MANKEY PARADISE

Seychellen seychelles seascape photography bech sunset surise paradise

21.03.2013 –  Immer wenn wir in irgendwelchen verdreckten Ecken Asiens unterwegs waren, uns Staub und Kälte in Tibet oder Patagonien genervt haben, wünschten wir uns an einen Ort, an dem es immer warm und die Luft sauber ist, wo man im Meer baden kann. Keine Reise sondern einen ganz normalen Urlaub.
…Salz auf der Haut, weißer Sand zwischen den Zehen und keinen Plan für den Tag…

„Das nächste Mal fahren wir auf die Seychellen“ wurde dabei zum running gag. Überfällig war ein Strandurlaub ohnehin. Der letzte Besuch eines Strandes lag acht Jahre zurück und ewig nach hinten verschieben kann man das ja auch nicht, denn mit fortschreitendem Altersprozess kann der Auftritt in Bikini und Badeshorts für jüngere Strandbesucher zur Zumutung werden.
Die Kehrseite eines Urlaubs auf der Sonnenseite ist natürlich, dass man nicht so spannende oder unterhaltsame Erlebnisse zu berichten hat. Also Erwartungen runterschrauben und los geht es.
Nach sechs Stunden Flug von Berlin nach Doha, einem sechs Stunden Stopp in Doha und fünf Stunden Flug von Doha nach Mahe sind wir um 6:00 AM im Anflug auf den SEZ Airport nahe Victoria. Vor dem Kabinenfenster wird ein himmlisches Farbenspiel aufgeführt, als sich die tief stehende Sonne in den gigantischen Wolkenformationen bricht, und alles in ein Orange aus tausend Farbfacetten taucht. Leider habe ich das Angebot am Fenster zu sitzen ausgeschlagen und verzichte nun auf eine hemmungslose Auslöseorgie mit meiner Kamera.
Am Airport kaufen wir eine kleine Cola für 2,70 €. Ein kleiner Vorgeschmack auf das Preisniveau auf den Seychellen.

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Unser erstes Ziel ist die Insel Praslin – Die zweitgrößte Insel der Seychellen ist fünfzehn Flugminuten von Mahé entfernt. Geflogen wird mit den kleinen robusten kanadischen DHC-6 Twin Otter-300. Alternativ kann man auch in etwa einer Stunde mit dem Schiff nach Praslin gelangen.
Im „Coco de Mer“ angekommen, frühstücken wir zunächst, was mit 15 € pro Person berechnet wird. Nachdem wir im Hotel über alle Möglichkeiten unsere Reisekasse schnellstmöglich zu nullen aufgeklärt wurden und unser Zimmer in Besitz genommen haben, beschließen wir mit dem öffentlichen Bus zu einem „Car Rental“ zu fahren. Die Straße verläuft nur wenige Meter vom Meer entfernt. Immer zu sehen das türkisblaue Meer. Auf dem Asphalt ist BUS STOP aufgemalt. Dort, unter einem Baum, warten wir auf den Bus. Nach einer Stunde dreißig Minuten haben wir jedoch genug von der Idylle und lassen uns von einem Auto mitnehmen. Es ist das Auto einer Vermietung und der Vermieter ist der Fahrer. An seinem Zielort angekommen, vermietet er uns gleich dieses Auto.
Ein zitronengelber Daihatsu mit diversen Blessuren, ausgeschlagenen Achsaufhängungen und 108.000 Kilometern auf dem Tacho bekommen wir für vierzig Euro pro Tag inklusive Versicherung. Der Vermieter will nicht einmal einen Pass oder einen Führerschein sehen. Inzwischen hat es angefangen zu regnen. Mit dem Auto fahren wir die gesamte Insel, auf der Suche nach geeigneten Fotomotiven für die kommenden Tage ab. Unterwegs wählen wir für einen Mittagsnack, in der Nähe der Anse Boudin, bewusst eine kleine, sehr einfache Restauration. Wirklich eine Plastik möblierte Kaschemme. Eine Portion Pommes, einen Mangosaft und ein Liter Wasser bekommen wir hier für nur zwanzig Euro! Zum Sonnenuntergang hört es auf zu regen und wir genießen diesen Moment auf einem Felsen an der Anse Lazio.

