Kalifornien – Hawaii – Kauai, Maui, Big Island – 4 Wochen sind immer noch nicht genug!

27.12.2017 – La Habra Die erste Station unserer Reise ist das zu Hause von Tammy und Terry, unsere Reisebekanntschaft aus der Antarktis. Die gepflegte Wohnsiedlung des oberen Mittelstands zehn Meilen nördlich von LA ist ein idealer Platz um anzukommen. Wir feiern das Wiedersehen und Terry macht auf dem Gasgrill im Backyard einen Berg Steaks, während Tammy in der Küche die vegetarischen Beilagen zubereitet. Trotzdem wir nach der langen Reisezeit und der kurzen Nacht in dem nicht gerade bequemen A380, Mühe haben die Augen offen zu halten, sitzen wir noch bis spät in den Abend beim „Englischunterricht“.

28.12.2017 Unter einem blauen Himmel, in klarer frühlingshafter Luft gehen wir nach dem Frühstück alle gemeinsam und mit den Hunden Sady und Sina eine große Runde durch das Wohnviertel, lassen uns die bis zu einer Millionen Dollar teuren Häuser zeigen, und lernen einiges über die Lebensverhältnisse in den USA. Einige Grundstücksbesitzer haben wegen der anhaltenden Trockenheit ihren Rasen gegen ein UV beständiges Plastikimitat ausgetauscht. Andere haben ihren Rasen durch einen Steingarten mit heimischen Kakteen ersetzt. Die Regierung bezuschusst diese Maßnahme mit über 50 Prozent. Beides ist eine optisch ansprechende Alternative und ein Tribut an die sich verschärfenden klimatischen Bedingungen. Anders als wir es aus Minnesota kennen, legt man hier auf die Gestaltung der Grundstücke, Häuser und Vorgärten gesteigerten Wert. Papageien fliegen lärmend von Palme zu Palme, die Morgensonne lässt Blüten uns unbekannter Gewächse farbeprächtig erstrahlen und Oldtimer blitzen vor den Garagen. Wir beginnen zu verstehen warum es so viele Menschen nach Kalifornien zieht. Trotz Erdbeben- und Brandgefahr, die Probleme durch die Trockenheit und die Überbevölkerung, das alles hier ist irgendwie total schön.
Wir hätten gerne noch länger am „normalen“ amerikanischen Leben teilgenommen, unser Reiseplan nötigt uns dann aber doch langsam zur Abfahrt. Wir bekommen noch ein „Care-Paket“ aus Candys und Keksen mit auf den Weg, verabreden uns für 2019 in Berlin und fahren wieder zurück nach LA. So einen Hot Spot wie das HOLLYWOOD Schild wollte ich eigentlich auslassen, da ich ihn einfach bedeutungslos und langweilig finde. Da wir aber schon einmal im Großraum LA sind und jede Menge Zeit haben, geben wir uns das dann doch. Die „Geheimtipps“, von wo man die Buchstaben am besten sehen kann, sind schon lange keine mehr, wenn sie es denn überhaupt jemals waren. Der einzige Tipp den man geben kann ist der, dort möglichst früh zu sein. Kurz nach Sonnenaufgang hat man einen spektakulären Blick über Down Town LA und man findet sehr wahrscheinlich leicht einen Parkplatz. Wir waren erst um 10 Uhr an den Buchstaben und teilten das Erlebnis mit hunderten anderen Touristen.

Auf der 101 fahren wir weiter nach Santa Barbara, der weißen Stadt an der „amerikanischen Rivera“. Auf der Sterns Wharf laufen wir über die alten verwitterten Holzbohlen und schauen den Pelikanen bei ihren Flugmanövern zu. Es ist voll auf der Stern Wharf und sogar Autos dürfen hier parken, so sie denn einen Platz finden. Der hölzerne Steg der Wharf endet dort wo die State Street beginnt. Mit ihren Galerien, Shops, Restaurants und Cafés ist die State Street die touristische Hauptschlagader in Santa Barbara. Wir laufen die Straße einmal rauf und wieder runter, doch das besondere offenbart sich mir nicht. Vom genormten Straßenpflaster über die Markenlabels bis zu den Restaurants ist alles austauschbar. Man findet es so in Europa, Australien oder in beliebigen Orten an der amerikanischen Westküste. Garniert ist der touristische Einheitsbrei mit kleinen Details von der historischen Resterampe. Abseits der State Street finden wir ein kleines Restaurant mit Terrasse, wo wir etwas essen. Wir besuchen die Kirche und den Busbahnhof, der doch tatsächlich vom lokalen Tourismusmarketing als „Point of Interest“ eingestuft ist. Damit ist man dann auch schon durch. Eine nette Stadt als Zwischenstopp für ein paar Stunden oder eine Nacht. Es sei denn man empfindet Freude daran, stundenlang durch alle Geschäfte zu schlendern, sich durch die zahlreichen Weinhandlungen zu schlürfen oder an den vorgefertigten touristischen Angeboten teilzunehmen.

29.12.2017 – Voller Erwartungen starten wir zur nächsten Etappe. Die Staatsstraße 1, welche nördlich von Santa Barbara vom Highway 101 abzweigt, ist unter dem vielversprechenden Namen „Big Sur“ bekannt. Die spektakuläre Straße entlang der zerklüfteten Küste ist die Route, die wohl jeder Besucher der Westküste, ob aus den USA oder aus der Ferne, für seine Reiseroute auswählt. Entsprechend stark ist sie auch frequentiert, mit allen negativen Auswirkungen die daraus resultieren. Wegen zahlreicher Bergrutsche und Brückenschäden war die „Big Sur“ 2017 auf vielen schönen Anschnitten gesperrt und wird erst im Verlauf des Jahres 2018 wieder in ganzer Länge befahrbar sein. So müssen wir einen 60 Kilometer langen Umweg durch das von Weinanbau geprägte Hinterland fahren. Die Umfahrung auf der 46 wird in ihrem Verlauf immer schmaler und nachdem man die Hunter-Liggett US Military Reservation durchfahren hat, kommen einem auf der Jolon Road kaum noch Autos entgegen. Nachdem man viele Meilen durch verdorrtes Grasland mit alten kahlen Bäumen gefahren ist, taucht man unvermittelt in das Grün eines Flusstales ein. Immer schmaler und steiler wird die Straße, bis sie an der Einfahrt zum Ponderosa Campground den Scheitelpunkt erreicht hat. Nun eröffnet sich aus einer Höhe von etwa 600 Meter über dem Meer ein atemberaubender Ausblick auf den Pazifik. Auf der gleichen schmalen Straße, auf der kaum zwei Autos aneinander vorbeikommen, windet man sich nun hinunter nach Gorda, wo man wieder auf die eigentliche 1 gelangt. Mit wie viel Schweiß und Blut wohl diese Straße in die steil zum Meer hin abfallenden Hänge gemeißelt wurde, lässt sich nur erahnen. Heute ist die Straße einer der touristischen Hot Spots in Kalifornien und Millionen Touristen nähren den Reichtum der Einwohner. In Kolonnen fahren hier die neuen Limousinen und SUV der Autovermieter und der Urlauber aus den USA selbst. Von Süden kommend, ist der erste Höhepunkt des touristischen Overkills die Einfahrt zum „Julia Pfeiffer Burns State Park“. Hier staut sich der Verkehr, da jeder Mühe hat noch irgendwo einen Parkplatz zu ergattern. Zum Sonnenuntergang ist das Gedränge am Aussichtspunkt auf den einzigartigen Pfeiffer Beach mit dem McWay Fall so groß, dass es schwer ist, noch einen Platz für mein Stativ zu finden. Auch nachdem die Sonne schonlange hinter dem Horizont verschwunden ist und der unberührte Strand von Dunkelheit umhüllt wird, pilgern noch viele Menschen hinunter für ein Selfie und ein Bild vom Wasserfall.
Wir fahren weiter Richtung Carmel, vorbei an Restaurants in denen man um einen Platz zum Abendessen bitten muss oder wo die Besucher auf eben einen solchen Platz in einer Schlange warten. Wir fahren weiter in der Kolonne nach Carmel. Doch so einfach ist auch das nicht. Zwei Meilen vor Carmel ist das Stauende! Irgendwann haben wir es dann aber doch geschafft, ein Abendessen zu ergattern und ins „Monterey Surf Inn“ einzuchecken. Das Motel ist mit unter 70 Euro pro Nacht sehr günstig. Das von einem Einwanderer vom Subkontinent geführte Etablissement, sollte jedoch in „India Chemical Inn“ umbenannt werden. Der beißende Gestank nach Putzmitteln in den Zimmern ist hier schon weltweit bekannt und am nächsten Morgen ist man froh, wenn man ohne schwerwiegende Vergiftungssymptome wieder ausgecheckt hat.

