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Wildes Teneriffa

Eine Fotoreise über die größte Kanarenisel.

Volle Strände, Staus auf den Straßen, Gedränge in den Altstädten, dichter Verkehr auf den schmalen Straßen durch die Gebirgszüge. Ausgebuchte Unterkünfte, leere Mietwagenstationen und Wartezeiten vor beleibten Restaurants und Cafés. Seit den ersten Lockdowns in Europa ist das Vergangenheit. Was für viele Menschen die im Tourismus Geld verdienten ein Fiasko ist, eröffnet den Besuchern Teneriffas heute die Chance, diese außergewöhnliche Insel annähernd so zu erleben, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr möglich war. Relativ ungestört kann man Aussichten genießen, in den Lorbeerwäldern wandern oder den Teide-Nationalpark durchstreifen. Eine Fahrt auf den Gipfel des Teide kann man am Vormittag buchen und am frühen Nachmittag antreten.

Mirador Sonnenuntergang Teide
Teneriffa Ostküste

Wir starten mit unseren Mietwagen am Flughafen Aeropuerto de Tenerife Sur Reina Sofía und fahren die Autopista del Sur Richtung Norden.In unmittelbarer Nähe zum Meer prägen Hochspannungsmasten, Windparks, Frachtterminals, Logistikhallen, Einkaufszentren und „Copy & Paste“ Siedlungen die karge und meist windgepeitschte Landschaft. Doch selbst hier, wo man nur ungern seinen Urlaub verbringen möchte gibt es Orte die einen Besuch wert sind.

Arco Tajo Teneriffa

Der Arco de Tajao ist ein fragiler Sandsteinbogen unweit der Küste im Ort Vijigua. Der aufmerksame Beobachter sieht ihn schon von der Autobahnabfahrt. Am frühen Morgen liegt der Bogen gut im Licht.

Sanatorio de Abades

Eine Ausfahrt weiter gelangt man zum Sanatorio de Abades. 1944 als Leprastation gebaut, wurde es vor Ende der Epedemie nicht fertig und steht seitdem leer.

Bei Güímar, nahe der Ortschaft Chacona, finden sich sechs rechteckig langgestreckte, pyramidenförmige Terrassenbauten aus mörtelfrei aufgeschichteten Lavasteinen. Diese sind im 19. Jahrhundert entstanden, doch ist der Grund ihrer Errichtung bis heute ungeklärt. Alte Darstellungen belegen, dass diese Pyramiden einst überall auf Teneriffa zu finden waren.
Unsere Fahrt geht weiter nach Santa Cruz, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und abwechselnd mit Las Palmas de Gran Canaria eine der Hauptstädte der Autonomen Gemeinschaft Canarias im Königreich Spanien.

Teneriffa Auditorio Sonnenaufagng
Desde agui tu foto tiene el mejor encuadre. – Von hier aus sieht dein Foto am besten aus.

 

Santa Cruz

Santa Cruz ist das wirtschaftliche Zentrum und mit etwa 210 Tausend Einwohnern die größte Stadt Teneriffas. Die Altstadt hat nicht viel zu bieten und ist eher durch Geschäfte geprägt. Bekannt ist vor allem das ab 1989 durch den Architekten Santiago Calatrava gebaute Aditorio de Tenerife. Die Markthalle Nuestra Señora de Africa sollte Santa Cruz und Teneriffa attraktiver machen. Am 5. August 1942 wurde auf Anweisung Franco´s der Grundstein für die Markthalle gelegt. Im erst 1956 ausgebauten Untergeschoß befindet sich Fischhalle und Gemüsemarkt. Auf dem Marktgelände werden hauptsächlich in Teneriffa ökologisch erzeugte Produkte verkauft. Die Frauenfigur am Haupteingang ist die „Lechera“, ein Milchmädchen. Diese Frauen trugen vor langer Zeit die Milch von den Weiden bei La Laguna, nach Santa Cruz.

Santa Cruz Mercado
Anaga Gebirge

Von Santa Cruz fahren wir am Hafen vorbei. Vor dem Hafen auf Reede liegen fünf große Kreuzfahrtschiffe und warten auf das Enden der Covid-19 Pandemie. In San Andrés biegen wir ab und fahren ins Anaga Gebirge. Meist bläst Wind die von Norden über den Atlantik heranziehenden Wolken über die gezackten Gipfel. Wolkenberge türmen sich über den Bergen, es wird stürmisch und schon bald tauchen wir in den Nebel ein, der hier in den Wipfeln der Bäume hängen bleibt. Immer dichter wird der Wald und die langen hölzernen Arme bilden über der Straße ein Dach durch das kaum ein Lichtstrahl dringt.

Strasse Anaga Gebirge

Trotz des rauhen Klimas zieht es Scharen von Wanderern in die Lorbeerwälder, die so mystisch, wie ein Filmset wirken. Grüne Farne hängen von Zweigen und Ästen die sich über schmalen Wegen zu einem Baumtunnel formen. In der mystischen Stimmung die dieser Wald erzeugt, erwartet, das jeden Moment ein Troll oder eine Fee den Weg kreuzt. Doch die gibt es ja nur in Skandinavien und Island. Die Anzahl der Wanderer wird über kostenlose Permits der Parkverwaltung limitiert und sind schwer zu bekommen.

Wanderweg Anaga Mercedes Wald
Playa Benijo

Dort wo das Meer mit der Küste ringt, findet man oft die schönsten Plätze. Besonders eindrucksvoll ist das zumeist auf Inseln vulkanischen Ursprungs. Tosend bearbeitet dort die Brandung die schroffen Felsen. Wenn dann die Sonne in der nahe am Horizont die Wolken färbt, kann dies ein unvergesslicher Augenblich sein. Einer dieser Orte, die nicht so leicht zu erreichen sind und meine persönliche TOP 1 Location, ist der Playa Benijo. An diesem Strand ist die Illusion einer wildromantischen Insel weit ab der Zivilisation fast perfekt.

Playa Benijo Sunset
Auf der TF-5 südwärts

Da die Straße in den Norden hier fast zu Ende ist, fahren wir zurück durch den Mercedes-Wald über La Laguna nach Puerto de La Cruz. Die Autopista TF-5 führt uns nun Richtung Süden.

Sonnenuntergang Teneriffa Nord
Die nordwestliche Küste

Von Santa Cruz und La Laguna kommend, beginnt in Tacoronte die klimatische Zone, die Teneriffa den Ruf der „Insel des ewigen Frühlings“ einbrachte. Von Tacoronte bis Buenavista del Norte ist dieser Küstenteil abgeschirmt von Wolken und Regen des Nordens und der Hitze des Südens. Hellgrün, Graugrün, Moosgrün. Dahinter das Blau des Atlantiks. Das sind hier die Farben Teneriffas. Die Landschaft ist durchzogen von vielen Wanderwege und in den Altstädten mischen sich Touristen in einem ausgewogenen Verhältnis mit den Einheimischen. Die zerklüftete Küste mit schwarzen Stränden, Bananenplantagen und den bekannten „Loro Park“ bietet Interessantes für jeden Geschmack.

Teneriffa Shoreline Drone

 

War es das extravagante Refugium exzentrischen Inselfürsten? War es ein Hotel? Wozu dienste wohl einst das Haus dessen entdachte Gebäudehülle heute immer noch auf einem vorgelagerten Felsen Wind und Wetter trotzt? Das „Casa Hamilton“ wurde im Jahr 1903 als Pumpenhaus gebaut. Man erkennt noch heute die gemauerten Wasserleitungen, die sich den Hang hinaufziehen. Hier arbeitete die erste Dampfmaschine auf Teneriffa. Das Wasser wurde auf die verschiedenen ehemaligen Bananenplantagen im Orotava-Tal gepumpt. Die Gemeinde Los Realejos bemüht sich für die Ruine den Staus Weltkulturerbe zu bekommen und die Anlage so der Nachwelt zu erhalten.

Teneriffa Casa Hamilton
La Orotava

Nach diesem Abstecher zur Küste verlassen wir die Autopista in La Orotava. DieAltstadt von La Orotava ist von allen Orten die wir auf Teneriffa gesehen haben, unser „Place to be“. Hunderte Jahre alte Häuser mit großen bepflanzten Innenhöfen, die man zum Teil auch als Unterkunft nutzen kann. Kein Trubel wie in Santa Cruz oder Puerto de la Cruz. In den verwinkelten Gassen der Altstadt kann man sich treiben lassen und viel Historisches entdecken. Nicht selten ist man dabei allein. Touristen sind hier zurzeit eine seltene Spezies. Dabei ist La Orotava, mit direktem Anschluss an die Autopista und an der Hauptzufahrt zum Teide Nationalpark gelegen, ein idealer Ausgangspunkt für Touren in alle Teile der Insel.

Patio Haus Orotava
Teide Nationalpark

Aus dem Zentrum von La Orotava bis zum Eingang des Teide Nationalparks sind es nur 24 Kilometer. Diese Nähe nutzen wir und winden uns über scheinbar endlose Serpentinen auf etwa 2.300 Meter über dem Meer.

Teide Summit La Palma
Seit 2007 ist der Teide Nationalpark Weltnaturerbe und das mit Recht. Ein Besuch wird niemals ausreichen, den Park in seiner Vielfalt kennen zu lernen. Auf den vielen Wanderwegen und den Parkplätzen entlang der Straßen eröffnen sich immer wieder neue Perspektiven auf den immer präsenten Vulkan Teide. Naturfotografen kommen in den Morgen-  und Abendstunden voll auf ihre Kosten. In der Nacht um die Neumond-Tage ist der Park ideal um die Milchstraße auf die Speicherkarte bannen.
Das gut ausgebaute Straßennetz ermöglicht eine bequeme Zufahrt zum Teide Nationalpark aus allen Richtungen.
Iqod de los Vinos

Wir fahren wieder hinunter und weiter auf der Autopista In La carrera endet die Autopista TF-5 und wird als gut ausgebaute Landstraße TF-5 weitergeführt. In Iqod de los Vinos verlassen wir die Landstraße das verpennte Örtchen zu besuchen.
Hier steht der Drago Milenario, der bekannteste Drachenbaum der Kanaren. Der Drachenbaum ist aber weder eine Million, noch eintausend Jahre alt. Sein Alter wird neuesten Erkenntnissen nach auf etwa vierhundert Jahre geschätzt.  Iqod ist bis auf wenige Besucher ein Ort der Ruhe. In der Altstadt hat es die Iglesia de San Marcos aus dem 16. Jahrhundert durch das bemerkenswerte Renaissanceportal zu Bekanntheit gebracht.
Spannender ist da vielleicht die Cueva del Viento, eine der längsten Lavahöhlen der Welt.

Teneriffa Drago Milenario
Los Gigantes

Los Gigantes ist eins der entferntesten Ziele auf der Insel. Umso mehr waren wir enttäuscht, als wir zwölf Kilometer vor dem Mirador Punta de Frailete an einer Straßensperrung standen. Aus uns unklaren Gründen ist die Zufahrt nur noch mit Taxi oder Bus möglich.

Teneriffa Shoreline Mirador
Masca

Von Buena Vista del Norte sind es nur 18 Kilometer bis Masca. Allerdings kann die Fahrt für die Peristaltik eine Herausforderung sein.  Die Querung des Teno-Gebirges erlaubte keine geraden Straßenabschnitte und es folgt eine Serpentine auf die andere. Hinter dem Namen Masca findet sich in Reiseführer ein rotes Ausrufezeichen oder der Ort wird gar noch als Geheimtipp vermarktet. Für uns bedeutet das eher „keep away from“.  Aber in der Corona-Dauerlowsaison besuchen wir den Ort dann doch einmal. Das kleine Bergdorf im Teno-Gebirge im Nordwesten war bis zum Bau einer asphaltierten Straße von Buenavista del Norte nach Santiago del Teide in den 1980ern nur zu Fuß erreichbar. Heute besuchen Tagestouristen aus allen Teilen der Insel den Ort. Berühmt ist die Masca-Schlucht auch für den spektakulären Wanderweg hinunter zum Meer, der jährlich von etwa 100.000 Wanderern genutzt wird. Die Qualität der Restaurants und Cafés steht in keinem Verhältnis zum Preis. Ein Wanderer müsste mindestens zwei Portionen bestellen um für den weiteren Weg gestärkt zu sein. Außer einem kleinen ethnografischen Museum gibt es in Masca auch nicht wirklich viel zusehen. Hat man diesen Ort nicht besucht, hat man nicht viel versäumt.

Masca Teno Gebirge
Fazit

Der sonnige und trockene Süden, die grüne und rauhe Bergwelt des Nordens, die zerklüftete Küste, kleine Bergdörfer, duftende Kiefernwälder, das geschäftige Santa Cruz, die pittoreske Altstadt von La Orotava. Die größte Kanareninsel kann tatsächlich wie eine kleine Weltreise sein und hat sich zu unserem Escape-Room in der Pandemie mit seinen drastischen Reisebeschränkungen entwickelt.

Zunkuft des Tourismus

Wie könnte die Zukunft des Tourismus aussehen? In den letzten 30 Jahren sind Reisen in ferne oder nahe Länder fast selbstverständlich geworden. Kaum einer machte sich Gedanken darüber, dass sich das mal ändern könnte. „Alles was irgendwie geht, so weit weg wie es geht und so außergewöhnlich wie möglich“, war meine Devise seit 1992! Aber auch ich habe nicht geahnt, dass es so schnell vorbei sein kann.

Urlaub wird es so wie vorher nicht mehr geben.

Rund achtzig Prozent der Touristen suchen Strand, Meer und Erholung. So ist an ihren bevorzugten Destinationen eine touristische Infrastruktur aus Hotels, Shops, Restaurants und Straßen entstanden, die ganze Küstenabschnitte einfach platt gemacht haben. Die profitorientierte Maschinerie, ausgerichtet auf Effizienz, schleuste so viele Menschen wie möglich durch ihre künstlichen Welten. Doch einige Massentouristen mussten schon in den Jahren vor 2019 erleben, wie die Tourismusindustrie an ihre Kapazitätsgrenzen gelangte.
Die Hotelanlagen, mit engen Fluren und Außenanlagen, die nur für die Hälfte der Hotelbetten ausgelegt sind, Hotelrestaurants in denen Hunderte am Buffet um das beste Schnitzel kämpfen, werden den neuen Hygienevorschriften nicht mehr genügen. Die Betreiber werden die Hotelanlagen den neuen Anforderungen entsprechend umbauen müssen oder in Insolvenz gehen.

Hoffnung gibt es dagegen für die Besitzer kleiner Hotels und Fincas, die den wenigen Touristen nun mit viel Freiraum und Exklusivität entgegenkommen. Die Definition von Urlaub unter oder nach Corona wird viel mehr auf Individualität, Freiraum und Entfaltungsmöglichkeiten fernab von Massen und stark frequentierten Begegnungszonen ausgerichtet sein. Kleine touristische Privatbetriebe können dies viel schneller umsetzen, als die in Beton gegossenen Großanlagen. Das dies nicht mehr zu den Kampfpreisen aus der Vergangenheit möglich ist, erscheint nur logisch.
Vieles spricht jedoch auch dafür, dass sehr viele Touristen zunächst im eigenen Land oder unmittelbaren Nachbarstaaten ihren Urlaub verbringen und damit den entfernteren Destinationen und Inseln erstmal fernbleiben. Speziell bei jungen Reisenden hängt die Lust auf Urlaub am Meer am Partyangebot. Ist Rauchen und Alkohol auf den Straßen verboten, überall Maskenpflicht und Tanzverbot, dann könnte die Entscheidung doch eher zu Gunsten des heimischen Baggersees ausfallen.

Angela Merkel ist für besonnene und überlegte Äußerungen bekannt. Ende Mai 2021 hörte man den Satz: „Nach Pandemie ist vor Pandemie“ aus ihrem Mund. Das lässt zumindest vermuten, dass sie mehr weiß als sie heute sagt.
Unwahrscheinlich ist, dass die Pandemie Ende 2021 für beendet erklärt wird, alle Maßnahmen entfallen und wir zum „Vor-Corona-Verhalten“ mit den alten Preisen zurückkehren.

Die Unsicherheit den Flug- und Schiffsverkehr international aufrecht zu erhalten und die Gefahr möglicher Lockdowns, wird in der Tourismusbranche präsent bleiben und dazu führen, dass der Tourismus so wie bisher nicht mehr funktioniert.

Schon im Mai 2021 startet das „Digital Green Certificate“. Das ist der europäische Impfpass, der das Reisen in Europa zu erleichtern soll. Daraus lässt sich leicht ableiten, dass das Reisen außerhalb Europas weiterhin schwierig sein wird. Hintergrund ist auch, dass man das Geld, dass Touristen im Urlaub ausgeben, gerne im eigenen Land oder zumindest in Europa halten will.