22.03.2013 – In der Ansa Takamaka, dem inoffiziellen Privatstrand des Raffels Hotels, führe ich meine Freundin in die Welt des Schnorchelns ein. Glücklicherweise hat sie Gefallen an den bunten Fischen, die neugierig um uns herumschwimmen, gefunden. So kann sie die Eintönigkeit aus Sonne, Palmen, Sand und Meer durch Schnorcheln aufwerten. Wir vergaßen an diesem Vormittag jedoch leider Sonnenschutz oder was noch besser gewesen wäre, mit einem T-Shirt zu schnorcheln. Der Preis ist ein Sonnenbrand der uns die nächsten Tage peinigen wird.
Den Rest des Tages bummeln wir auf der Insel umher und erkunden auch die letzten Wege im Hinterland. Wir fahren zum Aussichtspunkt Zimbabwe und Mont Plaisier und organisieren unsere Ausflüge für die nächsten Tage.
Bootstrips gibt es direkt bei: BOAT CHARTER ZIBLO (nördliches Ende Takamaka Beach) Stephen – phone +248-2562387, Elena – phone +248-2543525, mail: elenarapp@yahoo.it Bei Bruno in der „Villa Procession“ buchen wir eine Bootstour nach Couriose Island und St. Pierre für sensationelle fünfzig Euro. In “tripadvisor“ fand sich von 2012 ein Preis von fünfundzwanzig Euro, Wir haben es überall versucht. Günstiger sind die Touren nicht mehr zu bekommen.

Seychellen seychelles seascape photography bech sunset surise paradise23.03.2013 – Um 9:45 am Morgen kommt das Boot an der Insel Curieuse an. Unser Boot ist das einzige, welches das Museum der ehemaligen Leprastation anfährt. Bis zu dem wirklich interessanten Stand von Baire Laraire mit den bizarr geformten Sandsteinfelsen ist es noch ein Fussweg von zwanzig Minuten bei schnellem Schritt. Die Sandsteinformationen liegen nur am Vormittag in gutem Licht. Die noch schönere Anse Badamier ist seit Monaten aus unerfindlichen Gründen gesperrt. Leider hat uns das vor Antritt der Fahrt niemand gesagt.
Nun muss fast rennen um in der Baire Laraire anzukommen bevor sich die Sonne soweit gedreht hat, dass die Felsen nicht mehr gut ausgeleuchtet sind. Von schönem Licht kann man ja um 10:00 ohnehin nicht mehr sprechen.
Nun schlagen wir die zwei Stunden bis zum BBQ in der Schildkötenaufzuchtsstation tot. Die hier lebenden Schildkröten sollen die grössten der Welt sein und bis zu 300 Jahre alt werden. Nach dem BBQ fahren wir zur Insel St. Pierre um dort zu Schnorcheln. Zumindest für Anfänger wie uns war dies sehr interessant und die eineinhalb Stunden vergingen wie im Flug.
Alles in allem empfanden wir diesen Ausflug als zu ausgedehnt. Etwas früher losgefahren, vor allem da es am Morgen noch einige Grad kühler ist, könnte man auch um 12 Uhr wieder zurück sein und hätte am Nachmittag für andere Unternehmungen auf dieser Seite der Insel genügend Zeit.

