Brasilien – Eine ganz normale Rundreise

14. September 2006 – 29.September 2006

Wohin man das Auge richtet – überall nur sattes tiefes Grün. Alle Töne von Grün. Kein Horizont. Keine Orientierung. Nur vereinzelte Strahlen die vereinzelt in dem Blätterdach aus dichten Baumkronen Lücken finden. Nur wenige Strahlen schaffen es zum Boden und lassen dort Keime wachsen. Alles wächst auf einer Meter dicken Schicht aus toten Bäumen und verfaulten Blättern, die seit Jahrhunderten den Nährboden für die Baumriesen bildet. Vielleicht wird der kleine Keimling in hundert Jahren auch eine hölzerne Säulen sein, welche Teil des grünen Kuppelgewölbes aus Milliarden Blättern sein unter der der Himmel zu einer Erinnerung wird.
Die Luft steht und ist vollkommen von Feuchtigkeit gesättigt. Man glaubt Wassertropfen mit der Hand fangen zu können.

Ein Goldhase kreuzt den Weg eines Wildschweins, dass in den Blättern nach Früchten und Käfern sucht. Zwei blaue Morphos tanzen durch die Luft, während ein Kolibri schwirrend Nektar sammelt. Ungerührt döst eine Anakonda auf einem der Äste. So gut getarnt, dass kein menschliches Auge sie im Gewirr aus Lianen, Bromelien und Orchideen entdecken kann. Ob Affe, Schlange, Jaguar oder Spinne jede Etage des Waldes ist bewohnt, aber in der Schwüle des Tages lässt sich nur selten einer der Bewohner blicken. Erst im Licht der Dämmerung füllen fremde Laute die Konzerthalle mit den hölzernen Säulen und der Kuppel aus Blättern.

So stellten wir uns den brasilianischen Regenwald vor und ich bin überzeugt das es ihn noch so gibt. Wie schwer es ist diesen intakten Wald noch zu finden wussten wir nicht!
Mit der Gewinnung von Holz begann Abholzung. Später wurde Kautschuk gewonnen. Heute ist es Viehzucht, Sojaanbau sowie Palmöl die ursächlich für die fortschreitende Zerstörung des Regenwaldes sind. Ein Fünftel des ursprünglich vorhandenen Regenwaldes ist bereits für immer verloren. Pro Minute geht die Fläche von 240.000 Quadratmetern verloren. Das summiert sich auf die doppelte Fläche Deutschlands pro Jahr. Täglich sterben durchschnittlich 100 Pflanzen und Tierarten aus, werden 10 Millionen Tonnen Öl verbraucht und werden 70 Millionen Tonnen CO² in die Atmosphäre geblasen Heute muss man sich sehr weit von menschlichen Ansiedlungen entfernen um irgendwo noch ursprünglichen Regenwald zu finden.
Die Zerstörung des Regenwaldes findet nicht nur in Brasilien statt, wo von den Küstenregenwäldern bis heute nur noch zwei Prozent erhalten geblieben sind. In Ecuador ist der Bestand auf 20 Prozent des ursprünglichen Waldbestandes geschrumpft und Malaysia sowie Indonesien sind auf dem besten Wege ihre Landmasse total zu entwalden. Auf Borneo gelingt zwar das Aufpäppeln von Orang Utans, allerdings gibt es kaum noch Wälder in denen sie später ausgewildert werden könnten.

Marina Silva, die Umweltministerin Brasiliens bemühte sich um eine Wende im Umgang mit der Natur in der Amazonasregion.
Ihre Bemühungen waren nicht zuletzt durch ihre Herkunft aus einem Dorf in der Amazonasregion motiviert. Doch zunehmender Wiederstand in den Entscheidungsebenen der Regierung zwangen sie zum Rücktritt im August 2008.
Nach eigener Aussage war sie nicht mehr bereit, für Präsident Lula das „ökologische Feigenblatt“ zu spielen. In ihrer nur fünf jährigen Amtszeit legte sie sich mit Großgrundbesitzern und dem Landwirtschaftsministerium an. Ganz sicher hat sie bei denen, die mit illegalen Rodungen gigantische Gewinne machen keine Freunde gefunden. Die Vermutung liegt nahe, dass ihre Lebenserwartung nach dem Rücktritt wieder gestiegen ist.
Während 70 Prozent der gesamten brasilianischen Treibhausemmissionen allein aus der Urwaldzerstörung stammen, spricht Präsident Lula über den „umweltverträglichen“ Anbau von Energiepflanzen und genveränderten Soja. Wie überall auf der Welt zählt auch in Brasilien nur Wachstum und Fortschritt ohne ein Morgen.

