Digitale Kamera oder Smartphone?

„Du kennst Dich doch aus, ich möchte mir eine Kamera kaufen, was soll ich für eine nehmen?“
Inzwischen fragt mich kaum noch jemand, da ich mich mit den Kriterien, die für jeden individuell sind eben nicht auskenne.
Wozu kauft überhaupt noch jemand eine Kamera, wo doch die 50 Millionen Smartphones in Deutschland alle über eine Kamerafunktion verfügen? Die Antwort darauf ist im Grunde einfach und ergibt sich aus den eigenen Erwartungen und dem Zweck, den die Kamera erfüllen soll.

Clicker – die Bezeichnung soll nicht abwertend sein, denn immerhin ist die Fotografie mit Handys und Smartphones inzwischen eine anerkannte Kunstform! Normalerweise macht der Clicker Bilder von der Familie und Schnappschüsse im Urlaub, Bilder zum Dokumentieren von Dingen und Situationen, für soziale Netzwerke und Communitys. Es soll schnell gehen, einfach im Handling sein und man benötigt Abzüge von den Dateien nie größer als 20X30 Zentimeter. Hier reicht ein Smartphone.

Ein Smartphone passt in jede Tasche und ist kein zusätzlicher Ballast. Die Qualität von Smartphones ist inzwischen auf einem Niveau, das Kompaktkameras nahezu unnötig erscheinen lässt. Der Monitor eines Endgerätes wie Tablet oder Notebook erzeugt eine Auflösung von 2µm/pro Pixel und ein iPhone 5 erzeugt 1,5 µm und das HTC One 2,0 µm pro Pixel. Es ist eine Frage der Zeit bis alle Smartphones mindestens diese 2,0 µm pro Pixel liefern. 2017 pendeln sich die Smartphones bei einer Bildgröße von 12 Megapixeln (Pixeldichte auf dem Sensor) ein und auch die Frontkameras für Selfies werden immer besser. Die Bildgröße von 2560×1440 (Auflösung des Bildes) ist heute Standard und wird zunehmend von den neuen Modellen übertroffen. Diese Bildgröße ist ausreichend für alle Sozial Media Anwendungen und bildlastigen Communitys.
Die Angaben in µm beziehen sich auf die Pixeldic des Sensors, viele Smartphone-Kameras haben sich momentan bei 12Mpix eingependelt und selbst die Frontkameras (für Selfies) werden immer besser.
Eine Besonderheit stellen Iphones mit ihrem Retina-Display dar. Zum Vergleich:
Samsung Galaxy, Pixeldichte 576 ppi, Auflösung 2.560 x 1.440 Pixel
Apple iPhone S 6 Pixeldichte 326 ppi, Auflösung 1.334 x 750 Pixel
Vielfach sind die Möglichkeiten, welche die Software der Smartphones bieten, denn Benutzern unbekannt. Aber auch hier werden die Hersteller und wahrscheinlich auch die Benutzer in den nächsten Jahren aufholen. Filter und Apps übernehmen hier die Funktion der nachträglichen Bildbearbeitung und das mit nur einem Click. Ein nachträgliche Bearbeiten am PC kann man sich meiste ersparen.

Der entscheidende Nachteil ist, dass Smartphones meist nur auf „Knopfdruck“ automatisch ein Bild machen. Das klappt bei Tageslicht und Sonne im Rücken wunderbar. Individuelle Einstellmöglichkeiten gibt es, jedoch sind sie für schwierige Lichtsituationen wie  Langzeitbelichtungen bei Nacht oder Gegenlichtaufnahmen nur bedingt geeignet. Mittlerweile gibt es beim neusten iPhone und dem Samsung Galaxy S7 einen Profimodus, in dem auch manuelle Einstellungen möglich sind. Das sind u.a. Weißabgleich und auch Belichtungszeiten bis  10 Sekunden bei ISO50. Diese Einstellungen werden jedoch von den wenigsten genutzt, da man da ein Stativ benötigt. Bei wenig Licht, in Räumen, am Abend und in der Nacht, beginnen die kleinen Sensoren der Smartphones, aber auch von Kompaktkameras ein Bildrauschen zu erzeugen, das die Bilder unbrauchbar machen kann. Dies ist aber in den Auflösungen die Social Media Anwendungen nutzen nicht sichtbar. Erst wenn man die Bilder als 30X20 Zentimeter Ausdruck an die wand hängen will ist die Qualität dahin.