Viele Menschen haben sich schon früh nach Alternativen umgeschaut. Kurzreisen im eigenen Land, Camping und innereuropäische Trips sind die Alternativen. Jene, die sich ein Campmobil, einen Wohnanhänger, Zeltausrüstungen und Boote gekauft haben werden weniger oder gar keine Flugreisen mehr machen. Der von Frau Ursula Gertrud von der Leyen großspurig angekündigte Green Deal – sie sprach doch tatsächlich von: “Europe’s man on the moon moment”, wird die europäischen Haushalte zusätzlich stark belasten und das Budget für kostspielige Reisen weiter schrumpfen lassen. So eine Reise zum Mond kostet schließlich mehr als der Billigflug von Düsseldorf nach Belgrad!

Leere Abflughalle Flughafen
Leere Hallen im Aeropuerto de Tenerife Sur Reina Sofía.


So werden wir zwangsläufig zu dem Tourismus unserer Eltern zurückkehren. Für die Natur sind das gute Nachrichten! Die Millionen Menschen, deren Existenz in der Vergangenheit am Tourismus hing, werden sich der wachsenden Klientel aus Asien und China zuwenden. Auch die USA werden, so es ihr Urlaub zulässt, sich wieder Fernzielen zuwenden. Dort wird man von einem Green Deal in den nächsten Jahren vermutlich noch nichts hören. Dramatisch ist das nicht, denn auch vor Corona wurden europäische Touristen in den Fernzielen mehr und mehr zu einer Minderheit.
Virologen und Umweltexperten sind sich einig, dass dies nur die erste von vielen Pandemien ist, die uns ereilen werden, wenn wir unseren Umgang mit der Natur nicht gründlich überdenken und ändern. Die Natur schlägt zurück!

Das ist nur meine persönliche Einschätzung. Der am schwersten kalkulierbare Faktor ist der Mensch. Vielleicht kehren wir auch einfach zu den alten Gewohnheiten zurück und machen einfach weiter. Bis zur nächsten Katastrophe oder Let’s cross the bridge when we get there!

Wer nun wie wir immer noch seine Reiselust stillen will der findet unter FLÜGE.DE – TRAVEL-INSIDES, eine übersichtlich gestaltete Seite mit hilfreichen Informationen.

Immobilienschnäppchen auf den Kanaren?


Zahlen, Daten und Fakten

Die Ölkrise von 1973, als die Flugpreise massiv stiegen und die Banken und Immobilienkriese 2008 waren erste Warnungen. Die Kanaren spürten, wie abhängig sie vom Massentourismus geworden waren.
2008 rechnete man mit bis zu sechs Millionen Besuchern allein auf Teneriffa. Kurz nach der Jahrtausendwende erschien dieses Wachstum, bei der man mit Bettenauslastungen von bis zu 80 Prozent kalkulierte, noch realistisch. Doch die Krise und immer günstigere Angebote für Urlaube in ferneren Ländern durchkreuzten die Pläne. Faktisch sank die Zahl der Teneriffa-Urlauber somit auf etwa 4,6 Millionen im Krisenjahr 2008. Auch die Air Berlin-Pleite und der Bankrott von Thomas Cook waren auf den Kanaren deutlich spürbar. Bis 2019 erholte sich Teneriffa nicht von dem drastischen Einbruch und der folgenden Arbeitslosigkeit im Tourismus-Sektor. Im Winter 2019 landeten „nur“ 1,2 Millionen Touristen auf den Kanaren.

Dann kam im März 2020 die weltweite Pandemie und zeitweise kam der Tourismus komplett zum Erliegen. Im besucherstärksten Monat Juli zählte man 220.000 Ankünfte auf den Kanaren.
Leere Hotels, geschlossene Geschäfte, Restaurants und Bars prägen 2020/21 das Bild in den Epizentren der Erholung. Tourveranstalter versuchen irgendwie über die Runden zu kommen, die Arbeitslosigkeit stieg und wer konnte verließ die Inseln Richtung Festland. Wieder konnten viele ihre Häuser und Eigentumswohnungen nicht mehr bezahlen und der Anteil der Käufer aus dem Ausland brach um fast ein Drittel ein. Der Markt wurde geflutet mit Immobilien. Zusätzlich brachen die Briten als Käufer durch den EU Austritt weg. In der Folge sind die Preise für Immobilien auf den Kanaren wieder erschwinglich geworden.

Besucherzahlen Kanaren 2021


Seit der Pandemie interessieren sich nicht nur Deutsche, Engländer, Skandinavier und Italiener für die Inselgruppe, sondern auch immer mehr amerikanische und südamerikanische Menschen entdecken die Kanarischen Inseln für sich. Selbst chinesische Besucher sind von der Insel aufgrund der idealen klimatischen und strategischen Bedingungen in der EU angetan. Ein sonniger Platz in Europa, mit abwechslungsreicher Natur und moderner Infrastruktur. Wer hier auf der Insel weder im Tourismus noch lokal arbeiten muss, ist hier sehr gut aufgehoben. Eine gute Internetanbindung an der südlichsten Spitze Europas per WLAN oder 3/4 G Netz, macht die Kanaren für digitale Nomaden attraktiv. Hinzu kommen steuerliche Vorteile und eine strategisch gute Lage mit hervorragender Infrastruktur. Internationale Flugverbindungen von zwei Flughäfen und Häfen mit Fähr- und Schiffsverbindungen runden das Gesamtbild der Sonneninsel ab.
Lohnt sich also eine Immobilie auf den Kanaren?
Die Immobilienpreise betragen statistisch betrachtet im Mai 2021 folgende Werte:
Durchschnittspreis pro Quadratmeter auf Teneriffa betrug am 21.05.2021 – 1.648 Euro, das ist eine Steigerung von 2,79 Prozent im Vergleich zum 17.05.2021.
Der Durchschnittspreis für Immobilien in Teneriffa im Zeitraum bis 21.05.2021 belief sich auf 288.361 €, auf Basis von 1.870 Immobilien. Ob die steigenden Preise für Immobilien einen dauerhaften Trend zeigen, bleibt abzuwarten. In jedem Fall sind die Preise im Vergleich zu ähnlichen Lagen auf einem nur begrenzt bebaubaren Eiland geradezu billig.
Die Inflation und das veränderte Reiseverhalten wird einen weiteren Preisanstieg eher befeuern.
Doch Vorsicht ist geboten. Anders als in Deutschland sind nicht alle Immobilien so günstig wie sie scheinen. Baumängel, Investitionsstaus, Belastungen durch nicht getilgte Kredite oder sogar Steuerschulden und Rückstände bei Sozialversicherungsträgern sind in Spanien keine Ausnahme. Daher gilt es vor einem Vertrag eine Checkliste kompromisslos abzuarbeiten.

Checkliste

• der Makler prüft beim Katasteramt vor dem Kauf ob das Eigentumsrecht des Vertragspartners durch Vorlage eines notariellen Kaufvertrags (Escritura Pública de Compraventa) bzw. der Erbschaftsannahmeurkunde (Escritura de Aceptación de Herencia) mit Eintragungsvermerk des Grundbuchamts (Registro de la Propiedad) und durch einen zeitnahen Grundbuchauszug nachweisen werden kann. Ist der Eigentümer allein verfügungsberechtigt oder bedarf es zur Wirksamkeit des Vertrages der Zustimmung seines Ehegatten? Falls der Verkäufer nicht der Eigentümer ist, so ist die notarielle Vollmacht zu prüfen.
• Belastungen, insbesondere hypothekarischer Art: Wurde die alte Hypothek gelöscht? Sind noch offene Darlehensschulden durch eine Hypothek gesichert?
• Baulandqualität?
• existiert die so genannte Referencia catastral, die Katasterreferenz?
• ist der Swimmingpool, die Garage etc. Gegenstand der Neubauerklärung (Declaración de Obra nueva) und im Grundbuch eingetragen?
• gemeindliche Bebauungspläne
• bestehen Miet- oder Pachtverträgen hinsichtlich der Liegenschaft?
• Steuerschulden, für die die Liegenschaft haftet; so sollten insbesondere die Zahlungsbelege für die Grundsteuer (IBI – Impuesto sobre Bienes Inmuebles) der letzten vier Jahre vorgelegt werden. Auf diese Weise erfahren sie zugleich die Höhe der künftig zu entrichtenden Grundsteuer sowie der jährlichen Steuerbeträge, die auch im Falle der Selbstnutzung zu entrichten sind.
• Umlagenrückstände, sofern das Objekt dem Wohnungseigentumsgesetz unterliegt (Bescheinigung der Eigentümergemeinschaft, bei Ferienwohnungen)
• liegt der Energieausweis gemäß Dekret 735/2013 vor?
• Überprüfung der Grundstücksgröße und -grenzen.
• Kaufen Sie ein Grundstück mit Haus, sollten Sie Wert darauflegen, dass das Haus auch im Grundbuch eingetragen ist und sich durch Vorlage der letzten Wasser- und Stromrechnungen oder der Bewohnbarkeitsbescheinigung (Cédula de Habilitad bzw. Licencia de Primera Ocupación bei Neubauten) vergewissern, dass es keine Probleme mit der Wasser- und Stromversorgung geben wird. In manchen Gebieten Spaniens ist die Vorlage einer solchen Bescheinigung Voraussetzung für die Eintragung ins Grundbuch.

Formularvertrag oder Individualvereinbarungen

Formularverträge sind zwar leicht auszufüllen, verheißen aber meist nur Gutes für den Vertragspartner, der das Formular entworfen hat. Ausgewogene Individualverträge verursachen indes häufig Kopfzerbrechen. Das Bestehen auf Individualvereinbarungen kann zugegebenermaßen die Stimmung bei den Vertragsverhandlungen beeinflussen, verändert aber zumeist auch entscheidend deren Ergebnis.

Schriftform – Klausel über das anwendbare Recht

Lassen Sie sich auch scheinbar nebensächliche Zusicherungen und offensichtliche Selbstverständlichkeiten schriftlich von Ihrem Vertragspartner bestätigen. Vereinbaren sie im Vertrag stets, welches Recht (v.a. deutsches oder spanisches) Anwendung finden soll. Denken sie bei Vermögensdispositionen stets an das Motto: „Vertrauen ist gut, Sicherheit ist besser“: Welche Garantien werden geboten, damit das Versprochene und vertraglich Vereinbarte – notfalls auch gerichtlich – durchgesetzt werden kann

Notarieller Kaufvertrag und Grundbucheintragung

Bestehe als Käufer auf umgehenden Abschluss eines notariellen Kaufvertrags (Escritura pública de Compraventa) und deiner Eintragung als Eigentümer ins Grundbuch

Informiere dich über die mit dem Grundstückserwerb verbundenen Steuern und Kosten. Diese sind je nach Autonomía (spanisches ‚Bundesland‘) unterschiedlich, insbesondere was die Grunderwerbsteuer anbetrifft. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass Verkäufer häufig auch die Bodenwertzuwachssteuer (Plusvalía) vertraglich auf den Käufer abwälzen. Ferner sollten Käufer bei einem nicht in Spanien ansässigen Verkäufer vor vollständiger Kaufpreiszahlung beachten, dass der Steuereinbehalt in Höhe von 3 Prozent des Kaufpreises (die so genannte Retención) in jedem Fall vorzunehmen ist. Die Beschaffung einer spanischen Steuernummer (NIE – Número de Identificación) ist Voraussetzung für die Eintragung in das Grundbuch.

Rechnet sich eine Immobilie zur Vermietung


Wer sich mit dem Gedanken trägt erfolgreich auszuwandern, sollte zwingend die folgenden Kriterien erfüllen:

• möglichst viel Eigenkapital/Eigenleistungen
• gute spanische Sprachkenntnisse
• selbst vor Ort sein und managen
• Lage, im Falle Teneriffas nicht höher als 150-200 M/üM und nicht abseits der Autobahn
• Aussicht
• Breitband, Internet
• viel persönliches Arrangement
• gute Bewertungen auf Plattformen

Quellen:
Statista
spainhouses.net
idealista
www.teneriffa-immobilien.info

MALTA

Reisen während der Corona Pandemie

Reisen in Corona Zeiten? Das löst bei einigen sicher Unverständnis aus! Doch mein Leben ist zu kurz um zu Hause abzuwarten bis man irgendwann geimpft wird oder die Pandemie vielleicht eines Tages vorüber ist. Ist das Reisen unter Beachtung aller Schutzmaßnahmen gefährlicher als die Nutzung des ÖPNV, wie es Millionen täglich tun? Mich hat einfach auch interessiert, wie das Reisen unter verschärften Corona-Maßnahmen funktioniert und ob es funktioniert.

Ein großes Risiko sind aus meiner Sicht gestrichene Flüge. Am Vortag meiner Reise wurde zum Beispiel die Verbindung Zürich-Malta mangels Auslastung ersatzlos gestrichen. Das Fliegen ist in vielerlei Hinsicht beschwerlicher geworden. Ein negativer Covid-19 Test, das Public Health Travel Declaration Form, Public Passenger Locator Form und die Meldung bei Rückreise aus einem Risikogebiet, sind die Unterlagen die man zusätzlich in der Tasche haben muss. In Malta gibt es dann vor der Rückreise am Flughafen noch einmal Dokumente zum Ausfüllen. Die Einreiseformulare werden von der Crew des Flugzeugs dann an die Behörden in Deutschland übergeben. Zu Hause angekommen habe ich dann noch die digitale Einreiseanmeldung ausgefüllt. Darauf hin wurde ich umgehend zur Selbstisolation verpflichtet. Die Papierformulare werden in den Ämtern nur abgelegt und bleiben ohne Effekt. Das diese Bürokratie Vielen das Reisen verleidet kann ich wiederum verstehen.

Die Einreise dann ging ganz ohne Kontrollen, Temperaturprüfungen oder gar Test vonstatten.

Formulare gegen Covid-19.

Geologischer und ökologischer Exkurs

Vor etwa 400 Millionen Jahren tauchten die Inseln, die wir heute als Malta kennen, aus dem Meer auf. Die maltesischen Inseln liegen zwischen der eurasischen und afrikanischen Platte. Jahrhundertelang galten die Inseln Maltas als Inseln Nordafrikas. Die Inseln bestehen fast ausschließlich aus Korallen-, Muschel- und Globigerinenkalk. Aus diesem Kalkstein wurden auch die meisten Gebäude errichtet. Das charakteristische Beige des Globigerinenkalks ist allgegenwärtig auf Malta und manchmal scheinen die Städte wie aus dem Gestein gemeißelt. Orte wie Mdina fügen sich so einzigartig in die Landschaft, dass sie ein Teil davon zu sein scheinen. Tatsächlich wohnten Teile der Inselbewohner einst in Behausungen, die in Berghänge geschlagen wurden. Überreste sind heute noch hier und da zu sehen.

Auf dem felsigen Eiland im Mittelmeer gibt es keine Trinkwasserquellen! Nur die Niederschläge im Winter füllen Felsentäler und den im Għadira Nature Reserve künstlich angelegten See.

Woher kommt also das Wasser für die rund 495.000 Malteser und die 1,5 Millionen Touristen, die jedes Jahr Malta besuchen? Es sind Zisternen, die per Gesetzt jedes Gebäude besitzen sollte und die Meerwasserentsalzungsanlagen der staatlichen Malta Water Services Cooperation, welche die Inseln mit Wasser versorgen. Seit den 80er Jahren setzt Malta in großem Stil auf Entsalzung. Fünf Anlagen wurden gebaut und zeitweise waren es die größten der Welt.

Woher kommt der Strom auf Malta? Es wird mehr und mehr gebaut. Alles überragende Wolkenkratzer entstehen und natürlich verfügen alle Gebäude über Klimaanlagen. Vier Fünftel des Strombedarfs wird aus fossilen Energieträgern gewonnen. Der Anteil erneuerbarer Energien beträgt 19 Prozent. Der Rest kommt per Seekabel aus dem Ausland. Auf dem Papier existiert ein Projekt Solarstrom aus der Sahara per Kabel auf die Insel zu importieren.

Ein Müllauto fährt in der engen Gasse vor mir. Drei Jungs vom afrikanischen Kontinent rennen die Straße entlang und sammeln die Müllbeutel vor den Häusern ein, welche die Bewohner dort deponieren. In hohen Bogen fliegen die säcke dann in das im großmäuligen Heck des Müllwagens. Wo geht der ganze Müll auf einer so kleinen Insel hin, den wir alle wegschmeißen? Er ist ja nicht weg!
Oberhalb der Küste hinter Sliema erhebt sich eine riesige Müllkippe die man durch ihren Geruch kilometerweit wahrnehmen kann. Unterhalb der Müllkippe campen Malteser auf einem kleinen Platz in Sichtweite des Meeres und im Dunst der Müllkippe. Derartige Mülldeponien gibt es viele auf Malta.

