LA MULT ANI MOCANITA

Rumänien Karpaten Wassertal Eisenbahn Wald Holz Dampflok

Die ersten Strahlen der Sonne erreichen den Grund des Wassertals.

Transsilvanien, ein Name der die Fantasie beflügelt. Intuitiv denkt man an endlose dunkle Wälder, Wölfe, Bären, an Vampire und an Graf Dracula. Bis auf Dracula ist alles dort zu finden – und viel mehr.

Eingerahmt von den Bergen des Maramureser Gebirges und dem Tiblesu Gebirges liegt das Viseu Tal (Wassertal).

Das Flüsschen Valea Vaser plätschert von Wiesen und immer auch von dunklem Wald gesäumt Richtung Viseu des Sus.
Desto weiter man sich von Viseu in die Berge vordringt, desto weiter entfernt man sich von dem lauten Mahlwerk unserer globalisierten Welt.
Immer tiefer taucht man in eine Leben ein, dessen Rhythmus von Natur und Jahreszeiten bestimmt wird.

Während die Männer oft für eine ganze Woche in den Wald ziehen, oder den schmalen Acker bestellen, weben Frauen mit stolzem Blick selbstgeschorene Wolle oder machen Butter aus der Milch die sie morgens gemolken haben.
Unberührt von den Errungenschaften der “Europäischer Union” bestreiten die Menschen hier unter wiedrigsten Bedingungen ihr Leben.
Hinter Valea Scradei endent das, was noch als Straße gelten kann. Ab hier beansprucht die Valea Vaser das Tal für sich.
Doch drei Meter hat man dem Fluss abgerungen. Das ist der Platz den die letzte noch verkehrende Waldbahn Rumäniens beansprucht, die hier seit 1932 für den Abtransport des geschlagenen Holzes aus den umliegenden Wäldern ihren Dienst tut. Holzwirtschaft war schon immer die Haupteinnahmequelle für die Menschen im Tal.
Sie schuften von Montag bis Sonnabend und seit einiger Zeit auch im Akkord. Zu Wohlstand haben sie es nie gebracht.

Der Zug in die Wälder schlingert klappernd über das Gleisbett, welches durch Regenfälle und harte Winter schwer mitgenommen ist. Vorsichtig und mit selten mehr als 10 Km/h fährt der Lokomotivführer seinen Zug durch das Tal. Doch fast täglich gibt es Entgleisungen und Schäden.
Talwärts ist es noch schwieriger, denn der tonnenschwere Zug wird nur von der Lokomotive gebremst.
Es helfen nur Bremser die auf den stählernen Schemelwagen mit viel Geschick, während der Fahrt von Wagen zu Wagen rennend,mit den Handbrensen die Geschwindigkeit reduzieren müssen.
Es gab bisher nur wenige Tote beim Holztransport aber alle sind froh, wenn der Holzzug ohne Unglück im Sägewerk eingtroffen ist.
Hier werden die Stämme geschnitten und für den Transport auf LKWs verladen.
Mit dem Schiff gelangt das Holz dann bis nach Saudi Arabien und China.

Das diese Bahn in dieser Form heute noch existiert ist kein Zufall.
Es ist die engagierte Arbeit von Michael Schneeberger, der in Zusammenarbeit mit der RG Holz Company, Lokomotiven und Wagen rumänischer Waldbahnen sowie die Anlagen der Waldbahn Viseu de Sus für die Nachwelt erhalten konnte.

Es ist ihm ebenfalls gelungen diese Bahn in Verbindung mit der einzigartigen Landschaft über die Grenzen Europas bekannt zu machen.
Bis zu zwei Touristenzüge täglich sind in der Saison fester Bestandteil des Betriebsgeschehens aber auch existenziell für das Erhalten der Dampflokomotiven und die Erweiterung und Restaurierung des Wagenparks der für Touristenzüge genutzt wird.
Der Tourismus ist auch ein wichtiger Faktor für die Stadt Viseu de Sus.
Im unmittelbaren Umfeld des Waldbahndepots finden sich viele einfache aber saubere Pensionen, die Unterkünfte ab 15 € anbieten.
Selbstverständlich reicht man hier nur Speisen der lokalen rumänischen Küche.
Das Frühstück beshränkt sich auf Wurst, Käse, Eier Weißbrot und Kaffe bzw. Tee.
Ähnlich wie das Mittagessen besteht das Abendesssen  meist aus Suppen und einem Gang Fleisch oder einer süßen Nachspeise.
Allerorten wird der selbstgebrannte Pflaumenbranntwein Tuica gereicht (Vorsicht, kann auch mehr als 50 Vol% haben).

