt sich bei den Straßen jedoch meist um nichtausgeschilderte Schotterwege auf denen nicht immer zwei Autos aneinander vorbeipassen. Mit einem erfahrenen lokalen Führer sieht man deutlich mehr und spart viel Zeit.
In der Vergangenheit gab es vor allem auf dem Salar immer wieder Zwischenfälle mit Touristen, die als Selbstfahrer unterwegs waren. Sie hatten sich auf dem Salar verirrt oder festgefahren. Dann waren immer große und kostspielige Suchaktionen mit Flugzeugen und vielen Helfern notwendig, um die Havarierten oder Vermissten zu finden. Im Jahr 2013 ist dies zweimal passiert und leider hat es auch Tote gegeben. Aus diesem Grund ist es nicht mehr gestattet, als Selbstfahrer den Salar zu bereisen.
Vor zwei Jahren sind zwei Salzarbeiter, deren LKW den Dienst quittiert hatte zu Fuß losgegangen, um das fünf Kilometer entfernte Ufer zu erreichen. Leider hatten sie auch kein dichtes Schuhwerk, so dass die Salzlauge begann ihre Füße zu verätzen. Etwa einen Kilometer vom Ufer, in Sichtweite des rettenden Bodens, wurden sie tot aufgefunden. Während unserer Tour war ein Fahrer, der Guide, der japanische Reiseleiter mit zwei Japanern auf einer Wasserfläche auf dem Salar unterwegs. Gegen 13:00 Uhr beschlossen sie, den Fahrer loszuschicken Getränke und Snacks aus dem ehemaligen Salzhotel Playa Blanca zu holen. Als der Fahrer gegen 14:00 Uhr zurückkam, gab es keine Spur von den vier nun Vermissten. Die folgende Suchaktion brachte keine Ergebnisse, doch glücklicherweise konnten die drei am Abend den Weg allein zurück nach Colchani finden.

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Der Salar wartet nicht auf Opfergaben – er holt sie sich.

In den Monaten Dezember bis Februar steht der Salzsee in Gänze bzw. in großen Teilen unter Wasser. In dieser Zeit müssen erhebliche Einschränkungen bezüglich des Aktionsradius in Kauf genommen werden. Der See kann in dieser Zeit nur in absoluten Ausnahmefällen befahren werden. Auch die Insel Incahuasi ist in diesem Zeitraum meist nicht erreichbar. Erst ab März, wenn der Salar trocken ist, kann er wieder gänzlich befahren werden
Von etwa Ende Juni bis zum Beginn der Regenzeit Anfang Dezember ist der Salar trocken. Mit Ausnahme der schlammigen Uferzonen und einzelner Wasseraugen (ojos de agua) kann dann die fünf bis dreißig Meter dicke Salzkruste selbst von Bussen und LKWs befahren werden.