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14.09.2006: Gespannt starren wir durch das Kabinenfenster, soviel zu sehen, erste Eindrücke. Sanft schaukelt das Flugzeug. Ein niedriger Stacheldrahtzaun flieg unter uns vorüber, der den Flughafen von den Vororten trennt und schon kommt das rissige Betonband der Runway auf uns zu. Nach fast 20 stündigem Flug setzt der Jet auf dem Flughafen von Salvador de Bahia auf. Es ist 10:00 Uhr als wir die wohlig wärmende Luft durch die Ritzen der Gangway spüren.
Ein stahlblauer Himmel an dem die Morgensonne kein Wölkchen übrig gelassen hat.
Unsere Reiseleiterin Ana Cristina bringt uns zum Hotel Barra Sol, einem seelenlosen Betonklotz direkt am Meer. Es ist ihre erste Tour mit einer Reisegruppe. Offensichtlich erwartet sie, dass wir müde vom Flug sind und unsere Ruhe haben wollen. Sie ist etwas irritiert, als wir mit ihr die Strandpromenade erkunden wollen. Da einige schon wieder Hunger haben, entscheiden wir uns nach nervender unentschlossener Suche für ein einfaches Straßenrestaurant, was ihr offensichtlich unangenehm ist. Sie hätte uns wohl lieber in ein klimatisiertes Restaurant mit weißen Tischdecken und verspiegelten Scheiben geführt. Wir waren überrascht, als wir die Speisekarten in deutsch bekamen.
Nach dem Essen war noch etwas Zeit und genügend Energie vorhanden um sich in der Hitze des Tages in der Stadt die Füße wund zu laufen. Die drittgrößte Stadt Brasiliens ist die „schwärzeste“ Stadt Brasiliens und somit ein Zentrum der afro-brasilianischen Kultur. Meeresluft und Klima setzen den Gebäuden zu, die so nicht mit morbiden Charme geizen müssen. Straßenhändler, etwas Müll und eine Ratte runden das Klischee einer südamerikanischen Stadt ab. Was man daheim als störend empfinden würde, wirkt hier interessant und exotisch. Ich schwimme eine Runde im Atlantik. Den Sonnenuntergang genießen wir am Stand bei Guitarrenmusik und lassen uns dabei den Duft von Haschisch um die Nase wehen.

In Brasilien wird spät zu Abend gegessen – sehr spät. So werden wir nach Einbruch der Dunkelheit in ein Restaurant entführt, welches früher mal eine Zuckermühle war. Im Hof liegen noch Gleise und Weichen auf denen die Zuckerloren fuhren. Da das Pressen des süßen Saftes nicht mehr so lukrativ war, hat man sich auf das Auspressen von Touristen verlegt. Riesige Speisesäle, Menschen über Menschen, ganze Busladungen. Essen im Überfluss an Tischen die so eng belegt waren, dass man darauf achten musste nicht aus Versehen vom Teller seines Nachbarn zu essen. Während dessen wurde auch noch eine Tanzshow vorgeführt, die wohl die meisten begeisterte.

Ich nahm meinen Wein, setzte mich draußen auf ein altes Schienenfahrzeug, rauchte eine Zigarette und wartete bis der Spuk ein Ende hatte.

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Abend am Strand von Salvador de Bahia.

15.09.2006: Nach dem Frühstück unternahmen wir mit unserem local guide Connie eine Rundgang durch die Oberstadt.
Connie ist eine Deutsche die seit 20 Jahren in Brasilien lebt und sich hauptsächlich in sozialen Projekten engagiert.
Ihre Informationen über die Lebensverhältnisse in Brasilien waren sicher viel interessanter als die üblichen, im Reiseführer aufgeführten Sehenswürdigkeiten abzulaufen.
Man kann beispielsweise davon ausgehen, dass 50 Prozent der arbeitsfähigen brasilianischen Bevölkerung sich selbst eine Arbeit suchen muss.
Dies bedeutet aber, dass sie sich nicht auf eine Stelle bewerben sondern, dass sie sich ihren Arbeitsplatz als Straßenhändler, Schuhputzer Parkplatzwächter oder Müllsammler selbst schaffen müssen. eine Arbeitslosenquote von 11,5 Die offizielle Arbeitslosenquote im Jahr 2006 beträgt nur 12 Prozent. Wer das als unglaubwürdig empfindet, wird auch sicher sein das nicht jeder Brasilianer ein Durchschnittseinkommen von umgerechnet 375 € erreicht.
Auch wenn in der Altstadt viele Werbeschilder der Souvenirshops und Galerien das Straßenbild verschandeln ist der Stadtteil „Pelourinho“ (UNSECO Weltkulturerbe) ein sehenswerter Ort, dessen Seitenstrassen Einblicke in das einfache Leben zulassen.
Sehr lecker und preiswert ist das Essen im SB Restaurant des „Mercado Modelo“ am Hafen. Hier wählt man wonach es einem gelüstet und stellte den Teller an der Kasse auf eine Waage. Gezahlt wird nach Gewicht.

Interessantester Teil des Tages war der Besuch des Projektes ABEAC, welches Straßenkindern und Kindern aus ärmsten Verhältnissen eine Schulbildung ermöglicht. Dieses Projekt wird von der Stadtverwaltung durch Lieferungen von Obst und Gemüse unterstützt und finanziert sich ausschließlich aus Spenden von Firmen und aus dem Tourismus.
Auch ein Teil des Reisepreises floss in dieses Projekt und einige von uns brachten Stifte und Hefte mit. Zur Zeit sind hier 122 Schüler untergebracht. Die meisten sind Jungen, da diese früher mit Drogen und Alkohol in Berührung kommen. Sie kommen meist auch Crack Familien in denen die Eltern arbeits- und mittelos sind. Die Schüler freuten sich sichtlich über unseren Besuch, spielten Fußball für uns und zeigten eine Capoeira und eine Maculeshow.

Auf dem Rückweg zum Hotel hielten wir an der Kirche „Igreuja do Senhor do Bonfim“.
Jeden zweiten Donnerstag im Januar laufen die „bajanas“ neun Kilometer durch die Stadt zur dieser ältesten und traditionsreichsten Kirche. Als Tribut an den heiligen Senhor do Bonfim reinigen sie die dort Stufen.

Am Abend schlagen wir wieder sinnlos zweieinhalb Stunden tot, bis wir zum Abendessen abgeholt werden.

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Schüler und Lehrer des ABEAC Projektes in Salvador de Bahia.

