MALTA

Reisen während der Corona Pandemie

Reisen in Corona Zeiten? Das löst bei einigen sicher Unverständnis aus! Doch mein Leben ist zu kurz um zu Hause abzuwarten bis man irgendwann geimpft wird oder die Pandemie vielleicht eines Tages vorüber ist. Ist das Reisen unter Beachtung aller Schutzmaßnahmen gefährlicher als die Nutzung des ÖPNV, wie es Millionen täglich tun? Mich hat einfach auch interessiert, wie das Reisen unter verschärften Corona-Maßnahmen funktioniert und ob es funktioniert.

Ein großes Risiko sind aus meiner Sicht gestrichene Flüge. Am Vortag meiner Reise wurde zum Beispiel die Verbindung Zürich-Malta mangels Auslastung ersatzlos gestrichen. Das Fliegen ist in vielerlei Hinsicht beschwerlicher geworden. Ein negativer Covid-19 Test, das Public Health Travel Declaration Form, Public Passenger Locator Form und die Meldung bei Rückreise aus einem Risikogebiet, sind die Unterlagen die man zusätzlich in der Tasche haben muss. In Malta gibt es dann vor der Rückreise am Flughafen noch einmal Dokumente zum Ausfüllen. Die Einreiseformulare werden von der Crew des Flugzeugs dann an die Behörden in Deutschland übergeben. Zu Hause angekommen habe ich dann noch die digitale Einreiseanmeldung ausgefüllt. Darauf hin wurde ich umgehend zur Selbstisolation verpflichtet. Die Papierformulare werden in den Ämtern nur abgelegt und bleiben ohne Effekt. Das diese Bürokratie Vielen das Reisen verleidet kann ich wiederum verstehen.

Die Einreise dann ging ganz ohne Kontrollen, Temperaturprüfungen oder gar Test vonstatten.

Formulare gegen Covid-19.

Geologischer und ökologischer Exkurs

Vor etwa 400 Millionen Jahren tauchten die Inseln, die wir heute als Malta kennen, aus dem Meer auf. Die maltesischen Inseln liegen zwischen der eurasischen und afrikanischen Platte. Jahrhundertelang galten die Inseln Maltas als Inseln Nordafrikas. Die Inseln bestehen fast ausschließlich aus Korallen-, Muschel- und Globigerinenkalk. Aus diesem Kalkstein wurden auch die meisten Gebäude errichtet. Das charakteristische Beige des Globigerinenkalks ist allgegenwärtig auf Malta und manchmal scheinen die Städte wie aus dem Gestein gemeißelt. Orte wie Mdina fügen sich so einzigartig in die Landschaft, dass sie ein Teil davon zu sein scheinen. Tatsächlich wohnten Teile der Inselbewohner einst in Behausungen, die in Berghänge geschlagen wurden. Überreste sind heute noch hier und da zu sehen.

Auf dem felsigen Eiland im Mittelmeer gibt es keine Trinkwasserquellen! Nur die Niederschläge im Winter füllen Felsentäler und den im Għadira Nature Reserve künstlich angelegten See.

Woher kommt also das Wasser für die rund 495.000 Malteser und die 1,5 Millionen Touristen, die jedes Jahr Malta besuchen? Es sind Zisternen, die per Gesetzt jedes Gebäude besitzen sollte und die Meerwasserentsalzungsanlagen der staatlichen Malta Water Services Cooperation, welche die Inseln mit Wasser versorgen. Seit den 80er Jahren setzt Malta in großem Stil auf Entsalzung. Fünf Anlagen wurden gebaut und zeitweise waren es die größten der Welt.

Woher kommt der Strom auf Malta? Es wird mehr und mehr gebaut. Alles überragende Wolkenkratzer entstehen und natürlich verfügen alle Gebäude über Klimaanlagen. Vier Fünftel des Strombedarfs wird aus fossilen Energieträgern gewonnen. Der Anteil erneuerbarer Energien beträgt 19 Prozent. Der Rest des kommt per Seekabel aus dem Ausland. Auf dem Papier existiert ein Projekt Solarstrom aus der Sahara per Kabel auf die Insel zu importieren.

