USA – MIDDLE WEST

Amerika Southwest Grand Canyon Monument Valley Rio Grande Mesa Verde Antelope Canyon Las Vegas landscape photographyVersuch doch mal jemand, weibliche und männliche Interessen in einem Urlaub zu vereinen. Wenn du es schaffst, bist du absolut angepasst oder ein Zauberer. Bei uns bevorzugt der weibliche Part Städte und Orte wo „irgendwie“ was los ist und wo man mal etwas shoppen kann. Ich dagegen suche menschenleere Natur und möchte die Stunden um den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang für das fotografieren nutzen. Letzteres kollidiert immer mit dem Frühstück und dem Abendessen. In den Weiten des mittleren Westens der USA kommt der weibliche Part zwangsläufig zu kurz, denn auf unserer Route von Denver nach Las Vegas gibt es nicht eine Stadt, welche über den Status Kaff hinaus kommt.
Landschaftlich dagegen gibt es in dieser Gegend so viel zu entdecken, dass wir in drei Wochen nur eine kleine Auswahl sehen konnten. In diesem Gebiet befinden sich allein siebzehn ausgewiesene Nationalparks, daneben gibt es noch die „National Monuments“ und die Schutzgebiete wie zum Beispiel die Bisti Badlands, Little Finnland und Ah-shi-sle-pah. In diese verirrt sich kaum ein Tourist, weil sie abseits der Routen liegen, touristisch nicht erschlossen sind und vor allem weil niemand zu beeindrucken ist, wenn man sagt: “ Oh ich war in den Bisti Badlands, das war wirklich mal was außergewöhnlich Schönes und diese Ruhe dort…“ Der Gegenüber bekommt dann Runzeln auf der Stirn und antwortet: „Hää, was für Länds“. Da kommt es doch schon besser, man kommt mit einem I love Las Vegas Shirt um die Ecke und sagt: “ Jaaa und am Gräänd Käänjon“ da war ich auch und ich sage dir, das hat mein Bewusstsein erweitert.
Aber genug. Das gehört ja wahrscheinlich auch nicht in ein Intro!

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Mein Lieblingsfelsen im Valley of the Goods

24.09.2011: Nie wieder „Skyteam“! Mit der KLM oder der Delta in die USA fliegen ist zwar eine günstige, aber keine sichere Alternative. Die Flüge haben wir mit den Platzreservierungen bereits im Mai gebucht und bezahlt. Jetzt stehen wir in Amsterdam mit den Tickets aber nur mit einer Bordkarte für Caroline. „Please go to the helpdesk and wait there“. Am Helpdesk werden wir einem Mitarbeiter zugeteilt. Der führt uns zu einem Stehtisch. Er fragt in militärischen Verhörton: „Haben sie die Koffer gepackt?“ Wir: „Ja“. Er: „Wo haben sie die Koffer gepackt?“ Wir: „Zu Hause“. Er: „Wann haben sie die Koffer gepackt?“ Wir: „Gestern“. Er: „Befinden sich irgendwelche technischen Gegenstände im Koffer, die nicht Ihnen gehören?“ Wir: „Nein“. „Wozu reisen sie in die USA?“ Wir: „Vacation“. Er: „Wohin?“ Wir: „In den mittleren Westen“. Er: Sind sie verheiratet? Wir „Nein“. Er: „Wie lange kennen sie sich?“ Wir: „15 Jahre.“ Er: „OK“, kritzelt was auf das Ticket und wir dürfen uns am Schalter eine zweite Bordkarte für mich holen und zusammen in die USA reisen.
Ist das normal? Muss man das über sich ergehen lassen um bei der Fluggesellschaft mitfliegen zu dürfen,  der man vor Monaten einen Kredit gegeben hat,  um dann in den USA sein gespartes Geld auszugeben?

25.09.2011: Um vier Uhr erwachen wir im Hotel „Spring Hills Sweat“ nahe des Flughafens Denver. Ach ja, erst erwache ich und dann Caroline. Aber wir sind beide ausgeschlafen und wenn man schon mal in einem Hotel wohnt, dass bereits um fünf Uhr am Morgen Frühstück offeriert, möchte man das ja auch mal nutzen. Von Denver sehen wir ausser der Skyline nichts, da wir schon eine halbe Stunde später auf die Strasse nach Süden abbiegen und in die Morgendämmerung fahren. Zwischen Denver und unserem ersten Ziel Durango gibt es die Möglichkeiten durch den Great Sand Dunes National Park and Reserve zu fahren, und eine der vielen Ghost Towns zu besuchen. Alternativ wäre auch eine Besuch des Black Canyon NP oder des Mesa Verde NP möglich. Da wir uns nicht so richtig entscheiden können, fahren wir zunächst nach Salida, wo wir uns einen Kaffee besorgen. Wir treffen die folgenschwere Entscheidung in den Arches NP zu fahren. Von Denver sind es bis dahin 355 Meilen bzw. fünfeinhalb Stunden Fahrt, was ja so nicht schlimm ist. Unterwegs überlege ich mir das mit dem Fotografieren. Das Licht ist dann ab frühestens fünf Uhr nachmittags interessant. Das würde dann bedeuten, dass wir etwa 350 Meilen durch die Dunkelheit zurück nach Durango fahren müssen und dort dann gegen halb Zwölf ankommen. Das geht nicht! Nach einem kurzen Stop am „Black Canyon NP“, es ist High Noon und damit bleibt die Kamera im Sack, entscheiden wir uns für den „Valley of the Gods NP“. Unterwegs stellen wir wieder fest, dass wir uns auch dort mit der Entfernung und den Fahrzeiten absolut verkalkuliert haben. Wir müssen sogar noch mal tanken. Es ist aber zu spät um jetzt noch irgendwas anderes als Alternative aus dem Hut zu ziehen. Paddle to the metal und ich versuche dass Valley of the Gods zu erreichen, bevor die Schatten der Felsen alles absaufen lassen. Wir fahren auf einer Road auf der 65 mi/h zugelassen sind und der Tacho zeigt heute zum ersten mal eine 90! Der Wagen vor mir ist auch recht zügig unterwegs, aber als ich den weißen Dodge RAM im Rückspiegel sehe fährt mir der Schreck in die Glieder. Dieser RAM ist nämlich mit grossen blauen und roten blinkenden Leuchten hinter dem Kühlergrill ausgestattet. Also, Fuss vom Gas, rechts blinken und anhalten. Dann den Motor aus, Seitenscheibe runter und immer schön die Hände auf dem Lenkrad halten. Mit der Hand am Revolver kommt der Sheriff von hinten an unser offenes Fenster. „Ich bin hinter ihnen hergefahren und sie fuhren 85. Hier ist Speedlimit 65.Dafür bekommen Sie ein Ticket, 300 Dollar. Ohh, das tut mir leid, ich habe gar nicht darauf geachtet, ich bin dem vor mir fahrenden Wagen einfach gefolgt“ Er: „Woher kommt ihr? Wir: „Deutschland.“ Er:“Da kann man immer viel schneller fahren?!“ Wir: Ohh ja, viel schneller.“ Er: „Seid ihr einverstanden wenn ich euch ein Ticket gebe?“ Wir nicken im Duett. Er: „Wohin wollt ihr?“ Wir: “ Ins Valley of the Gods. Ist das die richtige Strasse dort hin?“ „Ja, es sind noch etwa vierzig Meilen dorthin, aber haltet Euch an die Geschwindigkeitsbeschränkungen. Gute Fahrt.“ Sagte er und ging wieder zu seinem RAM. Wir gucken uns an und können es kaum glauben. Kein Ticket? Wir werden sehen. Nach zwölf Stunden Fahrt sind wir im „Valley of the Gods NP“. Die Felsformationen hier ähneln sehr denen im Monument Valley. Man könnte sagen es ist das „Kleine Monument Valley“ aber nicht minder attraktiv, zumal dieses Tal nicht so bekannt und damit auch keine Touristenfalle ist. Hier gibt es einsame Wege, viel zu entdecken und wenn man nicht aufpasst, kann man wie wir, auch eine unangenehme Begegnung mit einer Klapperschlange haben. Nach einigen unbefriedigenden Fotos fahren wir dann drei Stunden durch die Dunkelheit nach Durango und checken im altehrwürdigen Hotel Strata von 1887 ein. Nach sechszehn Stunden im Auto schlafen wir wie die Toten.