30.12.2017 Starbucks öffnet schon um 6:00 Uhr und wir holen was „for take away“ zum Frühstück. An der Bixby Beach Bridge drängen sich vor Sonnenaufang die ersten Frühaufsteher unter den Hobbyfotografen und Drohnen schwirren durch die Dämmerung. Dann stellen wir uns an den Point Lopos State Park an, der um 8:00 Uhr öffnet. Hier kann man Seelöwen aus 200 Metern Entfernung auf einem Felsen in der Brandung beobachten. Sonst gibt es hier nur Seevögel aus großen Distanzen zu sehen. Nur wenige Besucher werden wohl das Glück haben, hier Wale und Seeotter zu sehen. Carmel by the Sea ist the Place to be! Zumindest für jene, die mehr als 10 Millionen Dollar auf dem Konto haben. Denn Häuser, so klein sie auch sind, kosten hier ab zwei Millionen Dollar aufwärts. Einige der pittoresken Häuser, scheinen aus der Feder eines Illustrators von Märchenbüchern zu stammen. Die uralten knorrigen Bäume, die das Stadtbild prägen, unterstreichen diesen Eindruck. Die alten Gebäude sind, wie sonst selten in den USA, aufwendig saniert. Tesla, Porsche, Ferrari, Mercedes und BMW sind hier eher Norm als Ausnahme. Teure Galerien und Boutiquen findet man an jeder Ecke. Den 99 Cent Laden findet man nirgends. Alles ist sauber, wie geleckt und die Bewohner duschen mit teuren Duftwässern. Carmel by the sea ist das Disneyland für den gehobenen und erwachsen gewordenen Mittelstand! Gegen 9 Uhr am Morgen füllen sich die Straßen, Restaurants und Cafés mit Touristen. Einen Parkplatz oder gar einen Sitzplatz zu finden wird schwer. Wir biegen wieder auf die Big Sur ein und stehen im Stau. Außerhalb der Städte wird der Verkehr wieder flüssiger, aber man fährt in Kolonne von Look Out zu Look Out, wo der Verkehr, wegen der nach einer Parkmöglichkeit Ausschauhaltenden Touristen, wieder ins stocken gerät. Gelassenheit und Geduld ist auch in einigen gastronomischen Einrichtungen angesagt. Mit langen Wartezeiten muss man in den Restaurants mit exponierter Lage und Meerblick und jenen, welche in Reiseführern Erwähnung gefunden haben, rechnen. Zu erwähnen ist da allen voran die Fressbude „Louou´s“ auf der Warf von Monterey. Hier muss man sich zu jeder Tageszeit eine Stunde gedulden. Aber auch das „Nepenthe“ an der Big Sur steht dem mit Wartezeiten von bis zu eineinhalb Stunden in nichts nach.
Wir erkunden das viel gelobte Monterey und sind nach 15 Minuten damit fertig. Die Altstadt scheint nur aus drei historischen Gebäuden zu bestehen und in den zugeparkten Wohnvierteln oberhalb der Stadt gibt es nur noch wenige historische Gebäude, die einen Blick oder Klick wert sind. Wir fahren rechts, links, geradeaus und wieder im Kreis, aber es ist nichts zu entdecken, was einen längeren Aufenthalt rechtfertigt.
Während wir im beschriebenen Restaurant „Nepenthe“ dem Hunger Tribut zollen, zieht der „Nebel des Grauens“ (Titel eines mittelmäßigen Films mit noch schlechterem Remake) vom Pazifik die Hänge der Küste hinauf.
Zwar warten in diesem Nebel keine verwesten Seemänner mit Äxten, aber wettermäßig und fotografisch ist der Tag damit so gut wie gelaufen. Wir cruisen noch etwas die Big Sur hinauf und hinunter. Die Landschaft und das Städtchen Carmel sind ja ganz nett, aber das entspricht nicht meinem Bild von Amerika. Vieles hier fühlt sich fast schon europäisch an. Der touristische Overkill wie er hier zu finden ist, nervt mich einfach nur. Ich mache ein letztes Bild von der Bixby Beach Bridge und dann beginnen wir unsere Fahrt nach San Francisco. Doch weit kommen wir nicht, denn das Stauende ist schon vier Meilen vor Carmel. So stauen wir uns durch Carmel, fahren in zäher Kolonne nach Monterey, stauen uns durch Monterey und fahren in endloser Fahrzeugschlage auf der Interstate 101 von Ort zu Ort. Zwischen Monterey und San Francisco reiht sich ein Ort übergangslos an den Nächsten. Doch irgendwann geht es dank vierspuriger Richtungsfahrbahnen zügig voran und wenn die West Coast Leute erst einmal in Fahrt gekommen sind, gibt es kein Halten mehr. Die meisten Autofahrer überschreiten die Tempolimits mit 20 Meilen pro Stunde und wir jagen hinterher.

31.12.2017 – Was für ein Glück. Am Morgen kommt die Sonne hinter den Wolken hervor und die Golden Gate Bridge präsentiert sich ohne Nebel. Erst wenige Touriste treffen am Golden Gate Bridge Welcome Center ein und wir genießen die Zeit ohne Trubel. Dann fahren wir zur Fishermans Wharf und beobachten die vielen Robben am Pier 39, die sich um die besten Plätze auf den Pontons streiten. Nicht weit von der Fishermans-Wharf haben die historischen Straßenbahnen ihren Ausgangspunkt. So nehmen wir uns etwas Zeit für die Cable-Cars, die an ihren stählernen Seilen hängend, die steilen Straßen hinauf und hinunter rattern. Die Wagen der Cable-Cars kreuzen auch die Lombart Street, die wohl zu den bekanntesten Straßen in San Francisco gehört. Den Zick-Zack Kurs in der schmalen Einbahnstraße will fast jeder einmal hinunter gefahren sein und so schieben sich unablässig die Mietwagen der Touristen durch die Einbahnstraße und treiben die Anwohner in den Wahnsinn. Am späten Vormittag war der Rückstau derer, welche die Lombart Street entlangfahren wollten, fünf Blocks lang!
Wir machen einen Abstecher nach Bernal Heights, wo sich in der Prentell Street, der mit 37 Prozent Neigung, die steilste Straßenabschnitt der Welt befindet. Wikipedia und andere Quellen weisen dagegen die mit 750 Meter deutlich längere Baldwin Street mit ihrer Neigung von 35 Prozent Neigung als die steilste Straße der Welt aus. Dann rasen wir zurück nach Down Town SF, ins Viertel Haight-Ashbury. Der Stadtteil hat sich über die Jahrzehnte des Wandels seinen Shabby Style bewahrt. Wer den Waste-Look für sich entdecken möchte oder über Geschmacksentgleisungen lästern will, ist hier genau richtig. Wir entdecken das „Magnolia“, in dem wir im essen gehen. Hier gibt es in einem akustischen Inferno, leckere Burger und Salate, hausgemachte Bratwürste, selbstgebrautes Bier oder als Alternative für die Besucher aus Nordrhein-Westfalen, Kölsch. Dann trödeln wir im Fauacht (V8) durch die Stadt und zum Sonnenuntergang am China Beach, wo die Golden Gate Bridge noch einmal in der Abendsonne glüht. Wir sind in der Zeit zurückgereist. Als wir zum Jahreswechsel an der Fishermans-Wharf anstoßen, stehen daheim vielleicht die Ersten am ersten Tag des neuen Jahres um 9 Uhr am Morgen verkatert auf. Am Pier 15 beobachten wir das Silvesterfeuerwerk. Wer Feuerwerk mag, dem wird auch dieses gefallen, aber mit dem Feuerwerk und der Stimmung in Rio de Janeiro, Sydney oder Berlin kann sich San Francisco nicht messen.