Salar de Uyuni
Vor dreißigtausend Jahren erstreckte sich über die Region des Altiplanos ein gewaltiges prähistorisches Binnenmeer. In der trockenen Höhenluft, unter der intensiven Sonneneinstrahlung und ohne Zufluss war es zum Austrocknen verdammt. Geblieben ist der Salar de Uyumi. Lange Zeit war das „Mar Blanco“ wie es die Einheimischen nennen, Einnahmequelle für wenige Bewohner, die unter martialischen Bedingungen dort Salz förderten und immer noch fördern. Die Salzmenge des Salar de Uyuni wird auf ungefähr zehn Milliarden Tonnen geschätzt, wovon unter den bisherigen Bedingungen jährlich nur etwa 25.000 Tonnen abgebaut werden.
Vorüber sind die Zeiten, da nur das Salz die wichtigste Rohstoffquelle war. Heute ist es vor allem das darin enthaltene Lithium, welches mit geschätzten 5,4 Millionen Tonnen etwa siebzig Prozent der weltweiten Vorkommen darstellt. Dieser Rohstoff rückt mehr und mehr in den Fokus finanzstarker Konzerne. Nicht ganz zufällig thematisiert der Bond Film „Ein Quantum Trost“ Bodenschätze und Wasser in Bolivien.
Wie lange die Stille auf dem Hochplateau nur von den hier brütenden und nur in Südamerika vorkommender Flamingo-Arten gestört wird ist fraglich. Einsamkeit, Stille und das einzigartige Farbenspiel zwischen dem Stahlblau des Himmels und der unendlich scheinenden weißen Salzfläche, die von weiten wie ein zugefrorener See anmutet lockt auch immer mehr Touristen in diese Region.
Alles kann man heute im Internet lesen, Bilder und Filme anschauen. Über jeden Ort gibt es Reportagen. Man glaubt zu wissen, was einen erwartet und bedauert gleichzeitig, dass es so ist. Bis man dann selbst über den Salar fährt und erlebt wie die Sonne über der makellos spiegelnden Wasserfläche untergeht. Wir hatten keine Worte. Nichts kann Momente wie diesen tiefer in unser Gedächtnis einbrennen als das eigene Erleben. Das unendlich wirkende Weiß des Salzes in der gleißenden Sonne hebt die Proportionen auf. In allen Himmelsrichtungen sieht das Auge nur Weiß, wie in einem gigantischen Fotostudio. Zwerge spielen mit Riesen. Getränkeflaschen groß wie mehrstöckige Häuser. Menschen springen leichtfüßig über Jeeps. Unter der unermesslichen blauen Himmelskuppe die sich durch einen flimmernden Streifen vom Salz trennt, schwebt ein Jeep, einer Fata Morgana gleich, einem imaginären, nicht fassbaren Ziel entgegen.
Die vereinzelten ojos de agua, durch die Wasser an die Oberfläche gluckst, erinnern daran, dass es sich nicht um eine Wüste, sondern um einen Salzsee mit einer Meter dicken Salzschicht auf der Oberfläche handelt. An manchen Stellen auf dem Salzsee wurde schon eine Krustenstärke von 90 Metern gemessen.

Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz Salar de Uyuni sunset

Salar de Uyuni sunset

Touren auf dem Salar de Uyuni
Hier haben wir versucht eine individuelle Fototour für zwei Personen in einem 4WD Car zu organisieren. Die Standardtouren, bei denen bis zu sieben Personen in ein Auto gequetscht werden, wäre nur die Notlösung gewesen. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich mit meinem Fotoequipment und Stativ auf dem Schoß, eingezwängt bei einer Körpergröße von 1,92 Metern tausend Kilometer über Sandpisten fahre. Ich wollte mir auch nicht vorstellen wie mein Fotorucksack auf das Dach des Jeeps geschnallt und dann vier Tage sandgestrahlt wird. Einziger Vorteil der Gruppentouren ist, dass sie nur 100 – 180 € pro Person kosten. Hier stimmen bei den Gruppentouren Preis und Leistung. Man findet im Internet seitenweise Berichte über Touren auf und um den Salar. Ein Großteil jedoch rät nach der Fahrt in einer Gruppe zu Privattouren. HIDALGO war auf den ersten Blick etwas teurer. Berücksichtigt man jedoch den Preis pro Tag, den Flughafentransfer, die besseren Übernachtungen sowie die Übernachtung in dem aus dem Ausland unmöglich zu buchenden Hotel „Palacio de Sal“, so ist es dann ein attraktives Angebot, dass wir schlussendlich annahmen Allerdings wurden auch hier im Vorfeld alle meine Wünsche zur Touranpassung ignoriert. Ich hatte dann eine zusätzliche, ursprünglich nicht im Programm enthaltene Nacht in Uyun inkludieren lassen, die dann prompt auf der Reisebestätigung fehlte. Nach einer weiteren Email hieß es dann: “Yes, you’re right, it was my mistake, in attach I send the corrected itinerary.” Echt nervig!
Es wurde jedoch noch viel spannender. Beim Abflug in La Paz standen unsere Koffer auf einem Wagen auf dem Flugfeld. Wir stiegen ein und flogen los. Was wir nicht wussten, die Koffer aller Passagiere standen immer noch auf dem Flugfeld. Die Maschine war nur zur Hälfte, mit einer japanischen Reisegruppe und uns beiden besetzt. In Uyuni hieß es die Maschine wäre mit den Koffern zu schwer gewesen. Allerdings stieg in Uyuni eine gleiche Anzahl Touristen ein und auch jede Menge Koffer wurden verladen. Unser Gepäck sollte am nächsten Tag um 9:00 Uhr eintreffen. Eine Woche ohne frische Wäsche wäre kein Problem. Eine Fototour ohne Stativ hingegen für mich undenkbar. Nach unserem unvergesslichen sunset auf dem Salar gingen wir im “Lithium Club-Restaurant & Pub“ essen. Ein urgemütlicher Backpackertreff im gehobenen Preisniveau. Unsere lokale Begleiterin Olga ließ sich wie selbstverständlich von uns einladen. Vor dem Essen sprachen wir über die geplante Tour. Sie meinte, morgen erst in die entgegengesetzte Richtung nach Pulancayo zu fahren, wäre nicht sinnvoll. Die Isla Incahuasi sei nicht erreichbar und am letzten Tourtag zu den Ausgrabungen und nach Culpina K zu fahren, wollte sie uns ebenfalls ausreden. Das es nicht funktionieren würde, alle landschaftlichen Highlights in den vorletzten Fahrtag zu legen, hatte ich schon seit Monaten versucht zu vermitteln. So war mein Vorschlag morgen direkt in den Süden zu fahren. Die Ausgrabungen auszulassen und am letzten Tourtag, den wir ohnehin in der Umgebung von Uyuni verbringen würden, nach Pulancayo zu fahren. Nach einer kurzen Rücksprache mit der Agentur durch sie war die Antwort: „Das kostet extra“. Von Olga hatte ich den Eindruck, dass sie auf ihre Art nett war und verstanden hatte, worauf es uns ankam. Warum die Tour so abstrus geplant wurde, war auch ihr unverständlich. Anhand unseres Tourplans und des Preises erklärte ich ihr warum ich niemals bereit wäre, für eine vorab gezahlte Leistung noch einmal zu zahlen. Was sie dachte werde ich nie erfahren, aber der Preis hat sie schockiert! Es blieb uns jetzt nur auf unser Gepäck zu warten und zu hoffen, dass es für den Tourablauf noch eine zufriedenstellende Lösung geben würde.
Der nächste Morgen. Wir holen unser Gepäck aus dem Büro von Aerolinas Amazonas, wechseln Geld und eilen zurück zum Büro von Hidalgo. Keiner im Büro, kein Fahrer da, wir warten wie das hier alle tun. Die beiden Japaner, die ebenfalls bei Hidalgo gebucht haben, versitzen nun auch schon drei Stunden ihres kostbaren Urlaubs im Hotel und auf allen Zimmern im Hotel liegen Touristen auf den Betten und harren der Dinge die da kommen. Als das Büro von Hidalgo dann endlich öffnet, gibt es nichts zu besprechen. Es ist nur eine Angestellte da, die von uns den gesamten Tourpreis kassiert. Gestern Abend habe ich es mir verkniffen, darum zu bitten vor Tourstart das Auto zu betanken. Ich will es einfach vermeiden, gegenüber den Verantwortlichen hier den Eindruck zu erwecken als wüssten sie nicht was sie tun. Nun fahren wir los. Der Tank ist leer und wir müssen zur Tankstelle. Auf der Tankstelle ein Tanklaster und zwei Schlangen von Fahrzeugen die auf Benzin warten. Gestern und heute früh kam kein Benzin. Was lernen wir daraus? Mein Hinweis zum Betanken wäre sinnlos gewesen. Seit wir das Auto bestiegen haben läuft zwischen dem Fahrer Pastor und Olga, die Namen habe ich nicht erfunden, eine lebhafte Diskussion über die Gestaltung und den Ablauf unserer Tour. Diese steigert sich so weit, das Pastor beim aussteigen die Tür zuknallt. Für einen gestandenen Bolivianer ist es sicher auch nicht leicht, sich von einer jungen Bolivianerin sagen zu lassen, wie was läuft. Um 11:00 Uhr verlassen wir endlich das Stadtgebiet von Uyuni, vorbei am Lokfriedhof der schon von hundert Touristen belagert wird, die auf den Wracks herum klettern.

Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz Saler de Uyuni

Night blue – Saler de Uyuni

Southbound
Die Fahrt von Uyuni südwärts, kommt so manchen wie eine Reise über einem fremden Planeten vor. Bei genauem Hinschauen offenbart sich jedoch in dieser lebensfeindlichen Umgebung das faszinierende Farbenspiel, welches das Altiplano in Bolivien und Chile den Augen aller Lebewesen bietet. Unterhalb des Horizontes breitet sich die gesamte Rotpalette in den unendlichen Weiten aus und wechselt mit jeder Tageszeit ständig und wird von einem stahlblauen Himmel gekrönt auf dem die Winde jeden Tag andere Muster aus Wolken malen. Den Besucher erwartet zunächst mehr oder weniger karge Eintönigkeit, aber wer genauer hinschaut, entdeckt die Vielfältigkeit die Pachamama hier geschaffen hat. Die Einzigartigkeit dieser Landschaft löst bei vielen Besuchern abwechselnd ungläubige Erregung und ehrfürchtiges Schweigen aus. Je weiter man nach Süden gelangt desto karger wird die Landschaft, die getupft ist mit Lamas, Vicuñas und Alpacas. Sie brauchen nur alle zwei Tage Wasser und beherrschen die Kunst, sich hier oben von den harten Grasbüscheln zu ernähren.

Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz Valle de roca

Valle de roca

Da heute der gesamte Vormittag verschwendet wurde, werden wir nur noch das Valle de Roca und Italian City besuchen. Um 18:00 Uhr treffen wir in Villamar ein. Das Hotel in Villamar ist eines der wenigen Hotels und Refugios auf dem Altiplano. Dieses Hotel wurde für gehobene Ansprüche eingerichtet, liegt aber leider in der Mitte von Nichts. Alle landschaftlichen Highlights die in den Touren angeboten werden, sind nicht mit weniger als zwei Stunden Anfahrtszeit erreichbar. Während der Diskussion am Abend, über die Tourplanung für den nächsten Tag erreichen wir, dass wir am nächsten Morgen um 4:00 Uhr losfahren. Die Politik der kleinen Schritte, Trinkgeld gezielt einsetzen und am Abend die Planung für den nächsten Tag optimieren, ist nun unsere Strategie geworden. So fahren wir zum Sonnenaufgang zur Sol de Manana.

Das etwa zwei Quadratkilometer große Geothermalgebiet Sol de Mañana liegt südwestlich der Laguna Colorada, Richtung Salar de Chalviri auf einer Höhe von 4850 Meter über dem Meeresspiegel. Es gehört, wie die Geysire von El Tatio, zur Vulkanregion Altiplano-Puna. Mit seiner intensiven geothermischen Aktivität aus Geysiren, kochenden Schlammlöchern und Fumarolen hat es die Sol de Mañana auf die Routenpläne jeder Tour im Süden Bolivien geschafft. Beeindruckend sind die Quellen besonders in den Morgenstunden, wenn die Schwefeldämpfe in der kalten Luft kondensieren. Ein unscheinbares Loch im Boden aus dem leise Dampf pfeift. Aus einem anderen Loch dampf es nur. Schlammkrater in denen graue Pampe blubbert, werfen immer wieder mit kochenden Spritzern nach neugierigen Touristen, die in die Krater schauen. Die Hintergrundmusik liefert der Geysir, der den ganzen Tag donnernd eine riesige Dampffontaine in den Himmel schickt. Ja, das könnte man wirklich für einen anderen Planeten halten.
Als der Zauber der ersten Sonnenstrahlen schwindet fahren wir über Bergflanken auf denen es vor unzähligen Jahren Steine geregnet hat. Kein Gras mehr nur noch Gestein in allen Größen und Rotfärbungen und die tiefstehende Sonne verstärkt die surreale Stimmung. Über Pisten aus Vulkanasche fahren wir zum Fuße des aktiven Vulkans El Taito. Hier frühstücken wir und wer die Badesachen nicht vergessen hat, kann unter freiem Himmel auf dem Altiplanos in den 30° Celsius warmen Thermen baden.