An sechs Tagen im Juni gelang es alle vier betriebsfähigen Dampflokomotiven vor autentischen Zügen auf die Strecke zu bringen.
Doch auf das Ablichten von Dampfzügen war diese Reise nicht beschränkt.
Zentrales Anliegen war es de Weg des Holzes, von Schlagen im Wald bis zum Sägewerk zu verfolgen und die Arbeitsbedingungen und Abläufe darzustellen, wie es sie seit in wenigen Jahren nicht mehr geben wird.

Rumänien Karpaten Wassertal Eisenbahn Wald Holz Dampflok Trachten

Wälder, Dampf und Trachten.

Tag 1: Drei Flüge und eine Busfahrt über einen Straße die man in Westeuropa wohl als katastrophal bezeichen würde, brachten uns nach Viseu de Sus.

Tag 2: Unsere erste Fahrt am am Tag nach der Ankunft fürhte uns mit dem dampfbespannten Produktionszug bis in ein 40 Kilomter entferntes Holzfällerlager bei Comanu.
In der dortigen Pension wird der einzige Wassserhahn wird aus einer Quelle gespeist, elektrisches Licht und Handyempfang sind hier unbekannt.
Doch in der Unterkunft welche frisch renoviert war, ist die Holzfällerromantik, Laminatfussboden, Vierbettzimmern, frischer Bettwäsche und Toilette mit Dusche gewichen. Auch wenn die Toilette noch nicht in Betrieb war und mir als Schlafraum diente und es Nachts kein Licht gab, so bedauerte zumindest ich diesen hohen Standard.
Ein uriges Holzfäller Camp mit Gemeinschaftsschlafraum wäre mir lieber gewesen und ich weiß, ich bin eine Außnahme mit dieser Meinung.
Nach dem zünftigen Abendessen im Freien mit Fleischsuppe, Mamaliga (Maisbrei) und jede Menge Bier, Wein und Tuica
kann wer sich traut noch auf einem ungesattelten Pferd reiten, währen sich unsere Dampflok, die vor der Pensin parkt, selbst in den Schlaf säuselt. Ein Lagerfeuer beentete einen gelungenen Tag.

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Sind die Stämme verladen, zieht die Dampflok je zwei Drehschemelwagen vor.

Tag 3: Nach dem Frühstück fuhren wir bei 4 ° C und schönster Dampfentwicklung bis zum Endpunkt der Strecke nach Comanu.
Wieder zurück bei unserer Pension waren die Holzfäller mit den Pferden schon bereit, aus dem Einschlaggebiet Bäume zu fällen und diese mit zwei Pferden vom steilen Waldhang zu ziehen. An den Gleisen wurde auf vielseitigen Wunsch eine hölzerne Veladerampe, wie sie vor etwa 30 Jahren Verwendung fand,  wieder errichtet.
Hier konnte man beobachten wie die 10 Meter langen Stämme per Muskelkraft auf die Drehschemelwagen verladen wurden.
Trotzdem der Wald seit der letzten Jahrhundertwende bewirtschaftet wird, wirkt er auf den Laien immer noch wie unberührter Urwald, da man den aufgeforsteten Flächen hier noch 80 Jahre Zeit gibt um sich zu entwickeln.
Mit einem Holzzug bestehend aus dem Personenwagen, einem Flachwagen für Holzscheite, die zum Heizen der Lokomotive benötigt wurden und vier Langholzwagen, fuhren wir nun wieder nach Viseu de Sus zurück. In Botizu kreuzte uns der stark Produktionszug. Dieser führte heute Flachwagen mit, auf welchen trächtige Schafe und Rinder auf die Weiden in den Hochlagen transportiert werden. Alle anderen Tiere legen den Weg entlang der Bahntrasse selbst zurück. Erst in der ersten Juniwoche werden die Herden auf die Hochlandweiden getrieben, da diese nur in den Monaten Juni bis August als frostsicher gelten.