01.01.2018 – 18° Celsius, sonnig – Silicon Valley, Google, Apple und Facebook. Ein Name und Unternehmen, die unser Leben digitalisieren und maßgeblich beeinflussen. Wer in San Francisco verweilt und etwas Zeit hat, kann diese Firmen, die man nördlich im Großraum San Jose findet, besuchen. Wir waren überrascht, wie unspektakulär und unscheinbar die Gebäude und Anlagen der Firmen zum Teil aussehen. Allerdings haben wir die neue Apple Firmenzentrale in Cupertino, die selbst das Pentagon alt aussehen lässt, nicht besucht. Ganz analog dagegen geht es im Premium Outlet in Livermoor beim shoppen zu. Doch muss man nun endgültig realisieren, dass die Zeiten des günstigen Einkaufens mit dem Euro in den USA, vorüber sind. Die meisten Waren kosten unwesentlich weniger als in Europa, nicht wenige sind sogar sehr viel teurer. Wir verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen und gehen hier gleich zu Mittag essen. Dann fahren wir über die Oakland Bay Bridge zurück nach San Francisco und verbinden das mit einem Abstecher nach Treasure Island.
San Francisco kann in vielen Straßen noch mit sehenswerten historischen Gebäuden aufwarten. Doch keine sind so bekannt wie die Painted Ladies. Der Ausdruck wurde von den Autoren Elizabeth Pomada und Michael Larsen, in ihrem 1978 erschienenen Buch „Painted Ladies – San Francisco’s Resplendent Victorians“, zum ersten Mal für die viktorianischen Häuser am Alamo Square Park in San Francisco benutzt. Heute bemühen viele Städte in den USA diesen Begriff für ihre viktorianischen Gebäude. Einst fand man diese Art der Holzhäuser überall in San Francisco, doch durch das Erdbeben von 1906 und den dadurch ausgelösten Brand wurden unzählige davon zerstört. Im Alamo Square Park tummeln sich den ganzen Tag Touristen auf den Rasenflächen und am Abend kann man von hier aus zusehen, wie sich die City nach und nach illuminiert. Während unseres Aufenthalts war Vollmond und man konnte einen spektakulären Mondaufgang über der Stadt beobachten.

02.01.2018 15° Celsius bewölkt Das der Wetterbericht nicht immer hält was er verspricht, ist ja nicht neu. So beginnt dieser Tag bewölkt und mehr als eine Sonnenstunde wird es am Abend dann auch nicht gewesen sein. Wir nehmen auf der hölzernen Bank einer Cable Car Platz und sehen dem Wagenführer bei der Arbeit zu. Drei lange stählerne Hebel sind sein Werkzeug, mit dem er den Wagen am Seil beschleunigt und wieder abbremst. Blankpoliert vom harten Griff seiner schwieligen Hände sind die Griffe der Hebel. „Hold on – turn right“ ruft er den Fahrgästen zu, sie mögen sich festhalten. Dann zieht er am Seil der Glocke und lässt einer seiner Melodien die er drauf hat, erklingen. Der Wagen rumpelt über den Berg zur Market Street und von dort wieder zurück zur Wharf. Mit 14 Dollar pro Person gehört dieses Erlebnis zu denen mit dem besten Preis-Erlebnis-Verhältnis in San Francisco. Dann widmen wir uns noch etwas den Seelöwen am Pier 39. Es scheint ein reines Spiel zu sein, wenn sie sich gegenseitig im Wasser necken, aus dem Wasser auf die hölzernen Pontons schießen, um sich dann gegenseitig wieder runter zu schubsen. Stundenlang könnte man hier verweilen und den Tieren zuschauen. Nun fahren wir mit dem Auto über die Golden Gate Brücke, nur um mit dem Auto einmal über die Brücke gefahren zu sein.
Pagoden, Drachen, Garküchen und Räucherstäbchen findet man nicht nur im Reich der Mitte. Jede amerikanische Metropole hat sein Chinatown und es fällt schwer, einen Unterschied zwischen den chinesischen Communitys in anderen Großstäten festzustellen. Es gibt alles was man sich nur irgendwie vorstellen kann, aber nicht was man wirklich braucht. Wer Appetit auf chinesische Küche hat, ist hier genau richtig. Natürlich gehört Chinatown zu San Francisco und jeder Reiseführer rät zu einem Besuch. Natürlich kann man auch hier viele nette Dinge erspähen, wie zum Beispiel den Greis, der auf seiner Laute „Jingelbells“ zupft. Er zupft auch jede andere Melodie wenn die Touristen dafür zahlen.
San Francisco glänzt beim technischen Erbe nicht nur mit alten Schiffen und der Cable-Car. In der Market Street und der Embarcadero trifft man auf die ab 1947 in St. Luis gebauten PCC II – Straßenbahnen, die auf der Spurweite von 1.588 mm unterwegs sind. In einem ehrgeizigen Projekt kaufte San Francisco zwanzig dieser Triebwagen für je 12.000 Dollar aus Philadelphia und ließ sie zu einem Preis von etwa 460.000 Dollar komplett überholen. Die robusten Fahrzeuge sind zuverlässige Designikonen einer längst vergangenen Ära. Die Entscheidung zu den historischen Fahrzeugen erfolgte aber auch aus wirtschaftlichen Erwägungen. Die Anschaffung neuer Fahrzeuge hätte den bis zu dreifachen Preis gekostet.
Ein letzter Blick von Treasure Island auf das Lichtermeer von Down Town San Francisco und dann packen wir die Koffer. PS San Francisco ist dreckig und in den Straßen leben tausende von Obdachlosen, die nicht selten total drauf sind. Was hat San Francisco was einzigartig ist?
Die extremen Steigungen und Gefälle der Straßen, die Golden Gate Bridge und die Cable Car, das wars.

03.01.2018 – Hawaii San Francisco verabschiedet uns mit trübem Wetter und wir freuen uns auf die tropisch warmen Temperaturen, die auf Hawaii herrschen. In diesem Winter jedoch, hat Hawaii einen ungewöhnlich nassen Winter, mit vielen Wolken und Regen. Als wir auf Kauai ankommen ist es so windig, dass es fast schon ungemütlich ist und am Abend im Restaurant sitzen wir mit langer Hose und Jacke.

Kauai – Die Insel der Hurrikane Hühner
1982 und 1992 suchten die Wirbelstürme „Iwa“ und „Iniki“ die Insel heim und zerstörten die Käfige der Hühnerzüchter und auch der Kampfhähne auf Kauai. Seit dem ist die Insel ein großer Hühnerhof. Sie begrüßen dich auf dem Flughafen, sie behindern dich beim Einparken auf dem Parkplatz, sie krähen mittags oder auch um Mitternacht, sie stehen auf Steinen am Strand und blicken aufs Meer. Sie sind immer präsent. Gegacker und Gekrähe, überall und zu jeder Tageszeit.

04.01.2018 Am Morgen fahren wir zum Kilauea Leuchtturm und erkunden,  nach einem Frühstücks-Stoppover in Kapaa, die Westküste der Insel. Der erste Stopp, der uns zwei Stunden kostet, sind die Waimea Falls. Mitten im Urwald eingebettet ist dieser Wasserfall ein wirklich paradiesischer Ort. Einzig der Abstieg in die 150 Meter tiefe Schlucht, auf einem schlammigen, schmalen Trampelpfad, über den die Bäume ihre Wurzeln und Äste recken, verhindert, dass der Pool voller lärmender Touris ist. Eins der beeindrucktesten Naturerlebnisse auf Kauai ist das Kalalau-Tal, das wir mit dem Auto erkunden. Anfangs hatten wir vor, hier eine Ganztageswanderung zu machen und auch die ersten Kilometer des Kalalau Trail zu gehen. Die Reste einer hartnäckigen Erkältung und die mangelnde Zeit verhinderten dies leider. Auf dem Rückweg nach Kapaa fahren wir einen Schlenker über Poipu. Dort im Beach Park genießen wir den Sonnenuntergang. Hier erleben wir (wieder mal) wie einige Einheimische mit den Touris über Kreuz liegen. Einst hatten die wohlhabenden Einwohner von Poipu hier ein flauschiges Leben mit Meerblick. Bis man ihnen eines Tages fünf Strandresorts vor die Nase betoniert hat. Heute sitzen allabendlich lange Reihen Schaulustiger auf Klappstühlen an der Uferstraße vor den Grundstücken und feiern, mit ihren mitgebrachten Drinks, den Touch Down der Sonne. Die Abenteurer und Entdecker unter ihnen latschen in Flip Flops über das Riff in der Bucht und fischen zur Belustigung anderer Seesterne, Seegurken und anderes Getier aus den flachen Lavapools. Entsprechend ungehalten ist das Gezeter einiger Anwohner, die sich lautstark Luft machen und über alles aufregen, was Touristen tun oder auch nicht tun.