Valletta

Malta wirbt mit der Skyline von Valletta. Und in der Tat, das schönste an Valletta ist an einem lauen Abend an der Bucht in Gzira zu sitzen und zuzusehen wie die untergehende Sonne die ockerfarbenen Gemäuer von Valletta erglühen lässt. Bei einen Glas Wein kann man dann noch warten, bis die Gebäude im Flutlicht zu erstrahlen beginnen. Valletta selbst ist geprägt durch engen Gassen, schmale Straßen und seinen zwanzig Kirchen, das Fort St. Elmo und die Msida Bastion. Die „St. John Cathedral“ soll zu den schönsten Kirche Vallettas gehören. Persönlich bin ich der Ansicht, Kirchen, Tempel, Stupas, Moscheen und andere religiöse Orte gehören den Gläubigen. Orte des Glaubens sollten keine Pilgerstätten des Tourismus sein.

Malta Valletta sunset

Eine Fahrt mit dem Aufzug vom Hafen in die Oberstadt erspart das Treppensteigen. Valletta ist die Stadt der Déjà-vus. Jede Straße und jede Ecke meint man schon mal gesehen zu haben. Die gleichen Steine, die gleichen Balkone. Manchmal haben die Balkone andere Farben oder gar keine Farbe mehr. Das einzig reizvolle ist in dieser Zeit, der Zeit der Pandemie, dass es bis auf einige wenige Besucher und Einheimische menschenleer ist.

Ein Geheimtipp ist NOCH Manoel Island, das gleichnamige Fort und das ehemalige Lazarett. Auch hier gibt es bereits die MIDI Entwicklungsgesellschaft und eines Tages stehen sicher auch hier exklusive Wohnanlagen, Clubs oder Hotels. Das verwilderte Gelände mit seinen historischen und verlassenen Gebäuden lässt sich zumindest in Teilen auf eigene Faust erkunden und oft ist man hier allein.

Kreuz und quer von Süd nach Nord

Im Hafen von Marsaxlokk liegen noch einige traditionelle Fischerboote, mit denen auch gerne in Reise-Medien geworben wird. Doch in Sichtweite der Erdgasterminals, kommt auch hier nicht das richtige Mittelmeerfeeling auf. Ganz in der Nähe finden sich die St. Peters Pools, die ein Hot Spot fürs Baden und Schnorcheln waren. Inzwischen sind sie wegen Erosion mit Zäunen abgesperrt.

Nur wenige Kilometer von Marsaxlokk findet sich die Blaue Grotte. Im Sommer ein beliebtes Ziel für Bootstouren und Tauchgänge.

Die Blaue Grotte

Der erste Eindruck den ich habe, als ich von Valletta Richtung Nord-West fahre, ist schockierend. Kaum ein Stück Felsen ist frei. Dicht an dicht reihen sich die Betonkolosse an den Strandpromenaden aneinander, so dass die Bewohner im Hinterland keine Tsunamis mehr fürchten müssen. Strandpromenade ist auch das falsche Wort dafür, denn es sind im Wesentlichen Straßen auf der der Verkehr tobt und Strände gibt es an der felsigen Küste ohnehin nur wenige. In Infrastrukturprojekte wurde in den vergangenen Jahren kräftig investiert. Auf breiten Schnellstraßen, begrenzt von Gehwegen im eurogenormten Beton-Verbundpflaster-Einheitslook, erreicht man inzwischen fast jeden Winkel von Malta. Die Oldtimer-Busse, die einst für Malta so charakteristisch waren, wurden schon 2011 von den Straßen verbannt und durch die türkische Marke OTOKAR ersetzt. Natürlich, wir schreiben das Jahr 2021 und nicht alles kann so nostalgisch bleiben wie es einmal war. Vielleicht liegt es ja nur an meinem fortschreitenden Alter, aber diese Gleichmacherei finde ich total traurig. Man weiß nicht mehr wo man eigentlich ist. Glas-Betonfassaden, Infrastrukturprojekte, moderne Verkehrsmittel und Restaurantketten, haben alles verdrängt was die Orte einst zu etwas Besonderen machte. Die Oldtimer-Busse zumindest sind nicht ganz verloren. Es gibt mehrere Gesellschaften, die viele Exemplare retteten. Zum Beispiel fahren täglich zu festen Zeiten von Busse von Valletta nach Sliema und wieder zurück.

Valletta Busse Verkehr
Klimatisierter Komfort vs. Stilikone

Sliema ist ein Ort an der Nordküste, wo sich moderne Hotels und Apartmenthäuser aneinanderreihen. Sliema steht in Sachen touristischer Infrastruktur Valletta und Gzira in nichts nach. Hier ist selbst in Zeiten der Pandemie noch etwas los. Der Hafen in dessen Hintergrund sich die Stella-Maris-Kirche erhebt, liegt malerisch in einer geschützten Bucht die noch von einigen traditionellen Häusern gesäumt wird. Unzählige Restaurants, Cafés und Bars machen es schwer sich zu entscheiden.

Malta Sliema Waterfront
Sliema Waterfront

Mdina ist ein Kleinod. Hier weht noch ein Hauch Historie durch die engen Gassen und abseits des hektischen Treibens an der Küste lässt es sich hier eine Weile aushalten. In den engen Gassen der Altstadt mit ihren traditionellen Häusern, kann man hier noch am ganz normalen Leben der Bewohner teilhaben. In den Tagen der Pandemie verirrt sich kaum jemand in die Stadt und die Angestellten der Cafés und Restaurants warten auf Gäste. Ihnen ist die Freude an jedem Gast anzumerken.

Malta Mdina street
Straße in Mdina.

Wer an der Küste entlang fährt, sollte in Bahar ic-Caghaq Halt machen. Jenseits des Vergnügungsparks befinden sich sehenswerte Salzpfannen.

Die Salzpfannen von Bahar ic-Cag

Malta kann man sich wie Platten vorstellen die schräg aus dem Mittelmeer ragen. Die Dingli Cliffs bilden dabei den höchsten Rand der Platten auf der Südwestseite der Insel. Auf den Dingli Cliffs genießen viele Besucher und Einheimische gern einen Sonnenuntergang. Doch von den Cliffs selbst, sieht man von den Aussichtspunkten nichts. Es muss einen Punkt geben, von dem aus man die Cliffs auch gut sehen kann. Doch ich habe den nicht gefunden. Alles an der Küste ist bis zum Rand Privatbesitz, eingemauert, eingezäunt oder schon dicht bebaut.

Am westlichen Ende der Dingli Cliffs, zwischen Gnejna und der zugebauten Golden Bay führt ein Weg durch Büsche und Kakteen hinunter zu einer grandiosen Aussicht auf ein Felsplateau, dass Gnejna Bay und Golden Bay trennt.

Aussichtspunkt Golden Bay
Golden Bay Aussichtspunkt

Kurz vor Melliha befindest sich das ehemalige Filmset des Popeye Films namens Popeye Village. Wer´s mag kann hier auch essen, trinken und herumschlendern.

Malta Popeye Village
Popeye Village

Im Umkreis von Mellieha findet man einige schöne Sandstrände. Schön ist es vor allem jetzt, da keine Saison ist und wegen der Pandemie ohnehin kaum jemand herfliegt.

Gesicht Fels Küste
Das Gesicht im Fels.

Mit der Fähre nach Gozo

An der Fähre nach Gozo stehen eine Millionen Autos an. Wie muss das wo zu Hochzeiten des Tourismus gewesen sein? Gozo ist im wesentlichen Malta im Kleinformat. Sehenswert ist auf Gozo die „Bażilika Tal-Madonna Ta‘ Pinu Mill Gharb“. Vor allem wenn der Sonnenaufgang sie in goldenes Licht taucht und zum Morgengebet geläutet wird. Danach kann man sich dem Rest widmen.

Gozo Malta Kirche
Bażilika Tal-Madonna Ta‘ Pinu Mill Gharb

Die Salt Pans von Marsalforn sind in ihrer Ausdehnung beeindruckend und gut erhalten. Ein schöner Ort für eine Pause mit Blick auf das Meer. Wären da nicht die Autos der Taucher und der anderen Besucher, die gleich bis hinunter in die Salzpfannen gefahren werden. Ich frage mich wie die Bilder im Internet entstanden sind, welche diese Orte ohne Autos und Menschen zeigen. Ich bin es satt die Inseln nach besonderen Orten abzusuchen, die es gar nicht mehr gibt. In Xlendi, in einem der schäbigen Cafés unten am Hafen, mache ich Pause. Totale Leere in den Restaurants und Cafés. Weniger war hier sicher auch nicht los als man in Xlendi noch vom Fischfang lebte.

Malta Salt-Pans
Salzpfannen bei Marsalforn

Dann überwinde ich mich die kurze Wanderung zu den Xlendi Salt Pans zu machen und bin geflasht. Im Nachmittagslicht leuchten die ockerfarbenen Cliffs. Im Kontrast dazu die Salzpfannen und das dunkle Blau des Meeres. Ein wirklich einmaliger Ort. Perfekt wäre es, der alte Wachturm könnte noch ins Bild mit einbezogen werden. Doch der ist gerade eingerüstet und wird saniert. Ebenso schön ist die Felsenhöhe „Tal Mixta Cave“ oberhalb der Ramla Bay. Die Sonne steht genau richtig und beleuchtet die Höhle in der offenbar einst Menschen wohnten.

"Heart of Gozo"
Gozo Xlendi

Verkehr

Parken kann jeder wie er will und wo er will. Doch parkt man als Tourist mit einem Mietwagen einmal nicht korrekt, so hat man innerhalb von Minuten ein Ticket unterm Scheibenwischer. Dabei ist es rätselhaft unter welchen Stein die so schnell hervorgekrochen kamen und wohin sie so schnell sie entschwunden sind. So ist es mir zweimal innerhalb von 14 Stunden passiert. Zudem gibt es eine gute Geschwindigkeitsüberwachung. Staus, Baustellen, neue oder geänderte Verkehrsführungen, die noch keine App kennt, Schnarchfahrer, LKWs´die einfach ohne zu blinken die Spur wechseln, oder gar abbiegen, enge Straßen durch die nur ein Kleinwagen passt. Die Verkehrsapokalypse vor allem im Großraum Valletta hat alles zu bieten, was das Fahren mit dem eigenen Auto zum Alptraum macht und ich kann davon nur abraten!

Auf Malta ist man zuversichtlich, dass es nun bald mit dem Tourismus wieder losgeht. Diese Zuversicht teile ich nicht. Immer mehr Länder auf dem Globus färben sich rot und aller Wahrscheinlichkeit werden die Corona-Mutationen ein Reisen in den nächsten Monaten in Gänze unmöglich machen.

Für mich muss ich resümieren, Malta war mein bisher uninteressantestes Reiseziel. Zum Fotografieren oder Filmen ist Malta gar nicht geeignet, da es nichts gibt was man nicht irgendwo anders auf der Welt schöner vorfindet.

„Tal Mixta Cave“

Zypern

Covid-19 hat die Welt im Griff!

Es ist Mitte Oktober und es sind Herbstferien. Es regnet unablässig bei acht Grad über Null. Normalerweise flüchten nun Viele noch einmal an sonnige Plätze. Doch am Flughafen Tegel beherrschen leere Gänge und entspannte Ruhe das Bild. Während sich Infektionszahlen verzehnfachen und sich die Europakarte der Risikogebiete rot färbt, gibt es nur noch wenige Optionen für eine solche Flucht. Griechenland und Zypern sind die letzten Inseln, die keine Risikogebiete sind und auf denen auf drastischen Maßnahmen verzichtet wird.

Die Ambraer E 195 der Austrian Airlines ist nur zu einem Drittel besetzt. Ein solcher Flug rechnet sich nicht. Und so stehen auf dem Vorfeld in Tegel auch nur drei Maschinen die auf Einsätze warten.

Etwas geschäftiger wirkt Wien, obwohl auch dort der Flugverkehr ebenfalls stark eingeschränkt ist. Zwölf Flüge zu europäischen Zielen, weist die Anzeigetafel für die nächsten drei Stunden aus.

Menschen in Teilen Asiens, waren uns in Sachen Hygiene schon immer voraus. Der Mund und Nasenschutz gehört in einigen Regionen schon seit Jahrzehnten zur Standardausrüstung eines Reisenden. Wenn ich bei Japanern auch schon hin und wieder Handschuhe gesehen habe, so hoffe ich doch, dass die Reisende aus Asien mit einem Einmal-Ganzkörperanzug keinen neuen Trend vorgibt.

Nachdem mein Formular, welches verhindern soll, dass ich Covid-19 verbreite, kontrolliert wurde geht es endlich los.

Austrian Airlines
Endlich wieder fliegen!

Ich weiß nichts über Zypern!

Larnaka, 28 Grad und wolkenloser Himmel. So lieben wir das! Nachdem ich mein „Covid-19“ Formular noch dreimal vorgezeigt habe übernehme ich meinen Mietwagen. Ein Nissan Micra mit 109.000 Kilometern auf der Uhr wird mein Begleiter für die nächsten neun Tage. „Irgendeine Schüssel“ sagte ich im Reisebüro, davon ausgehend, das Mietwagen meist relativ neu sind. Ein Irrtum! Vielleicht wissen die aber auch, dass es besser ist mir so ein abgeschriebenes Wrack zu geben, denn Mietwagen sind bei mir immer All-Road Fahrzeuge. Beim Landeanflug begann ich zu ahnen wie groß doch diese Insel ist. Na ja, ich habe mich 48 Stunden vorher für Zypern entschieden und Zeit für Vorbereitung war keine mehr!  Zypern liegt etwa 350 Kilometer vor der libanesischen Küste. Sie ist die drittgrößte Mittelmeerinsel und entstand 1960 als eigenständiger Staat aus einer britischen Kronkolonie.

Mietwagen Zypern Trodos
Meine Nuckelpinne.

Die Situation nach dem Covid-19 Impact

Auch auf Zypern hat Covid-19 Spuren hinterlassen. Die Saison auf der Sonneninsel startete erst im Juni, was für die meist vom Tourismus lebenden Einwohner herbe Einnahmeverluste bedeutete. So sieht man auch hier leerstehende Hotels und vor allem Geschäfte. Aktivitäten, wie Tauchen werden nur noch von Wenigen angeboten. Und das vor dem Hintergrund, dass man 2020 mit etwa 4 Millionen Besuchern rechnete und entsprechende Hotelkapazitäten aufgebaut hat. Das Hotel „Nissi Beach Plage“, in das ich gebucht wurde, ist derzeit jedoch mit 110 von 150 Zimmern gut gebucht. Vor allem Deutsche, Russen, Schweizer, Franzosen und Österreicher trifft man auf der Insel. Mit der Grenzschließung zum türkischen Teil Zyperns und mit Hygienekonzepten versucht man eine Art Normalität aufrechtzuerhalten. Doch wer will das alles kontrollieren?  Wenn Gäste den Plastik-Handschuh an der Hand tragen, die den Teller hält und die ungeschützte Hand im Buffet rumfingert, ist zumindest die Hirnleistung des Betreffenden schon stark beeinträchtigt. Am Buffet wird brav die Maske getragen. In den geschlossenen Räumen des Hotels tragen mindestens die Hälfte der Gäste die Maske nicht! Dann kann man die Maßnahmen auch gleich ignorieren!

Im Oktober 2020 hat man jedoch die Gehsteige in Ayia Napa meist für sich allein. Besonders nach Sonnenuntergang wird es offensichtlich. Ganze Straßenzüge an denen sich einst belebte Restaurants, Supermärkte, Souvenirläden und Casinos aneinanderreihen, versinken nun in Dunkelheit. Es gibt aber auch gute Seiten. Wegen akutem Wassermangel wird manchmal in der Saison, für eine Woche das Wasser abgestellt. Das betrifft zwar auch die Hotels, die dann auf Zisternen zurückgreifen und sparen müssen, doch die Gäste sollen davon nicht merken. Nun kann sich die Insel etwas erholen. Touristen wie ich die sonst eher Fernziele im Visier haben kommen, reisen nun als Notlösung nach Zypern und entdecken die doch vielseitige Insel für sich. Das verspricht wiederum Wachstum für die kommenden Jahre.

antik Kurion Zypern
Die antike Stadt Kurion unweit von Limassol.