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Ein Mixed Train der D&RG in Stil der vierziger Jahre auf der High Line vor Rockwood.

Unsere Reise im September in den Westen der USA bot sich für eine Kombination mit Teilen des „Ultimate Western Steam Spectacular“ von Trains & Travel International, einem US amerikanischen Tourveranstalter für Bahnreisen an.
So buchte ich die für mich interessanten Teile, zwei Tage „Durango & Silverton Railfan Adventure“ und zwei Tage „Cumbres Railfan Adventure“ für moderat wirkende 250 € pro Tag. Statt der sonst verkehrenden Touristenzüge, bekommt man an diesen Tagen dann auf beiden Strecken einen Personen- bzw. Güterzug im Stil der vierziger Jahre in Durango und der sechziger Jahre in Chama geboten.
Am 26.September ging es um 7:25 Uhr in Durango los.
Mit etwa 40 Teilnehmern ist es nicht immer einfach, an den engen Fotostellen alle zu ihrem Wunschmotiv kommen zu lassen. Ein nicht geringer Teil der Teilnehmer war zwischen 55 und 75 Jahre alt und nicht in der besten Kondition. Einen kleinen Hügel zu erlaufen war für diesen Teil der Gruppe eine Grenzerfahrung. Die Mehrzahl der Teilnehmer entfernte sich nie weiter als zehn Meter von der Gleismitte und war mit den Standardmotiven der Strecke zufrieden. Eine individuelle Motivgestaltung oder gar die Suche nach neuen Sichtweisen war unter diesen Bedingungen unmöglich. Wollte man mal ein paar Bäume in den Vordergrund nehmen, musste man sich anderen unterordnen, auch wenn diese als letztere am Motiv eintrafen. Der im Programm erwähnte Besuch des Depots war mir an diesen beiden Tagen nicht vergönnt. Ich will auch nicht verschweigen, dass einer der Teilnehmer durch seine, na nennen wir es erst mal Unvorsichtigkeit, einen nicht unbeträchtlichen Schaden an meiner Fotoausrüstung angerichtet hat. Dieser Vorfall lies erstmals die Rücksichtslosigkeit und die Egozentrik, die in dieser Gruppe herrschte, offen zu Tage treten.
Nach dem Vorfall hat er sich auch in keinster Weise darum gekümmert, ob etwas von meinen Sachen Schaden genommen hat. Ich musste mir ein Herz fassen und ihn darauf ansprechen.
Ich habe berechtigte Zweifel daran, dass seine Haftpflicht das regulieren wird.
Am folgenden Tag fuhren wir von Silverton nach Durango zurück. An diesem Tag war nicht mehr zu übersehen mit welcher herablassenden Arroganz sich einige Teilnehmer, kurz bevor der Zug kam, mitten ins Motiv stellten. Nicht nur ich, auch andere, haben sie gerufen und gebeten doch bitte ein oder zwei Meter zurückzugehen, damit man die beispielsweise die Brücke nicht auch noch anschneiden muss.
Eine nachäffende Mimik und eine abwinkende Handbewegung waren die Reaktion. Das sich dies an den folgenden Tagen an fast allen Fotostellen ähnlich abspielen würde war mir zu diesem Zeitpunkt nicht klar und so war ich noch einigermaßen zufrieden, aus den schlechten Bedingungen das Beste gemacht zu haben.

Sehr positiv erwähnt werden muss das Personal der Durango & Silverton RR.
Super nett, erklärt auch Wissenswertes abseits der Bahngleise, kennt alle Fotostellen und wusste immer was (Standard) Fotografen wollen.

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Die wundersame Welt der De-Na-Zin Wilderness

28.09.2011: Wer im amerikanischen Westen etwas neues entdecken möchte, wer herausragende, mit nichts vergleichbare Naturmonumente sehen möchte oder wer einfach die überlaufenen und überteuerten Touristenhotspots satt hat, dem sei die Seite von Isabel Synnatschke empfohlen – http://www.isaczermak.com/. Dort paaren sich phantasievolle Beschreibungen mit herausragender Fotografie und detaillierten Wegbeschreibungen. An den dort beschriebenen Orten, meiner Meinung nach nur an den dort beschriebenen Orten, kann man noch die Freiheit spüren von der Amerikaner immer reden und vieleicht noch etwas von dem erahnen, was die ersten Siedler bewegte, als sie sich, in die für sie völlig unbekannten Weiten des Westens aufmachten.

Pünktlich um sieben Uhr morgens starten wir in Durango mit dem Ziel Bisti Badlands. Bis Farmington benötigt man eine knappe Stunde und von Farmington sind es noch einmal fast 90 Minuten bis zum Ziel. Mit leicht überhöhter Geschwindigkeit und einer riesigen Staubwolke hinter uns, schaffen wir es bis kurz vor neun Uhr auf den Parkplatz der De-Na-Zin Wilderness zu sein. Dahinter eröffnet sich eine Welt wie wir sie noch nie gesehen haben. Übersäht mit Lehmkegeln, die fast alle ihren eigenen Stein auf dem Kopf tragen. Keiner wie der andere, jeder ein Unikat.
Es ist still. Eine Stille, die wir Europäer nicht mehr kennen. Kein Windgeräusch, kein Hintergrundrauschen einer fernen Straße, keine Bäume in denen der Wind mit den Blättern spielt. Hätten wir jetzt Raumanzüge an, wäre die Illusion, auf einem anderen Planeten zu sein, perfekt.

In Durango essen wir dann zu Mittag, bevor wir in den „“ fahren. Der Park umfasst im Wesentlichen einen 2600 Meter hohen Tafelberg. Auf dem Gelände findet man aber auch die bis zu achthundert Jahre alten Ruinen der Anasazi-Stämme, die der Grund für die Einrichtung des Nationalparks waren. Diese Ruinen schauen wir uns aus der Ferne auch an, aber eine Führung muss nicht sein. Da tobe ich mich im Park dann doch lieber noch mit meiner Kamera aus. Immerhin gibt es hier scheinbar die weltweit grösste Population an toten Bäumen und damit Motive ohne Ende.

Dann machen wir uns auf nach Chama. Wir brauchen gute zweieinhalb Stunden bis dort hin. In den Wäldern die etwa fünfzig Meilen vor Chama beginnen, können wir dann nur noch etwa 45 mi/h fahren, da überall an der Strasse und an den Waldrändern hunderte Rehe im Scheinwerferlicht zu sehen sind.

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Wer tote Bäume mag, wird Mesa Verde lieben.

29.09.2011: Weil wir schon wieder so früh wach waren, cruisen wir schon vor Sonnenaufgang durch Chama auf der Suche nach einem Frühstück. Das einzige was schon auf hat, ist die Tankstelle. Dort kaufen wir Kekse und warten dann bis sieben Uhr bis das Café gegenüber dem Bahnhof öffnet, wo wir den ersten Kaffee Latte dieses Tages bekommen. Wir schütten acht Tüten Zucker in den Kaffee und fahren wir zur Touristeninformation. Dort gibt es aber nicht wirklich interessante Informationen. Die Stadt lebt fast ausschliesslich von der Cumbres & Toltec Scenic Railroad, einem Teilstück der ehemaligen Denver & Rio Grande Western Railroad die von 1870 an die Rocky Mountains mit Schmalspurbahnen erschloss. Den Tag verbringen wir hauptsächlich damit, die Touristenzüge mit dem Auto zwischen Chama und Antonito zu verfolgen. An diesem Tag wurde in Chama ein Film gedreht. Mit als Cowboys verkleideten Komparsen wurde eine Viehverladung nachgestellt. Später fuhr ein Zug mit stockcars (Viehwagen) auf die Strecke bis Cumbres hinaus. Dies gab es dort seit dreißig Jahren nicht mehr. Wir wussten davon leider nichts und auch der Reisegruppe, der ich mich am nächsten Tag wieder anschliessen will, gelangen trotz der guten Verbindungen des Veranstalters vor Ort, nur zufällige Bilder.