05.01.2018 -Mokolea Lava Pools – Eineinhalb Stunden vor Sonnenaufgang bin ich wieder auf der Straße Richtung Kilauhea Lighthouse. Nach dem Abzweig runter zur Küste verliert die Kahili Querry Straße abrupt den Charakter einer Straße. Je weiter sich der Sandweg der Küste nähert, je mehr wird er zur Schlammpiste, bei der es nur noch im Allradantrieb voran geht. Selbst als Fahrer hat man ab und zu den Reflex, sich irgendwo festhalten zu wollen. Dann, am Ende der Straße öffnet sich ein mit Bäumen gesäumter Platz, an dem sogar jemand campt. Aus dem schwarzen Wald ringsum dringen fremde Rufe der nachtaktiven Tiere und der frühen Vögel. Nach wenigen Metern balanciere ich über glitschige Steine unterhalb der Steilküste entlang. Herabfallende Steine jeder Größe oder ein Fehltritt in eines der tiefen Wasserlöcher die sich in der Dämmerung schlecht ausmachen lassen, können den Hike hier schnell im Desaster enden lassen. Ich erkunde die ganzen hundert Meter dieses felsigen Küstenabschnitts, während die Brandung der auflaufenden Flut gegen die scharfkantigen Lavagrate donnert. Mehr als ein oder zwei interessante Lavapools gibt es hier nicht. Für ein Foto reicht ja einer! Stativ aufstellen, alles einstellen, knipsen und dann nichts wie weg, bevor durch den nächsten Wellenbrecher Kubikmeter Salzwasser auf mich niederprasseln.

Es gibt keine Notwenigkeit, auch nur eine der vielen amerikanischen Fastfoodketten zu besuchen. Die aufgeräumten Supermärkte bieten von frischem Obst bis zu fertigen Gerichten alles, was man zum Leben braucht. Verlangt es einem doch einmal nach Burger & Co., so gibt es unzählige individuelle Restaurants, die von Einheimischen betrieben werden. Die Zutaten werden aus der nahen Umgebung bezogen und immer sind die Speisen schmackhafter – als der Einheitsfras der Systemgastronomie. “Bubba refuses to serve any burger costing less than a can of dog food” – Bubba Burger ist so beliebt, dass neben Burgern und Hot Dogs, auch diverse Merchandise-Artikel, wie Anstecknadeln, Schlüsselanhänger, T-Shirts, Mützen und vieles mehr ihren Absatz finden. Wer es noch authentischer mag – überall parken Foodtrucks für jeden Geschmack. Gestärkt stellen wir uns hinten an den Megastau in Kapaa an und fahren dann in einer nicht enden wollenden Karawane von Autos, mit einem Abstecher in Hanapepe, zum Kalalau Lookout. Von hier oben hat man einen einzigartigen Ausblick auf eine Landschaft, die durch ihre geografisch bedingte Unzugänglichkeit von menschlichen Einflüssen, mit Ausnahme einiger Wanderwege, freigeblieben ist. Hier oben wird klar, warum die Insel Garteninsel heißt.

06.01.2018 Früh am Morgen, wenn es im Wald noch dunkel ist, fühlen sich die Frösche ungestört auf dem schmalen Hohlweg und bespringen sich gegenseitig. Wir müssen aufpassen, nicht auf einen der Frösche zu treten. Durch die Bäume des Dschungels hört man schon von weitem das Meer toben. Die Flut hat fast ihren Höhepunkt erreicht. Queen´s Bath ist ein natürlicher Süßwasserpool, der durch einen Bach, der irgendwo in den Höhen der unzugänglichen Napali Berge entspringt, gespeist wird. Doch in den Wintermonaten und bei Flut, wird aus dem Queen´s Bath ein Mahlstrom, in dem die Wellen das Queen´s Bath fluten und nicht einen Tropfen Süßwasser übriglassen. Die Frösche haben sich dann bereits in höhere Pools in Sicherheit gebracht. Doch wir Menschen haben diese Instinkte ausgeblendet und so fordert die Küste jährlich das Leben einiger allzu wagemutiger Touristen.
Ke´e Beach ist der letzte Aussichtpunkt vor der Napali Küste, der sich mit dem Auto erreichen lässt. Hier beginnt auch der weltweit bekannte Kalalau Trail. Beeindruckend ist auch hier das Schaupiel der einlaufenden Flut. Die Wellen türmen sich zu wahren Bergen auf und zerschellen an der schroffen scharfkantigen Felsenküste. In Interwallen rollen ebenso riesige Wellen von der Küste zurück in die See. Wenn sie auf die Wellen der auflaufenden Flut treffen, gibt es eine regelrechte Explosion der Wassermassen. Stundenlang könnte ich dort sitzen und zuschauen. Aber irgendwann, fünf Stunden nach dem Erwachen meldet sich der Hunger. Die Sonne steht hoch und wir kehren in das “Banandi Café” in Waimea ein. Hier gibt es die leckersten Crepes und Waffeln der Insel. Von herzhaft bis Karamell mit Sahne ist das Angebot so groß, dass niemand lange genug auf der Insel weilt, um alles zu probieren. Die Wartezeit beträgt auch nur eine halbe Stunde. Dann stellen wir uns an die inzwischen wieder lang gewordenen Autoschlange an und stauen uns zurück nach Kapaa. Rechts hinter üppigen tropischen Wäldern erheben sich die Ausläufer der Napali Berge. Typisch für die Napali Küste sind aber auch die häufigen Regenschauer, von denen uns nun einer auf der Rückfahrt begleitet.
“Born to be wild” singt Steppenwolf über die Bordlautsprecher als der Helikopter knatternd abhebt. Über satt grünem Dschungel steigen wir an den Flanken unzugänglicher Steilhänge empor und das fühlt sich an, wie eine Szene aus “Apokalypse Now”. Vorbei am Jurassic Fall fliegt der Helikopter durch Schluchten an deren Grund ein Fluss mäandert. Rechts und links von uns ragen Felswände senkrecht in die Höhe und manchmal scheint die Vegetation zum greifen nahe. Immer wieder Wasserfälle, die wie aus dem Nichts kommend hunderte Meter in die Tiefe fallen. Die Landschaft wirkt geradezu surreal. Man erwartet wirklich dort unten zwischen den Bäumen einen Saurier zu erspähen und wäre es so, man würde es als ganz natürlich akzeptieren. Das Kalalau Tal öffnet sich und die Napali Küste kommt in Sicht. Das intensive Nachmittagslicht lässt an den Bergflanken immer neue plastische Formen entstehen und das satte Grün erstrahlen. Die Landschaft Kauais und dort besonders die des Waimea Canyon und der Napali Küste, beeindruckt bis heute auch Regisseure . So wurden hier unter anderem „Gilligans Insel“, „King Kong“,“Die Dornenvögel“, die „Jurassic Park“-Filme, „Tropic Thunder“, „Sechs Tage, sieben Nächte“, „A Perfect Getaway“, „Soul Surfer“ und die Serie „Lost“ gedreht.