16.09.2006: Der Vormittag ist zur freien Verfügung und so laufen wir fünf Kilometer durch die Stadt und essen an einem Straßenimbiss, wo man uns um 15 Reales betrügen will.
Wir verlassen die Stadt Salvador und fliegen nach Manaus. Die größte Stadt die je in einem Dschungel erreichtet wurde.
Ehemals Zentrum des Kautschukbooms der die Stadt bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zur reichsten Stadt Brasiliens machte. Paris der Tropen nannte man um 1890 Manaus.
Die einzige Stadt Brasiliens die damals über elektrisches Licht und ein Abwassersystem verfügte. 1896 wurde das Teatro Amazonas eröffnet, dessen Baumaterial größtenteils aus Europa eingeschifft wurde.
Auch Reste einer elektrischen Straßenbahn finden sich am Praça São Sebastião, beim Teatro Amazonas.
Heute ist Manaus wie alle Metropolen in Beton gegossen und nur wenige Baumruinen erinnern an die hölzernen Riesen die hier einst standen. Manaus – Ausgangspunkt für Forscher und Abenteurer. Ausgangspunkt der Zerstörung des Regenwaldes.

17.09.2006: Am Morgen klingelt der Wecker um 6:30 Uhr und nach einem mäßigen Frühstück starten wir in unser Regenwaldabenteuer. Ein kleines Boot bringt uns zum Zusammenfluss von Rio Solimoes und Rio Negro.
Der Rio Solimones führt hellbraune Sedimente aus den Anden mit sich, der Rio Negro dunkelbraune Sedimente aus dem Flussbett. Kilometerlang fließen die Flüsse zweifarbig nebeneinander bis sie sich vermischt haben.
An diesem Punkt, dem „Enconto“ beginnt der Rio Amazonas.
Bis nach Manaus ist der Floss für Überseeschiffe befahrbar.
Mit einem Minibus fahren wir zwei Stunden nach Rio Preto da Eva und besteigen einen Kahn mit Außenbordmotor.
Ich springe gewohnt sportlich in das Boot. Der Matsch an meinen Schuhsohlen und das Aluminium des Bootes sorgen für einen einzigartigen Rutschfaktor und ich knalle mit dem Schienbein am die Bordwand. Nicht weiter schlimm – denke ich.
Nach 40 Minuten erreichen wir die Maloca Dschungel Lodge. Am Nachmittag machten wir noch eine zweistündige Wanderung durch den Wald. Nach dem Abendessen fuhren wir mit den Booten noch eine Runde über den Fluss, die Guides fingen Kaimane und wir durften sie streicheln.

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Marktszene am Rande von Manaus.

18.09.2006: Der zweite Urwaldspaziergang bringt wenig mehr als der erste. Wir stolpern durch das Unterholz eines nur ca. 40 Jahre alten Sekundärwaldes. Wir sehen Rodungen, Felder und kleine Hütten. Nur sehr selten durchstreifen wir Reste des Regenwaldes in dem noch einige wenige Baumriesen stehen.
Da in diesem Gebiet der Mensch schon sehr präsent ist, befindet sich die Tierwelt in der Defensive. Für unseren Führer sind diese Touren sicher auch eher Routine, denn er scheint wenig aufmerksam. So entdecke ich und nicht er eine riesige Spinne am Baum und kleine Frösche, die auf Blättern sitzen. Auf die Wanderung am Nachmittag kann ich gut verzichten und fahre mit einem indischen Professor, der wie die Wiedergeburt Mahatma Ghandis aussieht und einem Guide ein paar Kilometer flussabwärts, um im Regenwals zu übernachten. Nachdem wir einen Platz gefunden haben, spannen wir die Regenplane auf und als hätte der Guide es gewusst, beginnt es zu regnen.
Eine Stunde sitzen wir unter der Plane und schauen in den Wald. In mir macht sich eine Erkältung mit Fieber bemerkbar, die dieses Erlebnis etwas trüben wird. Nach dem es aufgehört hat zu regnen, lernen wir wie man Hängematten aufhängt, einen Weg in die Dschungeltoilette markiert und wie schwer es ist, im nassen Wald ein Feuer zu entfachen. Selbst wenn man ein Feuerzeug dabei hat. Die Dunkelheit legt sich über den Wald und wir uns in die Hängematten. Es dauert Stunden bis ich gelernt habe wie man in einer Hängematte gut liegen kann. Doch die fiebrige Erkältung lässt mich wenig schlafen. In der Schwärze der Nacht hört man unablässig die schweren Blätter auf den Waldboden fallen. Ab und zu knackt es irgendwo, was eher aufregend interessant als angsteinflößend ist. Eine eigenartige Faszination hat auch der Weg zur Toilette, schaltet man die Kopflampe aus wird man völlig von der Dunkelheit aufgesogen. Gäbe es die Leine nicht, die wir vom Lager in den Wald gespannt haben, würden die Chancen die Hängematte wiederzufinden schlagartig gegen Null sinken.
Unser Führer hatte uns erzählt er habe sich als Kind im Urwald verirrt, wurde nach einer Woche von Indianern gefunden und aufgenommen. Erst als diese nach drei Jahren auf ihrer Wanderung in die Nähe einer Ansiedlung kamen konnte er zurück in die Zivilisation. Das vermeide ich dann heute Nacht doch lieber und finde in meiner Hängematte noch einige wenige Stunden Schlaf. Leider wird meine Hoffnung, irgend ein wildes Tier würde sich in unser Lager verirren, nicht erfüllt.