Ein Müllauto fährt in der engen Gasse vor mir. Drei Jungs vom afrikanischen Kontinent rennen die Straße entlang und sammeln die Müllbeutel vor den Häusern ein, die die Bewohner dort deponieren. Wo geht der ganze Müll auf einer so kleinen Insel hin, den wir alle wegschmeißen? Er ist ja nicht weg!
Oberhalb der Küste hinter Sliema erhebt sich eine riesige Müllkippe die man durch ihren Geruch kilometerweit wahrnehmen kann. Unterhalb der Müllkippe campen Malteser auf einem kleinen Platz in Sichtweite des Meeres und im Dunst der Müllkippe. Derartige Mülldeponien gibt es viele auf Malta.

Valletta

Malta wirbt mit der Skyline von Valletta. Und in der Tat, das schönste an Valletta ist an einem lauen Abend an der Bucht in Gzira zu sitzen und zuzusehen wie die untergehende Sonne die ockerfarbenen Gemäuer von Valletta erglühen lässt. Bei einen Glas Wein kann man dann noch warten, bis die Gebäude im Flutlicht zu erstrahlen beginnen. Valletta selbst ist geprägt durch engen Gassen, schmale Straßen und seinen zwanzig Kirchen, das Fort St. Elmo und die Msida Bastion. Die „St. John Cathedral“ soll zu den schönsten Kirche Vallettas gehören. Persönlich bin ich der Ansicht, Kirchen, Tempel, Stupas, Moscheen und andere religiöse Orte gehören den Gläubigen. Orte des Glaubens sollten keine Pilgerstätten des Tourismus sein.

Malta Valletta sunset

Eine Fahrt mit dem Aufzug vom Hafen in die Oberstadt erspart das Treppensteigen. Valletta ist die Stadt der Déjà-vus. Jede Straße und jede Ecke meint man schon mal gesehen zu haben. Die gleichen Steine, die gleichen Balkone. Manchmal haben die Balkone andere Farben oder gar kein mehr. Das einzig reizvolle ist in dieser Zeit, dass es bis auf einige wenige Besucher und Einheimische menschenleer ist.

Ein Geheimtipp ist NOCH Manoel Island, das gleichnamige Fort und das ehemalige Lazarett. Auch hier gibt es bereits die MIDI Entwicklungsgesellschaft und eines Tages stehen sicher auch hier exklusive Wohnanlagen, Clubs oder Hotels. Das verwilderte Gelände mit seinen historischen und verlassenen Gebäuden lässt sich zumindest in Teilen auf eigene Faust erkunden und oft ist man hier allein.

Kreuz und quer von Süd nach Nord

Im Hafen von Marsaxlokk liegen noch einige traditionelle Fischerboote, mit denen auch gerne in Reise-Medien geworben wird. Doch in Sichtweite der Erdgasterminals, kommt auch hier nicht das richtige Mittelmeerfeeling auf. Ganz in der Nähe finden sich die St. Peters Pools, die ein Hot Spot fürs Baden und Schnorcheln waren. Inzwischen sind sie wegen Erosion mit Zäunen abgesperrt.

Nur wenige Kilometer von Marsaxlokk findet sich die Blaue Grotte. Im Sommer ein beliebtes Ziel für Bootstouren und Tauchgänge.