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Fünfzehn Minuten hört man die Lokomotive hart arbeiten, bevor sie nach zwei Meilen am Windy Point um die Kurve kommt.
Es sind nur noch einhundert Meter bis zum Cumbres Pass, dem Scheitelpunkt der Strecke, 3050 Meter über dem Meeresspiegel.

Am 30.09.2011 trafen wir die Gruppe am Bahnhof in Chama wieder. Da die Mehrzahl der Teilnehmer auf Einzelzimmer bestand, musste zwei Stunden entfernt in Alamosa übernachtet werden. Wir und einige andere Teilnehmer fanden leicht in Chama eine Unterkunft. Der gecharterte Güterzug war gebildet aus 1 boxcar, 3 freezer, 1 boxcar, 1 flatcar, 1 open car beladen mit Rohren, 1 flatcar, 1 open car, 2 boxcars umgebaut zum Sitzwagen mit Fenstern ohne Glas, 1 boxcar, 3 caboose. Der Zug verließ Chama erst um 8:00 Uhr. Das Morgenlicht leuchtet dann schon seit einer ¾ Stunde den Abschnitt zwischen Chama und Cumbres Pass aus. Der Touristenzug folgt um zehn Uhr. Der Fahrplan war also eng. Es wurden Fotohalte gemacht, aber das Topmotiv Windy Point wurde ausgelassen. Mehr als auf der D&S RR waren hier Autoverfolger unterwegs. Bis Osier reihte sich dann Standardaufnahme an Standardaufnahme. Hinter Osier nach der Mittagspause wurden dann noch einige Fotohalte gemacht, aber an den Tunnels und der Phatomcurve wurde durchgefahren.

Rocky Horror Picture Show oder „problaby not“.

Der letzte Tag der Tour auf der Cumbres & Toltec Scenic RR kann anders nicht betitelt werden. Die Gruppe übernachtete in Alamosa, da der Veranstalter aus nicht bekannten Gründen kein Motel oder Hotel in Antonito buchen konnte. Wir sowie einige andere Teilnehmer hatten keine Mühe nur zwei Minuten von der Station entfernt etwas zu finden. Um acht Uhr am Morgen ging es von Antonito los. Etwa zehn Kilometer hinter Antonito kam der erste belanglose Fotohalt. Die Sonne stand bereits viel zu hoch, um noch interessante Gegenlichtaufnahmen zu machen. Wäre man um halb sieben losgefahren, hätte man insgesamt dreieinhalb Stunden vor den Touristenzug auf der Strecke Zeit gehabt mit dem Licht zu spielen.
Die 60 plus Teilnehmer sowie der Veranstalter legten jedoch mehr Wert auf ein Frühstück im Hotel.
An diesem Tag, waren der Veranstalter Chris Skow und seine Frau auch nicht im Zug. Zunächst dachte ich er wäre bereits zur nächsten Station der Reise gefahren, um zu organisieren. Doch wenig später entdeckte ich ihn winkend an der Strecke. Ortskundig verfolge er den Zug ganztägig auf den dirt roads. Ob dies die qualitativ besseren Bilder waren, weiß ich nicht. Es waren aber mehr als die Gruppe machen konnte. Die Auswahl und Organisation oblag nun Arnie Sturm. Das bedeutete, das Fotohalte nur selten angekündigt wurden. Es gab auch auf Nachfrage keine konkreten Infos ob die Fotohalte ein oder zwei Mal gemacht werden. Ich will nicht meckern. Ein Beispiel: An einer Stahlgitterbrücke wurde gehalten. Die Gruppe steigt aus. Ich orientiere mich an der Mehrzahl und wir stellen uns geführt von einem der Alphatiere in einer Reihe auf. Im Abstand von fünf Metern bildete sich hinter uns eine zweite Reihe. Aus dieser zweiten Reihe beginnt dann ein Teilnehmer die in der ersten Reihe als Arschlöcher zu beschimpfen. Schließlich sei seine Position die einzig richtige und alle Anderen haben sowieso keine Ahnung usw.
Der Fotohalt wurde zweimal gemacht, so dass auch er zu seinem Filmchen kam.
Auch spätere Versuche einer vernünftigen Kommunikation mit ihm scheiterten an seinem Starrsinn.
An einer weiteren Fotostelle war der Platz zu beengt und alle Teilnehmer ignorierten die knallgelb gefärbten Birken unter denen sie standen.
Es gab für mich zwei Möglichkeiten. Dieses belanglose Motiv auszulassen oder mir was anderes zu suchen. Etwa fünfzig Meter hinter der Gruppe gab es die Möglichkeit eine beeindruckende Felsnase mit den gelben Birken und dem Zug zu kombinieren. Das war es was ich suchte und an dieser Stelle ging ich in Position. Wenig später kam der Zugführer und sagte: „Wir machen das hier auch noch“.
Ich sage: „Es gibt nur einen Mastershot, den anderen mache ich nicht“ und denke: „Na dann stehe ich ja schon mal rechtzeitig und richtig“.
Das Unfassbare passiert. Der Zug fährt beim ersten Mal nicht bis zu mir vor. Das der Zug mitten im Bild stehen bleibt sollte auch die Videografen geärgert haben.
Doch wenigstens stand ich ja schon mal für den zweiten shot richtig.
Weit gefehlt, natürlich stellten sich alle vor mir auf! Auf den Displays waren dann abgeschnittene Felsnasen und andere Kompromissbilder zu sehen. Sollte man nicht einen guten Fotohalt für eine große Gruppe in zwei kleineren zweimal richtig machen,  als zwei mittelmäßige Fotohalte, an denen es an beiden Stellen zu eng für alle ist?
Die Separation der Teilnehmer in Nationalitäten und nach Animositäten untereinander ist dann der iPunkt auf dem Ganzen. Die beschriebenen Ereignisse an den Fotohalten wiederholten sich endlos. Es erschien mir sinnvoller den Zug in Cumbres zu verlassen und auf eigene Faust weiter zu machen. Ich fragte Arnie Sturm ob denn noch Fotohalte hinter Cumbres gemacht werden. Die Antwort: „problably not“.
Danke für die konkrete Auskunft. Nun stand fest, dass ich aussteige und „problably not“ avancierte zu unserem running gag während der gesamten Reise. Zwischen Cumbres Pass und Chama gelangen mir noch drei gute Motive, während der Zug der inzwischen auch technische Probleme hatte, ohne weiteren Fotohalt im schönsten Nachmittagslicht mit einstündiger Verspätung nach Chama dampfte.
Nie zuvor habe ich an einer Tour mit so vielen egozentrischen, rücksichtslosen und ignoranten Menschen teilgenommen. Dem Tourveranstalter schien es egal zu sein wie unorganisiert die Fotohalte ablaufen. Es schien ab mittags egal zu sein ob überhaupt welche gemacht wurden. Ein Teil der Gruppe war zu diesem Zeitpunkt in den Wagen ohnehin schon sanft entschlummert. Quantität statt Qualität. Die Zugzusammenstellung des Zuges wurde auf beiden Linien nicht geändert. Der Zug durchfuhr die Schleife bzw. das Gleisdreieck und fuhr so zurück wie er gekommen war.
Aber es gibt auch andere Wahrnehmungen. Wer möchte kann sich auch die Loblieder auf der T & T Seite unter: “We recive letters“ durchlesen. Einer der Teilnehmer schreibt; „that this was the best tour that I have done. I took 1800 pictures“. Quantität anstatt Qualität.
PS:Von einem der englischsprachigen Teilnehmer wurde ich OHNE VORWARNUNG VON HINTEN tätlich angegriffen, weil ich mir im offenen Wagen bei einem Halt eine Zigarette anzünden wollte. Danach bot er mir noch Prügel an.
Er wurde von anderen Teilnehmern darauf angesprochen, dass dies wohl etwas überzogen war und hatte es wohl auch eingesehen.
Aber er hat sich bei mir nie entschuldigt.