07.01.2018 6:00 AM 23° Celsius bewölkt Heute hat die Flut ihren Höchststand und die Wellen des Pazifik sind noch kraftvoller als die Tage zuvor. So fällt es schwer, sich von dem Schauspiel an den Mokolea Lava Pools zu trennen. Auch am Ke´e Beach ist die tosende See mit ihren meterhohen Wellen wieder berauschend. Der Hunger zwingt uns nun aber wieder nach Hanalei ins „Banadi Café“, Pankakes und Waffeln reinschieben und Kaffee tanken. Bei einem Abstecher ins Hinterland entdecken wir eine Begräbnisstätte der Ureinwohner.
Der Eingebung durch die Gottheit Shiva folgend, gründete am 15 Februar 1975 der aus den USA stammende Gurudeva auf Kauai ein hinduistisches Kloster. Heute leben hier zwanzig Mönche nach den Lehren des Hinduismus. Auf dem Klostergelände findet sich unter einem der beeindrucktesten Bäume auf Kauai, die Statue der sechsgesichtigen Gottheit Shanmuga. Die Äste des Baumes, die in alle Richtungen zu greifen scheinen, stehen in einem perfekten Zusammenspiel mit der Statue.
Wir chillen auf der Terrasse vor unserem Zimmer, sortieren uns und überlegen was wir mit dem restlichen Tag machen. Die Bewölkung hat im Tagesverlauf heute eher zugenommen und immer wieder lassen die Wolken kleinere Schauer niedergehen. Es fällt schwer sich zu entscheiden.
Dann fahren wir doch los zum Hanalei Beach, dem perfekten hufeisenförmigen Strand mit feinstem Sand. Doch das Postkartenidyll hat sich gewandelt. Es ist Sonntag und viele Einheimische nutzen den Strand zum Surfen, Campen, Baden und Posen und haben den Strand mit Autos zugeparkt. Aufgrund des hohen Tidenstandes und angeschwemmter Baumleichen hat er zumindest zu dieser Jahreszeit nicht weder das paradiesische Aussehen noch die perfekt geschwungene Sichelform. Die Pausen zwischen den Regenschauern werden immer kürzer. Wir geben auf und fahren zu Bubba Burger……………

08.01.2018 6:00 AM 20° Celsius bewölkt, Nieselregen
Wer Wolkenberge in all ihren Ausprägungen und Farbschattierungen mag, wird diesen Tag lieben. Denn mit Wolken und Nieselregen beginnt der Tag und es bessert sich bis zum unserem Abflug nach Maui nur unwesentlich. Einen Lichtblick gab es aber doch. Als wir am Morgen das letzte Mal den Lookout den Kilauea Leuchtturm besuchen, schwimmt an der Küste eine Gruppe Wale vorbei, von denen einige immer wieder mit den Flossen auf das Wasser schlagen. Meterhoch spritzt das Wasser, als einer der Wale, der aus dem Wasser sprang, wieder in die See abtaucht. Auch später sehen wir immer wieder Wale blasen. Nicht zuletzt wegen des verregneten Wetters fahren wir zurück nach Kapaa, waschen den Jeep, um die Reinigungsgebühr von 50 Dollar zu vermeiden und packen im Hotel unsere Sachen, denn nun geht es nach Maui.

09.01.2018 Maui 26° Celsius, leicht bewölkt, sonnig Lahaina ist ein Ort, der allem Anschein nach ausschließlich vom Tourismus lebt. Ganz sicher gilt das für viele Orte auf den hawaiianischen Inseln. Wenn ein Kreuzfahrtschiff in der Bucht liegt ist es zu voll, am Abend ist es zu laut und immer ist es zu teuer. Trotz allem ist Lahaina mit seinem historischen Gebäudebestand und den im gleichen Stil errichteten Neubauten, ein gewisser Charme nicht abzusprechen. Ganz anders dagegen ab Kahana, in nördlicher Richtung, wo sich ein seelenloser Betonklotz an den nächsten reiht und die Küste aus der Ferne wie eine Steilküste erscheinen lässt. Dazwischen finden sich Luxusresorts in denen Trauungen am Fließband abgehalten werden. Ganz „individuell und für jeden ganz besonders und unvergesslich“, finden hier mehrfach täglich am Strand Fotosessions und die Ehezeremonien statt. Manchmal auch mehrere gleichzeitig.
Für uns geht es an diesem Morgen bescheidener zu. Das Hotel „Aina Nailu Outrigger“ lädt uns zu einem Frühstück ein. Wir wissen natürlich, dass es keine Geste der Nettigkeit ist, denn während des Frühstücks gibt der Concierge einen Überblick über die Insel. Vortrag und der Inhalt sind aber so kurz, oberflächlich und inhaltsleer, dass man das glatt vergessen kann. Dann erfolgt die Verkaufsveranstaltung für Touren. Es gibt auch eine Lotterie, bei der man eine Tour gewinnen kann. Gewinnt Papi eine Tour, so muss der Rest der Familie natürlich die Touren buchen, wenn sie denn nicht zurückbleiben wollen. Also, einer gewinnt eine überteuerte Tour und zwei bis drei Personen kaufen die Touren. Normalerweise nehme ich an dieser Art der Zeitverschwendung nie teil, aber man kann ja einmal im Urlaub sozial angepasst sein (muss man aber nicht). Um 9:30 Uhr ist der Spuk vorbei und wir beginnen Maui zu erkunden. Nicht weit von unserer Unterkunft in Lahaina entfernt liegt das Iao Valley. Das Tal wird umrahmt von den steilen Hängen der West Maui Montains. Am Ende eines kurzen Wanderweges überragt eine 300 Meter hohe Felsnadel das von üppigem Dschungel bewachsene Tal, dass sonst für Besucher nicht zugänglich ist. Im Jahr 1790 führte hier König Kamehameha I. die entscheidende Schlacht um Maui und besiegte König Kahekili. Heute gehört dieser Park zum Weltnaturerbe. Nach diesem Abstecher umrunden wir den nördlichen Teil Mauis, der durch steile Felsküsten und meterhohe Wellen die schäumend an den Klippen zerschellen, gekennzeichnet ist.
Meine ehrgeizige Planung sah vor, morgen zum Sonnenaufgang auf den Gipfel des Vulkans Haeakala zu fahren. Doch was nirgendwo geschrieben stand: „Wer von Mitte Dezember 2017 bis Mitte Januar 2018 vor Sonnenaufgang, zwischen 3:00 Uhr und 7:00 Uhr am Morgen auf den Vulkangipfel möchte braucht ein online gebuchtes Parkticket für den Preis von 1,50 Dollar“ zusätzlich zum Parkeintritt von 25 Dollar pro Fahrzeug. Diese Tickets muss man in einer Lotterie gewinnen. Weitere 40 Tickets sind am Vortag auf der Webseite der Parkverwaltung verfügbar. Die Webseite dafür ist ab 16:00 Uhr online geschaltet. Wer der schnellste ist, bekommt eines ab. Spätestens um 16:07 Uhr sind alle Tickets weg. Manchmal gibt es zwei Tage im Voraus noch Plätze bei dem einzigen Tourveranstalter für „Sunrise-Touren“ auf den Haleakala Vulkan. Diese Tickets wurden uns für ca. 200 Dollar pro Person angeboten. Eine Garantie für einen Sonnenaufgang auf dem Vulkan gibt es natürlich nicht. So beschließen wir morgen die Straße nach Hana zu fahren und den südlichen Teil der Insel zu umfahren und hegen die Hoffnung vor 16:00 Uhr auf dem Zimmer zu sein, um Tickets für den Haleakala zu bekommen.