Pauschalitäten

Seit Beginn des Massentourismus in den frühen Siebzigern, dominieren Betonburgen die Küste Zyperns. Nur im Landesinneren gibt es einige schöne Refugien, in denen man sich dem All-Inn Alltag entziehen kann. Auch ich begebe mich an das Buffet und komme mir dabei seltsam fremd vor. Wenn ich mich nicht täusche, ist es das erste Mal, dass ich zwischen Frauen im kleinen Schwarzen oder im Paillettenkleid und ihren Männern in Shorts und T-Shirt am Abend-Buffet stehe. Manche feiern das hier ab als sei es vollendete Nobelsse. Dabei sitzen wir auf Plastikstühlen an Tischen aus Kunstharz gebundene Schichtstoffplatten, während nervige Slow-Jazz Musik den Restaurantbereich beschallt. Das bei einer Halbpension ein Softdrink zum Abendessen extra zu bezahlen ist, woher soll ich das wissen? Erst ein Disput mit dem Personal lehrt mich die Eigentümlichkeiten des Hotelbetriebs. So darf man vor 9 Uhr auch nicht im Pool schwimmen. Ab 9:00 Uhr wird er dann aber gereinigt – geht ja vorher auch nicht!

Hotel Pool Zypern
Schicker Beton.

Erste Irrfahrt

Mein erstes Ziel ist „Aphrodites Bath“, 208 Kilometer von Ayia Napa entfernt. Das Meer ist glatt wie ein Dorfteich und ich habe selten einen so unfotogenen Strand gesehen.

Am 8. Dezember 2011 lief die EDRO III, auf ihrer Fahrt von Limassol nach Rhodos, in schwerer See vor Pegias nahe Paphos auf Grund.  Ladung, Treibstoff und Öle wurden entfernt und das Schiff gesichert. Nun avanciert das Wrack der „Edro III“ zur Touristenattraktion, da es nur wenige Meter von der Steilküste entfernt liegt.

Dann suche ich die venezianischen Brücken im Troodos Gebirge. Ein Unterfangen, dass ohne akribische Vorbereitung zum Scheitern verurteilt ist. Jedoch finde ich zumindest eine dieser Brücken, die jedoch ebenfalls das Prädikat unfotogen verdient hat. Letzte sinnvolle Option am Nachmittag ist der „Aphrodite Rock“ bei Paphos. Dort versinkt die Sonne unspektakulär in der Dunstsuppe des Mittelmeers.

Aphrodite Rock Zypern
Bis in die Abendstunden ein Pilgerort – der Aphrodite Rock.

Nikosia oder Lefkosia

Heute mache ich mir mal keinen Stress! Habe ich mir jedenfalls vorgenommen. Ich erkunde ganz gemütlich das Kapo Greko und fahre dann nach Nikosia. Die Insel ist zwar recht groß, jedoch gibt es eine bemerkenswert gute Infrastruktur aus Autobahnen und Landstraßen. So kann man jedes Ziel als Tagestour gut erreichen. Kostet eben nur Zeit und einige Tankfüllungen.

Nikosia ist eine Symbiose aus Verfall und Wiederaufbau. Zypriotische Flaggen wehen mit türkischen Fahnen um die Wette. Baukräne und Bauarbeiterkolonnen renovieren oder lassen neue Betonkunstwerke entstehen. In dem Labyrinth aus engen Einbahnstraßen in der Altstadt stößt man, wenn man danach sucht, auf die verbarrikadierten Straßen, die an der UN-Pufferzone enden. Eine Szenerie wie aus den sechziger Jahren in Berlin. Das gibt es so heute nur noch hier. Jedoch gelten strikte Fotografierverbote!  Ich frage die Soldaten, deren Stimmung so irgendwie zwischen gelangweilt und genervt ist. Natürlich dürfte ich ein Bild machen aber nur von weit weg, mit dem Teleobjektiv….hmm oder habe ich das falschverstanden? Diese Bilder sollen doch nur zeigen, wie absurd solche Grenzen, vor dem Hintergrund unserer globalen Probleme doch im Grunde sind.

Nikosia Grenze Soldaten
Grenze teilt Stadt!

Erster Ausflug ins Troodos Gebirge

Eine weitere Inselrundfahrt zu der ich schon um sechs Uhr starte. Erster Stopp ist der Strand an dem der Aphrodite Rock und einige andere Felsen in den ersten Sonnenstrahlen leuchten.

Dann geht es nach Akrotiri zum Wrack der 1932 gebauten “Mav Achaios“. Am 5. Januar 1976 geriet der Frachter mit einer Ladung Holz, auf dem Weg von Jugoslawien nach Jeddah in Saudi-Arabien in einen Sturm und lief beim Leuchtturm von Akrotiri auf Grund. Was vom Strand aus kein Schiff mehr erkennen lässt offenbart aus der Luft die Umrisse des Frachters.

Nun widme ich mich wieder den venezianischen Brücken im Troodos Gebirge. Diesmal bin ich besser vorbereitet und finde, dank eines Parkrangers auch die letzte Brück auf Anhieb.

Es kann nur gemutmaßt werden zu welchem Zweck diese Brücken vor über 600 Jahren gebaut wurden. Wurden sie für den Warentransport aus dem Norden zu den Häfen im Süden gebaut? Tatsache ist das es alte Transportrouten gab, die den Flussläufen des Xeros und Diarazos folgten. Eine andere Theorie besagt, dass auf den Routen Bauern Feldfrüchte aus den fruchtbaren Tälern an die Küste zur Versorgung der Venezianer transportierten. Könnte man in der Zeit zurückreisen, wäre es auch möglich man träfe Kamelkarawanen die Zeedernholz für Venedig abtransportieren. Vielleicht ist die Wahrheit auch eine Kombination aus allen Theorien. Faszinieren sind dies massiven Bauwerke, die ohne jede Instandhaltung die Jahrhunderten an sich vorbeiziehen lassen, noch heute.

  • Elias Brücke – wenig beachtet, jedoch sehr fotogen
  • Roudia Brücke – nach Unwettern und Hochwasser ist 2020 das gesamte Flussbett an der Brücke verwüstet
  • Tzelefos-Brücke – Park ähnliche Anlage jedoch eine der schönsten Brücken
  • Kelefos Brücke – sehr kleine Brücke an einem Damm, nicht so gut umzusetzen
Zypern Troodos Brücke
Tzelefos-Brücke

Lost

In diesem Teil des Troodos Gebirges bin ich allein. Kein Auto begegnet mir. Keine Cafés, an denen ich mal eine Pause machen wollte. Nur winzige Dörfer und mal ein kleines Weingut. Wer meint Zypern wäre nur karger Fels, der kann sich im Troodos Gebirge eines Besseren belehren lassen. Durch dichte Pinienwälder kann man stundenlang über Schotterpisten fahren ohne jemandem zu begegnen. Hier ist man wirklich lost.

Zypern Troodos Wald
Die „grüne Hölle“ im Troodos Gebirge.

Wracks und andere Schiffe

Die MV Dimitrios II war mit einer Ladung Holz auf dem Weg von Griechenland nach Syrien (Holz dass in Griechenland nicht mutwillig niedergebrannt wird, holzt man ab!) geriet am 23. März 1998 in schwere See und lief vor Paphos auf Grund. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, die Kompetenzpapiere des griechischen Kapitäns und des pakistanischen 1. Offiziers waren gefälscht. Da hatten sich zwei ja gefunden (LOL).

Zypern Wrack Pafos
MV Dimitrios II

Bei einem Stopp Over in Limassol fällt auf, dass von den fünf Kreuzfahrtschiffen die in der Bucht lagen nur noch zwei dort sind. Nachfragen ergeben, dass die Schiffe hier an Zypern nur vorbeifahren, die Passagiere jedoch das Schiff nicht verlassen dürfen. Herausragend ist das „The Oval“ des Designbüros Atkins. Limassol wirkt lebhafter und nicht so öde wie die Bettenburgen in Paphos oder Ayia Napa. Vielleicht finde ich ja noch einmal Zeit für einen Besuch.

Das Stavrovouni-Kloster, auf einem der höchsten Berge Zyperns wurde zwischen 327 und 329 n. Chr. gegründet und gehört damit zu den ältesten Klöstern der Welt. Ein Besuch in dieser Stille hoch oben lohnt vor allem dann wenn es ab Mittag an der Küste heiß wird.

Nach zwölf Stunden im Auto, habe ich morgen sicher Muskelkater in den Armen vom Serpentinen fahren.

Abtauchen

Mittwoch, 21.10.2020, klarer Himmel, 24-30 ° Celsius

Mit Unterstützung von „Lucky Divers“ entdecke ich die Unterwasserwelt von Zypern. Am Cape Awkward ist der erste Tauchgang. Leider gibt es heute keine Feuerfische zu sehen und auch sonst lassen sich kaum Meeresbewohner sehen. Der zweite Tauchgang ist in Green Bay. Diese Bucht ist bekannt durch seinen Unterwasser-Skulpturengarten. Hier fühlt man sich ein wenig wie Indianer Jones auf Tauchstation.

Zurück zum Hotel bin ich zu Urlaub verdammt, denn ein Reifen meines Mietwagens ist platt und die nächsten 1000 Kilometer mit dem Notrad zu machen ist keine Option. Keine Option ist auf der Liege am Pool in der Sonne zu schmoren. Nach zehn Minuten ist mir langweilig und heiß. So räume ich mein Zimmer auf und warte bis die von Europcar kommen und mir einen neuen Mietwagen bringen.

Tauchen Zypern Mittelmeer
Tauchen auf Zypern

Sonnenaufgang

Donnerstag, 22.10.2020, von Sonnenaufgang bis 11:00 leicht bewölkt, bis 17:30 klar, Celsius, am Abend wieder wolkig, 23°C -28° Celsius

Schon Sonnenaufgang stehe ich fotografierend am Monachus Monachus Arch. Nach einem Frühstück ohne selbstgemachten Zeitdruck fahre ich Richtung Süden. An der Schnittstelle der Kontinente Europas, Afrikas und Asiens, hat Zypern im Laufe der Jahrtausende Kulturen kommen und gehen gesehen. Die antike Stadt Kourion nahe Limassol, zählt neben der archäologischen Stätte Pafos zu den sehenswertesten auf Zypern. Die Ausgrabungen beinhalten neben dem antiken Theater eine große Basilika und das weitläufige Ruinenfeld, der so genannten Akropolis mit vielen Überresten und Grundmauern des einstigen Stadtkönigreiches. In Kourion kämpften früher Gladiatoren. Heute dient das antike Theater vor allem Konzert- und Theaterveranstaltungen.

Stone Arch Zypern
Love-Arch

Limassol

Nun statte ich Limassol einen zweiten Besuch ab und stehe das erste Mal auf Zypern im Stau. Schon von Weitem offenbart sich, wie drastisch sich das Stadtbild verändert. Wo man hinschaut drehen sich Baukräne. Futuristische Wolkenkratzer, entworfen von international renommierten Designbüros, wachsen in den Himmel oder stehen kurz vor ihrer Fertigstellung. Nicht zuletzt wegen seines Hafens ist Limassol die gefühlte Hauptstadt Zyperns. Allerdings hat das auch eine Schattenseite. Die Strände, an denen sich auch die teuren Hotels aufreihen, sind nicht besonders schön und im Hintergrund tobt der Verkehr. Die Wasserqualität ist zumindest optisch mäßig und bei Weitem nicht so klar wie in Ayia Napa oder anderen Urlaubsrefugien.

Oval Limassol Zypern
Hübsches Gesicht – Limassol

Omodos

Omodos sollte auf der ToDo Liste eines jeden Zypern Besuchers ganz oben stehen. Wenn an der Küste und in den Tälern die Hitze zu einer Qual wird, dann sind in Omodos, am Südhang des Troodos-Gebirges, die Temperaturen immer noch angenehm. Das Leben geht hier um einiges gemächlicher von statten, als in den geschäftigen Küstenorten. Haupteinnahmequelle der Bewohner sind bis heute der Anbau von Wein, Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Pfirsichen und Aprikosen. Dem kleinen Ort mit etwa 400 Einwohnern eilt der Ruf voraus das schönste Dorf Zyperns zu sein. Von internationalen Reisepublikationen und lokalen Reiseführern wird es als das Weindorf Zyperns gepriesen.

Dominiert wird die Ortsmitte vom Kloster, dessen Gründung bis in das 4. Jahrhundert zurückgeht. Die unauffällige Klosterkirche Timiou Stavrou wurde allerdings erst im 19. Jahrhundert neu erbaut. Auf jedem Fall sollte man einen Blick in den Innenraum der Kirche werfen. Beeindruckend ist dort der vergoldeten Ikonostase aus dem 18. Jahrhundert. In der Kirche soll ein Splitter des Kreuz Jesu und eine Schädelreliquie des Apostels Philippus aufbewahrt sein. In einer Zeit nach Covid-19 wird der Ort wohl nie wieder so leer sein wie in 2020!

Die Black Pearl und die Geröllheimers

Die Sonne stirbt hinter dunklen Wolken. Im Hafen von Ayia Napa liegt düster und bedrohlich die sagenumwobene „Black Pearl“ vor Anker. Vor dem „Bedrock“ lauert Barney arglose Passanten mit der Keule auf, während das Geröllheimer Auto an der Ecke parkt. Die vier Gäste, die sich in das Themenrestaurant „Bedrock“ verirrt haben, sind jedoch kein Grund für ein Jabba Dabba Doo! Ob Hard Rock, Bedrock oder Asia Thai Fusion, derzeit geht nicht viel in Ayia Napa.

Black Pearl Zypern
„Black Pearl“

Sicherster Ort vor Covid-19: Unterwasser

Freitag 23/10/2020, klarer Himmel, 23°-30° Celsius

Covid-19 hat mich eingeholt. Seit heute besteht auf Zypern Maskenplicht auch auf der Straße. Ausnahme sind sportlich Aktivitäten. Zum Glück ist Tauchen ja ein Freizeitsport. Masken werden beim Tauchen ja üblicherweise auch getragen, wenn es keine Pandemie gibt.

Diesmal gehe ich mit Cyprus Diving Centre , die qualitativ und in ihrer Flexibilität um Längen besser sind als die erste Agentur.  Wir sind nur zu zweit und die ersten in Green Bay. Wir sehen keine Schildkröten, dafür aber zwei Seepferde. Den Schweizer Auswanderern mit ihrem überzeugenden Konzept und ihrem Team bleibt nur viel Erfolg zu wünschen.

Seepferd Zypern Tauchen
Seepferd

Capo Greko

Die Schwierigkeit ist das viele Orte auf Zypern viele Namen haben. Capo Greko zum Beispiel kann auch Kap Greco, Κάβο Γκρέκο oder Kapo Grekho sein. Bei Capo Greko kein Problem, da ich in der Näher gewohnt habe. Bei anderen Zielorten war die Suche im Navi oft nervend und nicht immer erfolgreich. Die nahe liegenden Ziele habe ich mir für die ruhigeren Urlaubstage aufgehoben. Das ist der „Kamara Tou Koraka Stone Arch“ und die Sea Caves. Allerdings finden an der Sea Cave in der Saison regelrechte Festivals statt. Hier kann man baden, schnorcheln und die Mutigsten springen von den zehn Meter hohen Klippen ins Wasser.

Sea Caves Zypern
Sea Caves

Schlachtfelder

Sonnabend, 24/10/2020, ab 9 Uhr teils wolkig, 22-28 ° Celsius

Wie schon erwähnt, kann man faszinierende Bilder bei den Sea Caves nur machen, wenn die Touristen noch in den Betten liegen oder beim Frühstück sitzen.

Viel später nach dem Frühstück drehe ich mal eine Runde über die Dörfer und fotografiere ein paar Dinge die keine Sehenswürdigkeiten darstellen. Dabei entdecke ich nahe dem kleinen Fischerhafen von Xylophagou unzählige Panzer die in Strandnähe vor sich hin oxidieren. Diese Panzer hat man nach den Kämpfen, während der türkischen Invasion, einfach hier stehen lassen. Waren wahrscheinlich wirtschaftliche Totalschäden. Diese Panzer sind doch mal endlich einen lohnendes Motiv für den Sonnenuntergang.

Panzer Zypern Invasion
Xylophagou Battlefield

Reisen mit Covid-19

3 Wochen – 5 Länder – Österreich – Italien – San Marino – Schweiz – Liechtenstein

Wohin in Zeiten der Covid-19 Pandemie, in der Risikogebiete täglich wechseln können und internationale Reisen schwierig zu planen sind ? Internationale Tourismusströme sind zum Erliegen gekommen.  Doch daraus ergeben sich auch Chancen die so vielleicht nicht wiederkommen. Eine „Fünf – Länder – Tour“ durch Europa, zu Orten die wir sonst nie, oder erst im Rentenalter besucht hätten war unsere Alternative. Sonnabendmorgen klingelt um 4:04 Uhr der Wecker. Schlaftrunken torkeln wir durchs Haus, suchen unsere Sachen zusammen, essen so etwas wie Frühstück, bevor wir uns ins Auto setzten.Um 4:55 Uhr rollen wir vom Hof. Bis zum Sonnenaufgang um sieben Uhr, kostet es echt Überwindung nicht hinterm Steuer zu entschlummern.Schon unterwegs ist es auf den Rastplätzen ist richtig voll. Zunächst sind es die LKW-Fahrer die Plätze suchen. Später dann, werden es immer mehr Camper, die aus den Ferien kommen oder erst auf dem Weg zu ihren Stellplätzen sind. Um und in München stauen wir uns dann gen Süden. Von Covid-19 Angst keine Spur. Zumindest der motorisierte Tourismus ist wieder on the road!