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Sol de Mañana – Planet Altiplano

Anschließend fahren wir weiter, entlang am Valle Dali zur Laguna Verde. Etwa fünfzig Kilometer südlich des Geysirs Sol de Manana liegt die siebzehn Quadratkilometer große Laguna Verde am Fuße des Vulkans Lincancaibur und Juniquez. Wenn die Sonne in der Mittagszeit ihren Zenit erreicht, vollzieht sich ein einmaliges Naturschauspiel. Die Sonnenstrahlen leiten eine chemische Veränderung des pflanzlichen Planktons in Verbindung mit dem Blei, Calcium und Schwefelgehalt des Wassers ein. Das sonst klare Wasser der Lagune, beginnt sich von der Mitte zum Rand smaragdgrün zu verfärben. An dieser Lagune kann man ebenfalls das ganze Jahr über die drei verschiedenen Flamingoarten beobachten.

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Laguna Verde

Laguna Colorada
Die letzte Tagesetappe und die größte der Lagunen auf dem Altiplano ist die Laguna Colorada. Rotes Wasser hat sicher überall auf unserem Planeten eine eigenartige Wirkung auf dem Betrachter. Hier oben in dieser Wunderwelt wirkt diese Erscheinung schon fast normal. Die Natur hat aus Algen und den Mineralien Blei und Borax einen Cocktail gemixt, der nur in dieser Lagune zu finden ist. Das kräftige Rot wird gerahmt von dunklem Vulkansand in dem die Wurzeln beige-grüner Grasbüschel Halt gefunden haben. Kleine Bäche haben sich in die Flächen kalküberzogener Moose hineingeschnitten. Hier an der Laguna Colorada trifft man am häufigsten die drei hier vorkommenden Flamingoarten. Den Chileflamingo, Gelbfuß- oder Andenflamingo und James- oder Kurzschnabelflamingo an.

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Laguna Colorada

Als wir sie erreichen sind wir seit 12 Stunden unterwegs und nun muss ich Abstriche machen. Unser Fahrer will nicht noch um die Lagune zum Mirador fahren, er will zurück. So verstreichen die letzten Stunden des besten Lichts unfotografiert. Ein herber Schlag so kurz vor dem Bild des Tages. Am Abend laden wir Olga und Pastor zum Essen ein, da Olga Geburtstag hat. Nach dem Essen beginnt dann wieder die leidvolle Diskussion über die Tour am nächsten Tag. Geplant ist nach dem Frühstück zum Hotel „Palacio de Sal“ zu fahren und von dort am Abend den Sonnenuntergang anzuschauen. Ein verlorener Tag.
Am nächsten Morgen geht die Diskussion im Auto weiter und ich werde es langsam leid mich dazu noch zu äußern. Niemand soll hier mit den Details gelangweilt werden. Nur noch mal zur Erinnerung, Olga meinte die Isla Incahuasi sei nicht erreichbar, da noch zu viel Wasser auf dem Salar sei. Im Ergebnis sah der Tag wie folgt aus. Wir fuhren von Villamar über Schotterpisten, eine Straße die an den Camino de la Muerte erinnert. Unbeschreibliche Felsengebilde, die am ehesten mit denen im Südwesten der USA vergleichbar sind. Weiter führte uns diese abgeschiedene Route durch das Valle San Agostini und Julaca. Bei Puerto Chuvica bogen wir auf einen Damm ab, der etwa drei Kilometer auf den Salar de Uyuni führte. Bis zu diesem Punkt waren wir auf dieser landschaftlich spektakulären Strecke vier Stunden lang keinem Turistenauto begegnet. Dies änderte sich bei der Anfahrt zur Isla Incuahasi (GPS 20° 14.485, W 67° 37.646). Die Isla Incahuasi  besteht wie alle neun Inseln auf dem Salar aus versteinerten Korallen und ist bekannt für seine bis zu 12 Meter hohen und 1000 Jahre alte Kakteen. Die Isla Pescado liegt 20 Kilometer nordwestlich der Isla Incahuasi (GPS 20° 08.020, W 67° 48.454)