10.01.2018 „Road to Hana – Um 5:30 Uhr biegen wir von Hotelparkplatz ab und fahren auf die Schnellstraße Richtung Kahului. Hinter Kahului schwenkt die Straße 36 inn Richtung Meer und die Aussichten wären hier schon schön, aber es ist ja noch tiefschwarze Nacht. Wir haben die Tour so geplant, dass wir den interessantesten Teil der Straße nach Hana zum Sonnenaufgang erreichen. Soweit der Plan. Der klappt auch, nur das heute hier auf der Ostseite, wegen der starken Bewölkung, gar kein farbiger Sonnenaufgang stattfindet. Die Sonne hält sich hinter Wolkenbänken versteckt und erhellt die Straße durch den Dschungel zunächst nur leidlich. Wir können uns nicht erinnern auf den 72 Kilometern, zwischen Paia und Hana, auch nur einen geraden Streckenabschnitt gefahren zu sein. 54 einspurige Brücken überquert die Straße und hinter jeder Kurve verbirgt sich ein neues Abenteuer. Wanderpfade in das Hochland, Regenbogen-Eukalyptus Bäume, Wasserfälle, Schwarze Strände, kleine Farmhäuser, Obststände und grandiose Ausblicke auf die schroffe Küste. Kurz vor Hana gibt es dann die erste Imbissbude mit Kaffeekreationen, Kuchen und Steinofenpizza. Die Erwartungen an Hana selbst sollten nicht allzu groß sein. Es ist ein Dorf mit den traditionellen einstöckigen Holzhäusern, mal großzügig und gepflegt, oft aber einfach und mit einer gewissen Patina. Der Weg ist das Ziel und Hana für uns nur eine Zwischenstation, an der wir links abbiegen. Von hier sind es nur noch neun Meilen zum Kiphhulu State Park. Besonders reizvoll ist in diesem Park der Pipiwai Trail, der sich vier Kilometer durch dichten Bergwald windet und auf dem man den schönsten Bambuswald durchwandert, den wir je gesehen haben. Der Pfad endet am Waimoku Wasserfall, der beeindruckende 121 Meter in die Tiefe stürzt. Wenn es auf dem vielbevölkerten Weg einmal still ist, sollte man den zehn Meter hohen Bambusröhren zuhören, wie sie im Wind gegeneinander schlagen und dabei den „Jungle-Drum“ spielen. Hin und wieder hört man aber auch andere Klänge. Der neueste Trend der nachwachsenden Generation der „Wanderer“ ist es, eine tragbare MP3 Box mitzuführen und damit die lästigen Geräusche der Natur zu übertönen.
Hinter dem State Park, windet sich die Straße in engen Kurven um die steilen Felsen der Küste. In manchen Kurven passen keine zwei Autos nebeneinander und bedrohliche Felsüberhänge von abertausenden Tonnen Felsgestein lassen kurz im Kopf den Gedanken aufblitzen, wie lange das noch halten wird. Immer wieder passiert man Abschnitte, an denen noch vor kurzem die Straße von Schlamm und Geröll verschüttet wurde oder man muss Steinbrocken ausweichen, die auf der Straße liegen. Nach und nach lichtet sich der Dschungel. Vorüber ziehen überwucherte Autowracks, man passiert ausgedehnte Lavafelder und man durchfährt Alleen, auf denen die ausladenden Äste der knorrigen Bäume einen Tunnel formen. Erste Felder kommen in Sicht und die Straße führt entlang an Mauern aus Vulkangestein, die einst per Hand aufgeschichtet wurden und sich bergauf, bergab, kilometerlang durch die hügelige Landschaft ziehen. Es wird städtischer und nach einigen Kilometern schimmern die Gebäude von Waikupa und Kahului in der Ferne. Die Fahrt durch das ursprüngliche und beschauliche Maui ist hier zu ende. Nun bewegt man sich auf mehrspurigen Asphaltstraßen durch die uniforme Zivilisation Amerikas, wenn man nicht wie allzu oft im Stau steht. Zwischen November und April jeden Jahres sollte man den Blick, wann immer es der Verkehr zulässt, auf das Meer richten. Wir zählten in zehn Minuten nicht weniger als zehn Wale, die Wasserfontäne in die Höhe bliesen oder mit den Flossen auf das Wasser schlugen. Im letzten Moment, bevor die Sonne hinter der Landzunge von Lanai untergeht, schaffe ich es mit der Kamera auf die Klippen vor Kapaluha, wo gerade wieder einmal Bilder einer Hochzeit gemacht werden. Während ich meinen Fotokram einpacke, schnellt in hundert Meter Entfernung ein Wal aus dem Wasser und taucht mit einem donnernden Klatschen wieder in die Fluten des Meeres. Wir waren heute dreizehneinhalb Stunden unterwegs und mit den Tickets für den Haleakala wurde es natürlich nichts.

11.01.2018 29° Celsius leicht bewölkt Bis zu 10.000 Buckelwale sammeln sich jedes Jahr zwischen Dezember und April in den Gewässern um die hawaiianische Inselgruppe. Besonders große Chancen für Walbeobachtungen hat man vor West Maui, zwischen Maui und Lanai, vor Kaanapali und Molokai. Wir haben für diesen Tag zwei Touren gebucht. Die erste am Morgen bei der „Pacific Whale Foundation“. Wale sieht man auf diesen Touren immer. Die Gewässer um Hawai sind voll von ihnen. Die Fährverbindung zwischen Maui und Lanai kann man in diesen Monaten einstellen, denn man kommt trockenen Fußes auf dem Rücken der Wale von einer Insel zur anderen. Wir sahen zwischen 9:00 Uhr und 11:00 Uhr vor der Küste drei Wale springen. Die anderen, die wir sahen, haben wir gar nicht mehr gezählt. Es werden wohl so um die zwanzig Wale gewesen sein. Zwischen 11:00 Uhr und 14:00 Uhr ist Urlaub, mit Baden in einem der beiden Pools, Postkarten schreiben und Kaffee trinken. Die Zweite Tour mit „Ultimate Whale Watch & Snorkel“ startet um 15:00 Uhr und ist als dreistündige „phototour“ ausgeschrieben. Mit maximal vierzehn Teilnehmern ist diese Tour mit 85 Dollar deutlich teurer. Bei den Fototouren, in den kleinen Booten mit wenigen Teilnehmern, kommt man den Walen viel näher, da die Motoren auch mal abgestellt werden. Die Boote sind flexibler und schneller, wenn es darum geht schnell eine Stelle zu erreichen, wo es eine Walsichtung gab. Grundsätzlich ist Walbeobachtung jedoch reine Glückssache! Nur die Dauer der Tour erhöht die Chancen. Somit ist es völlig egal mit welchem Veranstalter man fährt. Man hat Glück oder eben nicht. Der Slogan: „Wenn Sie keinen Wal sehen, bekommen sie die nächste Tour gratis“ ist Schwachsinn! Wenn in einem Kilometer Entfernung einen Blas gesehen wird, zählt das als Sichtung. Einen Blas sieht der aufmerksame Betrachter innerhalb von höchstens fünf Minuten auch vom Strand aus. Bei der Fototour sahen wir allein drei Wale aus dichter Entfernung springen. Das ist auf jeder Walbeobachtung der WOW-Effekt, da ja mit eben diesen Bildern überall Werbung gemacht wird. Um dies als Datei mit nach Hause zu nehmen, muss man die Kamera auch eben gerade in diesem Moment, in diese Richtung halten und alle Settings müssen stimmen.

12.01.2018 Haleakala 7° Celsius, klarer Himmel Wir fahren ohne Registrierung vor Sonnenaufgang zum Vulkan Haleakala. Vorher verkünden überall Schilder an der Zufahrt: „No entry without registration – turn here. Wir werden natürlich am Zugang zum „Haleakala National Park“ abgewiesen und warten vor dem Eingang. Um 7:00 Uhr ist dann Einlass für den dreckigen Rest. Die 11 Meilen bis zum Gipfel schafft man vor Sonnenaufgang nicht und so knipsen wir von der Straße ein paar Bildchen von der grandiosen Lichtstimmung über den Wolken. Eine Wanderung im Krater können wir nicht machen, denn der Zeitplan ist ziemlich eng. Latte Macchiato tanken, Lemoncake mampfen, noch einmal zum Ioa Valley fahren und dann das Näkalele Blowhole für den nächsten Morgen scouten. Der Ausgangspunkt für die Pfade hinunter zur Küste und dem Blowhole, ist nicht zu übersehen. Der Parkplatz ist voll und auf den Wegen, sowie am Blowhole, ist Volksfeststimmung. Hoffentlich ist es morgen zum Sonnenaufgang nicht so voll. Am Nachmittag machen wir noch einmal eine „Whale-Watching-Tour. Dieses Mal ist es schwieriger auf Wale zu treffen. Außer mehrerer Blase und einigen Rückenpartien, die mal kurz aus dem Wasser ragen, ist nichts zu sehen. Als ein Wal zwanzig Meter neben dem Boot seinen zum Tauchen gekrümmten Rücken aus dem Wasser hebt und abtaucht, wird das von der Crew und den Bootsinsassen mit WOW-Geschrei gefeiert. Überhaupt überrascht es, mit welchem Lärmpegel die Whale Foundation diese „Fototour“ regelrecht abfeiert. Trotzdem die Crew alles versucht die Wale zu vertreiben, sehen wir dann doch noch eine Walfamilie mit einem Jungen, welches sich mehrmals mit der Schwanzflosse bis zur halben Körperlänge aus dem Wasser stemmt. Walbeobachtung ist also reine Glückssache und hängt weder am Preis noch am Veranstalter.