24.03.2013 – Die noch etwas kühleren Stunden m Morgen nutzen wir heute für eine Wanderung durch das Valle de Mai. In diesem, nur 19,5 Hektar großen UNESCO Weltnaturerbe Park findet man unberührten Urwald, der einst die gesamte Insel bedeckte, wilde Vanille und die seltensten endemischen Vögel der Welt. Bekannt ist er aber vor allem durch die fünftausend Coco de Mer Palmen die in diesem Wald stehen. Wir entscheiden uns für die lange Tour, die mit drei Stunden angegeben ist. Obwohl wir uns alles genauestens ansehen, ich viel Zeit auf das Fotografieren verwende und wir auch zum Aussichtpunkt gehen sind wir nach knapp zwei Stunden wieder am Ausgang. Den Wasserfall haben wir leider nicht gefunden. Man kann am Eingang einen Führer mitnehmen, für den man nicht extra zahlen muss. Da wir niemanden dabei haben wollten der uns mit Detailwissen über Flora und Fauna beschallt, hatten wir darauf verzichtet. Aber es ist fast unmöglich den Wasserfall im Dschungel selbst zu finden.
Der Rest des Tages geht für die klassischen Urlaubsbetätigungen wie baden, lesen und chillen drauf.

Seychellen seychelles seascape photography bech sunset surise paradise big-turtle-portrait25.03.2013 – Mit dem Auto fahren zum Mont Plaisir und gucken von dort den Sonnenaufgang. Das Motiv ist aber nur am Abend mit den so charakteristischen Kumuluswolken am Horizont wirklich schön. Auf der Rückfahrt zum Frühstücksbuffet entdecken wir noch einen interessanten Strandabschnitt an der Anse Citron (Sandsteinfelsen) und an der Anse Takamaka (Palmenstrand). Für Gute Fotos muss man nicht nur zur richtigen Tageszeit am richtigen Ort sein, auch die Wolkenformationen und Ebbe und Flut sind hier entscheidende Faktoren.
Wir sind uns nicht sicher ob sich unsere Körper beginnen sich zu erholen, ob wir vor lange Weile oder der Hitze müde sind. Rumliegen – lesen – schreiben – essen –trinken – baden, das sind die Dinge mit denen die meisten Urlauber und auch wir an diesem Nachmittag hier die Zeit verbringen.
Man stelle sich mal vor man muss zur Schule. Nicht mit dem Bus sondern mit dem Segelboot, denn man wohnt auf einer der bewohnten Inseln der Seychellen. Nu stelle man sich vor man müsste noch ein Schwein und Unmengen an anderen überlebenswichtigen Dingen mitnehmen, denn es fährt immer die Unsicherheit mit. Trotzdem die angesteuerte Insel am Horizont zu sehen ist, können Winde und Strömung so ungünstig sein, dass man bis zu zwei Wochen benötigt bis man sein Ziel erreicht hat. So war es bis vor vierzig Jahren als die Motorboote begannen die traditionellen Segelboote zu verdrängen. Gelassenheit und Geduld liegen den Seychellois und Kreolen auch heute noch im Blut. Bei Tagestemperaturen die selbst nachts selten unter 25 ° Celsius sinken verbietet sich Hektik ohnehin. Unsere tiefe Bewunderung gilt so auch der Kellnerin, die sich so langsam bewegte, dass sie mit Sicherheit nie ihren Ruhepuls überschritt. Auch den vier Handwerkern, die für das Auswechseln eines Brettes am Giebel nicht weniger als vier Stunden benötigten, war klar dass nur in der Ruhe die Kraft liegt.