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Geißelspinne

19.09.2008: Um 6:30 Uhr stehen wir auf, nun müssen wir unsere Spuren im Camp beseitigen und alles im Boot verstauen. Meine Erkältung ist nicht wirklich besser geworden, doch in diesem Abenteuerfeeling gehe ich völlig auf und alles andere wird verdrängt.
Zurück in der Lodge müssen wir nach dem Frühstück auch hier packen und die Rucksäcke in den Booten verstauen. Wenig später jagen wir über das Wasser in Richtung Manaus. Je dichter man den Vororten kommt je mehr Müll schwimmt im Fluß. Die Ansiedlungen werden dichter und an einem Marktplatz halten wir um das Verkehrsmittel zu wechseln.
Eine Besichtigung der Stadt Manaus steht auf dem Programm jedoch ist der Markt und die Vorstadt hier an der Schnittstelle zwischen Großstadt und Regenwald für mich viel interessanter. Mit dieser Meinung bin ich fast allein und so vertrödeln wir einen Großteil unserer Zeit am Praça São Sebastião, dem Platz vor der Oper.
Der Amazonas hat Manaus sicher mehr geprägt als die Oper. Der Hafen, mit seinen unverwechselbaren Doppelstockschiffen ist für mich eine der Highlights. Dafür war gerade mal 20 Minuten Zeit. Doch ich gehe nicht zum vereinbarten Zeitpunkt zurück und strecke den Aufenthalt am Hafen auf eine Stunde. Dabei muss ich mich dann schon sehr abhetzen, soviel Interessantes gibt es im Umfeld zu sehen.
Da ist das Be- und Entladen der Schiffe von denen einige sogar aus Ecuador kommen. Reste historischer Gebäude und Fotomotive an jeder Ecke wenn man ein Auge dafür hat. Sehr sehenswert ist auch das Marktreiben in der “ Mercado Municipal Adolpho Lisboa“: Lebensmittel aller Art, frischer Amazonasfisch, exotische Früchte, T-Shirts und andere Handarbeiten werden hier gehandelt. Vorbild für diesen Stahlbau waren die Pariser „Les Halles“. Gebaut wurde die Markthalle nach Plänen von Gustav Eiffel und gefertigt wurden die Elemente von der Firma „Francis Morton“ aus Liverpool. Die Eröffnung fand am 15.07.1883 statt. Leider sind einige Teile der Markthalle heute von Wellblechanbauten verdeckt.
Vor der Markthalle ist ein Restaurant in dem man zum Beispiel den frischen Fisch verzehren kann. Das ganze Ambiente wirkt improvisiert und etwas heruntergekommen, ist aber absolut authentisch, da die meisten Touristen dieses Chaos meiden.

Nun eilen wir im Bus zum Flughafen von Manaus und erreichen nach einem Flugmarathon am Abend genervt die Stadt Foz de Iguazu.

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Typische Amazonas Schiffe in Manaus.

20.09.2006 – 21.09.2006 Bevor wir heute die Iguazu Wasserfälle sehen dürfen, werden wir mit zwanzig anderen Reisebussen zum Wasserkraftwerk Itaipu gefahren. Bis zur Fertigstellung des chinesischen „Drei Schluchten Staudammes“ war der Itaipu Damm der größte weltweit und auch nach der Fertigstellung des umstrittenen chinesischen Projekts bleibt das Itaipu Wasserkraftwerk auf Grund der Auslastung seiner Turbinen die Nummer Eins.
Vor der „spannenden“ Rundfahrt über das Gelände müssen alle einen Propagandafilm über dieses „großartige und umweltverträgliche“ Projekt sehen.
Die chinesischen und japanischen Reisegruppen sind völlig aus dem Häuschen und ich der einzige, der an diesem Spektakel (wieder einmal) nicht teilnimmt.
Während alle anderen der Propaganda Show beiwohnen, sitze ich lieber auf dem Parkplatz und mache Bilder von Mexico-Käfern.
Auf dem Weg durch den Nationalpark zu den Wasserfällen, sehen wir die großen Zerstörungen die das Hochwasser vor einem Jahr angerichtet hat. Vor wenigen Tagen jedoch hatte der Iguazu Fluß wieder einen historischen Tiefststand, da es seit Monaten nicht geregnet hatte.
Nun hat der Fluss annähernd 50 Prozent seines normalen Wasserstandes erreicht, was ein Glück ist, sonst würde man von den 272 Wasserfällen nur wenig sehen. Um wirklich das ganze Gelände zu erkunden sollte man sich einen Tag Zeit nehmen.
Am dem beeindruckensten Wasserfall, dem „Garganta del Diabolo“ sollen wir nur 15 Minuten verweilen. Unsere Reiseleiterin drängt zur Eile, der Zug würde gleich abfahren. Mit dem von Engländern erbauten und 2001 eröffneten „Rainforest Ecological Train“ fahren wir zu einer, nach ranzigen Fett stinkenden Pommesbude, die als Parkrestaurant bezeichnet wird. Hier haben wir genug Zeit um sinnlos zweieinhalb Stunden herumzulungern. Wer so meine Zeit vertut verdient zumindest temporär meinen Hass.
Am Abend kehren wir in ein Restaurant ein, indem das brasilianische Rodizio serviert wird. Dabei kommen die Kellner mit den verschiedensten Fleischsorten am Spieß und schneiden solange Scheiben davon auf den Teller, bis man stop sagt. Das Buffet sorgt für die entsprechenden Beilagen. Ein brasilianisches „all you can eat“ das so üppig ist, dass noch eine Menge Cachasa raufgekippt werden muss.
Ulrich unser lokaler Reiseleiter, ein querdenkender Deutscher, den es nicht mehr heimwärts zieht, erzählt dabei Interessantes über Brasilien, was eigenartiger Weise nicht im Reiseführer stand.
Da wäre zum Beispiel, dass Indianer keine Brasilianer sind, sie haben ein „Extradokument“. Dieses Dokument dient nur der Registrierung. Rechte oder Zugang zu Arbeit und Bildung können sie daraus nicht ableiten. Die Indios die in Brasilien im Souveniergeschäft oder im Tourismus arbeiten sind Indios aus Paraguay oder Argentinien, die brasilianischen Indios werden verjagt.
Auch über Nationalparks und Schutzgebiete gibt es Wahrheiten die wohl nur auf diesem Weg eine Öffentlichkeit finden können. Seit 2002 werden die Unterschiede zwischen Regen- und Trockenzeit immer extremer.
Die Wälder die ein natürlicher Feuchtigkeits- und Regenspeicher waren, sind weitestgehend abgeholzt.
Natürlich gibt es Nationalparks und Schutzgebiete für den Wald, sowie für Indianer.
Doch die Minister und die Verwalter, welche für den Schutz dieser Gebiete eingesetzt sind, stecken sich große Teile der Gelder in die eigene Tasche, verjagen die Indianer und „verkaufen“ auf eigene Rechnung den Wald zur illegalen Rodung.
Ein lukratives Doppelgeschäft mit Eigentum das ihnen noch nicht einmal gehört.