Wir fahren weiter nach Bloomfield und quartieren uns in einem Super 8 Motel ein.

Irr(e) Fahrt ins Monument Valley

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Ein Foto das schon vor seiner Entstehung Wellen schlug. „Privat Property“ soll wohl irgendwo auf einem Schild gestanden haben.

02.10.2011: Noch nicht ganz munter schlurfen wir zu dem überwältigenden Buffet. Es gibt drei Sorten Donats, die aber alle gleich schmecken und zu einhundert Prozent aus Zucker bestehen. Dazu Toast, Krümelbutter, Einheitsmarmelade und den obligatorischen Ahornsirup. Das schweizer Kakaopulver gibt es hier auch wieder. Schmeckt wie Nesquick. Ich packe mir wieder fünf Tüten in die Tasche, die ich mir im Verlauf der Reise pur in den Mund streue, wenn der Körper mal nach schokoladiger Energie verlangt. Caroline löffelt sich Cornflakes mit Lowfettmilch in den Mund während ich mir auf dem Plastiktisch noch einen Toast mit Butter und Marmelade bekratze. Der chemische Orangensaft geht so, aber die eigenartigen Teesorten und den Instandkaffee kann man gleich links liegen lassen. Glücklicherweise liegen im Auto noch Bananen und einen Café Latte gibt es an der Ecke gegenüber.
Diesmal wollen wir von Bloomfield aus noch mal in die Bisti Badlands zu den „Stonewings“. Leider habe ich vergessen zu Hause die Karte auszudrucken, und in den vergangenen vierundzwanzig Stunden konnten wir nirgends einen Computer auftreiben, der erstens funktionierte und zweitens am Abend oder in den frühen Morgenstunden zugänglich war.
Gegenüber dem Café steht ein Cheriff, wir fragen ihn. Sofort kommen wir ins Gespräch. Er war sechs Jahre in Stuttgart stationiert, spricht aber kein Wort deutsch und lesen kann er es auch nicht. Irgendwie hat hier fast jeder eine Beziehung zu Deutschland. Das Mädchen im Café, hatte auch eine Schwester, dessen Mann mal in Deutschland war. Bisti Badlands, erzählt er kennen die Leute hier nur als „Angel Point“. Er sucht auf seinem Laptop im Wagen, er funkt Kollegen an und er fragt in der Zentrale – kein Ergebnis. Es sind schon fast zwanzig Minuten vergangen, die Sonne steigt immer höher und mir rennt die Zeit davon. Wir versuchen die nette Begegnung so freundlich und dankbar wie möglich abzubrechen.
Wir suchen an Hand der Wegbeschreibungen die ich dabei habe. Rechts rum nach Farmington, dann links auf den Highway 371. Wir überqueren den San Juan River und zählen die Meilen, bis zum Abzweig der Country Road 7297, dann sind es keine vier Meilen mehr bis zum Ziel.
Irgendwie kommt mir hier alles bekannt vor. Ich sage noch aus Spass.“ Schau mal, das sind unsere Fusspuren“. Während wir die Spuren aufmerksam betrachten, laufen wir Richtung Abhang und schauen runter. Ganz sicher, das ist genau die Stelle an der wir vor drei Tagen waren. Was für eine Blamage. Wie jetzt den Tag retten?
Wir machen uns auf ins „Valley of the Gods“. Dort treffen wir eine halbe Stunde nach dem High Noon ein. Kein Licht zum Fotografieren und mein Felsen an dem ich mich festgebissen habe, liegt auch schon wieder im Schatten. Wir legen jetzt mal den Urlaubsgang ein und fahren zurück nach Bluff, wo wir das beste Mittag und ja, auch die besten French Fries der gesamten Reise zu uns nehmen. Wir knipsen noch etwas in der morbiden Umgebung rum und rollen dann ganz entspannt zum „The View“ Hotel im Monument Valley National Park.

Egal was andere erzählen, das The View ist für Fotografierwütige und Menschen die sich im Monument Valley länger aufhalten, die erste Wahl.
Man zahlt nur einmal Nationalparkeintritt, 5 Dollar p.P., ( und kann auch Nachts rein und raus wann man will und die Umfahrung der Schranke kennt. Für drei Nächte im zweiten Stock zahlen wir zu zweit 500 € plus Frühstück sechs Dollar pro Person. Hier jedoch ist das Geld für das Frühstück gut angelegt. Von warmen Pancakes bis zu frischen Obst bleibt einzig der Wunsch nach Schokocreme unerfüllt. Ein Abendessen ist in dem immer vollen Restaurant nicht unter fünfundzwanzig Dollar pro Person zu bekommen.

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Der letzte Saurier.

03.10.2011: Es waren schon kaum Sterne am Himmel als ich aufgestanden bin. Aber trotz des stark bewölkten Himmels versuche ich mein Glück. Ich sitze über eine Stunde im Auto bis sich am Horizont abzeichnet, dass der Sonnenaufgang in einem zehn Minuten Zeitfenster ablaufen wird. Nun gut, ich versuche das Beste daraus zu machen und weil die Sonne um halb acht dann schon wieder hinter Wolken verschwunden ist, können wir wenigstens gemeinsam frühstücken. Nach dem Frühstück schauen wir uns die „Goldings Lodge“ an, tanken, kaufen etwas Proviant ein, füttern einen Strassenhund und fahren dann abseits des Nationalparks auf dirt roads duch das Navajo Gebiet. Wie wir auf dem Zimmer lesen konnten, befinden wir uns hier in einer Zone die frei von Alkohol, Zigaretten und anderen Drogen ist. Die Navajos legen grossen Wert darauf sich clean darzustellen. Selbst in den Restaurants gibt es nur alkoholfreies Bier und alkoholfreien Wein, der aber nüchtern betrachtet nur Traubensaft ist. Hier jedoch in dem Teil des Monument Valley Navajo Tribal Parks, in dem die Navajos wohnen und in den sich normalerweise keine Touristen verirren, liegt rechts und links der Strasse alles voller Bierdosen, Bierpackungen und Likörflaschen.
Als Mittag holen wir uns ein paar Buritos mit schwarzen Bohnen und fahren dann einen weitere Runde über die Looproad durch den Park und verbringen dann noch ein paar Urlaubsstunden im Hotel. Nachmittags um vier fahren wir wieder in den Park und machen am „John Fords Point“ das Klischeebild mit dem Pferd, das wir für nur fünf Dollar gemietet haben. Nach einer Ehrenrunde durch den Park lassen wir den Tag im Hotel ausklingen.

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Disappointing sunrise

04.10.2011: In einem Fotoladen in Durango habe ich ein Bild vom Shiprock vor Sonnenaufgang, im ersten Licht des Tages, gesehen. Die Aufnahme sowie der Berg waren ziemlich beeindruckend. So ein Bild wollte ich auch. Auf dem Weg ins Monument Valley hatten wir diesem Berg, der wie aus dem Nichts aus der Ebene aufragt, aus der Ferne gesehen. Es ist ein wirklich beeindruckender Klotz.
Da wir im Monument Valley drei Tage sind und somit genug Zeit haben, machen wir uns um dreiviertel fünf auf zur einhundertzwölf Meilen entfernten gleich namigen Stadt Shiprock. Am noch nächtlichen Himmel ist kein Stern zu sehen und als es dämmert wird klar es gibt in jedem Fall keinen Sonneaufgang, schlimmer noch es gibt in Shiprock nicht mal einen Cafe Latte und als wäre dies nicht genug, fängt es auch noch an zu regnen. Ich mache das schlechteste Bild, dass je von diesem Kotz gemacht wurde und wir fahren zurück an das Frühstücksbuffet des „The View“ Hotels. Nach dem Mittag ist es immer noch nicht besser und wir machen Mittagsschlaf, wie in einem richtigen Urlaub eben. Wir hatten eigentlich vor die Tour, auf den nur mit Navajo Guides zugänglichen Wegen, zu machen. Diese kostet jedoch in der günstigsten Version siebzig Dollar pro Person für eineinhalb Stunden, die Photographer Tour sogar zweihundertfünfzig Dollar pro Person. Das ist uns doch zu teuer, zumal der Himmel immer noch bedeckt ist.
Wir drehen also selbst noch mal eine Runde durch den Park und schauen uns an, was man noch alles knipsen könnte, wenn denn das Wetter gut wäre. Bis zum Abendessen zieht dann sogar noch ein Sandsturm und ein Gewitter durch das Valley. Wir sitzen gemütlich beim Abendessen und hoffen auf besseres Wetter.