26.03.2013 – Nach dem Frühstück werden wir zu Fähre gebracht, die uns nach La Digue bringt. So wie das Heck des Schiffes den Hafen verlassen hat, fährt der Bug auch schon in den Hafen von La Digue ein. Leider ist auch die Taxifahrt kurz, denn der Fahrer ist einer der größten Bob Marley Fans weltweit und hat in seinem Auto sogar einen Bildschirm installiert auf dem die Videos zur Musik laufen. Textsicher und mit sattem Sound fährt er uns die sechshundert Meter zum Le Realx Beach Hotel. Sogleich mieten wir Fahrräder für je zehn Euro am Tag, die wir aber am nächsten Tag tauschen müssen. Die Fahrräder auf La Digue, sind zum Grossteil von der Nation der Fahrradfahrer hergestellt und durch die jahrelange Vermietung nicht besser geworden. Mit diesen Drahteseln den Berganstieg auf der Fahrt zur Grand Anse zu bewältigen scheitert daher nicht selten und man schiebt den Berg hoch. So geht es auch uns.
An der Grand Anse findet man eine windschiefe Bruchbude namens Loutier Coco, die Getränke und ein Buffet anbietet. Das Buffet kostet pro Person zwanzig Euro! So überirdisch der Preis ist, so unterirdisch ist die Qualität.Obwohl am Strand gibt es auch keinen Ausblick auf das Meer, sondern nur auf das Buschwerk das den Strand von der Inbissbude trennt.
Eines sei jedoch angemerkt. Die Grand Anse hält was der Name verspricht. Man ist wirklich geflasht von dieser traumhaften Bucht, Fast noch schöner ist die Anse Petite. Alle drei Buchten sind aus unserer Sicht eher einen Besuch wert als die völlig überbewertete Anse Source d’Argent.

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La Digue dreaming

27.03.2013 – Wir schwingen uns auf unsere Drahtesel und erkunden die Ostroute zur Anse Fourmis. Damit lässt sich aber nur knapp der Vormittag füllen. Hinter der malerischen Anse Gaulettes, an der man nicht schwimmen und schwierig schnorchel kann kommt nicht mehr viel, was auch nur annähernd so klischeehaft schön ist wie die Buchten der Südküste. Einige Hot Spots der Insel befinden sich im L´Union Estate Park der eingezäunt ist. Ein Tagesticket für diesen Park kostet SR 100.-, was der kleinsten Währungseinheit für Touristen entspricht.
In dem Park befinden sich das Schildkrötengehege, der Friedhof, die Anse Source d’Argent, sowie das vor einigen Jahren renovierte Farmhaus. Letzteres sieht inzwischen jedoch so aus als wäre ein Wirbelsturm darüber hinweggefegt. Die berühmte Anse Source d’Argent – der schönste Strand der Welt. Bacardi und Ferrero drehten hier Werbespots. Der Strand ist zur Springzeit so schmal, dass man unter den Büschen liegt. Viele der charakteristischen Palmen sind umgestürzt. Die Wellen tragen Äste und Seegras an den Strand, an dem ohnehin schon überall hunderte Plastikflaschen herumliegen. An der Anse Source d’Argent haben Einheimische kleine Stände mit Getränken zur Versorgung der Gäste errichtet. Nur wenige Meter hinter dem Strand, wo die Granitfelsen beginnen, findet man riesige Haufen von Müll, die gleich vor Ort entsorgt werden. Mit einem Blick fürs Detail wird man den Müll an Stränden und in den Ortschaften nicht übersehenen können.