Die Blaue Grotte

Der erste Eindruck den ich habe, als ich von Valletta Richtung Nord-West fahre, ist schockierend. Kaum ein Stück Felsen ist frei. Dicht an dicht reihen sich die Betonkolosse an den Strandpromenaden aneinander, so dass die Bewohner im Hinterland keine Tsunamis mehr fürchten müssen. Strandpromenade ist auch das falsche Wort dafür, denn es sind im Wesentlichen Straßen auf der der Verkehr tobt und Strände gibt es an der felsigen Küste ohnehin nur wenige. In Infrastrukturprojekte wurde in den vergangenen Jahren kräftig investiert. Auf breiten Schnellstraßen, begrenzt von Gehwegen im eurogenormten Beton-Verbundpflaster-Einheitslook, erreicht man inzwischen fast jeden Winkel von Malta. Die Oldtimer-Busse, die einst für Malta so charakteristisch waren, wurden schon 2011 von den Straßen verbannt und durch die türkische Marke OTOKAR ersetzt. Natürlich, wir schreiben das Jahr 2021 und nicht alles kann so nostalgisch bleiben wie es einmal war. Vielleicht liegt es ja nur an meinem fortschreitenden Alter, aber diese Gleichmacherei finde ich total traurig. Man weiß nicht mehr wo man eigentlich ist. Glas-Betonfassaden, Infrastrukturprojekte, moderne Verkehrsmittel und Restaurantketten, haben alles verdrängt was die Orte einst zu etwas Besonderen machte. Die Oldtimer-Busse zumindest sind nicht ganz verloren. Es gibt mehrere Gesellschaften, die viele Exemplare retteten. Zum Beispiel fahren täglich zu festen Zeiten von Busse von Valletta nach Sliema und wieder zurück.

Valletta Busse Verkehr
Klimatisierter Komfort vs. Stilikone

Sliema ist ein Ort an der Nordküste, wo sich moderne Hotels und Apartmenthäuser aneinanderreihen. Sliema steht in Sachen touristischer Infrastruktur Valletta und Gzira in nichts nach. Hier ist selbst in Zeiten der Pandemie noch etwas los. Der Hafen in dessen Hintergrund sich die Stella-Maris-Kirche erhebt, liegt malerisch in einer geschützten Bucht die noch von einigen traditionellen Häusern gesäumt wird. Unzählige Restaurants, Cafés und Bars machen es schwer sich zu entscheiden.

Malta Sliema Waterfront
Sliema Waterfront

Mdina ist ein Kleinod. Hier weht noch ein Hauch Historie durch die engen Gassen und abseits des hektischen Treibens an der Küste lässt es sich hier eine Weile aushalten. In den engen Gassen der Altstadt mit ihren traditionellen Häusern, kann man hier noch am ganz normalen Leben der Bewohner teilhaben. In den Tagen der Pandemie verirrt sich kaum jemand in die Stadt und die Angestellten der Cafés und Restaurants warten auf Gäste. Ihnen ist die Freude an jedem Gast anzumerken.

Malta Mdina street
Straße in Mdina.

Wer an der Küste entlang fährt, sollte in Bahar ic-Caghaq Halt machen. Jenseits des Vergnügungsparks befinden sich sehenswerte Salzpfannen.

Die Salzpfannen von Bahar ic-Cag

Malta kann man sich wie Platten vorstellen die schräg aus dem Mittelmeer ragen. Die Dingli Cliffs bilden dabei den höchsten Rand der Platten auf der Südwestseite der Insel. Auf den Dingli Cliffs genießen viele Besucher und Einheimische gern einen Sonnenuntergang. Doch von den Cliffs selbst, sieht man von den Aussichtspunkten nichts. Es muss einen Punkt geben, von dem aus man die Cliffs auch gut sehen kann. Doch ich habe den nicht gefunden. Alles an der Küste ist bis zum Rand Privatbesitz, eingemauert, eingezäunt oder schon dicht bebaut.

Am westlichen Ende der Dingli Cliffs, zwischen Gnejna und der zugebauten Golden Bay führt ein Weg durch Büsche und Kakteen hinunter zu einer grandiosen Aussicht auf ein Felsplateau, dass Gnejna Bay und Golden Bay trennt.

Aussichtspunkt Golden Bay
Golden Bay Aussichtspunkt

Kurz vor Melliha befindest sich das ehemalige Filmset des Popeye Films namens Popeye Village. Wer´s mag kann hier auch essen, trinken und herumschlendern.