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Isla Incahuasi

Ich stellte mir die Insel immer Natur belassen vor, nur dass sie eben, berühmt wegen ihrer Kakteen, von den Agenturen regelmäßig angefahren wird. Wie naiv! Wir zählten 40 Fahrzeuge am Zugang zur Insel und es ist nicht Hochsaison. Es gibt zwei Shops, ein Restaurant, Souvenirläden, eine Funkstation und sogar ein Museum. Nach einem Rundgang über die Insel fahren wir über den Salar und machen was Touristen so machen. Zum Beispiel Salzkristalle aus Löchern in der Kruste brechen. Am Abend schauen wir uns den Sonnenuntergang an, der jedoch mangels Wolken fast genauso aussah wieder am ersten Tag. Danach fahren wir zum Hotel Palacio del Sal. Dies ist das erste aus Salzblöcken gebaute Hotel, bei dessen Gestaltung man sich viel Mühe gegeben hat. Doch aus der Wand fallende Steckdosen, kaputte Duschabtrennungen und der mit Bauschutt vermülte Innenhof trüben das Bild. Nach dem Sonnenaufgang am nächsten Morgen und dem anschließenden Frühstück im Palacio del Sal fahren wir nach Pulancayo. Auf dem Gelände einer noch im Betrieb stehenden Minengesellschaft stehen hier verschiedene historische Schienenfahrzeuge in bedauernswerten Zustand herum. Darunter die erste Dampflokomotive Boliviens und der Zug den einst Butch Cassidy und Sundance Kid überfallen haben (sollen). Auf einem Hügel mit Blick über Uyuni und den Salzsee machen wir unser mittägliches Picknick. Hier endet auch unsere Tour mit Olga, die heute Nacht zurück in ihre Heimatstatt Potosi fährt. Die verbleibenden 24 Stunden verbringen wir allein in quiet nice Uyuni. Wir besuchten am nächsten Morgen den Lokfriedhof von Uyuni, gingen Eis essen  und erholten uns von den Strapazen der letzten Tage. Wie verabredet holt uns Don Pastor um 14:00 Uhr vom Hotel ab. Enttäuscht war er, dass wir nicht da waren als er uns bereits um 13:00 Uhr abholen wollte. Wir konnten nicht wissen, dass er mit uns bei seiner Familie in seinem Haus in Uyuni zu Mittag essen wollte. So werden wir nur kurz seinen Söhnen, ihren Frauen und deren unzähligen Kindern vorgestellt. Nach einer herzlichen Verabschiedung mit „Hasta pronto“ werden wir in die Verantwortung von Aerolinas Amazonas übergeben, die uns wieder zurück nach La Paz fliegt, wo wir bis zu unserer Abreise noch zwei Tage verbringen werden.

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Pulancayo

Uyuni
Während des Salpeterkrieges zwischen 1879 bis 1884, in dem Bolivien seinen Anschluss zum Pazifik verlor, hatte diese Region zuletzt die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Ähnlich wie die Argentinier, die sich heute immer noch im Kampf um die Malvinas fühlen, ist auch in Bolivien heute das Trauma als Melancholie bei vielen Bolivianern noch spürbar. In Folge des Krieges wurde in Uyuni 1889 ein Militärstandort, inmitten einer unwirtlichen Hochebene, auf der weder Ackerbau noch Viehzucht möglich ist, gegründet. Die Wogen vieler Jahre ergossen sich über die Region und nahmen ihr ihre wirtschaftliche Bedeutung. Geblieben sind vieler Orten nur Geisterstädte. Wenige Ansiedlungen konnten sich halten. Sonnengegerbte und windgeschliffene rote Backsteine und Adobeziegel bilden eine Ansammlung von Gebäuden, zwischen denen der Wind mit Sand und Plastikmüll spielt. Uyuni wirkt karg und verschlossen und bis auf die Hotels und die Agenturen ist eine touristische Infrastruktur nur rudimentär vorhanden. Schon in so mancher Email, in der man sich nur mit Mühe eine Anrede in Form von „Mr.“ abgerungen hatte wurde eine unpersönliche rein kommerziell geprägte  „Gastfreundschaft“ spürbar. Eine Eigenart die sich meinem Verständnis entzieht, verdankt doch Uyuni einen gewissen Wohlstand der Tatsache, dass es durch seine geografisch günstige Lage zur Drehscheibe des Tourismus auf dem Altiplano wurde. Die Bedeutung als Eisenbahnknotenpunkt, die Salzgewinnung sowie die zunehmende touristische Vermarktung sind die einzigen Säulen auf die sich die heutige Existenz der Stadt gründet. Um den Tourismus weiterzuentwickeln wurde 2011 sogar ein neuer Flughafen eröffnet. Der Plaza Arce in Uyuni befindet sich zwischen dem Bahnhof und der Kirche. Hier schlägt das touristische Herz Uyunis. Zahlreiche Tourveranstalter haben hier ein Büro, es gibt zahlreiche Shops, Restaurants und ein Museum. Hier treffen sich junge Backpacker aus der ganzen Welt.
In den Monaten Dezember bis März wird Uyuni zu einer japanischen Enklave. In der Trockenzeit von April bis August trifft man zusätzlich auf Amerikaner, Kanadier und Europäer und es wird eng in Uyuni.