Am Abend saßen wir auf der Terasse der Pension “Barsan” mit Blick auf Bahn und Depot und genossen den Blick und das Bier.

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Vorbei an den letzten Höfen und Feldern der Ortschaft Viseu fährt der nächste Zug in den Wald.

Tag 4: Am 03.06.2008 Tag klingelten die Wecker um 4:45 Uhr und um 06:00 Uhr fuhren wir mit der Lok nach Valeia Scradei um dort Heu zu laden.
Fotografierend fuhren wir mit  dem Heuwagenzug talaufwärts bis Faina.
In Faina beabsichtigen wir eine ausgibiege Mittagspause am Grill zu verbringen. Diese gerät jedoch wegen der eintreffenden tschechischen Touristengruppe binnen kurzer Zeit zum dezibelen Fiasko.
Der Touristenzug für den nicht “Ferro-sexuellen”, wie unser Veranstalter Michael Schneeberger unsere Gruppe wohl nicht ganz unzutreffend nennt, läd täglich von Montag bis Sonnabend in Faina die normalen Touristen ab.
Für die bis zu 160 Personen starken Gruppen ist es kein Problem mit der unerträglichen Ruhe im Wald fertig zu werden und binnen Minuten gleicht die Geräschkulisse der ihrer Heimatstädte während eines Karnevals.
Nach der Rückkehr nach Viseu de Sus haben wir die Genehmigung die Entladeanlage der RG Holz zu besichtigen und zu fotografieren.
Diese im heutigen Betriebsgeschehen nicht mehr genutzte Anlage, entläd die Stämme auf den Schemelwagen mit mehreren Seilen die von einer elektrischen Winde gezogen werden. Die in die Höhe gezogenen Stämme rollen dann auf eine Rampe und gelangen dann über einen im Boden veraufenden Kettezug in das Sägewerk.
Der Verein “Wassetalbahn” strebt die Erhaltung mindestens einer dieser Anlagen an.

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Entladung der Drehschemel in Viseu des Sus.

Ein rumänisches Sprichwort sagt: In Transsilvanien messen die Uhren nicht die Zeit, sondern die Ewigkeit.

Diesem Sprichwort folgend, starteten wir am 04.06.2008 erst um 8:00 Uhr mit einem kurzen Zug, geführt von der Krauss Lok 763 193 in das Wassertal.
Dies störte jedoch wohl niemanden, da die vergangenen Tage fast alle Highlights boten und es heute aus den gestern schon drohend über dem aufgetürmten Wolken zeitweise kräftig regnete. Da die 763 193 ziemlich schwach auf der Brust, respektive auf dem Kessel ist, konnte ihr nur ein kurzer Zug zugemutet werden.
Eigentlich wollten wir mit dem Triebwagen unseren zug “verfolgen”, aber der (einzige) Triebwagenführer war nicht abkömmlich, denn heute ist ein kirchlicher Feiertag.
Den unpassenden schweren Personenwagen hinter die Krausslok zu hängen wäre ein strafbarer Stilbruch gewesen.
Wir charterten deshalb die quietschgelbe Diesellok “Christina” aus der schon bei der Abfahrt munter das Kühlwasser aus einem der Schläuche sprudelte.
Unterwegs begegneten wir wieder einer Schaf- und Ziegenherde auf dem Weg zu den Weidegründen in den Bergen.
Weit kamen wir auf unserer Fahrt durch den Regen nicht. Die Gleise auf den seit Monaten nicht genutzten Zweigstrecke nach Poiana Novat sind durch private Forsttraktoren zerstört worden, so dass wir schon einen halben Kilometer hinter dem Delta wieder umkehren mussten.
Als dann noch die Diesellok “Cristina” mit einem Schaden am Kühlsystem ausfiel, fuhren wir zurück nach Novat zur Fischfarm.
Wir parken unseren Zug auf dem Streckengleis vor dem Eingang – ein rumänischer Bahn Drive In sozusagen.
Dort wird ein Mittagessen improvisiert. Die Forellen, die man extra für uns fängt, werden sogleich auf der Wiese ausgenommen und landen auf dem offenen Grill.
Mit Brot und Knoblacuch ist man nicht geizig, Bier und Pflaumenschnaps fließen in Strömen und wie das Wetter bessert sich die Stimmung.
Erst als wir den zurückkehrenden Touristenzug auf der eingleisigen Strecke am Weiterfahren hindern, beginnen wir unsere Rückfahrt nach Viseu de Sus.
Am Abend findet im Depot die “feierliche” Übergabe eine 1.000 € Spende für den “Verein Wassertalbahn” statt.