Malta Popeye Village
Popeye Village

Im Umkreis von Mellieha findet man einige schöne Sandstrände. Schön ist es vor allem jetzt, da keine Saison ist und wegen der Pandemie ohnehin kaum jemand herfliegt.

Gesicht Fels Küste
Das Gesicht im Fels.

Mit der Fähre nach Gozo

An der Fähre nach Gozo stehen eine Millionen Autos an. Wie muss das wo zu Hochzeiten des Tourismus gewesen sein? Gozo ist im wesentlichen Malta im Kleinformat. Sehenswert ist auf Gozo die „Bażilika Tal-Madonna Ta‘ Pinu Mill Gharb“. Vor allem wenn der Sonnenaufgang sie in goldenes Licht taucht und zum Morgengebet geläutet wird. Danach kann man sich dem Rest widmen.

Gozo Malta Kirche
Bażilika Tal-Madonna Ta‘ Pinu Mill Gharb

Die Salt Pans von Marsalforn sind in ihrer Ausdehnung beeindruckend und gut erhalten. Ein schöner Ort für eine Pause mit Blick auf das Meer. Wären da nicht die Autos der Taucher und der anderen Besucher, die gleich bis hinunter in die Salzpfannen gefahren werden. Ich frage mich wie die Bilder im Internet entstanden sind, welche diese Orte ohne Autos und Menschen zeigen. Ich bin es satt die Inseln nach besonderen Orten abzusuchen, die es gar nicht mehr gibt. In Xlendi, in einem der schäbigen Cafés unten am Hafen, mache ich Pause. Totale Leere in den Restaurants und Cafés. Weniger war hier sicher auch nicht los als man in Xlendi noch vom Fischfang lebte.

Malta Salt-Pans
Salzpfannen bei Marsalforn

Dann überwinde ich mich die kurze Wanderung zu den Xlendi Salt Pans zu machen und bin geflasht. Im Nachmittagslicht leuchten die ockerfarbenen Cliffs. Im Kontrast dazu die Salzpfannen und das dunkle Blau des Meeres. Ein wirklich einmaliger Ort. Perfekt wäre es, der alte Wachturm könnte noch ins Bild mit einbezogen werden. Doch der ist gerade eingerüstet und wird saniert. Ebenso schön ist die Felsenhöhe „Tal Mixta Cave“ oberhalb der Ramla Bay. Die Sonne steht genau richtig und beleuchtet die Höhle in der offenbar einst Menschen wohnten.

"Heart of Gozo"
Gozo Xlendi

Verkehr

Parken kann jeder wie er will und wo er will. Doch parkt man als Tourist mit einem Mietwagen einmal nicht korrekt, so hat man innerhalb von Minuten ein Ticket unterm Scheibenwischer. Dabei ist es rätselhaft unter welchen Stein die so schnell hervorgekrochen kamen und wohin sie so schnell sie entschwunden sind. So ist es mir zweimal innerhalb von 14 Stunden passiert. Zudem gibt es eine gute Geschwindigkeitsüberwachung. Staus, Baustellen, neue oder geänderte Verkehrsführungen, die noch keine App kennt, Schnarchfahrer, LKWs´die einfach ohne zu blinken die Spur wechseln, oder gar abbiegen, enge Straßen durch die nur ein Kleinwagen passt. Die Verkehrsapokalypse vor allem im Großraum Valletta hat alles zu bieten, was das Fahren mit dem eigenen Auto zum Alptraum macht und ich kann davon nur abraten!

Auf Malta ist man zuversichtlich, dass es nun bald mit dem Tourismus wieder losgeht. Diese Zuversicht teile ich nicht. Immer mehr Länder auf dem Globus färben sich rot und aller Wahrscheinlichkeit werden die Corona-Mutationen ein Reisen in den nächsten Monaten in Gänze unmöglich machen.

Für mich muss ich resümieren, Malta war mein bisher uninteressantestes Reiseziel. Zum Fotografieren oder Filmen ist Malta gar nicht geeignet, da es nichts gibt was man nicht irgendwo anders auf der Welt schöner vorfindet.

„Tal Mixta Cave“

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