Bolivien Altiplano Anden Uyuni Salt Lake La Paz cementarion de locomotora

cementarion de locomotora

Am Ende unserer Zeit in Uyuni, machten wir uns morgens um 5:30 Uhr auf zum  berühmten „Cementerio de trenes“. Wie oben schon erwähnt ist dieser Platz zwischen 10:00 Uhr am Morgen und dem Nachmittag belagert. Zum Fotografieren bevorzuge ich die Tagesrandlagen. Schon der Weg dorthin führt über eine stinkende Müllkippe. Aber auch der Cementerio selbst is ernüchternd. Nicht nur Dampflokomotiven verschiedener Hersteller und Bauarten, auch Kräne und Personen-sowie Güterwagen sind hier in der Wüste am Rande des Salar verklappt worden. Den Rest des Tages machten wir was Urlauber so machen, abhängen, Eis essen und auf unseren Flieger nach La Paz warten. Die „Ereignisse in La Paz sind im Wesentlichen schon oben abgehandelt und so endet mein Bericht hier.

So, jetzt Rakete klar machen, Proviant einpacken, und die Koordinaten des Planeten Altiplano eingeben. Im Dezember soll das Wetter auf dem Planeten für Naturfotografen wieder ideal sein.

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Eröffnungsfeier der Seilbahn La Paz, vor dem ehemaligen Empfangsgebäude der Eisenbahn Arica – La Paz.

Railway: Seit 1996 ist der Bahnhof La Paz für den Personenverkehr geschlossen. Die verlassenen Gebäude sind jetzt von der Baustelle der neuen Teleférico nach El Alto verschlungen worden und doch gibt es überall klare Erinnerungen an den ursprünglichen Zweck der Station.

Noch rosten mit Graffitis verzierte Wagen auf dem Gelände vor sich hin. Gleich neben an lagern die Bauteile der 200 Millionen Dollar teuren neuen österreichischen Seilbahn. Unter den Reifen schwerer LKW glänzen hin und wieder Schienen unter dem Schlamm hervor. Das entkernte Bahnhofsgebäude trägt noch einen leeren Fahrplan. Ein kaum mehr lesbares Hinweisschild knarrt im Wind. Seit weit über zehn Jahren gab es keine Passagiere mehr denen der Weg zu weisen war. Hier war Kilometer Null der Andenlinie zur Pazifikküste.

Die Bahn fuhr von La Paz zum chilenischen Hafen von Arica und wurde zu einer der bekanntesten Linien in Boliviens Eisenbahngeschichte. Die wichtige Linie hatte, aufgrund der ständig schlechten Beziehungen zwischen Bolivien und Chile nie eine wirkliche Blütezeit. Investitionen in Gebäude und Anlagen wurden von beiden Seiten weitgehend unterlassen..

Die 440 Kilometer lange Bahnlinie wurde unter der Aufsicht der chilenischen Regierung gebaut. Es war Teil eines Friedensvertrages, der im Jahr 1883 unterzeichnet wurde, nach dem Pazifik – Krieg in dessen Verlauf Bolivien seine Küste und den Zugang zum Pazifik verloren hatte, bot Chile den Bau der Bahnlinie als eine Art der Reparation an.