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Anse Petite sunrise

28.03.2013 – Habt ihr schon mal einen Monduntergang gesehen? Wir jedenfalls noch nicht. Aus dem Fenster unseres Zimmers konnten wir heute Morgen, beobachten, wie der Mond orangegelb im Westen hinter dem Horizont verschwand. Ein uns unerklärliches Schauspiel, vor allem weil es an den folgenden Tagen nicht mehr zu beobachten war.
Mit Kopflampen behutet, quälen wir uns um 5:00 AM auf den Fahrrädern durch den Wald zur Grand Anse und laufen von dort über die Felsbrocken zur Anse Petite und genießen den Sonnenaufgang an einem völlig leeren und unverbauten Strand gesäumt von den charakteristischen Granitfelsen. Unvergesslich! Nach diesen beiden eindrucksvollen Erlebnissen, radeln wir wieder zurück zum Frühstück. Gutes Timing war es, als wir alles erledigt hatten und die ersten Tropfen vom Himmel fielen, kurz bevor wir in unserer Unterkunft waren. Von nun an regnete es über zwei Stunden ohne Unterbrechung. Der Gewitterregen war so stark, dass man aus dem Fenster nicht einmal mehr die Wellen des fünfzig Meter entfernten Riffes sehen konnte. Uns war es egal denn wir wollten ohnehin etwas chillen.
Als es der Regen aufgehört hatte fuhren wir zur Post unsere siebenundzwanzig Postkarten auf die Reise zu schicken. Die Zeit nutzten wir auch für einen Rundgang durch das „Hafenviertel“ von La Digue. Hier landen alle Touristen und Tagesgäste an. Im Minutentakt fahren LKWs mit Waren, Koffern und Taxis mit den Touristen zu den Unterkünften. Von der ach so gelobten Beschaulichkeit von La Digue ist hier nicht mehr zu spüren. Die Diguenes scheinen ohnehin ein anders Verhältnis zu Lärm zu haben. Benzin getriebene Laubbläser, Motorsägen und Rasentrimmer haben hier Einzug gehalten und sorgen dafür, dass die Ruhe nicht allzu unerträglich wird. Das Verhältnis zum Landverbrauch und der Verschmutzung des zehn Quadratkilometer kleinen Eilandes ist offensichtlich auch sehr entspannt. Allerorten werden neue Ferienhäuser gebaut, während direkt daneben eine ungenutzte Anlage verfällt.

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Karfreitagsgottesdienst auf La Digue

29.03.2013 – Wie könnte ein perfekter Tag auf La Digue aussehen? Ausgenommen für die Honeymooner, die natürlich eine andere Vorstellung vom perfekten Tag auf den Seychellen haben. Frühmorgens um 6:00 AM an der Anse Petite eintreffen um den Sonnenaufgang zu bestaunen. Von 8:00 AM bis 9:00 AM am Meer frühstücken. Danach ganz entspannt, am besten mit dem Rad zur Belle Vue Caféteria. Hier gibt es frisch gepressten Mangosaft und andere leckere Cocktails mit Schirmchen, Wasser und einen einzigartigen Blick auf die Südküste. Diese Restauration ist der ideale Zwischenstopp auf dem Weg zum Nid d´Aigle, der mit 333 Metern über dem Meeresspiegel den höchsten Punkt der Insel markiert. Unmittelbar hinter dem Café beginnt ein schmaler Pfad durch den Dschungel zum Gipfel. Nach fünfzehn Minuten erreicht man einen weiteren Aussichtspunkt mit einem schönen Blick auf die Ostküste. Nach etwa drei Stunden inklusive Pause ist man wieder auf Meeresniveau. Nach dieser Anstrengung kann man wohlverdient entspannen, zu Mittag speisen oder am Hafen ein Eis essen. Den späten Nachmittag verbringt man dann an der Anse Source d’Argent um hier dann den Sonnenuntergang zu genießen.

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rest in peace for the first settlers