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Iguazu Wasserfälle

 

22.09.2006: Es ist erst 4:00 Uhr als der Wecker klingelt. Es war wohl etwas spät gestern und sicher auch zu alkoholisch.
Ich habe keine Augen und keine Orientierung. Irgendwie Rucksack auf, nichts vergessen. Mit dem Minibus zum Flughafen.
Der Rest der Gruppe wirkt auch nicht gerade frisch. Nach dem ich und mein Fotorucksack mit Röntgenstrahlen kontaminiert wurde, muss ich alle Filme trotzdem noch auspacken.
Das genau sind die Tage an denen man sich schwört, solche Touren unter dem Motto „ein Land in 17 Tagen“ nie wieder zu buchen.
Ausschließlich der Besuch des Amazonas Regenwaldes hätte mich sicher glücklicher gemacht und die Wahrscheinlichkeit erhöht, von der faszinierenden Natur auch wirklich was zu sehen.

Durch das Kabinenfenster kommt die unermessliche Betonwüste von Sao Paulo in Sicht. Ob das in irgendeiner Weise schön ist bestreite ich vehement. Es ist einfach unglaublich, welche Fläche diese Stadt einnimmt und wie sich die Hochhäuser bis zum Horizont erstrecken.
In Sao Paulo steigen wir zunächst nur um und fliegen weiter nach Campo Grande. Von dort werden wir abgeholt und fahren mit zwei klapprigen Minibussen über eine Fernstraße bis zu einem Abzweig. Von dort geht es dann noch eine Stunde über eine Buckelpiste zur Lodge Aguapé. Dreieihalb Stunden Busfolter auf der ich mir mit Frank eine halbe Flasche Wiskey teile, mit dem wir die Cola, die wir aus Dosen trinken, auffüllen. So bleibt wenigstens der Spaß nicht auf der Strecke.
Das Pantanal ist eines der größten Feuchtgebiete der Erde, steht unter dem Schutz der UNESCO und ist berühmt für seine vielfältige Flora und Fauna (gewesen). In welcher Weise man sich um Schutzgebiete kümmert wurde bereits angeschnitten.
Die Posada Aguapé entpuppt sich als Rinderfarm, die als zusätzliche Einnahmequelle den Tourismus für sich entdeckt hat. Doch Caroline mag es und die anderen aus der Gruppe sind auch begeistert. So füge mich in mein Schicksal, wohlwissend, dass es die unberührte Natur im Pantanal und den Regenwald noch gibt, wir das jedoch auf dieser Reise nicht zu Gesicht bekommen. Als ich mich umziehe bemerke ich, dass mein angeschrammter Unterschenkel zu einem Ballon angeschwollen ist. Panik! Vor meinem geistigen Auge sägt schon einer der Cowboys mit einer rostigen Säge mein Bein ab.
Der konsultierte Arzt aus Uruguay, der hier ebenfalls mit seiner Familie Urlaub macht, verschreibt mit Antibiotika, verbietet mir Alkohol und verdonnert mich zur Untätigkeit!
Nach dem Mittag unternehmen wir eine Safari zwischen den Rinderweiden.
Im Licht des Sonnenuntergangs leuchten wir mit Scheinwerfern auf einen mit Seerosen bewachsenen Teich, Dort glitzern im dann die Augen von hunderten von Kaimanen. Einige liegen am Ufer und wir lernen, uns ihnen so zu nähern, dass man sie anfassen kann.
Während wir auf unser Abendessen warten, zieht ein Gewitter auf, das so heftig wird, dass die offenen Bereiche in denen wir sitzen mit Planen geschützt werden müssen. Trotzdem dringt über den Boden noch Wasser ein. Fasziniert beobachten wir das Naturschauspiel bis der Strom ausfällt. Nach einigen Caipirinhas treten wir den Weg zu unseren Hütten an. Eine riesige Kröte hat sich in den offenen Raum vor den Fluten in Sicherheit gebracht und im Nachbarzimmer sitzt verängstigt eine junge Wolfsspinne (Durchmesser 18 cm) im Waschraum. Franks Freundin, schreit sich auf dem Bett sitzend, die Seele aus dem Leib.
So kommen wir doch noch in Berührung mit der Tierwelt.