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Kitschiger geht es wohl kaum noch – Wild West Romantik am „John Fords Point“.

05.10.2011: Halb sechs, ich schiebe den Vorhang zum Balkon beiseite. Wieder Wolken. Wir stehen trotzdem langsam auf und machen uns für das Frühstück fertig. Ich schaue noch mal aus dem Fenster. Jetzt sieht es so aus, als würde es doch schön werden. Planänderung. Schnell die Fotosachen gegriffen und los. Wir jagen den Jeep durch den Park. Die Wege sind noch schlammig und mit riesigen Pfützen vom nächtlichen Regen übersäht. Wir schaffen es bis sieben Uhr zum North Window, diese Stelle ist wie ich finde, die schönste Stelle im Monument Valley.
Es dauert jedoch noch bis acht Uhr bis die Sonne endlich die ganze Szenerie ausgeleuchtet und fotografierwürdig gemacht hat.
Nun können wir endlich zum Frühstück fahren. Jetzt besteht wieder kein Zweifel, dass das dreckigste Auto auf dem Parkplatz unser ist.
Nach dem wir uns beim Frühstück noch einmal so richtig die Bäuche vollgeschlagen haben, fahren wir ein drittes Mal ins „Valley of the Gods“.
Ja klar das ist blöd und das macht sonst niemand, aber jetzt wo die Sonne günstig steht und überhaupt mal scheint muss ich noch meine Bilder nachholen. Es sind ja nur vierzig Meilen.
Als wir auf dem Rückweg am Mexican Hut vorbeifahren, zieht sich der Himmel wieder zu. Kühle Temperaturen und Regen begleiten unsere zweistündige Fahrt nach Page. Dort nehmen wir gleich den ersten Parkplatz, an dem Touren zum Upper Antelope Canyon angeboten werden.
31 Dollar pro Person kostet die Tour. Zu uns gesellt sich noch ein Pärchen aus den Niederlanden und wir freuen uns, das wir nur zu viert sind. Alle rein in den Landcruiser und los gehts. Der Fahrer erzählt betont locker das übliche Blabla und der Landcruiser wühlt sich durch den Treibsand des ausgetrockneten Flusses. Der Eingang des Upper Canyon ist nicht zu sehen, da davor schon zwölf andere Jeeps parken. Wohlgemerkt nur zwölf denn es ist Nebensaison. Schnell ein paar Instruktionen, wir sollen ihm immer folgen und er wird versuchen, in der uns zu Verfügung stehenden Stunde viele Fotos zu ermöglichen. Dann geht es in den schmalen Eingang. Schon beim ersten Fotostop rieselt von oben eimerweise Sand in den Canyon. Zu Hause liegt ein Kameracase gegen Regen. Aber selbst wenn ich es beigehabt hätte, ich wäre nicht auf die Idee gekommen es zum Canyon mitzunehmen. Nirgends war vorher zu erfahren, dass in den Canyon ständig Sand von oben herabrieselt.
Von der Färbung und den Formen bin ich zunächst wenig beeindruckt. Auf den Bildern die ich vorher sah, sah alles viel heller und farbenprächtiger aus. Eine Gruppe nach der anderen drängelt sich von beiden Richtungen durch den Canyon. Nach einer Stunde ist der Sand in die letzte Ritze der Kamera und der Kleidung eingedrungen und ich bin fast froh, dass wir wieder zurück müssen.
Der Upper Antelope Canyon ist leicht zu erreichen, er ist überschaubar von der Grösse und mit seiner Lage zwischen Las Vegas und dem Monument Valley ein Ziel, dass sich auch für kurze Stops auf den Rundreisen anbietet. Jeder kennt die durch Photoshop aufgepimten Bilder des Upper Anlelope Canyon und jeder USA Reisende und viele Amerikaner besuchen diesen POI.
POI – Point of Interest – ist ein im Zusammenhang mit Navigationsgeräten benutzter Begriff für Orte, die früher als Sehenswürdigkeit bezeichnet wurden. Sehenswürdigkeiten wiederum sind Orte die von Menschen, die wir nicht kennen, definiert wurden als Orte, die des Sehens würdig sind. Desto mehr ein solcher Ort von Medien gehypt wird und je mehr Menschen ihn besuchen, je schneller wird er zum Ort, dessen Besuch zu einem Statussymbol wird. Dies zieht dann wiederum weitere Massen an, denen es nur noch darum geht mal dort gewesen zu sein. Natürlich sind alle geflasht von dieser überwältigenden Sehenswürdigkeit. Alle vor ihnen waren es ja auch und Millionen können sich nicht irren.
Doch die Attraktivität einer solchen Sehenswürdigkeit verhält sich umgekehrt proportional zu den Besucherzahlen. In einem Grand Canyon oder dem Monument Valley fällt dies nicht so in Auge, da sich auch Massen hier in der Fläche verlieren. Doch ein Upper Antelope Canyon, in dem in der Saison, wenn die berühmten Beams auf den Boden fallen, die Gruppen bis zu sechszehn Personen umfassen und zwei Guides haben, welche die Massen dort durchschieben, in dem die Fotografen auf den Fototouren gegenseitig mit den Stativen um die besten Plätze kämpfen, ist nur noch ein Ort zum vorbeifahren. Wikipedia bezeichnet den Upper Antelope Canyon als Geheimtipp für Hobby und Profifotografen. Das ist er definitiv schon lange nicht mehr!

Der Lower Antelope Canyon hat uns deutlich besser gefallen. Der Aufenthalt ist auch hier nicht mehr unbegrenzt möglich, jedoch ist der Menschenandrang zurzeit noch überschaubar. Mit einem Phototicket konnten wir ohne den obligatorischen Guide über zwei Stunden dort herum bummeln. Ich weiss nicht ob es die Feuchtigkeit der Atemluft ist, die im Upper Antelope Canyon das Gestein dunkler werden lässt, Fakt ist, dass es im Lower Antelope Canyon generell heller ist, und das die Farben eindrucksvoller sind.

Als wir wieder an der Oberfläche sind, ist der Himmel noch immer ein Meer von Wolken. Es macht leider keinen Sinn noch zur Horseshoe Bend, der hunderachtzig Grad Wende des Colorado River bei Page zu fahren. Wir fahren gleich die 173 Meilen weiter bis Flagstaff. Zwischen Bitter Springs und dem Abzweig der Road 160 nach Tuba City, fährt man über neunzig Kilometer an einer steil aufragenden unüberwindlichen Felswand, dem Echo Cliff entlang. Die lange Fahrt entlang des Echo Cliffs verdeutlicht ein weiteres Mal die Dimensionen des amerikanischen Kontinents.
In Flagstaff angekommen, tanken wir, waschen das Auto und im Waschraum des Super 8 Motels unsere Wäsche.