Auf kleinen Sensoren drängeln sich viele Photodioden an einander und stören sich gegenseitig beim Datenaustausch. Bildrauschen ist also eine Störung die besonders dann auftritt, wenn die Belichtungszeiten lang werden oder die ISO Zahl hoch ist. Bei der Erhöhung der ISO Zahl wird die Spannung am Sensor erhöht, was ebenfalls die „Störsignale“ verstärkt. Dieses Problem haben grundsätzlich alle Sensor-Chips! Ein großer Vollformatsensor kommt damit auf Grund der größeren Fläche, auf dem weniger Gedränge herrscht besser klar.

Semis – Du bist kreativ, willst kreativ sein oder deine Kreativität testen. Du willst mit Licht, Gegenlicht, Schärfe und Unschärfe spielen, Effekte erzielen und mit verschiedenen Brennweiten, externen Blitzgeräten und Stativ qualitativ gute Ergebnisse erzielen. Eventuell willst Du auch Abzüge größer 20X30 Zentimeter machen und sie Dir an die Wand hängen. Das sind die Anwendungen für die Smartphones nicht geeignet sind. Hier würde ich mich für eine Systemkamera entscheiden. Wer noch mehr retro, oder noch anspruchsvoller ist, wählt eventuell auch eine Spiegelreflexkamera.

Wo ist der Unterschied?
Während der Zeit der Belichtung, zählen die Pixel auf dem Bildsensor, dem digitalen Film, die eintreffenden Lichtteilchen. Die Pixel auf dem Sensor ermitteln einen Helligkeits- und einen Farbwert. Desto mehr Lichtteilchen ein Pixel zählen kann, umso genauer wird das Ergebnis. Der Bildsensor einer System- oder Spiegelreflexkamera ist etwa 25-mal größer als der eines Smartphones und entsprechend mehr Licht kann er einfangen. Auch die Anzahl der Pixel insgesamt hat einen Einfluss auf die Bildqualität. Auf einen größeren Sensor passen eben auch mehr Bildpunkte, die wir Pixel nennen. Sind nun die Pixel selbst größer, können sie auch durch die größere Oberfläche in der meist kurzen Belichtungszeit mehr Lichtteilchen zählen. Aus Platz- und Kostengründen sind in Kameras größere Sensoren eingebaut als in Smartphones. Das ist das auch der Grund warum eine System- oder Spiegelreflexkamera mit zum Beispiel 10 Megapixeln bessere Ergebnisse liefert als ein Smartphone mit 10 Megapixeln.
System- oder Spiegelreflexkameras haben Wechselobjektive, individuelle Einstellungsoptionen (Camara settings), die Möglichkeit einen externen Blitz zu nutzen, einen Stativanschluss und neben dem viel besseren Sensor oft auch einen besseren Monitor.

Profis – Du willst auch in lichtarmen Situationen ohne Blitz und ohne Stativ rauschfrei fotografieren? Du interessierst Dich für Deep-Sky-Fotografie und benötigst hochauflösende Bilder für Verlage und Agenturen? Du willst dich von der Masse der Knipser durch ein teures und imposantes Markenprodukt abgrenzen! Dann kommt meiner Meinung nach nur Canon oder Nikon Vollformat in Frage. Viele Profis nutzen jedoch auch Halbformatkameras. Besonders im Bereich der Sport und Tierfotografie kann das sinnvoll sein. Mit einem halb so großen Sensor braucht man auch nicht so extreme Brennweiten um entfernten Objekten „nahe zu kommen“. Man sollte sich jedoch immer klarmachen, dass man mit einer Voll- oder auch Halbformat Fotoausrüstung mal eben zehn Kilogramm mit sich schleppt.

Da der Markt für Smartphones weltweit viel größer ist, als der für Kameras und sich auch der Umgang mit Bildern durch Social Communitys geändert hat, werden die Konzerne auch weiterhin viel Geld in die Weiterentwicklung von Smartphones und die darin verbaute Kameratechnik investieren. Die User werden davon profitieren, wenn sie es denn wollen. Kompaktkameras sind heute schon obsolet und wie lange System- oder Spiegelreflexkameras überleben werden, wird die Zukunft zeigen.

Digitale Kamera vs. Smartphone

Zum Vergleich habe ich zwei vom System her völlig verschiedene Bilder nebeneinander gestellt. Eins mit einem Smartphone und eines mit einer digitalen Vollformatkamera,auf dem technischen Level von 2011 aufgenommen.
CANON EOS 5 D Mark 3 – Modus M, ISO 100, Belichtung 1/125 sec, B 4,0, Bildgröße 5760X3840 Pixel – in Photoshop geöffnet als 72 dpi Datei, Farbwerte beibehalten, nicht konvertiert, beide Bilder auf ein einheitlichen Ausschnitt mit gleichen Kantenlängen zurecht gestutzt, 100 Prozent Auflösung, diese Bildschirmansicht dann ausgeschnitten
SAMSUNG GALAXY S 6  – Modus Pro, ISO 100, Belichtung 1/125 sec, Bildgröße 5312X2988 Pixel – in Photoshop geöffnet als 72 dpi Datei, Farbwerte beibehalten, nicht konvertiert, 100 Prozent Auflösung, diese Bildschirmansicht dann ausgeschnitten.
  • das 16:9 Format des Smarphones und das 4:3 Format der Kamera lassen die Bilder perspektivisch anders wirken.
  • die Tiefenschärfe des Smartphones ist größer und nicht zu beeinflussen, Fotografen arbeiten bewusst mit Schärfeebenen
  • die unterschiedlichen Farbwerte wird sicher jeder nach seinem Geschmack bewerten
  • klar zu sehen ist, dass das Smartphone Probleme hat dunkle Flächen als solche abzubilden