Alpen Großglockner Pass
Urlaub mit dem eigenen KFZ ist wieder im Trend!

Hallstatt

Hallstatt, das erste Ziel, bei dem wir vor Covid-19 nie auf die Idee gekommen wären, es zu besuchen. Doch die Reisesperren ließen die Ströme asiatischer Touristen abreißen. So wie in Hallstatt, bietet sich weltweit nun an vielen Orten die Chance, diese noch einmal zu erleben wie vielleicht vor mehr als zwanzig Jahren. Doch zumindest Hallstatt ist inzwischen wieder gut besucht. Vereinzelt sieht man sogar Chinesen, Inder und andere Nationen. Die jedoch gehören nicht zu den Horden die sonst hier die Peking Avenue bevölkern, sondern haben einen Wohnsitz in einem der Schengen Staaten. Hallstatt ist der Ort, der für Asiaten das „Bilderbuch Österreich“ verkörpert und wir geben zu, die Lage am See, zwischen den hochaufragenden Bergen macht den Ort zu etwas Besonderen. „Das benutzte Toilettenpapier nicht in den Abfalleimer werfen, Keine Birnen pflücken, No Drone Zone, nicht in die Fenster fotografieren! kein Holz aus dem Speichen nehmen und auch keine Zigarettenkippen reinstecken!“, sind nur einige der unzähligen Hinweisschilder in Hallstatt, die den Besuchern aus Asien und China, eine Hilfe für den Umgang mit unserer Kultur sein sollen. Das Tourismusgeschäft ist überall wieder angelaufen. An manchen Orten in Österreich waren die Sommermonate sogar besser als die Jahre zuvor. Doch wir staunen nicht schlecht, als ein Servicekraft erzählt, dass es bis 2019 doppelt so viel Touristen waren wie derzeit. Viele wünschen sich sogar die Busladungen asiatischer Tagestouristen zurück. Uns ist es jetzt schon zu voll! Nach einer langen Nacht, wir waren vom frühen Aufstehen und von der Fahrt total fertig, schlendern wir noch einmal die „Peking Avenue“ von Hallstatt entlang. Stille herrscht im Ort und die Straße haben wir am Morgen fast für uns allein. Sogar die Katzen trauen sich wieder zum Spielen auf die Straße, ohne Risiko zertreten zu werden.

Hallstatt Österreich Katze

Romantik-Straße

Auf der „Österreichischen Romantikstraße“ herrscht selbst am Sonntag starker Verkehr. Autokolonnen, Wohnmobile und wagemutige Motoradfahrer teilen sich das kurvige Asphaltband zwischen Hallstatt und Ramsau. Von Romantik kaum eine Spur!

Alpenidylle abseits der Straße

Ramsau-Dachstein

Von Ramsau fahren wir die Mautstraße (20 €) hinauf nach Schladming, dem Tor zum Dachstein. Wir stellen uns in die Schlange zur Panorama Seilbahn an, kaufen ein Ticket (97 €, 2 Pax) und checken dann im Gasthof Hunerkogel, (120 Euro,2 Pax) ein. Die Seilbahn hat eine Plattform auf dem Dach, auf der man im Freien die Fahrt genießen kann. Wir haben das Glück zu den wenigen zu gehören die für den Balkon ausgewählt werden. Da man Berg- und Talfahrt an der Talstation zu festen Zeiten buchen muss, haben wir hier auf dem Gipfel nur eine Stunde Zeit. Bei guten Wetter ist das zu kurz. Allein an der „Treppe ins Nichts“ stehen wir eine halbe Stunde an. Dann eilen wir durch die Eiswelten, dem Tunnel durch das Gipfeleis und sind somit just in Time wieder an der Seilbahnstation. Es bleibt jedoch keine Zeit für ein Sonnenbad auf den Terrassen oder ein Powernapping im Strandkorb mit Blick über die Bergwelt. Wieder im Tal chillen wir auf der Terrasse des Hunerkogel, besuchen den Streichelzoo, fahren mit österreichischen Jungs ein Bobby Car-Rennen, wandern etwas durch die nahe Umgebung, bevor wir den Rest des Tages wieder auf der Terrasse des Hunerkogel abhängen.

Treppe Nichts Dachstein
Treppe ins Nichts

Gösselalm -Spiegelsee

Sternenklar war die Nacht und klar ist der Himmel auch, als wir in der ersten Seilbahn hinauf auf den Dachstein fahren. Mit offener Jacke machen wir uns es in den Strandkörben auf der Terrasse bequem und genießen Sonne und den spektakulären Blick bis zum Großglockner. Auf der anderen Seite des Tals befindet sich die Reiteralm und einige Bergseen. Die nur 25 Kilometer entfernte Reiteralm ist unser nächstes Ziel.

Dachsteinmassiv

Die mautpflichtige Piste (8 Euro), ist ein kleines Abenteuer. Durch dichten Nadelwald, geht es in engen Serpentinen zwölf Kilometer steil bergauf und auf der schmalen Straße passen zwei Autos gerade so aneinander vorbei.

Leider muss der Wald an vielen Stellen weichen, um neuen Skipisten und Liftanlagen Platz zu machen. Immer höher hinauf führen die Seilbahnen. Vielleicht ist ja dort oben die Chance auf ein Skivergnügen im Winter größer.Schneekanonen stehen überall bereit um ein Schneevergnügen möglich zu machen, in den Wintern die keine mehr sind. Die Hoffnung schmilzt zuletzt.

Nach dem Mittagessen auf der Gösslalmhütte finden wir in der nur einen Steinwurf entfernten Eiskarhütte ein Zimmer für die Nacht.Für 60 Euro pro Person bekommen wir ein frisch renoviertes Zimmer mit Blick auf die Bergkette des Dachsteingebirges. Jetzt in der Nachsaison sind wir außer einer Alleinreisenden Dame die einzigen Gäste. Die Wirtin erzählt uns, dass sie aufgrund der Covid-19 Situation beschlossen haben, auch im Sommer zu öffnen. Dies rechnete sich in 2020 jedoch nicht und sie hoffen nun auf den Winter. Nach Umbauten und Renovierungen kämpfen sie nun mit den Folgen der Krise. Sie fügt noch hinzu: Wenn sie in Berlin leben würden, dann würden sie auch zur „Anti-Corona“ Demo gehen.

Großglockner Hochalpenstraße

Die Großglockner Hochalpenstraße bieten den Autofahrern, die an derMautstelle 37 Euro entrichtet haben, ein fahrerisch anspruchsvolles und schönes Erlebnis. Das allerdings nur in der Nacht. Am Tage folgt man in der Kolonne Wohnmobilen und überforderten Langsamfahrern. Vorbei an sich bergauf quälenden Radfahrern, braucht man Geduld für den Aufstieg. Dabei darf die Aufmerksamkeit aber nicht nachlassen, da in manchen Kurven auch Motorfahrer frontal entgegenkommen können. Die Ausblicke sind spektakulär und dem aufmerksamen Auge wird nicht entgehen, wie dramatisch der Rückgang der Gletscher vorangeschritten ist.  Endlich angekommen am Franz-Josefs Gedächtnis Rummel, fragt man sich was man hier noch soll? Der Gletscher ist nur noch rudimentär vorhanden, sowie auch Eis und Schnee auf den Gipfeln. So schlachtet man das Naturspektakel aus so lange es geht. Der Touristenrummel kann sich mit dem Times Square in New York messen. Die Lautstärke ebenfalls. Autos, Motoräder und Busse ohne Unterlass. Man hat Mühe die Straße zu überqueren! Menschenmassen wie auf dem Oktoberfest. Ob das noch so ist wenn der Gletscher getaut und die Berge schneefrei sind, bleibt abzuwarten.

Das „Panoramarestaurant Kaiser Franz-Josefs-Höhe“ entpuppt sich als schäbige Frittenbude und die Zimmer sind winzig, spartanisch und auch nicht wirklich sauber. Egal ob Zimmer, Getränke oder Mahlzeiten nichts ist hier seinen Preis wert! Das Frühstück kostet zusätzlich 12,50 Euro. Möchte man statt einem gekochten Ei ein Rührei, muss man das auch noch extra zahlen! Nachts stehe ich auf und mache eine Nachtaufnahme. Um sechs Uhr geht’s nochmal raus, die Dämmerung fotografieren und um halb neun steige ich die 600 Meter hinab zum Gletscher, beziehungsweise dem was in einem Kilometer Entfernung davon noch übrig ist. Auf meiner Wanderung hinunter zum Gletscher treffe ich auf ein Filmteam, dass hier eine Kurzreportage über den Gletscher und seinen Zustand dreht -> https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/morgenmagazin/videos/MOMA-Reporter-Gletscherforschung-100.html

Großglockner

Dolomiten – Drei Zinnen

Nach einem kurzen Schlemmerstopp in Heiligenblut fahren wir weiter nach Italien. Tagesziel ist die Umrundung der Drei Zinnen. Die Angst vor Covid-19 sitzt in Italien tief. Vielleicht ist es auch mehr die Angst vor einem erneuten Shut-Down. Die Hygienevorschriften werden hier, im Gegensatz zu Österreich, konsequent umgesetzt. Italiener tragen selbst auf der Straße meist Masken und sind so recht einfach von anderen Besuchern zu unterscheiden. Desinfektionsmittel stehen überall und Hotelbuffets zur Selbstbedienung wie in Deutschland und Österreich gibt es hier nicht. In manchen Hotels werden sogar die Schlüssel mit Desinfektionsmittel gereinigt. Zwei Stunden später als geplant, kommen wir an den Drei Zinnen an. Naiv wie ich bin, habe ich nicht immer auf dem Schirm, dass heute alles „Sehenswerte“ vermarktet und dafür Geld kassiert wird. So bin ich dann doch erstaunt, dass wir für die Zufahrt zum Parkplatz bei den „Drei Zinnen“ vor einem Schlagbaum stehen. Für 30 Euro öffnet sich dieser und man darf hinauffahren. Eine Alternative ist die Anfahrt mit dem Linienbus oder eine stundenlange Wanderung. Die Wanderung um die „Drei Zinnen“ macht man im Trail mit hunderten Wanderern. Nur die nahende Schlechtwetterfront am späten Nachmittag lichtet die Reihen. Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf. Donnergrollen rollt über die Drei Zinnen. Als wir auf halben Weg zur Lavaredo Hütte sind, fallen erste Tropfen. An der Hütte machen wir einen kurzen Stopp. Gerade eben hat es aufgehört zu tröpfeln. Eine Mischung aus Verzweiflung und Hoffnung verleitet mich zu der Entscheidung weiterzugehen. Doch dazu kommt es nicht. Der Himmel verdunkelt sich immer mehr. Kaum hundert Meter gelaufen, beginnt es zu hageln. Es wird immer dunkler und Blitze zucken zwischen den Felsen. Während wir schnellen Schrittes zum Parkplatz zurücklaufen, hagelt und regnet es immer stärker. Die Temperatur ist auf fünf Grad gefallen und am Auto angelangt, sind wir bis auf die Unterwäsche durchgeweicht. Das war’s mit dem Abstecher in die Dolomiten! Es bleibt nur eine heiße Dusche, trockene Sachen und ein leckeres Abendessen. Am Morgen, es regnet nicht mehr, ist aber mit sechs Grad immer noch unangenehm kühl. Doch das erste weiche Licht der Sonne streicht über die Felsen und Tannenwälder. Es gibt Momente, da fühlt man sich hier an den Zion Nationalpark in den USA erinnert. Die Dolomiten, beziehungsweise das wenige, das wir davon gesehen haben, gefällt uns besser als die Alpen in Österreich. Vielleicht kommen wir ja wieder und beenden die Wanderung um die Drei Zinnen.

Nein, kein Wanderwetter!

Sommer in Venedig!

Nun führt uns unsere Route etwa zwei Stunden an die Küste nach Maghera. Hier wollen wir unser Auto für die Tage in Venedig parken. Da die Parkplätze auf dem Festland voll sind, fahren wir über den Damm zum „Venezia Tronchetto Parking“. Es ist, mit 21 Euro pro Tag nicht die günstigste Alternative aber eine der bequemsten. Gegenüber dem Parkhaus ist eine große Anlegestelle der Vaporettas (Wasserbusse). Damit kommen wir in einer halben Stunde zur Anlegestelle nahe unseres Hotels. Dann nur noch geradeaus, dann links über die Brücke, dann rechts die Straße runter, dann am Parochia de S. Luca vorbei und wieder nach links, dann zweite nach rechts und dann ist das Hotel „Ca Alvise“ nach 55 Metern auf der linken Seite vor der Brücke. Eher zufällig haben wir ein Hotel in bester Lage gewählt. Es sind vom Hotel jeweils nicht mehr als 500 Meter zum Marcus Platz, zur Accademia Brücke und zur Rialto Brücke. In der Umgebung finden sich unzählige Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants. Um es perfekt zu machen, entspricht das Hotel-Interieur dem Sujet eines Mittelalter-Historienfilms. Am Nachmittag machen wir noch eine „Aperol Spritz Tour“. Das bedeutet wir quälen uns bei 30 Grad solange durch die Gassen bis wir einen Stuhl brauchen, setzen uns in ein Restaurant genehmigen uns besagtes Getränk und erkunden weiter die Gassen Venedigs, bis es dunkel ist. So haben wir einen ersten kleinen Eindruck.

Instagrammable

Venedig ist der Ort, wo sogar die junge Generation von ihren Smartphones kurz aufblickt. Venedig ist ein Insta-Hotspot und was man auf Insta gesehen hat, will man hier auch selbst posten. So wartet man am Abend auf der Rialto Brücke geduldig auf einen guten Platz für ein Selfie oder stellt gar sein Kamerastativ auf. Jahr für Jahr millionenfach fotografiert, doch nur selten gut, will fast jeder dieses Motiv als Datei selbst mit nach Hause nehmen. Es ist fast schon absurd und schwer zu glauben, doch in Venedig trifft man an jeder Ecke und auf jeder Brücke die „Influenzerinnen“, die „Bloggerinnen“ und alle die sich dafür halten. Mit leichtem Sommerkleid und einem breitkrempigen Hut, sitzen junge jung Mädchen auf Treppenstufen, lehnen lässig über Brückengeländern oder umarmen Säulen, während Freundin oder Freund sie fotografieren. Ja sogar Männer die sich Models mieten, machen hier Bilder die die Welt nicht braucht!

Venedig Gondoliere Portrait
Gondoliere

Venedig, so leer wie seit 20 Jahen nicht mehr!

Wenn auch jeder versichert, das Venedig so leer ist wie seit über zwanzig Jahren nicht mehr, so ist es für mein Empfinden immer noch unerträglich voll. Wer wie ich glaubt, er sein vor Sonnenaufgang am Dogenpalast der Einzige, muss sich eines Besseren belehren lassen.

Sonnenaufgang am Dogenpalast

Etwa 30 Leute finden sich dort schon eine Stunde vor Sonnenaufgang ein und warten auf den magischen Moment, den sie sonst immer verpennen. Alles rennt wild über den Platz um den besten Standpunkt zu finden. Allerdings schreibe ich im Jahr 2020, wo die Covid-19 Angst das Reisen beherrscht und es keine kontinentalen Flugverbindungen gibt. Wie mag es hier sein, wenn im Jahr 30 Millionen Touristen Venedig besuchen? Die Mehrzahl der Besucher Venedigs folgen dem blankgelaufenen Pflaster der Gassen zwischen den Hauptsehenswürdigkeiten oder flanieren auf der Einkaufsmeile „Mercerie“. Verlässt man diese Routen findet man sich nur einen Block entfernt plötzlich in einem Venedig der Ruhe und Ursprünglichkeit. Hier laden kleine Cafés und Restaurants zum Verweilen ein und berechnen für ihren Service einen Bruchteil dessen, was auf den Sightseeing-Trassen verlangt wird. Doch erst wenn es dunkel geworden ist, wenn die Restaurants geschlossen und die Touristen sich aufs Festland oder ihre Zimmer zurückgezogen haben, entfaltet Venedig seinen Zauber. Wenigstens einmal, sollte man durch die dunklen Gassen wandern, während die Schritte von den Wänden wiederhallen. Dunkel ist dann das Wasser der Lagune, dass träge unter den Brücken dahinfließt. Manchmal sieht man dann einen Gondoliere, der leise ein Lied summend nach Hause rudert. Hat sich das Wasser hinter dem Boot wieder geglättet, spiegeln sich Zerrbilder der gelblich leuchtenden Fenster auf dem schwarzen Wasser des schmalen Kanals. Wer am Tag Ruhe sucht, zieht sich in die Viertel „II Ghetto“, das jüdisch Viertel oder nach „Dorsoduro“ zurück, in dem man fast nur Venezianer trifft, zurück. In den Gassen finden sich überall Cafés, in denen man sich mit italienischen Leckereien vollstopfen oder Aperol-Spritz abfüllen kann. Auch das Preisniveau, die Qualität und der Service ist oft besser als an den Touri-Hotspots. Am Abend laufen wir zum Platz Santi Giovanni e Paolo, schauen uns das Floating House, an und genießen den Sonnenuntergang auf der Ponte Accademia, bevor der Abend Aperol-spitzig endet.