Es wurde vereinbart, dass Chile für die Unterhaltung der Strecke auf beiden Seiten der Grenze verantwortlich sein. Doch im Laufe der Jahre begannen die Bolivianer zu vermuten, dass ihre Nachbarn diesen Vertrag nicht erfüllten. Tatsächlich vernachlässigte Chile die Unterhaltung der Bahnlinie auf bolivianischer Seite. Die Verschlechterung der Anlagen führte zwangsläufig zu einer nachlassenden Popularität der Bahn als Verkehrsmittel. Ab Mitte der 70er Jahre verschlechterte sich der Bahnverkehr mangels Investitionen in ganz Bolivien. In den 1990er Jahren , besagte eine Studie, dass man etwa 40 Mrd. USD benötigen würde, um die rasch verfallende Infrastruktur der Eisenbahn wiederherzustellen. In den folgenden Jahren, gab es in Bolivien eine große Privatisierungswelle von der auch die Eisenbahn erfasst wurde. Nun wurden die Anlagen und das rollende Material ganz dem Verfall preisgegeben.

Hundertzehn Jahre sind seit der offiziellen Einweihung der Linie im Jahre 1903 vergangen. Zur hundert jahr Feier im Jahr 2013 in Arica, kochten die alten Konflikte und Kontroversen um die Eisenbahn wieder hoch. Chiles Präsident Sebastian Piñera besuchte die Veranstaltung. Nirgendwo war jedoch eine bolivianische Delegation zu sehen. In einer späteren Erklärung, rechtfertigte sich Evo Morales, in dem er Piñera aufforderte mit ihm den bolivianischen Streckeabschnitt zu fahren, um zu prüfen, ob die Linie noch voll funktionsfähig sei. Piñera nahm die Herausforderung an, doch die Fahrt steht noch aus. Das angespannte Verhältnis zwischen Bolivien und Chile, sowie die heruntergekommene Eisenbahn haben bewirkt, dass sich der Ausbau von Straßen in Bolivien in den letzten vier Jahrzehnten verzehnfacht hat. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der betriebsfähigen Lokomotiven halbiert. Inzwischen haben die Bolivianer längst gegen ihre Eisenbahn gestimmt. Der Transport der Güter und Personen ist fest in der Hand von LKW, Bus und anderen Benzin und Dieselmonstern. Gerettet haben sich Teile der Eisenbahn nur als Touristenattraktion. So die Züge zwischen Chile, Uyuni und Potosi oder als Klettervergnügen wie der Cementerio de trenes in Uyuni.
Diese besondere Linie von Potosi und Pulancayo, gebaut von britischen Ingenieuren, wurde von Bergbauunternehmen für den Transport von Mineralien zu den Häfen an der Pazifikküste genutzt. Der Verkehr kollabierte in den 1940er und 1960er Jahren, als die Bergbauindustrie mangels Nachfrage und Ausbeute zusammenbrach.
Anders als in Uyuni , wird der alte Bahnhof von La Paz wieder einer Bestimmung zugeführt. Es wird zu einem Zentrum des Transports.

Dieses Mal wird es nicht das Klappern der Räder auf Gleisen sein, dass den Bahnhof mit Leben füllt , es wird das fast lautlose Surren der neuen ” Teleférico ” werden. Eine Fahrt bedeutet nun nicht mehr länger, rumpelnd durch die zerklüftete Landschaft. Vor den Toren von La Paz zu reisen. Stattdessen wird man lautlos durch die Atmosphäre über der Stadt gleiten.

Von hoch oben wird man auf das Bahnhofsgebäude schauen. Hoffentlich wird es dann noch Zeitzeugen geben, die von der bewegenden Geschichte der Eisenbahn zu erzählen wissen..
So manchen glaubt schon heute zu wissen, dass auf dem Bahnhofsgelände ein Museum entstehen wird. Zu welchem Thema bleibt unklar. Zurzeit steht die neue Teleferico im Mittelpunkt des Interesses. Doch das eindrucksvolle Empfangsgebäude des Bahnhofs von La Paz wird immer an die Linie La Paz- Arica Linie erinnern.
Quelle: * Franz Chávez klimaretter.info
eigene Recherchen vor Ort
Boliviansche Printmedien, stümperhaft übersetzt von J. M. Seifert
Reise  Know How Bolivien kompakt, 4.aktualisierte Auflage, 2014
Reise  Know How Peru/Bolivien 6.aktualisierte Auflage, 2014

 

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