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Sao Paulo Nightmare

23.09.2008 Die Luft ist angenehm kühl und gereinigt durch den Regen. Die Sonne verspricht einen schönen Tag.
Schon während des Frühstücks im offenen Essenraum, an rustikalen Holztischen und auf Bänken aus Baumstämmen, kann man Aras und Tucane sowie viele andere Vögel aus nächster Nähe beobachten. Unsere Gruppe unternimmt heute eine halbtägige Ausfahrt im Pferdewagen, von der ich ausgeschlossen bin, da ich mein Andenken aus dem Regenwald in Form einer Infektion etwas schonen muss. Versäumen werde ich hur die flüchtige Begegnung mit einem großen Ameisenbären der über den Weg rennt. Ich mache mir einen entspannten Vormittag auf der Ranch und fotografiere Vögel obwohl ich keine Affinität zur Ornithologie habe. In der Hängematten liegend, mache ich einen Tag richtigen Urlaub. Die Ranch hat auch eine kleine Bibliothek in der einige fantastische Bildbände ausliegen, in denen man sehen kann wie schön es im Pantanal sein kann, wenn man nicht auf einer Rinderfarm in the middle of nowhere festsitzt.
Wir planschen etwas im Pool und probieren wie Capirinhas am Vormittag schmecken. Ja ich erinnere mich, da war sowas mit Alkoholverbot.
Erst um 15:30 Uhr beginnt unsere Bootstour auf dem Rio Auidana. Mit orangen Schwimmwesten vor den Ertrinkungstod geschützt, dümpeln wir in beschaulichen Tempo über den Fluss. Die Affen in den Bäumen haben genug Zeit sich vor uns zu verstecken und die Kaimane dösen nur am Ufer und warten auf die Dämmerung, in der für sie die Zeit der Jagt beginnt.
Zurück am Ufer werden wir von einer Herde Nasenbären überrascht, die sich aber ebenfalls schnell im Unterholz in Sicherheit bringt.

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Gaucho Idylle auf der Posada Aguape.

24.09.2006 Mich treibt es heute früh aus dem Bett, denn ich möchte auch hier einen schönen Sonnenaufgang erleben. Noch vor dem Frühstück gehe ich zu den Ställen der Pferde und beobachte die Cowboys beim Striegeln der Pferde, dem Beschneiden der Hufe und den Vorbereitungen für den Arbeitstag. Die amüsieren sich gut darüber, dass ich alles tausendmal aus allen Winkeln fotografiere, lassen mich aber gewähren.
Eine Gruppe blauer Aras fliegt durch die kühle Morgenluft und Tucane machen sich lautstark bemerkbar.
Nach dem Frühstück beginnt der elend lange Weg zum Flughafen Campo Grande, von dem wir nach Sao Paulo zurückfliegen.
Die Fahrt- und Wartezeiten summieren sich so, dass wir erst um 18:00 Uhr in Sao Paulo landen.
Das unglaubliche Chaos auf diesem Flughafen erweckt den Eindruck als würden die Hälfte der Einwohner Sao Paulos evakuiert.
Als wir endlich vor dem Gebäude stehen, stellen wir fest, dass niemand auf uns wartet obwohl wir spät dran sind.
Es vergeht eine halbe Stunde bis unsere Reiseleiterin zu telefonieren beginnt. Irgendwann stellt sich heraus, dass der Busfahrer zu spät gekommen ist und irgendwo außerhalb des Flughafens steht, weil er schlicht zu dumm ist die Zufahrt zu nutzen.
Mit Tonnen von Gepäck schleppen wir uns zum Bus, verstauen den Ballast und fahren los.
Es stellt sich raus, dass nicht nur der Kopf des Fahrers, sondern auch der Tank leer ist. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, welches international gilt: „Wenn du tanken musst, dann warte bis der Bus mit Touristen besetzt ist.“
Doch dies ist nicht die letzte Tankstelle an der wir halten. Aus dem Busfenster sieht man die flackernden Lichter der Feuer am Rio Tietê an denen sich Obdachlose wärmen. Auf dem Weg durch Industriegebiete und Vorstadthöllen, wo unzählige Obdachlose in Hauseingängen liegen, halten wir noch an sieben weiteren Tankstellen und einem Imbiss, damit der Fahrer nach dem Weg fragen kann. Weder der Busfahrer noch die Reiseleiterin haben eine Ahnung wo das Hotel ist. Sie fragen sich Block für Block durch und finden es wie durch ein Wunder. Die zehn zurückgelegten Kilometer haben auch lediglich eine Stunden in Anspruch genommen und als wir eingecheckt haben, zeigt die Uhr 20:50 Uhr. Ann Cristin gibt nun vor, uns als Entschädigung zum Essen einladen zu wollen.
Den meisten ist es viel zu spät um sich noch mit üppigen brasilianischen Essen vollzustopfen.
Mir eigentlich auch aber frei nach dem Motto „Maximale Schädigung“ lassen Frank und ich mich von Ann Cristin in ein teures feines italienisches Restaurant entführen.
Nachdem wir mit ungesund fettigen Speisen und sündhaft teurem Rotwein gefüllt sind, staunen wir nicht schlecht als wir selbst zahlen müssen.
Die Enttäuschungen durch unseren Spezialveranstalter für Südamerika wollen kein Enden nehmen.