13.01.2018 Lahaina 29° Celsius, klarer Himmel
Eine halbe Stunde früher als geplant und auf jeden Fall Stunden bevor Urlauber aufstehen, sind wir am Näkalele Blowhole. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Auswaschung im porösen Lavagestein, dass hier überall an der Küste zu finden ist. Bei Flut und hohen Wellen wird das Meerwasser in einen Tunnel gepresst. Einige Wellen pressen so viel Wasser in diese Röhre, dass die Wassermassen aus einer senkrechten Öffnung auf einem Felsplateau mit ohrenbetäubendem Zischen zwanzig Meter in die Höhe schießen. Ein Schauspiel, wie es nur selten zu finden ist. Besonders beeindrucken ist es, wenn dazu im Hintergrund die Sonne über dem Pazifik aufgeht. Gleich daneben befindet sich eine interessante herzförmige Auswaschung im Gestein. Man könnte noch eine weitere Woche auf Maui verbringen ohne dass es langweilig wird, aber wir müssen packen, denn wir ziehen heute nach Big Island weiter, wohl wissend, dass auch dort vier bis fünf Tage viel zu kurz sein werden.
Um 8:07 Uhr am Samstag, den 13. Januar 2018, wurde eine Notfall-SMS an Mobiltelefone in Hawaii gesendet, in der es hieß: „Ballistische Raketenbedrohung eingehend nach Hawaii. Sucht sofortigen Schutz. Das ist kein Test.“ TV-Sender zeigten auf bestimmten Kanälen ebenfalls die Notrufmeldung. Der TV-Banner vermeldete: „Das US-Pazifik-Kommando hat eine Raketenbedrohung für Hawaii entdeckt. Eine Rakete kann innerhalb von Minuten auf Land oder Meer einschlagen. DIES IST KEINE ÜBUNG. Wenn Sie im Haus sind, bleiben Sie drinnen. Wenn Sie im Freien sind, suchen Sie sofort Unterschlupf in einem Gebäude. Bleiben Sie drinnen weit weg von Fenstern. Wenn Sie fahren, halten sie am Straßenrand und suchen sie Unterschlupf in einem Gebäude oder legen Sie sich auf den Boden. Wir werden bekanntgeben, wenn die Bedrohung vorüber ist. Sofortmaßnahmen ergreifen. DIES IST KEINE ÜBUNG. Sofort handeln.“
Per Twitter kam dann um 8:20 Uhr die Entwarnung der Hawaii Emergency Management Agency mit der Nachricht „KEINE Raketenbedrohung für Maui und Hawaii.“ Die Menschen nahmen es gelassen, aber Läden und Restaurants blieben zunächst geschlossen. Auch der Flugverkehr wurde kurzfristig eingestellt und so kam es zu Verspätungen, die auch unseren entspannten Abend auf Big Island zu Nichte machten.
14.01.2018 Big Island – Schnorcheln mit Kona Ocean Adventures Das erste Ziel auf Big Island ist das Waipo Valley. Eine steile und von Wind, Wetter und Steinschlag zerfurchte Aspaltstraße windet sich an der Felsflanke von Waipo Valley Overlook hinunter ins Tal. Ich wünschte ich hätte die Rechte an dem Schriftzug „Privat Property“. Mir würde ganz Hawaii gehören. Hier unten im Tal soll es Wanderpfade ins Valley geben, aber alle Wege enden spätestens nach zwei Metern vor einem Schild, mit der Aufschrift „Privat Property“. Damit etwas Abwechslung in den Schilderwald kommt, haben die Einwohner des kleinen Dorfes auch Schilder mit den Aufschriften: Keep Out, Parking only for Hawaiian People, Keep away – flying stones und andere Formulierungen ihrer Nettigkeit, aufgestellt. Selbstgebastelte Schilder weisen darauf hin, dass nur fünf Meilen pro Stunde gefahren werden darf, fährt man jedoch fünf Meilen pro Stunde, ist das meist auch zu schnell und es werden einem Drohungen und Beschimpfungen hinterhergerufen.
So bleibt einem nur der Besuch an dem Steinigen Strand, an dem im Winter die Brandung gegen die Klippen tost. Vielleicht gibt es ja Wanderpfade, wir jedenfalls haben sie nicht gefunden. Wir fahren wieder nach Kona, denn wir haben für stolze 111,11 € pro Person (kein Witz) eine Manta-Tour gebucht.

Die beiden PS-starken Außenbordmotoren brüllen und das Boot schneidet durch die meterhohen Wellen des Pazifiks. Harte Schläge und ein lauter Knall, wenn das Boot auf eine besonders hohe Welle aufschlägt. Wir jagen an der scharfkantigen Lavaküste, an der die Wellen der Flut explodieren, entlang und passieren dann Kona und auch unsere Unterkunft. Nach vierzig Minuten erreichen wir die Bucht am Sheraton Hotel. Wir wussten, dass das Manta-Schnorcheln am Sheraton Hotel ist, haben uns aber dummerweise nicht dafür interessiert, wo das Sheraton Hotel ist. Wir hätten uns die lange Anfahrt zum Hafen und dann mit dem Boot wieder zurück in diese Bucht sparen können. Die anderen Veranstalter lassen erst hier in der Bucht, die Boote zu Wasser. Einziger Vorteil unserer Tour, wir sind mit fünf Personen eher ein privater Charter. Diesen Vorteil bezahlen wir mit 131 Dollar p.P.. Die Preise in den Booten, die mit etwa 15-20 Leuten besetzt sind, betragen dagegen 70-90 Dollar. Nach dem Sonnenuntergang wird ein altes Surfbrett zu Wasser gelassen. Daran sind die blauen Leuchten befestigt, welche die Mantas anlocken. Ebenfalls hat das Brett Halteschlaufen für die Schnorchler. Während die anderen Veranstalter etwa zweihundert Meter vom Ufer entfernt die Lampen positionieren und schnorcheln, liegen wir mit unserem Boot fünfzig Meter vom Ufer entfernt. Während wir scheinbar ewig in die blau illuminierte Tiefe starren, frage ich mich: Wo ist das Plankton, dass die Mantas aus dem Wasser filtern und kommen Mantas so dicht ans Ufer? Dann realisiert auch die Crew, dass wir hier scheinbar falsch sind und wir tuckern mit dem Boot dorthin, wo auch die anderen Boote sind. Wieder starren wir minutenlang in die Tiefe und glauben schon, dass gar nichts mehr passiert. Dann sind sie plötzlich da. Erst tief unter uns und dann ganz nah. Vier bis fünf Meter große Manta Rochen gleiten durch das gespenstisch erleuchtete Wasser an uns vorbei. Nachdem wir eine halbe Stunde am Brett hängend in die Tiefe gestarrt haben, müssen wir immer mal wieder mit dem Kopf aus dem Wasser und irgendeinen Fixpunkt suchen, damit wir die Übelkeit eindämmen und mir fällt ein: „Ja klar, selbst die erfahrenen Taucher im Film Open Water sind ja Nachts draußen auf See, seekrank geworden“. Obwohl wir wussten, dass wir nicht ganz seefest sind und wir seit Wochen den riesigen Wellen zuschauen, waren wir zu blöd, eine unserer Tabletten gegen Seekrankheit zu nehmen, die im Zimmer auf uns warten. Diese Blödheit bezahlen wir damit, dass wir uns nach dem Schnorcheln und auf der Rückfahrt komplett oral entleeren und ich nach der Rückkehr auch nur noch ins Bett gehe.