Marcus Place sunrise

Burano

Einst fuhren die Männer zum Fischen hinaus, während die Frauen Spitzendeckchen strickten. Die Legende erzählt, dass die Männer die Häuser bunt bemalten, um sie vom Wasser aus leichter erkennen zu können. Burano war eine der Inseln in der Lagune, die besiedelt worden war. Heute leben nur noch wenige Familien auf der Insel, die in der Saison ab 10 Uhr von Touristen geflutet wird. Viele machen nur ein paar Schnappschüsse und fahren wieder ab. Wenige, gehen hier essen, kaufen Andenken oder gar echte Burano Spitze. So verkommt auch Burano zu einer reinen Insta-oder Tiktok Kulisse!

Venedig Burano bunt
Buntes Burano

Murano

Nach dem Sonnenaufgang vom Punta della Dogana und dem Frühstück fahren wir zur Insel Murano. Hier leben noch fünftausend Einwohner und die Insel ist deutlich geschäftiger als Burano. Jedoch gibt es nicht allzu viel zu sehen und nur Liebhaber der Glasbläserkunst sind hier im Paradies. Burano Glas, hat eine lange Tradition, die einst zum Reichtum Venedigs beitrug und gehört noch heute zu den erlesensten Gläsern der Welt!

Wir besuchen San Georgio Maggiore und den alten Fischmarkt „Campo de la Pescaria“. Am Abend verabschiedet uns ein spektakulärer Sonnenuntergang über der Skyline von Venedig.

Abschied von Venedig

Verona

Nach 57 Kilometern zu Fuß durch Venedig wollen wir Beinen und Füßen etwas Urlaub gönnen und fahren nach Verona. Natürlich besuchen wir wie Jedermann Giuliettas Haus, den Ort einer fiktiven Geschichte Shakespeares, mit dem 1928 angebauten Balkon. Veronas steht Venedig in der Vermarktung von Geschichte und alten Steinen in nichts nach. Es gibt mehr Souvenirstände und Läden als historische Gebäude. Die Arena di Verona ist derzeit eingezäunt und wird saniert. Sehenswert sind dort aber lediglich die von Zeit zu Zeit stattfindenden Opern und Theateraufführungen.

Road to San Marino

Um etwas mehr von Italien zu sehen, entscheiden wir uns für die kürzere Route an der Küste entlang nach San Marino. Das war ein Fehler! Zwischen Venedig und San Marion gibt es zumindest auf dieser Route nur leerstehende Gewerbegebiete, verfallene oder verlassene Häuser oder Grundstücke an denen das Schild „VENDESI“ prangt.Auf weiten Strecken folgt man dem EU subventionierten LKW Karawanen. Eine nicht enden wollende Kolonne von Lastwagen nutzt hier die Landstraße um die Mautgebühren zu sparen. Überholen ist sinnlos und selten möglich. Zusätzlich zu den unzähligen Blitzern auf der Landstraße, leistet sich jede nur noch so kleine und halb verlassene Kuhbläke mindestens eine Anlage zur Geschwindigkeitsüberwachung. Nach dem wir nahezu eine Stunde in einem LKW Stau verloren haben, passieren wir am frühen Nachmittag die Grenze von San Marino. Der Zwergstaat ist mit einer Fläche von 61 Quadratkilometern die kleinste Republik der Welt. Weithin sichtbar thronen die drei Burganlagen San Marinos auf dem Monte Titano. Wovon leben die Menschen in so einem kleinen Land? Sie lieben Waffen und handeln damit! Ob Messer, Schwerter, Bögen, oder Handfeuerwaffen, für die San-Marinesen und San-Marinesinnen sind sie ein Symbol der Freiheit. Wichtige Wirtschaftszweige sind aber auch der Tourismus, Finanzdienstleistungen und Handwerk. Exportiert wird nahe liegend vor allem nach Italien.

San Marino Titan

Toskana

Nach Italien fahren auch wir wieder. Nächstes Etappenziel ist die Toskana, das Mekka der Wein und Käseliebhaber. In der Stadt Pienza, mitten im Orcia Tal, mieten wir uns für zwei Nächte im Piccolo Hotel ein.

Neben den Wein und Käse Genießern, sind es auch die Fotografen und jene die es sein wollen, auf die diese einzigartige Landschaft eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübt. So bin ich auch nicht der Einzige der noch vor Einsetzen der Dämmerung durch Olivenhaine und Zypressenalleen irrt. Am Podere Belvedere gesellt sich eine Gruppe Tschechen zu mir. Doch das Motiv liegt in einem dunklen Tal und die Sonne geht im Gegenlicht auf. So fahre ich zum Poggi Covili, bei der Sonne und Nebel um die Vorherrschaft ringen. Hier ist schon eine Gruppe „Betreutes Fotografieren“ aus Großbritannien am Werk. Selbst in der Nachsaison, werden die vier Hauptmotive, Belvedere, Poggi Covil, die „Zig Zag Zypressen Allee“ und die Kirche „Madonna di Vitaleta“ bei Pienza, vom Morgengrauen bis nach Sonnenuntergang von Besuchern belagert.

Am Nachmittag erkunden wir bei leichtem Regen Pienza. Die beschauliche Stadt gilt als ein Beispiel von Idealstadt, nach der Vorstellung der Städteplaner der Renaissance-Epoche und ist seit 1996 Weltkulturerbe der UNESCO. Hoch oben auf einem Hügel, umgeben von wehrhaften Mauern,verströmen die Straßen und Plätze in der autofreien Altstadt ein Gefühl der Ruhe und Geborgenheit.

Belvedere – „der Inbegriff der Toskana“

Petrazetti und Pisa

Da wir nun im Umkreis von 30 Kilometern um Pienza jeden Winkel erkundet haben, fahren wir weiter über Siena nach Pisa. Um mehr von der Toskana zu sehen, nutzen wir wieder die Landstraßen. Doch nirgendwo ist die Toskana landschaftlich so reizvoll wie in der Umgebung von Pienza.

Petrazetti ist ein Kaff auf dem Weg von Siena nach Pisa. Die Hälfte der Bewohner, von denen man nur selten einen auf dem Gehweg sichtet, hat den Ort verlassen, die Gewerbebetriebe haben aufgegeben und der Rest der Bewohner hat ein „VENDESI“ Schild ans Haus genagelt. Vielleicht gerade deshalb leistet sich der Gemeinderat von Petrazetti fünf Anlagen zur Geschwindigeitsüberwachung. Der Ort ist nur etwa 500 Meter lang und eine der Anlagen ist nur 100 Meter von der Nächsten entfernt. Wer also auf seiner Route die Endzeitdörfer Italiens durchquert, sollte die Augen offenhalten oder eine Warn-App nutzen.

Kurz vor Pisa geraten wir in ein schweres Gewitter und es sieht nicht so aus, als würden wir heute noch irgendetwas unternehmen können. Doch als wir auf dem „Piaza dei Miracoli“ stehen, lässt die Sonne den Carrara-Marmor von Turm, dem Dom S. Maria Assunta und des Baptisteriums noch einmal erstrahlen. Doch die dunklen Gewitterwolken, die hier einen perfekten Hintergrund bilden, kündigen einen Wetterwechsel an.

Pisa world heritage

Veruzza – Ligurien

Von Pisa fahren wir am Morgen nach Veruzza. Das verschlafene Fischerdorf an der zerklüfteten ligurischen Küste, an der die Berge steil ins Meer hinabfallen, hat sich in den vergangenen Jahren zu einen zum „Place tobe“ entwickelt. Allein die Fahrt dorthin ist ein Abenteuer. Die kurvenreiche Straße, die einst den Felsen abgerungen wurde, führt durch dichten Küstenwald und diente nur den wenigen Fahrzeugen der Bewohner. An vielen Stellen ist die Straße nur so breit wie ein PKW. Veruzza ist autofrei und kann nur zu Fuß erkundet werden. Die ligurische Küste bietet einige dieser ursprünglichen Orte, an der man Ruhe und Abgeschiedenheit zwischen Bergen und Meer genießen kann. Doch wenn der Sturm die Wellen peitscht und die Bäume sich knarrend im Wind neigen, wird es sehr ungemütlich in der Idylle. Nachdem wir zwei Wochen mit dem Herbstwetter im entscheidenden Moment immer noch Glück hatten,wendet sich das Blatt hier an der ligurischen Küste.

Fünf Minuten Sonnenschein an der Ligurischen Küste

Verschneite Pässe

Hinter Milano hüllen sich die Berge zu beiden Seiten in regenschwere Wolken und schon vor Bormio lassen frisch verschneite Wälder und Hänge nicht Gutes ahnen. Ich schätze die Schneegrenze auf 1500 Meter und werde bald wissen, wie exakt ich geschätzt hatte. An der Zufahrt zur legendären „Strada del Passo dello Stelvio“ steht ein Schild, dass die Zufahrt zum Pass untersagt. Wir umfahren das Schild, denn solange eine Art Straße unter den Rädern ist, gibt es keinen Grund sein Ziel zu ändern. Als der Höhenmesser 1500 Meter anzeigt, beginnt es zu schneien. Doch auch das ist noch kein Grund, nicht doch zu versuchen die Tibet Hütte zu erreichen. Doch mit zunehmender Höhe sinken die Temperaturen und der Schnee auf der Fahrbahn beginnt die Traktion zu mindern. Immer langsamer geht es voran. Knapp zehn Kilometer vor der Hütte drehen sich zwar die Räder noch, doch das Auto bewegt sich nicht. Das Ziel Tibet Hütte, auf 2800 Metern, ist plötzlich unerreichbar. Eine geschlossene Schneedecke auf der Fahrbahn, Sommerreifen, Frontantrieb und Minusgrade sind keine gute Kombination! Wir rufen in der Hütte an und erfahren das seit 17:30 Uhr alle Pässe gesperrt sind. Frühestens morgen Mittag ist die Straße befahrbar. Wir müssen auf der schmalen Passstraße wenden und uns in Bormio eine Unterkunft suchen.
Pisa-Veruazza 104 Km, 1:44 h   8:30-9:45
Veruazza – Scalo Milano Outlet & More, 246 Km, 3:10h
Scalo Milano – Tibet Hütte,  238 Km, 3:48h (Hotel Baita  Die Pini in Bormio)

Gestern Badeshorts, heute Wintertiefel – kurz vor dem Ende auf dem Stilfser Joch.

Schweiz

Die Pässe sind weiterhin geschlossen und die Wettervorhersagen für die nächsten zwei Tage sehen übel aus. So entscheiden wir uns für Realp, das als einziges Ziel in der Schweiz, das von Bormio erreichbar ist, ohne wieder den ganzen Tag im Auto zu verbringen. So der Plan. Der Julierpass, dessen höchster Punkt auf 2.300 Meter liegt ist offen, aber dennoch eine fahrerische Herausforderung. Hinter jeder Kurve gibt es neue atemberaubende Panoramen einer frisch verschneiten Landschaft, wie sie Ende September nicht einmal von den Einheimischen erwartet wird. Als wir in Dieni auf den Oberalppass fahren wollen, kündigen Schilder, die eine Sperrung des Passes anzeigen an, dass der Tag dann wohl doch wieder ganz anders als geplant verlaufen wird. Wir versuchen es dennoch bis wir vor einem Schlagbaum stehen, der den Pass sperrt. Wir fahren zurück nach Dieni und kehren im Hotel Cresta ein.

Mit unseren Loops als Mundschutz werden wir angesehen wie Räuber. Die Maskenpflicht durch Covid-19 wird in der Schweiz sehr unterschiedlich gehandhabt. Während ein Restaurant die Regeln sehr restriktiv umsetzt, kann es sein, dass auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Gastwirt völlig darauf verzichtet. Umgesetzt wird die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch auch dort stört sich selten jemand an Fahrgästen ohne Maske.

Gotthard Rundfahrt

Wir versuchen eine neue Route zu finden. Einzige Möglichkeit außer dem Pass ist der Gotthardtunnel. Das ist ein Umweg von mehr als 130 Kilometern. Wir fahren also wieder zurück nach Disentis und dort auf die Gotthardautobahn. Doch nach wenigen Kilometern zeigt uns das Navi einen Stau, sowie eine Umfahrung über den Furkapass an. Wir verlassen uns auf das Navi und als uns noch 20 Kilometer von Andermatt trennen, stehen wir vor dem Schlagbaum des gesperrten Furkapasses. Da Pässe für den Warenverkehr nicht mehr von Bedeutung sind, werden sie nicht geräumt, sondern einfach gesperrt. Anders als in Italien verhindern hier Schlagbäume die Zufahrt. Wir fahren zurück zur Autobahn und wollen auf die A2 Richtung Andermatt. Zwei Sicherheitskräfte, keine Polizei, sperren jedoch die Zufahrt. Keine Baustelle, kein Stau und kein Grund! Wir sind verzweifelt und wissen nun nicht wie wir unser Ziel erreichen sollen. Letzte Chance, wir folgen einem Reisebus aus der Schweiz, den wir unterwegs auf der Autobahn in unserer Richtung gesehen haben und der nun vor uns steht. Wir hoffen, dass der Fahrer mehr weiß als wir. Hinter den Reisebus passieren wir nun den acht Kilometer langen Stau vor dem Gotthard-Tunnel in der entgegengesetzten Richtung. Dann wendet der Bus dort, wo wir zuvor die Autobahn verlassen haben und umfährt den Stau dann auf der gleichen Route wie wir zuvor. Wir können es kaum glauben, als wir wieder an denselben Sicherheitskräften auf derselben Auffahrt vorbeifahren. Diesmal jedoch dürfen wir auf die Autobahn auffahren. Flüssig fließt der Verkehr durch den Gotthard-Tunnel wie schon zuvor.
Die Strecke von Bormio nach Andermatt beträgt 230 Kilometer und ist in vier Stunden zu schaffen. Nach neun Stunden im Auto erreichen wir das Hotel Aurora in Andermatt. Dies war definitiv kein Urlaubstag!

Furka Dampfbahn

Da die Zugverfolgung der Furka-Oberalb-Dampfbahn durch die Sperrung des Furka-Passes nicht möglich ist knipse ich nur ein Bild von der Ausfahrt des Zuges aus Realp. Dann verladen wir unser Auto auf die Matterhorn Gotthard Bahn, da dies derzeit die einzige Möglichkeit ist Zermatt zu erreichen ohne die gesamte Schweiz auf Autobahnen zu durchqueren und wieder den ganzen Tag im Auto zu verbringen.

Furka Oberalb Eisenbahn

Matterhorn

In Zermatt dreht sich alles uns das Matterhorn, Skifahren und die High Snobiety. Ganze 1.065 Hotels, Chalets und andere Unterkünfte, listet die Infobroschüre von Zermatt auf. Bevor Covid-19 den Tourismus Boom beendete, besuchten fast eine Million Menschen Zermatt und die Umgebung. Nicht alle Hotels berechnen für ein Zimmer mit Matterhorn-Blick 1.975 CHF aber für die Mehrheit der Besucher liegen die Zimmerpreise über dem Budget. Hotels, Restaurants und Designershops prägen das Bild des autofreien Zermatt, mit dem immer präsenten Matterhorn im Hintergrund. Das vom Zermatter Tourismusmarketing gepriesene „alte Zermatt“ ist nicht mehr als Staffage für betuchte Besucher, die eine heile Alpenwelt sehen möchten.

Wer den Trubel in Zermatt vermeiden möchte und einen kostenfreien Parkplatz am Hotel bevorzugt, übernachtet in Täsch. Das „Matterhorn Inn“ gegenüber der Bahnstation ist unsere Wahl.