25.09.2006 Ich besuche heute früh das 1897 geründete deutsche Krankenhaus „Alemao Oswaldo Cruz“. Das Stiftungs – Krankenhaus ist Teil einer 150.000 Einwohner zählenden Community deutscher Einwanderer in Sao Paulo Einem Artz deutscher Einwanderer, der ein noch sehr gutes Deutsch spricht, zeige ich mein angeschwollenen Unterschenkel. Dieser schaut sich mein lädiertes Bein an, verschreibt Antibiotika und gibt Entwarnung. Ich darf ab sofort Caipirinha nach eigenem Ermessen trinken. Alles in Ordnung also. Besser noch – Caipirinha mit Antibiotika knallt noch besser als pur. Mit den Taxi fahre ich in die City zur unserer Gruppe. Der Stadtrundgang über fliegende illegale Märkte, durch vom Verkehr verstopfte Straßenschluchten und durch das uniforme Bankenviertel nervt und enttäuscht die gesamte Gruppe, während er für mich recht interessant ist. Mitten im Wahlkampf stehen an allen Kreuzungen Gruppen die gegen ein kleines Entgelt und eine Mahlzeit Werbung für die verschiedenen Parteien machen. Angeblich gibt es in Sao Paulo nur 6 % Arbeitslosigkeit aber nur zu offensichtlich ist die Armut in Gestalt von Obdachlosen und Bettlern die man selbst hier im Geschäftsviertel überall sieht.

Die Einwohnerzahl von Sao Paulo wird mit 10 Millionen angegeben und mit den dazu gezählten Außenbezirken kommt man auf 18 Millionen Bewohner der Region Sao Paulo. Obwohl wir im 45. Stockwerk eines Edificio Italia mit grandiosen Panoramablick ein opulentes Mittagsmahl nehmen bleibt für Sao Paulo bei mir keine Begeisterung zurück.
Wir verlassen Sao Paulo mit den Bus, gesteuert vom dümmsten Fahrer Brasiliens. Nein, nicht jener, welcher uns vom Flughafen abholte. Landschaften und Ortschaften ziehen vorbei und wir genießen den Ausblick. Doch obwohl wir hier fremd sind, hat man durch den Sonnenstand eine ungefähre Vorstellung von der Richtung und nach einiger Zeit macht sich ein eigenartiges Gefühl breit. Einige von uns schauen sich fragend an. Ich hätte oben schreiben können „wir verlassen Sao Paulo Richtung Rio de Janeiro“ doch das wäre falsch gewesen. Als wir an einem Mercado darauf bestehen, dass der Fahrer mal nachfragt, stellt sich heraus, dass wir wie vermutet seit 40 Minuten in die falsche Richtung fahren.
Von nun an versucht er die Zeit aufzuholen und fährt auf der kurvigen Landstrasse schon mal 110 Stundenkilometer, schneidet die Kurven und Bilder von Busunglücken tauchen sicher nicht nur vor meinem geistigen Auge auf.
Um kurz vor 18:00 Uhr hat er die zentral gelegene aber trotzdem ruhige und luxuriösen Posada do Prizipe gefunden.
Im Hotelzimmer angekommen, sind wir dabei unsere Sachen auszupacken, als unsere Reiseleiterin Ann Cristin im Nebenzimmer wie am Spieß schreit.
Ich eile nach neben an und sie steht wie paralysiert vor einem 3 Zentimeter großen Frosch der sich ins Zimmer verirrt hat.
Sie schrie schon bei der Wolfsspinne mit Franks Frau um die Wette. Es wundert mich schon irgendwie, dass einen Frau, die in Brasilien geboren und aufgewachsen ist. solche panische Angst vor Tieren hat. Man könnte glauben, dass die Menschen in Ländern wie Brasilien von Kindesbeinen an die Tier- und Pflanzenwelt gewöhnt sind.
Nach dem der Frosch des Grauens in die Freiheit entlassen wurde, können wir uns zum Abendessen begeben und danach ausprobieren wie viele Caipirinhas ich unter Wirkung meiner Antibiotika vertrage. Es sind dreieinhalb.

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Koloniales Erbe in Parati

26.09.2008 Parati ist das genaue Gegenstück zu Sao Paulo. Die Stadt die erst 1970 an das öffentliche Strassennetz angeschlossen wurde, hat sich durch ihre Abgeschiedenheit das Flair der kolonialen Vergangenheit bewahrt. Jahrhunderte alte Kopfsteinpflasterstrassen werden begrenzt durch 50 cm hohe Gesteige. Diese Bauweise der Straßen ist an der, dem Meer zugewandten Seiten der Stadt besonders ausgeprägt, da hier die Strassen bei Flut voll Wasser laufen. Hebt man den Blick so sieht man auf vielen Häusern die Ziegel mit einer typische Form. In den Zieleleien arbeiteten einst Sklaven, die die noch weichen Tonziegel auf ihren Oberschenkeln formten. So ist jeder Ziegel geschichtliches Erbe und ein Unikat zugleich.

Am frühen Morgen des nächsten Tages mache ich allein einen Rundgang durch die Stadt und zum Hafen.
Zu dieser frühen Stunde kann man beobachten, wie die Fischer ihren Fang anlanden und direkt zu den Restaurants karren, in denen die Fische am gleichen Tag zubereitet werden.
Während der Rest der Gruppe den Spuren der portugiesischen Goldräuber folgen und eine Cachasa Brennerei besichtigen, bleibe ich in der Stadt und schaue mir Parati ausgiebig an. Diese Stadt fühlt sich völlig anders an als die Städte die man sonst in Brasilien besucht. Dies liegt jedoch nicht nur am historischen Flair das in den Gassen herrscht. Für uns sind Straßen, die rechts und links von parkenden Autos gesäumt werden Normalität. Doch hier gibt es das nicht. Kein Auto weit und breit und so ist es eine wahre Wohltat in der Altstadt zu laufen. Da der berüchtigte Reiseteilnehmer Frank G. aus E. auf den Trip der Gruppe verloren ging, warte ich vier Stunden im Hotel auf ihre Rückkehr, während die Reisegruppe ihn sucht. Als sie dann ohne Frank G. zurück sind, gehe ich mit Caroline allein in die Stadt etwas essen und Geld ausgeben.
Gestärkt wagen wir den Aufstieg zum alten Fort hoch über Parati.