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„Die Jungfrau im Wind“ – Lower Antelope Canyon

06.10.2011: Was für eine Kälte! Die ganze Nacht hat es geregnet und gegraupelt. Auf dem Parkplatz und dem Auto liegt noch eine weisse Schicht. Wir laben uns an dem famosen Super 8 Frühstück und fahren danach endlich mal unsere Postkarten bei der Post aufgeben. Wir folgen danach der überschwänglichen Beschreibung der restaurierten Altstadt durch unseren Reiseführer. Die Strassen sind gesäumt von hübschen kleinen Shops und Cafés. Die historischen Gebäude und die durch Flagstaff verlaufende Route 66 vermittelt zwar ein Gefühl von Nostalgie, aber anders als in Europa handelt es sich hier nur um einen zweihundert Meter langen Strassenzug und eine Kreuzung. Viele der kleinen Geschäfte standen zur Zeit unseres Besuches leer. Sehenswert ist auch für nicht ferrosexuell veranlagte Menschen der liebevoll restaurierte Bahnhof der ehemaligen Atchison, Topeka and Santa Fe Railway am Ende der Altstadt. Zu überhören ist er auch nicht. Sechzig bis einhundert Zugdurchfahrten hat der Bahnhof täglich. Die meisten Züge sind mit vier Diesellokomotiven bespannt und ziehen achtzig bis hundertzwanzig Wagen. Auch einen Zug mit sechs Lokomotiven haben wir gesehen.
Der Personenverkehr ist nur noch rudimentär vorhanden. Flagstaff sieht täglich zwei Personenzüge, einen um 4:30 Uhr morgens und einen um 8:30 Uhr abends.
Während unserer Abfahrt aus Flagstaff haben wir leider vergessen nach Sedona zu fahren, die Stadt wurde uns von Freunden, sowie von Reiseführer in schwärmerischen Worten empfohlen. Uns fällt es jedoch erst kurz vor Grand Canyon Village ein. Im Best Western beziehen wir für die nächsten drei Tage ein Appartment mit Parkplatz vor der Tür. Als wir um zwei Uhr nachmittags mit behausen fertig sind, hat es sich wieder bewölkt, ein unangenehmer Wind fegt um die Ecken und es beginnt ein Eisregen. Bei nur noch zehn Grad Celsius, ziehen wir alle langen Sachen an die wir bei haben. Einziges Highlight am Abend dieses Tages sind die Elche, die keine zehn Meter von der Strasse entfernt im Wald grasen.
So ist das mit den wilden Tieren. Man kann tagelang durch die Wildnis pirschen, ohne auch nur ein einziges Säugetier zu sehen. Ist man dann zurück in der Zivilisation lungern die Viecher im Vorgarten rum. So auch hier. Als wir am Abend das El Tovar besuchen, ist auf dem Vorplatz ein riesen Menschenauflauf. Überall stehen die Elchkühe und ihre Jungen herum und fressen sich an dem gepflegten Rollrasen satt. Ringsumher stehen aufgeregte Touris, die wie wild fotografieren.
Das El Tovar ist das, was man in Amerika sonst eher selten findet. Ein Gebäude mit Geschichte und Atmosphäre. Es wurde 1905 von der schon erwähnten „Atchison, Topeka und Santa Fe Railway“ aus Felssteinen und Holz errichtet. Im Innern finden sich herrschaftlich Salons, ausstaffiert mit Reliquien aus den letzten einhundert Jahren. Es geht sehr stilvoll zu und wir wirken in unserer immer gleichen abgewetzten Reisekleidung etwas deplatziert. Macht aber nichts, denn eine halbe Stunde auf einen Tisch zu warten und dann 30 Dollar pro Essen ohne Steuer zu zahlen, sind wir nicht bereit.

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Earthquake! Vier Dash 9-44CW Lokomotiven, mit je 4.458 PS ziehen einen Doppelstockcontainerzug mit 80 Wagen durch Flagstaff.

07.10.2011: Unverständlich für die meisten Urlauber und irgendwie auch für uns, stehen wir wieder um sechs Uhr auf und sind um kurz vor sieben Uhr mit dem Frühstück fertig. Der Tag verspricht heute schön zu werden und wir rasen zum Grand View Point. Die ersten Sonnestrahlen streicheln den rotbraunen Sandstein des Grand Canyon. Neben dem Powel Point ist der Grandview Point der beste Ausgangspunkt für Fototouren am frühen Morgen. Diese beiden Punkte ragen etwas in den Canyon hinein wodurch sich atemberaubende Aussichten bieten. Wenn am Morgen die Sonne die Luft erwärmt, entstehen thermische Aufwinde in denen man mit etwas Glück Kalifornische Kondore kreisen sehen kann. Geprägt ist die Landschaft von Wacholdersträuchern und Ponderosa Pinien. Am Grandview Point beginnt der Grandview Trail. Dieser führt in nördlicher Richtung hinab über den Coconino Saddle zur Horseshoe Mesa.
Nur von oben runterschauen befriedigt mich nicht, ich will trekken und so laufen wir los. Trotz schmerzenden Knie hat sich auch Caroline tapfer zum Coconino Saddle hinab und vor allem wieder hinauf gequält. Das war sozusagen das zwei Stunden Trekking für zwischendurch.
Den ganzen Tag lang haben wir alle View Points besucht, viele davon mehrmals. Als ich am Mather Point zum Parkplatz zurücklaufe, erblicke ich wieder einmal eine unglaublich fette Frau. So fett, dass sie ihr Körpergewicht nur im Schneckentempo über den Parkplatz schleifen kann. Der Bauch unter ihrem Zelt grossen Oberteil scheint unten zweigeteilt und liegt bis zu den Knien auf den Oberschenkeln, was das Laufen noch mehr erschwert. An einem ihrer Elefantenarme zieht sie etwas auf Rädern hinter sich her und ich denke: “ Warum zieht die einen Koffer hinter sich her, hier ist doch weit und breit auch keine Reisegruppe zu sehen“. Als ich näher komme erkenne ich, dass es kein Koffer ist. Es ist eine riesige Kühlbox auf Rädern.
Sicher ist eben sicher. Es könnte ja sein, dass einem zwischen zwei Fastfood Restaurants der Heisshunger überkommt.
Nach dieser kolossalen Begegnung bekommen auch wir Hunger, den wir in Grand Canyon Village in der Yavapai Lodge stillen wollen.
Doch ist es zunächst nicht so einfach einen Parkplatz zu finden. Auch in der Nebensaison ist es manchmal unmöglich sein Fahrzeug legal weg zu parken und ich bin dann dankbar, dass wir nicht in den amerikanischen Sommerferien hier waren.
Yavapai Lodge hört sich natürlich toll an. Es ist aber nur ein riesiger Schnellimbiss, in dem es, oh Wunder, auch Obst und Salat gibt.
Gestärkt fahren wir nun mit dem Bus die Aussichtspunkte ab, die mit dem eigenen Auto nicht zu erreichen sind.
Wir entschliessen uns den Sonnenuntergang am Lipan Point zu erleben, und fotografisch festzuhalten. Die dichte Wolkendecke schrumpft den Sonnenuntergang auf ein Zeitfenster von fünf Minuten zusammen in dem die Sonne schon so tief steht, dass die Färbung nicht mehr schön ist und die Bilder danach direkt alle wieder gelöscht werden können.
Wir fahren wieder zurück in Richtung unseres Hotels und beschliessen das nahe Steakhouse auszuprobieren. Aber es beginnt erst wieder ein Kampf um einen Parkplatz. Es ist wie ein Spiel. Warten, den ganzen Parkplatz scannen und zuerst erkennen wo jemand wegfährt. Da kommen weitere zwei Fahrzeuge. Ich sage: “ Schnell geh rein bevor die anderen vor uns drin sind. Mach ´nen Tisch klar, ich parke das Auto schon irgendwie weg.“ Und richtig. Caroline ergattert den letzten freien Tisch. Eine Minute später habe auch ich Glück als jemand genau vor mir ausparkt. Was für ein Stress!
Das Essen ist super lecker aber wie immer kaum zu schaffen. Ein Lady Steak, ein Veggie Burger, ein Bier und eine Cola – das macht 51 Dollar! WOW. Wir haben noch Appetit auf ein kleines Eis, denken dabei an die Mini McFlurry Becher bei uns daheim und fahren zu Ronald Mc Donald´s Drive Inn. “ One McFlurry Oreo Cokkie and one McFlurry without anything“. Das verstehen Amerikaner nicht. Es gibt niemanden der McFlurry pur isst! Das schmeckt doch nach NICHTS. Minutenlang versucht der umsichtige Mitarbeiter mit besorgter Stimme herauszufinden, was ich da drauf oder rein haben möchte. „Nothing“. An der Drive Inn Luke dann die Überraschung. Wir bekommen zwei riesige Becher in die Hand gedrückt. Jeder davon wiegt ein gefühltes Kilo. Den ganzen Abend versuchen wir das irgendwie aufzuessen. Keine Chance. Der eine Becher muss fast voll vor der Tür übernachten, es sind ja Minusgrade draussen. Vielleicht esse ich Ihn ja morgen Abend weiter.
Sicher wollte die Frau auf dem Parkplatz auch nicht so fett werden, sie war nur gut erzogen und hat immer brav aufgegessen.