30.03.2013 – In vier Tagen hat man wirklich alles entdeckt, was es auf La Digue so zu erleben gibt. Daher vergammeln wir die Zeit bis zur Abfahrt unserer Fähre nach Mahe. Die Fähre fährt immer den Umlauf Mahe – La Digue – Praslin. Somit fährt man von La Digue nach Mahe immer zuerst nach Praslin und dann nach Mahe. Die die Wellen bei der Überfahrt nach Mahe sind nur etwa einen Meter hoch. Ruhige See, wie der Seemann sagen würde. Doch für uns schon eine echte Herausforderung die wir nur mit medizinischem Kaugummi meistern. Am Hafen angekommen fragen wir die Dame von „Mansons Travel“ ob es am Hotel eine Autovermietung gibt. Nein gibt es nicht! Dann wollen wir gleich hier ein Auto mieten. Sie arrangiert telefonisch mit einem Vermieter, das jemand ein Auto zum Hafen bringt. Alles geht im Laufschritt, sehr gehetzt. Massentourismus. Keine Zeit für vollständige Sätze. Es klappt aber problemlos und schnell. Wir fahren zum Anse Solei Beach Comber. Dort gibt direkt auf dem Hof eine Autovermietung.
Die Anlage, eine Aneinanderreihung von Zimmerchen auf einfachstem Niveau. Die anspruchslose Bauweise verströmt den Charme einer Schrebergartenkolonie. Die Zimmer sind einfach und abgewohnt und uns ist unklar was hier 144 Euro die Nacht kostet. Da aber alles vermietet ist, gibt es für die Inhaber auch keinen Grund etwas zu ändern.
Die Anse Solei, dreckig! Auf zwanzig Quadratmetern habe ich zwanzig Plastikflaschen gezählt. Die Unmengen an Plastikmüll vielen uns auch schon auf Praslin und La Digue auf. An den Wegen und vor allen an den Stränden. Doch hier ist der Müll noch präsenter.
150.000 Touristen pro Jahr, 90.000 Seychellois sowie etwa 6.000 Gastarbeiter. Wenn man mal so beobachtet, wie viel Müll wir bei den Mahlzeiten und den Getränken auf dem Flug zu den Seychellen verursachen, wie viel Müll verursachen dann tausend Mal so viele Menschen? Auf den Hauptinseln der Seychellen gibt es Mülltonnen und einen Müllabfuhr. Aber wir befinden uns auf kleinen Granitinseln. Wo kommt der Müll dann hin? Es müsste ja jeden Tag ein Müllschiff kommen um den Müll abzuholen und zu entsorgen? Ich habe kein Müllschiff gesehen. Ich glaube auch nicht an Müllschiffe. Ich glaube an das was ich sehe. Der Müll wird zum Teil verbrannt oder er landet in der Landschaft oder eben im Meer. Und an den Stränden sehe ich so viel Müll, dass ich innerhalb von nur einer halben Stunde einen großen blauen Sack vollmachen könnte. Jede halbe Stunde! Die Touristen sind wahrscheinlich die diejenigen, die noch am ehesten ein Umweltbewusstsein haben. Bei Seychellois, die am Strand feiern habe ich das anders gesehen. Der Plastikmüll wird durch Wellen und Meer bis auf die molekulare Ebene zerrieben und gelangt spätestens dann in die Nahrungskette, an deren oberen Ende ja bekanntlich wir Menschen stehen. So sitzen wir dann abends im Restaurant und genießen unseren frischen gesunden Fisch aus dem Meer. Den Fisch, den wir am Nachmittag beim Schnorcheln noch fasziniert beim schwimmen im Riff beobachtet haben. Dabei wird dem Schuppentier auf den Seychellen oft nicht mal so viel Respekt erwiesen, dass ausgewiesen wird um welche Fischart es sich handelt. Fisch ist einfach Fisch. …aber was schreibe ich hier für überflüssiges Zeug, das ist uns doch allen lange bewusst!

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Gähnende Langeweile nicht nur für Aktivurlauber