Es gibt beim Fotografieren auf der technischen Seite zwei entscheidende Faktoren. Das Objektiv und die Wertigkeit der optischen Vergütung (Smartphones haben Linsen aber keine Objektive).
Der Sensor (oder auch der Film) und seine jeweilige Qualität.

Eins haben Smartphones und Digitalkameras gemeinsam. Will man an den Bildern auch noch nach Jahren Freude haben und Erinnerungen digital konservieren, so ist ein Archivierungs- und Speichersystem ein Muss. Ob in der Cloud oder auf der Festplatte zu Hause, das wichtigste ist eine Struktur beim Speichern und Sichern. Das musste ich mir auch selbst schon eingestehen, nachdem ich Daten, die ich wochenlang suchte und verloren glaubte,  dann durch Zufall doch auf einer externen Speicherplatte wiederfand.
Speichere deine Bilder zeitnah und lege Dir am besten Ordner an, die in etwa so benannt werden: 2017_08_DEU_sylt. So wirst Du in der Zukunft deine Fotos vom Urlaub auf Sylt im Jahr 2017 immer wieder finden. Wenn möglich speichere die Bilder auch immer im RAW Format ab. Das erlaubt auch nach Jahren noch die Bearbeitung und Verbesserung, wenn man daran Interesse hat. Speichere möglichst auf zwei getrennten Datenträgern. Speicher Chips oder der heimische Computer können kaputtgehen. Lösche nicht gelungene Bilder, das erleichtert den Überblick.

APS-C versus CMOS Sensor

Da ich glaube, dass das Thema Systemkamera versus Spiegelreflexkamera viele interessiert, habe ich heute beide Modelle mal hinsichtlich ihrer Bildqualität getestet. In der  SONY ALPHA 5100 ist ein APS-C (23.5mm x 15.6mm) Sensor verbaut. Die Canon EOS 5D Mark 3 besitzt einen CMOS Sensor der Größe 36 mm × 24 mm. Letzteres entspricht der Größe eine Kleinbilddias oder Negativs.
Die Pixeldichte der kleinen Sensoren wie dem APS-C, der Sony Alpha 5100 hat den vergangenen Jahren durch Forschung und bessere Techniken immer weiter zugenommen und nimmt immer noch zu. Da jedoch auf kleinem Raum mehr Pixel zusammendrängt sind als bei einem großem CMOS Sensor, beeinflussen sich die Pixel eher als die der großen Sensoren. Das führt zu dem schon erwähnten Rauschen bei Aufnahmesituationen mit sehr wenig Licht (Party, Konzert)
Mehr Pixel bedeuten auch mehr Bildinformationen, weshalb Vollformatbilder immer mehr Kantenschärfe haben und knackiger daherkommen. Ebenso unterscheiden sich die Schärfentiefen und die Größen der ausgegebenen Bilder, was man an den beiden Beispielen sieht. Beide Bilder wurden zu gleichen Zeit, mit den gleichen Einstellungen und Brennweiten gemacht. In Photoshop wurden sie dann in identischen Workflows gerade gerückt, und auf das Maß 60X40 Zentimeter bei 300 DPI (meiste geforderte Druckauflösung) gebracht, aber nicht weiter gepimpt! Zu guter letzt habe ich bei 100 Prozent Auflösung ein 750 Pixel breites Bild ausgeschnitten. Bewerten kann das jeder für sich. Wer sich ein 60X40 Zentimeter großes Bild an die Wand hängen will bewegt sich mit dem APS-C Sensor der Sony Alpha 5100 im Grenzbereich.
Für viele wird aber der folgende Punkt entscheidend sein. Die Sony Alpha 5100 bekommt man ab 439,00 EUR. Für die Canon EOS 5D Mark III mit Objektiv sind 2883,00 € hinzublättern!
Jetzt kann man darüber streiten ob das Bild der Canon EOS 5D Mark III sechseinhalb Mal besser ist das das der Sony Alpha 5100…………

Hi there

Featured Posts

Menu