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Fische aus dem nur wenige Meter entfernten Fluss, werden im Garten der Waldarbeiterhütte zubereitet.

Den Reiseabschluss bildet eine Ausfahrt mit der 764 211 vorbei am Delta Novat nach Cozia.
Ein letzter obligatorisch gewordener Betriebshalt am Kiosk von Novat um Kaffee mit Weinbrand (Halb & Halb + viiieeel Zucker) und andere Lebensmittel zu bunkern und weiter geht es mit Unterbrechungen die als Fotohalt bekannt sind.
Das Interessanteste an diesem Tag jedoch war die Besichtigung des Sägewerkes in Novat. Hier wird mit altertümlichen Geräten und viel Handarbeit das aus dem Wald beförderte Holz zu Brettern und Balken verarbeitet. Wie unterschiedlich die Arbeitsbedingungen in der EU sind, wird hier eindrucksvoll deutlich.
Bis auf Bandsägen ist hier noch fast alles Handarbeit und auch der Transport des verarbeiteten Holzes wird oft mit Pferdewagen bewältigt.
Auf der Rückfahrt  genossen wir noch einmal von Flachwagen oder im Einstieg des Personenwagens die Waldluft welche nach Freiheit und Abneteuer riecht.
Am Abend finden wir uns in der Bar am Bahnhof ein und lassen die Erlebnisse der vegangenen Woche bei Bier, Cognac, Wiskey Revue passieren.
Trotz eines Schlechtwettertages und den Wiedrigkeiten des Betriebsablaufs blicken wir auf eine Tour zurück, welche schon vor der Rückreise von einigen Reiseteilnehmern sofort noch einmal gebucht werden würde, wenn es nur einen Termin gäbe.

Rumänien Karpaten Wassertal Eisenbahn Wald Holz Dampflok Viseu de Sus Sägewerk

Portrait im Sägewerk.

Lokomotiven:

L45H-0032 Einsatz
L45H-0033 Einsatz/Reparatur
L45H-0053 Schrott
LH 18H 001 “Cristina” (häßlicher gelber Stangendiesel)
LH 18H 003 “Ecaterina” Reparatur (häßlicher gelber Stangendiesel)
763 193(O&K Einsatz)
764.211 “Mariuta”
764.408 (R) “Cozia-1”
764.421 “Elvetia”
764.469 in Aufarbeitung (seit über einem Jahr ohne sichtbaren Fortschritt)
764.436 Schrott
764.452 Schrott
764.4XX Schrott
764.484 Schrott

Die RG Holz Company hat in der erste Juniwoche 2008 in Bukarest zwei weitere betriebsfähige Diesellokomotiven der Klasse L45H ersteigert.
Der Dampfbetrieb vor Regelzügen wird also wie in den letzten Monaten die absolute Ausnahme bleiben. Die Diesellokomotiven sind zu schwer für den Oberbau und malträtieren die Strecke erheblich, was bei der RG Holz aber niemanden kümmert. Höchster Profit bei geringsten Investitionen –  die Konsequenz ist, dass zweiachsige Fahrzeuge nicht mehr eingesetzt werden (können), da diese zu  häufig entgleisen.
Somit stehen perfekt aufgearbeitete Wagen für den Touristenverkehr und der Tenderpackwagen, welcher bis Mitte der 90 iger Jahre häufig genutzt wurde, ungenutzt herum.
Nur einige Tankwagen für den Diesel den die Forstfahrzeuge (welche die Strecke kaputt fahren) benötigen werden noch genutzt.

Rumänien Karpaten Wassertal Eisenbahn Wald Holz Dampflok Viseu de Sus Sägewerk

Waldarbeiter

Quelle: Wassertalbahn, Michael Schneeberger, Betreiber (bis 2010)
eigene Recherchen vor Ort

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