15.01.2018 Unter einem Nachthimmel mit Milliarden Sternen, wie man ihn in unseren Breiten nie sieht, fahren wir dahin. 103 Kilometer immer bergauf geht die Fahrt. 103 Kilometer geht es bergab mit den Temperaturen bis auf dem Gipfel des Mauna Kea, auf einer Höhe von 4205 Metern, 6° Grad Celsius erreicht sind. Hier warten wir auf den Sonnenaufgang, der über den Wolken und unter dem Sternenhimmel ein absolut unvergessliches Erlebnis ist. Erstaunlich ist, dass nur etwa 40 Touristen mit uns das Erlebnis teilen. Ich versteh den Hype um den Haleakala nicht. Der Mauna Kea ist 1.150 Meter höher, die Luft klarer und die Lokation mit dem Observatorien interessanter. Auch die Vulkanlandschaft, die sich in der tiefstehenden Sonne in faszinierenden Farben und Schattierungen zeigt, ist das frühe Aufstehen wert und sie ist schöner, als die renaturierten Flanken des Haleakala.

Das Kona Cloud Forest Sanctuary ist nicht einfach zu finden und jeder der es spontan besuchen möchte, wird eine herbe Enttäuschung erleben. „Privat Property“ mahnen Schilder an den Zugängen. Der Zutritt ist nur nach vorheriger telefonischer oder Web-Anmeldung möglich. Der Eigentümer des Geländes bietet ein bis drei Stunden Führungen durch den Kona Cloud Forest an. Nur zehn Minuten von Konas Strandpromenade entfernt ist der Wald eine lohnende Abwechslung, wenn man dem Strandleben überdrüssig geworden ist.

16.01.2018 Die Straße 137 kennen Touristen meist als Red Road, doch der korrekte Name ist Klapana-Kapoho Road. Wir sind um 5:00 Uhr losgefahren, um uns dem Zauber dieser so überschwänglich beschriebenen Straße im ersten Morgenlicht hinzugeben. Die noch tiefstehende Sonne fällt durch Palmen und Bäume, die ihre ausladenden und mit Aufsitzerpflanzen bewachsenen Äste bis weit auf die andere Seite der schmalen Straße recken. Schattige, dunkelgrüne Baumtunnel wechseln sich mit Ausblicken auf die schroffe Küste mit schwarzem Lavagestein ab. Abenteuerlicher als die im Reiseführer beschriebene Red Road ist die Gouvernment Beach Road, welche die Südostspitze von Big Island in einem geschützten Wald durchquert und in Hawaiian Beaches endet. Da es schwierig ist auf der Küstenstraße ein Restaurant für ein Frühstück oder Mittag zu finden, biegen wir hier nach Pahoa ab.
Peles´s Kitchen ist nicht von dieser Welt! Das Interieur und alle Gäste sind Überbleibsel aus den 60er und frühen 70er Jahren. Sowas haben wir noch nie gesehen! Die Kellnerin sieht aus wie Betty Boop und spricht auch so. Das Mobiliar wurde vom Sperrmüll gerettet und der improvisierte shabby style ist hier Programm. Die Speisekarte ist ein Abenteuer, in dem selbst Veganer nicht hungrig zurückbleiben. Wen es einmal nach Pahoa verschlägt, der muss unbedingt da rein. Pahoa ist die Insel der Alternativen und der Althippys.

Als wir Big Island als Reiseziel wählten, war das mit der Hoffnung verbunden, den Lavafluss ins Meer und andere Vulkanaktivitäten sehen zu können. Auch wenn wir wissen, dass der Lavafluss ins Meer seit November 2017 gestoppt ist und auch die Oberflächenaktivität am Krater G61 seit Dezember immer mehr zurückgeht, fahren wir mit der Hoffnung dahin, irgendetwas Spektakuläres sehen zu können. Wir streifen den ganzen Nachmittag durch den „Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalpark“, der zum Meer hin gigantische Lavafelder zu bieten hat, sonst aber mit seinen Wald und Buschflächen und den Kratern alter Ausbrüche eher langweilig ist. Wer hier her kommt, will kochende, glühende Lava sehen und keine Schluchten im Wald, die als Krater nicht mal mehr erkennbar sind. So drehen die meisten Besucher an den Aussichtspunkten nach wenigen Minuten wieder um, gehen zum Auto und fahren weiter. Das einzige Highlight, das der Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalpark zu bieten hat, findet allabendlich am „Jaggar Museum & Overlook“ statt. Wenn die Dämmerung einsetzt, beginnen die Gase im Kilauea Krater rot zu leuchten. Dann finden sich hunderte Touristen am Jaggar Museum & Overlook ein und die Parkverwaltung muss den Verkehr auf dem Parkplatz regeln, um ein totales Chaos und Blechschäden zu vermeiden.
Zwei Stunden benötigen wir für die Fahrt zurück vom Volcanoes-Nationalpark nach Kona, gehen dort in den Supermarkt und sind dann nach 16 Stunden und 45 Minuten wieder auf der Terrasse, wo wir um kurz vor 22 Uhr zu Abend essen.

17.01.2018 Kona 31° Celsius, klarer Himmel/Nachmittags bewölkt
Urlaub in Kona Nach dem Frühstück auf der Terrasse, die Sonne ist schon vor eineinhalb Stunden aufgegangen, treiben wir uns im Wawaloli Beach Park rum und machen ein paar Urlaubsknipskitschbilder. Inzwischen kennen wir uns hier aus und können den fünf Kilometer langen Stau, der sich nach Kailua-Kona rein wälzt, umgehen. Wer mit dem Auto in Kailua Kona und Umgebung unterwegs ist, braucht Zeit und Aloha. Stau ist hier den ganzen Tag und fast überall. Das „Mittagessen“ genießen wir wieder auf unserer Terrasse und besuchen dann den White Sand Beach Park, dessen Name nur suggeriert, der Strand wäre traumhaft weiß. Sicher ist er auch weißer als andere Strände auf Big Island, aber er ist eben auch winzig klein und von Felsen und der Hauptverkehrsstraße begrenzt, auf der sich die Autos wie an einer Kette endlos vorbeischieben. Später schlendern wir mit allen anderen Touristen durch Kailua-Kona und kaufen ein paar Andenken und probieren ein Shave Ice – der Hit auf Hawaii. Vom Prinzip ist das ein Schneeball. der mit farbigem aromatisiertem Sirup übergossen wird. Schmilzt schneller als man es essen kann und schmeckt echt unterirdisch. Respekt, so macht man aus Wasser Dollar! Der letzte Abend bricht an und Wehmut legt sich aufs Gemüt. Wir sitzen am Wawaloli Beach und schauen ein letztes Mal der dramatischen Show von Wellen und Sonne zu, während die Kreuzfahrer, die Big Island heute für einen Tag besuchten, in ihrem Stahleimer beim „all-you-can-eat“ Dinner dahinziehen, nichts ahnend, was sie alles versäumt haben.

Hawaii ist Total-Tourismus! Der touristische Overflow war mir zu viel. Es gibt sie aber immer noch – die kleinen Nischen in denen man ganz allein oder zu zweit die Magie dieser einzigartigen Inselgruppe spüren kann.  Wer das will, sollte vorher gut recherchieren und sich nicht davor scheuen auch mal um halb fünf am Morgen aufzustehen. Aber es ist unvergesslich bei Sonnenaufgang am Strand zu stehen und zu sehen wie die Wellen der Flut an den Felsen der unzugänglichen Küste explodieren.

Maikaʻi Hawaiʻi.

18.01. 2018 Abreise
11:10 – 11:45   Uhr Hawaiian Airlines, Big Island – Honolulu, Boeing 717
14:10 – 20:44 Uhr Hawaiian Airlines, Honolulu – San Francisco, A 330
19.01.2018 Hotel La Quinta Inn Suites San Francisco Airport
15:25 – 11:15   Uhr (+1) Lufthansa, San Francisco – Frankfurt, A 380
20.01.2018
12:45 – 13:55   Uhr Lufthansa LH 184,  Frankfurt-Berlin TXL A320

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