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Grand Canyon sunset

Drei Tage Grand Canyon reichen. Es sei denn man trekkt dort vom South Rim zum North Rim. Ausser dem Indianerdorf haben wir uns alles angesehen. Darum haben wir beschlossen gleich früh abzufahren und auf der Route 66 herumzubummeln. Wir fahren bis Williams und dort auf die Interstate 40 bis Seligman, wo wir als erstes einen Cafestop im „Historic Route 66 General Store“ einlegen. Mit unseren Bechern und den Kameras bewaffnet schlendern wir etwas herum. Das was heute die Route 66 ausmacht besteht heute ausser dem erhalten gebliebenen Teilstück zwischen Seligman und Topock, aus alten Fahrzeugen und anderen technischen Relikten. Mit Antiquitäten und Replikas von Schildern versucht man sich hier über Wasser zu halten. Weiter geht die Fahrt über Peach Springs, Truxton, Valentine, Hackberry nach Kingman. In Kingman verpassen wir die unscheinbare Abzweigung und landen zunächst wieder auf der Interstate 40.
Amerika Southwest Grand Canyon Monument Valley Rio Grande Mesa Verde Antelope Canyon Las Vegas landscape photographyDoch nach einem sportlichen U turn sind wir wenig später wieder auf Amerikas „Mother Road“, der Route 66. Ab Kingman wird die Strassenführung interessanter. Auf der schmalen Strasse schraubt man sich in Serpentinen hinauf zum 1082 Meter hohen Sitgrave Pass. Die Häuser die hier noch stehen, könnten auch als Kulisse für einen Gruselfilm herhalten. Entlang der Passtrasse findet man auch mal ein Fahrzeug welches vor Jahrzehnten die Kurve nicht gekriegt hat. Oatman im Reiseführer noch als verschlafner Geheimtipp beschrieben überraschte uns sehr.
Zwar sehen die Häuser aus wie in einem alten Western, ist aber vom Ortsanfang bis zum Ende zugeparkt mit Autos der Touristen, in dessen Reiseführer wahrscheinlich das gleich stand.
Ich lasse die Kamera im Auto und wir schlendern etwas umher. Das stöbern und schmöckern in den urigen Läden macht Spass, wir werden in ein Restaurant gebeten, dessen Wände über und über mit Dollarnoten beklebt sind, nirgends ist noch Tapete oder Mauerwerk zu sehen. Trotz der Massen an Touristen ist es irgendwie doch noch atmosphärisch.
Die Einwohner haben ein neues Business für sich entdeckt. Sie verkaufen an Touristen Karotten, die diese dann an die etwa 30 Esel, welche die Hauptstrasse bevölkern, verfüttern. Ein riesiger Spass für die Kinder und offensichtlich auch für die Erwachsenen.
Voller Entzückung rufen sie: „Oh gosh! He´s so cute. He got so cute ears!“ Es gibt eben Menschen, die sind sehr leicht zu unterhalten.
Eine Frau fragt mich: „Did you know, when the gun shooting starts?“ Nein natürlich nicht.  Aber jetzt weiss ich, warum solche Massen hier sind. Es gibt noch eine Show. Täglich high noon treffen sich in Oatman die beiden Gangster der Gegend und der Sheriff auf der Hauptstrasse. Nicht mit Trainingshose, Bascap und Sportschuhen, sondern in einer Westernkluft. Es dauert nicht lange bis die ersten Schüsse fallen und sicher endet das für einen der drei tödlich.
Leichte Unterhaltung aber für einen guten Zweck. Sie sammeln dabei für ein Krankenhaus.
Irgendwie hat sie uns gefallen die Sixtysix. Guter Stoff für eine zweitägige Fototour oder einfach nur so zum cruisen. Wir verlassen Oatman und tauchen in die Wüstenlandschaft Arizonas ein. Wieder diese Stille hier draussen. Ein letztes Mal. Ein Abschied vom wilden Westen, denn bald wird am Horizont Las Vegas auftauchen. Es wird uns vorkommen wie ein anderer Planet. Doch vorher haben wir noch einen Stopover am Hoover Damm, der aus unserer Sicht so belanglos und uninteressant ist, dass es nicht lohnt ein weiteres Wort darüber zu schreiben.

 