Toblerone Moutain

Für uns ist Täsch der Ausgangspunkt unserer Tour zum Matterhorn. Am Morgen fahren wir mit dem Zermatt-Shuttle von Täsch nach Zermatt. Von dort laufen wir zur Seilbahn und fahren hinauf auf das kleine Matterhorn. Die Täler liegen noch unter dichten Wolken, doch in 3.883 Meter Höhe eröffnet sich bei strahlender Sonne und klarem Himmel, einer der beeindrucktesten Blicke über die Schweizer Alpen. Man wirbt mit dem Begriff „Matterhorn Glacier Paradise“ und der Name weckt große Erwartungen. Bei einem Preis von etwa 200 Euro pro Person für ein Normalticket dürfen sie es auch sein. Doch das „Glacier Paradise“ ist „nur“ ein Tunnel im Gletscher, in dem Skulpturen aus Eis gezeigt werden, so wie auch auf dem Dachstein in Österreich. Bei einem solchen Preis erwartet man auch nicht, dass man für die Toilettenbenutzung im Gipfelrestaurant noch einmal 2 Euro zahlen muss. Es ist allein der bequeme Weg nach oben und der Blick über mehrere Viertausender der diesen Preis rechtfertigt.

Wir können uns von diesem Panorama nur schwer trennen, fahren aber dann doch mit der Seilbahn wieder zu Tal. Durch die Shopping Meile von Zermatt geht es zu Fuß von der Seilbahnstation zum Bahnhof der Gornergrat-Bahn. Mit Hilfe einer Zahnstange erklimmt der Zug seit 1898, eine fast unglaubliche Steigung von maximal 20 Prozent.Auf der Fahrthinauf auf den Gornergrat, in 3.089 Meter Höhe, eröffnen sich auf jedem der neun Kilometer immer neue Perspektiven auf der Schweiz bekanntesten Berg. Unter dem Gornergrat schiebt sich der Gornergletscher zu Tal und das Matterhorn zeigt sich hier aus der bekannten Toblerone-Perspektive. Erstaunlich ist, dass man selbst hier, in über 3.000 Meter Höhe, noch Schneekanonen und Beschneiungsanlagen installiert sind. Einer der schönsten Tage dieser Reise geht zu Ende, als wir auf der Terrasse unseres Hotelzimmers die letzten Sonnenstrahlen genießen.

Fürstentum Liechtenstein

Wenn man die Bilder der Reise betrachtet, könnte man glauben es war immer nur schönes Wetter. Doch heute regnet es bei sechs Grad und die Wolken hängen tief in den Tälern. In Fiesch checken wir alle möglichen Wetter-Apps und überlegen wo wir hinfahren können. Doch heute besteht nirgends Aussicht auf Besserung. So fällt auch unser Ausflug zur „Aletsch-Arena“ buchstäblich ins Wasser und wir fahren nach Vaduz in Liechtenstein.
Im Fürstentum Liechtenstein fallen zuerst die vielen Banken in der eher überschaubaren Hauptstadt Vaduz auf. Das strikte Bankgeheimnis, niedrige Steuern und die lockeren Gesetzgebungen zum Stiftungsrecht, machen das Fürstentum zu einem Steuerparadies. Man schätzt das es etwa 80.000 Briefkastenfirmen und viele Stiftungen ihren Sitzin Liechtenstein haben.
So interessant Liechtenstein für Steueroptimierer ist, für uns ist es einer der langweiligsten Plätze die wir je besucht haben. Die alte Rheinbrücke aus Holz, der Fürstenpalast und einige Museen sind alles was das Fürstentum den touristischen Besuchern zu bieten hat. Nach einer Stunde Stadtrundgang in Vaduz holt uns der Regen ein. Wir verkriechen uns im „Hotel Oberland“ Triesenberg, von wo wir einen grandiosen Blick über Liechtenstein und auf die Alpen haben.
Über dem Anwesen von Johannes Adam Pius Ferdinand Alios Josef Maria Marko d´ Aviano von und zu Liechtenstein, dem amtierenden Fürsten von Liechtenstein, mit einer Drohne zu fliegen, ist keine so gute Idee. Die Sicherheitskräfte sind schneller vor Ort als ich landen und flüchten kann. Ich setze eine überraschte und reumütige Mine auf und lasse 15 Minutenlang Belehrungen, Drohungen und Warnungen auf mich einprasseln. Dann darf ich ohne Audienz bei der fürstlichen Polizei, die Weiterreise antreten.

Wohin in Zeiten der Covid-19 Pandemie, in der Risikogebiete täglich wechseln können und internationale Reisen schwierig zu planen sind ? Internationale Tourismusströme sind zum Erliegen gekommen.  Doch daraus ergeben sich auch Chancen die so vielleicht nicht wiederkommen. Eine "Fünf - Länder - Tour" durch Europa, zu Orten die wir sonst nie, oder erst im Rentenalter besucht hätten war unsere Alternative.
Das Haus von Johannes Adam Pius Ferdinand Alios Josef Maria Marko d´ Aviano von und zu Liechtenstein .

Appenzellerland

Wir flüchten ins Appenzeller Land in der Schweiz. Mit der Luftseilbahn, so nennen die Schweizer ihre Seilbahnen, schweben wir hinauf auf die Ebenalb. Von dort wandern wir über Almen, durch ein Höhlensystem bis zum Gasthaus „AescherWildkirchli“. Das Gasthaus gehört zu den ältesten Berggasthäusern der Schweiz und seit Mitte des 17. Jahrhunderts fasziniert dieser mystische Ort über Generationen hinweg. Es wurden Geschichten von kleinen wilden Leuten erzählt, welche einst in den Wildkirchlihöhlen gelebt haben sollen und den Sennen zur Hilfe gekommen seien.Bei über zwanzig Grad in der Sonne genießen wir stundenlang diesen besonderen Ort und probieren viele Variationen der lokalen Küche. Dann beginnen den beschwerlichen Aufstieg zur Bergstation und schweben mit der Luftseilbahn wieder zu Tal.

Aescher Wildkirchli Schweiz
Gasthaus Aescher Wildkirchli

Heimwärts

Die EU-Road Tour neigt sich seinem Ende. Wir sind wieder Richtung Deutschland unterwegs. Doch bevor wir über 600 Kilometer auf der Autobahn durch Deutschlands Langeweile Landschaften jagen, übernachten wir noch einmal in Oberschwangau. Dort erstrahlt das „Märchenschloss“ des Sonnenkönigs im herbstlichen Abendlicht. Am Morgen machen wir die obligatorische Wanderung zur Marienbrücke und fahren dann nach Hause.

Südsee – Klima – Beste Reisezeit

Wetter allgemein

Seit einigen Jahren fällt auf, dass das Wetter in vielen Regionen der Welt nicht mehr den üblichen Zyklen folgt und es zu „Extremereignissen“ kommt. Der kälteste Winter in Indien seit 50 Jahren im Jahr 2011, verregnete Südseeaufenthalte auf den Salomonen und Vanuatu sind da nur Beispiele. Daher nutzen wir für die Wettervorhersagen weltweit die Webseite yr.no. Dieser, vom Norwegischen Meteorologischen Institut und dem Norwegischen Rundfunk zur Verfügung gestellter Dienst, aktualisieren die Vorhersagen viermal am Tag und Erfahrungen haben gezeigt, dass diese zuverlässiger sind als viele andere Wetterseiten.

Wer es noch nicht weiß, ein Regentag bedeutet nicht zwingend, dass es den ganzen Tag regnet. Oft regnet es nur eine Stunde. Wird in 24 Stunden eine Wassersäule größer als 0,1 mm (0,1 l/m²) gemessen, ist das meteorologisch gesehen ein Regentag. Die Nebensaison kann daher ähnliche Chancen auf einen gelungenen Urlaub bieten, wie die „beste Reisezeit“. Genau so kann es in dieser „besten Reisezeit“ auch tagelang bewölkt sein oder gar stundenlang regnen. Es gibt keine Garantien – nur Richtwerte.

Die Hauptinseln und Inseln mit aufragenden Bergen bekommen in der Regel weitaus mehr Regen als die Koralleninseln ab, da sich die Wolken an den Bergen aufstauen. Die flachen Inseln und Atolle sind hingegen deutlich flacher, weshalb hier Regenwolken oft nur darüber hinwegziehen oder gelegentlich Niederschläge spenden.

Cook Inseln

In den Monaten von Januar bis Mai und im Dezember gibt es in Rarotonga viele Niederschläge. Die Wassertemperaturen liegen ganzjährig über 21° Celsius. Beste Reisezeit sind die Monate von Juni bis Anfang November. Doch auch in diesen Monaten kann es gelegentlich zu Niederschlägen kommen.

Klima Cook Inseln

Fiji Inseln

Hauptsaison ist von Dezember bis Januar, Nebensaison Mai bis September. Zwischen Januar und Februar ist es regnerisch und es kann Stürme geben. Von Mai bis Oktober ist Trockenzeit mit wenig Regen, angenehmer Luftfeuchtigkeit und durchschnittlichen Temperaturen von 29° Celsius. In unserer Winterzeit von November bis April herrscht Regenzeit mit durchschnittlichen 31° Celsius, hoher Luftfeuchtigkeit und der Gefahr von tropischen Wirbelstürmen (ereignen sich statistisch gesehen alle fünf Jahre, der letzte war im Februar 2016). Im trockeneren Westen Fidschis, wo die Yasawa-Inseln liegen, regnet es in dieser Zeit meist nur ein bis zwei Stunden am Nachmittag.

Klima Fidschi Fiji

Französisch Polynesien

Trotz der geografisch großen Ausdehnung, ist das Wetter auf allen Inseln annähernd gleich. Von November bis März dauert die heißere und feuchtere Periode des Jahres. Mit Tagestemperaturen von bis zu 32 °Celsius ist es sehr warm und es besteht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Zudem ist in dieser Zeit mit starken Regenfällen zu rechnen. Denn dann bringen Passatwinde aus dem Norden und Nordosten dreiviertel des jährlichen Niederschlages. Zwischen Januar und März kann die Inselwelt Französisch Polynesiens auch von Zyklonen getroffen werden.
Die Landebahn auf Hiva Oa liegt hoch oben auf einem Bergrücken und kann vor allem von März bis August wegen Nebel oder Regen geschlossen werden.
Von April bis Oktober herrscht hingegen kühleres und trockeneres Wetter. Verantwortlich dafür ist der trockenere Südostpassat. Dann werden am Tage bis zu 29 °Celsius gemessen. Die Luftfeuchtigkeit ist in diesen Monaten geringer. Doch auch in diesen Monaten kann es gelegentlich zu Niederschlägen kommen.
Auf den Passatwinden zugewandten Ostseiten der Inseln sorgt der Seewind für Abkühlung, aber auch für mehr Feuchtigkeit. Die Wassertemperatur liegt ganzjährig zwischen 26 und 29 °Celsius.

Klima Französisch Polynesien

Guam

Auf Guam ist es das ganze Jahr über tropisch warm mit einer hohen Luftfeuchtigkeit. Wegen der Nähe zum Äquator variieren die Temperaturen wenig. Sie liegen zwischen 27 und 31 °Celsius. Die “Beste Reisezeit” ist kühlere und trockenere Saison von Ende Dezember bis Ende Mai. Die feuchte und wärmere Jahreszeit dauert von Juli bis Dezember. In dieser Zeit können etwa alle acht Jahre auch Taifune die Insel treffen.

Klima Guam Reisezeit

Kiribati

Wegen der Nähe zum Äquator variieren die Temperaturen wenig. Sie liegen zwischen 26 und 34 °Celsius. Das Klima auf allen Inseln Kiribatis ist während des gesamten Jahres tropisch. Auf den Inseln nördlich des Äquators, gibt es zwischen Juni und November die stärksten Niederschläge. Nahe dem Äquator ist das Klima ausgeglichener und die geringen Regenschauer verteilen sich über das Jahr. Auf den Inseln südlich des Äquators regnet es in den Monaten von November bis April. Dabei fallen die Regenschauer meist kurz und heftig aus.

Kiribati ist stark durch tropische Wirbelstürme gefährdet, die insbesondere zwischen November und März auftreten können. Als beste Reisezeit empfehlen sich die Monate Juli bis Oktober.

Klima Kiribati Wetter

Föderierte Staaten von Mikronesien

Obwohl die Inseln Mikronesiens über eine riesige Fläche im Pazifik verstreut liegen, herrscht wegen der Lage direkt am Äquator, auf allen Atollen ganzjährig ein tropisches und warmes Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Die Mittelwerte von 25 bis 30° Celsius bleiben im Tages- und Jahresverlauf fast immer konstant gleich.
Eine „beste Reisezeit“ für ganz Mikronesien ist schwierig zu definieren. Auf den Inseln und Atollen nördlich des Äquators, sorgen Passatwinde zwischen November und April für kühlere Temperaturen und weniger Regen.
Auf den Inseln und Atollen südlich des Äquators, herrschen zwischen Mai und Oktober kühlere Temperaturen und es fällt weniger Regen.
In Mikronesien regnet es an rund 300 Tagen im Jahr. So kommt es auch in den trockeneren Monaten immer wieder zu Niederschlägen.
Die Inseln Mikronesiens werden statistisch von 19 tropischen Wirbelstürmen pro Jahr getroffen. Aufgepasst ihr Abenteurer! Zwischen Juni und Dezember ist vor allem auf den nordwestlichen Inseln Sturmsaison.

Nauru

Nauru ist klein und liegt rund 60 Kilometer südlich des Äquators. Das Thermometer schwankt nur zwischen 24 und 34° Celsius und es herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Mit ergiebigen Regen muss in jedem Monat gerechnet werden. Die niederschlagsreichsten Monate sind November bis Februar.
Die „beste Reisezeit“ für Nauru sind die Monate zwischen März und Oktober. Auch wenn fast täglich mit größeren Regenfällen gerechnet werden muss, regnet es dann weniger und das Wetter ist auf Grund der warmen und trockenen Passatwinde sehr angenehm. Die Sonne scheint fast ganzjährig acht Stunden pro Tag. In der Vergangenheit wurde Nauru von tropischen Wirbelstürmen verschont.

Klima Wetter Nauru

Neukaledonien

Die Temperaturen auf Neukaledonien, sind etwas kühler als auf anderen Südsee-Inseln. Der längs über die Hauptinsel verlaufende Gebirgszug, teilt die Insel in zwei klimatische Zonen. Der Norden und Osten werden von einem feuchten Klima beherrscht und der im Regenschatten liegende Westen und Süden ist durch trockneres Klima geprägt. Von Dezember bis März herrscht ein warmes, windiges und eher feuchtes Wetter auf Neukaledonien. Es kommt fast täglich zu kurzen, sehr heftigen tropischen Regenschauern. In den Monaten Von April bis November ist ein kühles und trockenes Klima auf Neukaledonien vorherrschend. Von November bis Mai besteht die Gefahr von Zyklonen.

Klima Wetter Neukaledonien

Republik Marshallinseln

Auf den Marshallinseln in unmittelbarer Nähe zum Äquator, herrscht immer ein tropisches und feuchtes Klima mit hohen Temperaturen.
Die Temperaturen schwanken im Jahresverlauf kaum. Von Januar bis März werden sie durch den kühlen Nordostpassat etwas gemildert.Auf den südlichen Inseln und Atollen ist es wärmer als auf den Nördlichen. Mit kurzen und ergiebigen Regenschauern muss man das ganze Jahr über täglich rechnen.
Als beste Reisezeit empfiehlt sich die trockenere Periode zwischen Dezember und April. Dann fallen die Regenschauer geringer aus als in der feuchteren Periode von Mai bis November. Im Süden der Republik kann mit 4.000 Litern Regen pro Quadratmeter, achtmal mehr Regen fallen als im Norden!
Wirbelstürme ziehen meist an den Marshallinseln vorbei, doch ist es nicht ausgeschlossen, dass sie die Atolle zwischen September und November treffen.

Klima Wetter Marshallinseln

Republik Palau

Regenreich und heiß ist das Klima auf dem Inselstaat Palau zumindest in den Monate Juli bis Oktober. Die Tagestemperaturen klettern auf bis zu 32°Celsius. In den Monaten November bis März kann das Thermometer, wenn auch sehr selten, auf bis zu 8 ° Celsius absinken. Die jährlichen Niederschlagsmengen betragen satte 1.500 bis 2.500 mm. Mit Regenfällen muss in allen Monaten gerechnet werden. Am stärksten regnet es zwischen Juli und Oktober. Die beste Reisezeit für Palau ist die Zeit zwischen Dezember und April, da dann die Chance auf trockene Tage am höchsten ist.