31.03.2013 – Das Frühstück fällt besser als erwartet aus. Da aber unser Hotel und die Anse Solei nicht so besonders zum Verweilen einladen, machen wir uns auf die Insel zu erkunden, zu umrunden und zu durchqueren. Zunächst fahren wir in den Süden, unter anderem zur Anse Marie-Louise. Auf dem Weg in den Norden machen wir einen ersten Stoppover, in das am Ostersonntag fast verlassene Victoria. Weiter um den North Point halten wir an der Lounge 8. WOW – wie chillig. Beste Fusion Cuisine – absolut lecker. Es dürfte sich wohl um eine der besten Restaurants im Norden handeln. Wir wollten dort unbedingt noch einmal hin, aber einen Woche Mahe reicht leider nicht aus um ein Stammrestaurant haben zu können. Auf der Nordroute fahren wir dann weiter an die Westküste bis Beau Vallon, biegen dort Richtung Victoria ab und erreichen kurz vor Victoria die Bergstraße nach Port Glaud.
Von Port Glaud geht es weiter Richtung Süden bis zur Baie Lazare. An diesem Strand ist wie an den meisten Stränden Mahes am Ostersonntag ein regelrechtes Volksfest mit Grillständen und fliegenden Händlern. Auch der Strand der Baie Lazare ist gut besucht.
Den Tag lassen wir im „Surfers“ ausklingen. In diesem, zum Strand hin offenen Restaurant, sitzt am auf rustikalen Holzmöbeln unter Palmen, während die Wellen keine vier Meter entfernt an den Strand rollen. Mit den nackten Füssen wühlt man im Sand. Während wir zu Abend essen krabbeln um uns herum Krabben und Einsiedlerkrebse von beachtlicher Größe. Sogar eine nur wenige Tage alte Meeresschildkröte hat sich hierher verirrt und es wird ihr wieder ins Meer geholfen. Tage später entdecken wir direkt neben dem Restaurant ein Schild, dass darauf hinweist, dass an diesem Strand die Grüne Meeresschildkröte und die Karettschildkröte ihrer Eier ablegen. Ein guter Grund genau hier ein Restaurant zu erreichten.

Seychellen seychelles sir-selwyn-selwyn-clarke-market Victoria

Sir Seywyn Seywyn Clarke Market

01.04.2013 – Wir fahren nach Victoria. Gelassenheit wird von einigen Seychellois auch konsequent im Straßenverkehr durchgesetzt. Da cruist man auf der Küstenstrasse auf der 80 Kilometer pro Stunde erlaub sind, mit 30 Kilometer pro Stunde und zieht einen entnervte Kolonne hinter sich her, da das Überholen auf der unübersichtlichen Strasse nur schwer möglich ist. Oder man kriecht mit 20 Kilometer pro Stunde über die Serpentine die Berge rauf. Ich kenne die Strasse nicht so gut wie die Einheimischen aber 40 Kilometer pro Stunde gehen schon. Im Linksverkehr links überholen geht übrigens auch.
In Victoria besuchen wir die „Sehenswürdigkeiten“ von denen die Stadt so wenige zu bieten hat, dass im Reiseführer sogar die Firmenzentrale von „Cable & Wireless“ als eine solche aufgeführt wird. Da wir jedoch auch wenig Interesse hätten, das Foyer der Telekomzentrale zu besuchen, beschränken wir uns auf den historischen Friedhof, den Fisch und Gemüsemarkt und das Gerichtsgebäude. Herausragend sind der buddhistische Tempel und der Sir Seywyn Seywyn Clarke Market. Letzterer ist zwar auch nur eine Wellblech bedachte Stahlkonstruktion, jedoch ist das Treiben innerhalb des Marktes sehr sehenswert. Besonders wenn Graureiher und Kuhreiher untereinander und mit den Fischverkäufern um den Fisch streiten. So nah wie hier kommt man den Tieren in freier Wildbahn nur selten.
Victoria bietet fast ausschliesslich zwei Baustile, die beide wohl nicht zu den optisch attraktivsten gehören. Es sind die „historischen“ Wellblechbauten und die anspruchslosen, Betongiessarbeiten mit denen bis heute Küstenabschnitte, Berggipfel und künstlich angelegte Inseln verschandelt werden. Nach einem Rundgang durch die weltweit kleinste Hauptstadt, ohne Designerläden, Fastfood Ketten und Bankenhochhäuser machen wir uns wieder auf den Weg. Diesmal nehmen wir die Route Namens La Misére über die Berg, biegen an der BBC Station nach links ab und fahren Richtung Süden. Nachdem wir an der Anse Royale baden waren chillen wir im „Surfers“, unserem Restaurant Favorit, in dem ich den Rest der Reise vergammeln könnte. Hier finden wir uns auch am Abend, nach einem Abstecher zum Sonnenuntergang an der Anse Takamaka wieder ein.