Alles im Leben hat seinen Preis.
Nach Tagen im wilden Westen, zwischen Käffern und rotem Sandstein, bin ich der besseren Hälfte meines Ichs, nun den Aufenthalt in dieser eigenwilligen Stadt Las Vegas schuldig. Nachdem wir im Luxor unser Zimmer bezogen haben, geben wir unseren Mietwagen am Flughafen ab.
Von nun an sind wir den öffentlichen Nahverkehr und den Launen der Busfahrer ausgeliefert. Welchen Stellenwert öffentlicher Nahverkehr in den USA hat kann man sich sicher vorstellen und so wird auch die Busfahrt zur Geduldsprobe. Alle fünfzehn Minuten, sollen die Busse in jeder Richtung unterwegs sein. Man wartet aber oft länger. Ist der Bus dann endlich da, steigt man hinten aus und vorne ein. So weit so ordentlich. Aber neunundneunzig Prozent sind Touristen die mit dem Nahverkehrsystem in Las Vegas nicht vertraut sind. Fragen über Fragen, Geld wechseln und Ticket kaufen. (24 Std. Ticket, 7Dollar p.P) So kann es vor kommen, dass der Bus zehn Minuten an der Haltestelle steht bis es endlich losgehen kann. Der Bus fährt an und hält nach zwanzig Metern an der roten Ampel. So geht es Station für Station. Der Strip ist sieben Kilometer lang und man sollte für diese Strecke eine reichliche Stunde einplanen.
Der Expressbus, der die Shoppingmalls miteinander verbindet wäre vielleicht eine Alternative. Wir haben ihn aber nie genutzt.
Futuristisch kommt die Tramway daher. Sie verbindet Excalibur, Luxor und Mandalay Bay, ist aber nur ein drei Wagenzug, der per Schleppkabel auf Gummirädern über seine Trasse gezogen wird. Die sparsame Beschilderung sorgte dafür, dass wir stets im falschen Zug sassen und eine Station laufen mussten.
Eine Fahrt mit der spacigen Monorail rentiert sich nur auf langen Stecken, die es in Las Vegas ja nicht gibt. Die Bahnhöfe sind weit von den Hoteleingängen und vom Strip entfernt, so dass man zwischen zwei Stationen schneller läuft. Zudem ist die Fahrt mit fünf Dollar pro Person recht teuer, so dass man bei mehreren Personen schnell bei dem Preis eines Taxis ist.
Die Monorail fährt von den Hotels Sahara – Hilton – Convention Center – Harrah’s/Imperial Palace – Flamingo – Bally’s/Paris – MGM Grand und natürlich auch wieder zurück.
Da wir, wie sonst in Amerika üblich, keinen Schrittzähler am Bein hatten, können wir nicht sagen wie viel Meilen wir in den zweieinhalb Tagen gelaufen sind.
Wir hatten jedenfalls steinharte Schenkel und keine Zeit für die Poollandschaft.
Stattdessen hatten wir ein A4 Blatt mit den „POI that we have to see“.
Und fürs Auge bietet Las Vegas so einiges. Themenhotels die einen nach Ägypten, nach Italien und Venedig, in den Orient, nach Paris, in die Karibik oder einfach nur in die zauberhafte Welt von Clown Ferdinand entführen.
Eines aber muss man neidlos eingestehen. Die Themenhotels wie Bellagio, das Venetian, das New York New York Hotel und das Paris, sind nicht nur billige Kopien, sondern derart detailverliebt und aufwendig gestaltet, dass sie wie ich finde ihren eigene architektonischen Wert haben. Die gewinnträchtigsten Hotels buhlen mit freien Shows um Aufmerksamkeit. Da bekriegen sich Piratenschiffe auf einer Ententeich grossen Pfütze vor dem Hotel, dort schiessen Wasserfontainen im Takt einer Beethoven Symphonie 30 Meter hoch in den Himmel. Am Stratosphere Tower hängt das höchste Karussell der Welt und am Sahara fuhr „Speed“, die schnellste Achterbahn der Welt. Ja fuhr, denn das Sahara Hotel wurde am 16. Mai 2011 geschlossen. Dreht man sich, vor dem verrammelten Sahara stehend, auf dem Absatz, sieht man die gigantische Bauruine des „Fontaine­bleau“. Das sind die steinernen Zeugen des dramatischen Einbruchs der Umsatz- und Besucherzahlen seit dem 17.09.2008. Die Fussgängerbrücken, die überall am Strip errichtet wurden und werden, sind seitdem die Bühne der Menschen die Opfer der Krise geworden sind. Ungezählt ist die Zahl derer, die in den Spielhallen ALLES verloren haben. Nun versuchen sich eine Fahrkarte nach Hause zu erbetteln oder sie wollen einfach nur irgendwie den Tag überleben. Mache unterhalten die vorbeieilenden Besucher mit mehr oder weniger guten Gesangs- und Gitarrenkünsten, während an der Ecke ein Mädchen liegt, vielleicht zweiundzwanzig, vielleicht im achten Monat schwanger, ein Schild vor sich auch dem gekritzelt steht: “ homeless – pregnant – hungry“. Oben in den Spielcasinos werden Millionen umgesetzt, in der Kanalisation haben sich hunderte „Verlierer“ häuslich eingerichtet.
Aber irgendwie bin ich jetzt von der POI Liste abgekommen.
Nein, ich würde keinen Leser mit der Aufzählung der Liste langweilen.
Unsere geschwollenen Füsse waren sich ohnehin einig, dass wir alles gesehen haben!

Interessant fand ich, dass ich davon ausgegangen bin, dass es mit Rauchen in Vegas vorbei ist. Jedoch ganz im Gegenteil. Während man sich in den USA sonst eher prüde und gesundheitsbewusst gibt, letzteres gilt natürlich nur für das Rauchen und Alkohol, ist in Vegas einfach alles erlaubt. Solange man die Spielautomaten in den Casinos mit seinem Geld füttert darf man rauchen bis man seine Hand nicht mehr vor Augen sieht. Alkohol trinken? Kein Problem! Auf der Strasse Bier- oder Schnapsflaschen mit Papiertüten tarnen – Quatsch wozu? Mit Liter grossen Longdrinkgläsern die Strasse entlang flanieren – warum nicht? Sehr leicht bekleidete Mädchen, die auf der Strasse auf dem Tresen tanzen? Klar wenn es Touristen und Umsatz bringt! Und so folgt jede gratis Show, jeder Elvis, jede blinkende Glühlampe an einer Reklame und jedes Lächeln nur einem Ziel – „Let´s make money“.
Was verbindet man mit Las Vegas? Sicher zuerst die Casinos aber an zweiter Stelle dürften die Hochzeiten stehen. Eine lange Liste von Celebrities, wie Elvis Presley und Priscilla Anne Beaulieu, Frank Sinatra and Mia Farrow, Billy Bob Thornton and Angelina Jolie, die betrunkene Britney Spears und ihr Schulfreund Jason Allen Alexander haben es vorgemacht und tausende machen es nach. Kein Tag an dem man nicht wenigstens drei Bräuten über den Weg läuft, keine Stunde an der sich nicht wenigstens ein Paar an dem berühmten Schild „Welcome to fabolous Las Vegas“ fotografieren lässt.
Einige schrecken auch nicht davor zurück, an dieser Stelle, zwischen zwei und dreispurigen Strassen, am Flughafen, im Dunst von Kerosin und LKW Abgasen den heiligen Bund der Ehe einzugehen.

Neigt sich der Tag zur Nacht erobern die Lowrider, den Strip. Mit den unglaublichsten Fahrzeugkreationen in ausserirdisch schönen Lackierungen haben sie auf dem Asphalt ihre ganz eigene Show kreiert. Von rollenden Ghettoblastern bis zu Fahrzeugen mit zwei riesigen Feuerwehrsirenen ist alles dabei. Die meisten Besitzer sind einfache Jobber, die ihre ganze Zeit und das meiste Geld für diese Fahrzeuge opfern. Sie leben für diesen allabendlichen Kick, mit ihrem Fahrzeug beim staunenden Publikum im Mittelpunkt zu stehen – und zugegeben uns hat es auch beeindruckt.
Wem diese Show zu laut ist dem sein die „The Auto Collection“ empfohlen, hier geht es ruhig und klimatisiert zu. Hier stehen einige der seltensten Fahrzeuge der Welt, die man zum Teil auch käuflich erwerben kann. Wem, wie uns, 1,5 Millionen Dollar für einen Bentley S1 Continental Flying Spur Mulliner zu viel sind, für bescheidene 14.500 Dollar bekommt man dort auch einen YUGO GV SPORT von 1987 und oh ha! da gab es ja sogar noch Jugoslawien.
Zu den Highlights zähle ich auch den „kleinen Strip“ in Down Town Las Vegas. Die Frémont Street gibt seit 1905, dem Jahr, in dem auch die Stadt gegründet wurde. Erst als zu Beginn der neunziger Jahre die ersten Megahotels am Strip eröffnet wurden, versank die Fremont Street in die Bedeutungslosigkeit. 1995 wurde der „Fremont Street Experience“ eine Lichtshow mit wechselnden Themen, an der Überdachung der Strasse fertig gestellt. Allabendlich pilgern meist amerikanische Touristen zu dieser Show, die wirklich sehenswert ist. So bald die Show vorbei ist, sitzen sie wieder in den Bussen zum Strip. Das dieses Projekt Downtown Las Vegas zu neuer Blüte verhilft darf bezweifelt werden.
Mit den unterschiedlichsten Gewerben, wie Sauerstoffkuren, Massagen, Schmuck oder einfach als Fotomodel, kämpfen hier Kleinunternehmer ums Überleben.

Tja, diese Stadt ist so fake, so waste, ich kann weder gutes noch schlechtes berichten, nur eben bemerkenswertes. So wie die Männer und Frauen mit den unglaublich schlechten Zähnen, die jedem Mann ob in Begleitung oder nicht, alle zehn Metern mit Visitenkarten und Flyern penetrierten.
Auf den Zetteln steht: “ Girls für 59 Dollar auf dein Zimmer in zwanzig Minuten – call SEX – 555 – 555″.
Ganz schön viel Text über eine Stadt die ich nie besuchen wollte.

Amerika Southwest Grand Canyon Monument Valley Rio Grande Mesa Verde Antelope Canyon Las Vegas landscape photography

Quellen:
Reisetagebuch
Reise Know How, 18. Auflage, Reise Know-How Verlag, 2011
http://www.isaczermak.com

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