Klima Wetter Palau

Papua-Neuguinea – Rabaul

In den Küstenzonen Papua-Neuguineas herrscht ein tropisches heißes Klima. Die Temperaturen liegen zwischen 26 und 30° Celsius. In den Monaten Dezember und Januar können sie auf 39° Celsius steigen. Die Tiefstwerte werden im Juni und Juli mit etwa 23°Celsius erreicht. Die Wassertemperaturen betragen zwischen 26 und 29° Celsius.
Auf Papua-Neuguinea gibt es eine feuchtere und eine trockenere Jahreszeit. Zwischen Dezember und April führt der Nordwestmonsun sehr feuchte Luftmassen vom Pazifik heran, der für starke Niederschläge sorgen kann. In diesem Zeitraum muss auch mit Taifunen gerechnet werden.
Die „beste Reisezeit“ für Papua-Neuguinea ist im Zeitraum zwischen Mai und November. Dann sorgt der Südostpassat für sonnige und trockene Tage mit wenigen Niederschlägen.

Klima Wetter Papua Neuguinea

Pitcairninseln

Ergiebige Regenfälle und tropische Temperaturen prägen das Wetter auf den Pitcairn Inseln. Die Temperaturen sind mit nächtlichen Tiefsttemperaturen von 12° Celsius und Tageshöchsttemperaturen von 28° Celsius niedriger als auf anderen Südseeinseln. Die beste Reisezeit ist zwischen August und November. Im August und September sind die Temperaturen am niedrigsten.

Klima Wetter Pitcairn

Salomonen

Auf den Salomonen herrscht ein warmes und feuchtes Klima mit Durchschnittstemperaturen von 24-29° Celsius bei geringen Schwankungen im Jahresverlauf. Im August sind die Temperaturen am niedrigsten und im Februar am höchsten.
Die beste Zeit für eine Reise auf die Salomonen sind die Monate von Mai bis Oktober. In dieser Zeit ist es im Inselstaat meist sonnig und trocken. Die sonst hohe Luftfeuchtigkeit wird durch leichte Meeresbrisen gemildert.
Die Regenzeit dauert von November bis April. Zwischen Januar und März können alle zwei bis drei Jahre tropische Wirbelstürme die Inselgruppe treffen. In der Regenzeit sind die Verkehrsverbindungen zu Lande, zu Wasser und in der Luft häufig unterbrochen.

Klima Wetter Salomonen

Samoa

Die beste Reisezeit für Samoa ist die Zeit von Mai bis Oktober und hier vor allem die trockensten Monate Juni, Juli und August. Im Vergleich zur Regenzeit zwischen November und April sind die Temperaturen in der „Trockenzeit“ ein klein wenig niedriger, es regnet weniger und die schwüle tropische Luft wird durch Passatwinde gemildert. Zudem bedrohen dann keine Wirbelstürme die Urlaubsfreude unter Palmen und die Sonne scheint jeden Tag lange vom blauen Himmel.

Klima Wetter Samoa

Königreich Tonga

Wie auf allen Südsee Inseln, herrscht auf Tonga hat ein warmes, Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Im Vergleich zu den anderen Südseestaaten ist es in dem kleinen Königreich etwas kühler. Die Temperaturen sind auch hier recht ausgeglichen.
Die niedrigsten Temperaturen werden von Juli bis September mit 17 bis 25° Celsius, die höchsten Temperaturen zwischen Januar und März mit 23 bis 29°Celsius gemessen. Nur selten steigen die Temperaturen über 30° Celsius. Im Süden Tongas ist es etwa 5° Celsius kühler als im Norden. Ebenso regnet es im Süden, wo auch die Hauptinsel Tongatapu liegt, deutlich weniger als im Norden.
Die beste Reisezeit sind die relativ trockenen und kühlen Monate zwischen Mai und November, wobei vor allem die Monate zwischen Juli bis Oktober zu empfehlen sind. Dann sind die Niederschlagsmengen am geringsten und die Sonnenscheindauer erreicht ihren Höhepunkt. In der Zeit von Dezember bis April gehen starke Regenfälle nieder und die Gefahr von Zyklonen steigt. Der März gilt als der regenreichste Monat. Der Himmel ist dann häufig bedeckt und es bilden sich am Nachmittag Gewitter.

Klima Wetter Tonga

Tuvalu

Wie auf allen Südsee Inseln, herrscht auf Tuvalu hat ein warmes, Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und geringen jahreszeitlichen Temperaturschwankungen. Man unterscheidet zwei Jahreszeiten. In der Regenzeit, die im November beginnt und im März endet, fällt in 5 Monaten etwa so viel Regen wie in Deutschland in einem halben Jahr niedergeht. In der Regenzeit muss mit erschwerten Reisebedingungen zu Lande, zu Wasser und in der Luft gerechnet werden.
Von Januar bis März besteht die Gefahr, dass tropische Wirbelstürme die Inseln heimsuchen.
Beste Reisezeit für Tuvalu ist der Zeitraum von April bis Oktober. Allerdings sind auch dann mal stärkere aber kurze Regenfälle möglich. Dominierend sind Sonnenschein und blauer Himmel.

Klima Wetter Tuvalu

Vanuatu

Wie auf allen Südsee Inseln, herrscht auf Vanuatu hat ein warmes, Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und geringen jahreszeitlichen Temperaturschwankungen. Mit maximal 25° Celsius am Tag und etwa 18 ° Celsius in der Nacht sind die Temperaturen von Juli bis September am niedrigsten. Die beste Reisezeit für Vanuatu ist von Juni bis September. In diesen Monaten ist es warm, aber nicht zu heiß. Zudem fällt relativ wenig Regen und kühlende Passatwinde mildern die Luftfeuchtigkeit. Von Dezember bis April sollte man die Inselgruppe eher nicht besuchen. Dann wird es relativ heiß, es ist oft regnerisch und sehr schwül. Außerdem ist in diesem Gebiet der Südsee die Gefahr für Wirbelstürme recht hoch. In den übrigen Monaten zwischen November und April fällt in Form kurzer, heftiger tropischer Schauer der meiste Niederschlag. Im März gibt es 21 Regentage und die Niederschläge sind wahrhaft tropisch.

Klima Wetter Vanuatu

Südsee – Flüge – Einreise – Tipps

Es gibt eine Region, die ist für Europäer noch schwerer zu erreichen als Australien oder Neuseeland. Die Südsee. So groß wie die Fläche von Russland, Asien und China zusammen, nimmt Sie ein Drittel der Erdoberfläche ein.
So weit entfernt, wo die scheinbar unberührten Inseln mit exotisch klingenden Namen liegen, muss das Wasser klarer und die Vegetation viel grüner sein. Und tatsächlich gibt es dort keine Schlangen an Sehenswürdigkeiten und keine Hotelburgen an den Stränden. Einige Inseln bieten nicht mehr als eine Hütte zur Übernachtung.

Manche der Inseln ragen nur wenige Meter aus der Meer, während sich auf anderen Inseln majestätische Felsnadeln und Berge aus dem Dschungel erheben.
Die Inselbewohner entwickelten vielfältige und einzigartige Kulturen. Sie besitzen noch heute die Fähigkeit, ohne die Errungenschaften der modernen Technik, in der unendlichen Wasserwüste zu navigieren.

So mancher Seefahrer erlag den Reizen der Südsee mit seiner üppigen Natur und der unbeschwerten freizügigen Lebensweise ihrer Bewohner, nach Monate währender Fahrt über die Ozeane. Überliefert ist die Geschichte des Transportschiffes „Bounty“. Teile der Besatzung beschlossen im Jahr 1790 nicht nach London zurückzukehren und stattdessen mit tahitianischen Frauen die Pitcairn Inseln zu besiedeln.

In langen Recherchen und auf mehreren Reisen sammelten wir wertvolle Informationen, über diese in unseren Breiten, wenig bekannte Region.

Inselkombinationen

Folgende Inselkombinationen sind, basierend auf den Flugverbindungen, machbar.
Alle nicht genannten Inseln und Inselstaaten sollte man nicht kombinieren, da es dann sehr zeitaufwendig und teuer wird und am Ende kaum Erholung übrig bleibt.
Santiago de Chile – Osterinseln – Tahiti
Tahiti – Marquesas
Tahiti – Cook Islands
Tonga – Samoa – Cook Islands
Tonga – Samoa – Fiji
VanuatuSalomonen
Neukaledonien – Rabaul (PNG)

Einreise

  • VISA on Arrival ist auf den meisten Südseeinseln möglich, allerdings benötigt man dann zwingend ein Flugticket für den Beleg der Weitereise (siehe Tabelle Einreisebestimmungen)
  • auf Grund der Flugverbindungen kann man die Südsee in drei Regionen teilen:
    1) grüne Linien von Australien erreichbar
    2) rote Linien von Neuseeland erreichbar
    3) Französisch Polynesien und Osterinseln von Nord- bzw. Südamerika erreichbar
  • möchte man von einer Region in eine andere Reisen, benötigt man unglaublich viel Zeit und muss oft einen Umweg über Australien oder Neuseeland in Kauf nehmen
  • plane Puffertage ein, da Flüge nicht selten verspätet sind oder ganz gestrichen werden (die Puffertage lassen sich dann für kurze Ausflüge nutzen)
  • „Beste Reisezeit“ – die Südsee ist kein Garant für ewige Sonne – auch in den Monaten, die als beste Reisezeit ausgewiesen sind, kann es jederzeit zu tage- oder wochenlangen Regenfällen kommen
  • die Preise vor Ort für orientieren sich an dem Niveau von Australien und Neuseeland und die meisten Waren haben einen langen Seeweg hinter sich
  • reise mit leichtem Gepäck, da es zwischen den Inseln eines Inselstaates oft nur kleine Propellermaschinen verkehren, die nicht selten gut gebucht sind
  • eine Reiseapotheke die Pflaster, Ibuprofen 600 und Desinfektions-spray enthalten sollte (auch kleinste Verletzungen können dramatische Folgen haben, das es dort Viren und Keime gibt, die unserem Immunsystem völlig unbekannt sind (ich  habe das schmerzlich erfahren müssen)
  • die Auswahl an Reiseveranstaltern in Europa mit Angeboten für die Südsee ist sehr überschaubar und die Preise sind für einen deutschen Durchschnittshaushalt kaum zu stemmen – eine Möglichkeit ist, Veranstalter in Australien oder Neuseeland, die ein deutlich breiteres Angebot haben zu nutzen
  • buche nur über Agenturen, wenn dir die eigene Organisation zu mühselig ist – das spart Geld!
  • einige Resorts bieten auch Unterkünfte an, die man mit anderen teilt – dass reduziert den Reisepreis drastisch
  • auf einigen Südseeinseln (z.Bsp. Fiji, Bula-Pass) ist günstiges Inselhopping in Kombi mit Fährtickets möglich
  • manchmal gibt es an den Häfen sogar supergünstige Last Minute Angebote
  • Fährtickets für Fahrzeuge unbedingt im Voraus buchen, denn zwischen einigen Inseln sind die Plätz für Fahrzeuge (Samoa, Upolu-Savaii) oft für Wochen ausverkauft
  • wenn du klare Vorstellungen vom Ort und der Art der Unterkunft hast, buche mindestens drei Monate im Voraus, viele gute Unterkünfte sind sonst ausgebucht

Internationale Flugverbindungen in der Südsee

Flüge Südsee Karte

Einreisebestimmungen VISA on arrival

Einreise Visa Südsee Fiji

Letzte Überarbeitung 04.10.2019

MILSEBURG

Milseburg-Röhn_0015.JPG

Die Milseburg überragt alle umliegenden Erhebungen der Kuppenrhön um mindestens 130 Meter.

Der markante Fels, etwa 16 Kilometer Luftlinie von Fulda entfernt, entstand durch Vulkanismus im Tertiär.
Wie es damals so der Trend war, wurde auf dem Fels eine Burg errichtet. Im Jahr 1119 wurde die Anlage erstmalig erwähnt.
Die Milseburg war jedoch mit einer Grundfläche von etwa 500 Quadratmetern eher klein. Man geht davon aus, dass sie spätestens im 13. Jahrhundert verlassen wurde und dann allmählich verfiel.

1756 entstand die Kreuzigungsgruppe und die heutige Gangolfskapelle wurde 1932 errichtet.

Die Milseburghütte wurde am 29. Juni 1884 eingeweiht und ist bis heute weitgehend in ihrer ursprünglichen Konstruktion erhalten geblieben. Nach Auffassung einiger Fortschrittsfanatiker entspricht die urige Hütte, mit ihren sanitären Anlagen, sowie die Ver-und Entsorgungssituation nicht mehr dem „Zeitgeist“. Nachdem die Hütte 134 Jahre lang im Besitz des Rhönklubs war, tennte man sich wegen der befürchteten Sanierungskosten von dem Bauwerk. Seit April 2018 ist nun die Gemeinde Hofbieber Betreiber der Milseburghütte. Diese plant nun das Gebäude umfassend zu sanieren und teilweise neu aufzubauen.

Es bleibt zu hoffen, dass der Charm der alten Hütte erhalten bleibt und man auch in Zukunft unweit der Panoramaaussicht im Schatten der Bäume ein Bier zischen kann. Derzeit noch zu jeder Jahreszeit ein lohnender Geheimtipp – eine Wanderung zum 835 Meter hohen Gipfel der Milseburg.

Wildkatzen ganz nah

Obwohl Hütscherode nur sechs Kilometer von der Autobahn 4 entfernt und direkt am Rand des Nationalparks Hainich liegt, verirrten sich lange Zeit nur wenige Besucher in den abgeschiedenen Ort. So saßen an einem diesigen Februartag im Jahr 2010 der Bürgermeister Bernhard Bischof und Manuel Spieth in der Gaststube zusammen und ersannen die Idee eines Geheges für Wildkatzen, um mehr Besucher in den Ort zu locken. Manuel Spieth war Pächter eines geeigneten Geländes am Rand des Dorfes. Mit einem Handschlag und einem Schnaps wurde die Umsetzung beschlossen.

Allerdings bekam der BUND von der Sache Wind und wollte bei diesem Projekt mitmachen. „Wenn wir so etwas schon unterstützen, dann machen wir es gleich richtig“, war die Haltung beim BUND. So entstand auf dem Gelände am Dorfrand ein 800 Quadratmeter großes Areal, auf dem man auf artgerechte Weise versucht dem Besucher diese scheuen Tiere und ihre Probleme in unserer Welt zu überleben, nahe zu bringen.

Fossilienfunde legen nahe, dass bereits vor 300.000 Jahren in Europa die moderne Wildkatze die Wälder durchstreifte. In Afrika und Asien tauchte die Wildkatze erst vor etwa 130.000 Jahren auf. Die Wildkatze durchstreifte unsere Wälder bereits lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen über die Alpen brachten. Die uns bekannte Hauskatze kann dagegen erst ab dem 1. Jahrhundert nachgewiesen werden. Der Lebensraum der Wildkatzen sind naturnahe Laub- und Mischwälder. Die gute Infrastruktur, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand und bis heute ausgebaut wird, zerschnitt den Lebensraum der Wildkatzen. Sie sind zu einem Leben auf  den Inseln der letzten intakten Wälder gezwungen, denn sie finden auf den industriell bewirtschafteten Agrarflächen kaum noch Schutz während ihrer Wanderungen zu neuen Revieren. Tod auf Straßen, Autobahnen oder Inzucht waren die Folge.

Die Population in Deutschland wir auf etwas mehr als 3.000 Individuen geschätzt. Sie kommen in den Wäldern des Vogesen, im Schwarzwald, dem Pfälzerwald,  im Nationalpark Hainich, im Thüringer Wald, im Harz, im Elm, im Hunsrück, in der Eifel, im Siebengebirge und auch im Saarland vor. In Nordhessen sind die Populationen heute ebenfalls wieder im Wachstum begriffen. Die Populationen sollen im Rahmen eines Projektes des Bundesumweltministeriums mit naturbelassenen Waldkorridoren verbunden werden.

Heute findet der Besucher des beschaulichen Ortes Hütscheroda, der keine 100 Einwohner zählt, einen Wildkatzenschleichpfad, ein Wildkatzenmuseum und das naturnahe Schaugelände, auf dem derzeit drei Wildkatzen leben. In Planung ist eine vierte Wildkatze aufzunehmen und ein Gelände für Luchse zu bauen. Hier werden die scheuen und versteckt lebenden Katzen dem Besucher nahe gebracht. In einen kurzweiligen Vortrag während der Fütterung erfährt der Besucher einiges über die Etablierung eines europaweiten Rettungsnetzes für die Wildkatzen und über das Leben der Tiere selbst.

Seit im Juni 2011 der thüringische Nationalpark Hainich zum Weltnaturerbe der UNESCO erklärt wurde, kommen nun immer mehr Besucher nach Hütscheroda und das Überleben der Wildkatzen ist etwas wahrscheinlicher geworden.

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