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Victorianische Stadimpression

02.04.2013 – Ich wache Schweiss gebadet auf! Mein Bett brennt! Es ist ein Uhr am Morgen. Verdammtes Glück gehabt – das Bett brennt doch nicht. Nur die Klimaanlage ist ausgefallen. Das Zimmer ist ein Brutkasten ohne Luftloch. Wir bekommen die Aircondition nicht mehr in Gang. Das Personal am nächsten Tag leider auch nicht. Nun bläst sie nur noch 25 ° Celsius warme Luft ins Zimmer, weniger geht nicht. Bei nächtlichen Tiefsttemperaturen von 27 ° Celsius kann das ja auch schon erfrischend sein, wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat.
Die Suche nach Motiven, nach Aufnahmen von vor zehn Jahren oder die Touren, beschrieben in der (4. aktuellen aber scheinbar nie überarbeiteten) Ausgabe des Dumont Reiseführers von 2011, gestalten sich schwierig und zeigen deutlich wie sich die Insel in den vergangenen zehn Jahren verändert hat. Boten die Strände vor Jahren noch die Ansichten, wie sie einst auch die Entdecker der Inseln sahen, so sind sie nun mit Villen und Ferienanlagen verbaut. So zum Beispiel die Anse Intendance, die von oben nicht mehr einsehbar ist, da die Hanglagen jetzt alle in Privatbesitz sind.
Die beiden Leuchttürme im Süden und im Norden sind nicht mehr zugänglich, da die Wege dorthin auf Privatgelände liegen. Einzig die Südspitze der Insel Mahe wird noch von Bootstouren angefahren. Die Lust noch mehr zu entdecken hat nach über zwei Wochen und der täglichen Hitze ohnehin nachgelassen. Fenster runter und die Küste Richtung Süden runterfahren, die warme salzige Luft schmecken. Durch das satte tropische Grün des Südens fahren zur Anse Forbans und finden uns gegen Mittag im „Surfers“ ein, baden, haschen noch ein paar Pigmente, essen einen Snack und ich trinke schon mal eine Cola mit Takamaka Rum – kann das Leben schöner sein? Nein!
Darum fahren wir abends wieder ins „Surfers“ am Strand essen.

03.04.2013 – Wolken beherrschen den Himmel, als wir den letzten Sonnenaufgang an der Anse Royale genießen wollen. Nach dem Frühstück machen wir noch einmal einen Abstecher nach Victoria zum Sir Seywyn Seywyn Clarke Market. Bevor wir um den North Point fahren, halten wir an der Anse Nord D´Est um zu baden und Muscheln zu sammeln, die dort in nie gesehenen Massen am Strand liegen.
Richtung Süden halten wir an der Babaron Beach, trinken eine Cola mit viiieeel Eis und ich tauche noch mal in den Wellen unter. Weiter cruisen wir die Strände Richtung Süden bis zur Anse la Mouche, wo wir im Restaurant Opera eines Münchner Auswanderers, der 2009 auf die Insel Mahe kam uns eine Pizza teilen. Den Abend verbringen wir das zweite Mal an der Anse Solei, da wir am späten Nachmittag unseren Mietwagen abgeben. Zum Abschied gibt es statt dem üblichen Sonnenuntergang einen stundenlangen Gewitterregen.
In wenigen Stunden werden wir seit zwei Wochen zum ersten Mal wieder Jeans und Socken anziehen. Dann wird man uns in einen Tiefkühlminibus stopfen, zum Flughafen fahren und mit einem Flugzeug in unsere Welt aus Arbeit, Essen und Schlafen zurückbringen.
Da wird man schon traurig……oder nachdenklich?

Quellen:
Recherchen vor Ort/ Mason´s Travel
DUMONT Seychellen 2011, 4. Auflage (anscheinend nicht überarbeitet)

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