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Fischer in Parati

27.09.2008: Am Morgen verlassen wir das beschauliche Parati in Richtung Rio de Janeiro. In gewohnter Fahrweise rast unser Fahrer über die kurvige Küstenstrasse. Um so ärgerlicher, da dies eine der schönsten Küstenstrasse am Atlantik ist. Ständig eröffnen sich neue beeindruckende Aussichten auf das Meer. Man könnte sich für diese Strasse einen ganzen Tag Zeit lassen ohne das es langweilig wird. Doch wir fahren auf drei Rädern durch die Kurven und wir können den Fahrer unter Vortäuschung einer Pinkelpause nur ein einziges Mal zum anhalten bewegen und machen ein Notfoto.
Nachdem es in Rio de Janeiro seit zwei Wochen bedeckt und regnerisch war, liegt der Wetterfrosch heute glücklicherweise falsch.
Den ganzen Tag scheint die Sonne und dies wird bis zur Stunde unserer Abreise aus Rio so bleiben.

Das Hotel befindet sich nur 50 Meter von der Copacabana entfernt.
Nach dem wir unsere Reisetaschen, Koffer, Beautycases und sonstige Überflüssigkeiten im Hotel verstaut haben lassen wir uns zur Cristusstatue fahren. Diese 38 Meter hohe Statue ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Als wir oben ankommen kommt dann doch noch der Standardspruch jeder Rundreise. „Wir treffen uns in einer Stunde wieder am Bus“. Das wäre dann etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang. Ich glaube ich muß gleich platzen. Keine Ahnung was wir in unserem Hotel machen sollen außer sinnlos in der Umgebung rumzulungern. Doch diesmal ist auch der Rest der Gruppe bereit den Blick von hier oben bis zum Einbruch der Dunkelheit zu genießen.
Mir wäre es egal gewesen, ich wäre sicher nicht vorher zurückgefahren.
Nach dem Abendessen entdecken Frank und ich im Fahrstuhl des Hotels ein Panorama welches die Copacabana bei Nacht zeigt.
Wir beschließen also dies auf unserem Hoteldach zu versuchen. Von der Dachterrasse mit Pool kommt man auf ein Wellblechdach, welches offenbar das Dach des Lagers unserer Hotelküche ist. Von dort sollte es gelingen. Dumm nur, dass das Wellblech so dünn ist, das jeder Fußtritt eine platte Stelle darauf hinterlässt. Knarrend überquere ich das Dach und hoffe nicht erwischt zu werden, denn das Blechdach will ich nicht auf unserer Rechnung finden und für unsere Ann Cristin wäre dies sicher der Auslöser eines finalen Nervenzusammenbruchs.
Den Abend lassen wir an einem der Caipirinhastände an der Copacabana ausklingen.

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Rio eve

28.09.2006 Mich hält es nicht im Bett, ich will ans Meer und das vor Sonnenaufgang. Da niemand meine Leidenschaft teilt, kann ich in aller Ruhe mit meinem Fotorucksack die Copacabana über Ipanema bis zum Strand von Leblon laufen.
Überall trifft man auf Jogger die auch schon mal zur 70 + Generation gehören können.
Auch Beachvolleyballspielerinnen und Tai Chi Athleten nutzen die kühle Morgenluft während Fischer auf den Felsen Fische für die nahen Restaurants fangen. Dieser Ausflug zählt wohl zu den unvergesslichsten Erlebnissen der Reise.
Zurück am Hotel beginnt der übliche Touristentrott, welcher der Grund dafür ist warum diese Art des Reisens hasse. Bis der Reiseleiter Ralf, ein waschechter Franke, den die Liebe vor neun Jahren hier her verschlagen hat, vor dem Hotel eintrifft und die Gruppe den Bus bestiegen hat, ist es 10:30 Uhr und das beste Fotolicht bis 16:00 Uhr vorbei.
Wenigstens sind die Franken coole und witzige Typen, die wissen wo es preiswert kühles Bier gibt. Dabei gibt es dann wieder Interessantes über die 6 Millionen Metropole Rio zu erfahren. Bis zur Einweihung des neuen Regierungssitzes Brasilia durch Präsident Kubitschek im Jahr 1960 war Rio de Janeiro die Hauptstadt Brasiliens. Die Lage an dem Naturhafen der Guanabara Bucht machte die Stadt schnell zu einem wichtigen Handelshafen und die portugiesischen Besatzer bauten zum Schutz eine Festung welche die Zufahrt zur Bucht schützte.
Auch die wirtschaftliche Führungsposition musste an Sao Paulo abgegeben werden. Die einmalige geografische Lage jedoch ist verantwortlich dafür das Rio de Janeiro nichts an Attraktivität eingebüßt hat.
Wir besichtigen das Maracaná Stadion und das Sambódromo. Beide Orte jedoch sind ohne ihre legändären Fußballspiele oder den Carneval nichts weiter als leere Betonhüllen, die eben nur durch die berühmten Veranstaltungen mit Leben gefüllt werden. Ein Besuch dort ist sonst aus meiner Sicht nur Zeitverschwendung.
Ein zweifelhaftes Vergnügen ist ebenfalls die an der Avenida Republica de Chile erbaute „Catedral Metropolitana“.
Die Konstruktion, die wie ein Vulkan aus Beton wirkt und etwas heruntergekommen aussieht soll Platz für 20.000 Gläubige bieten.
Unweit dieser architektonischen Grausamkeit findet man die „Bondinho“ ein echte Relikt aus der Geschichte Rios.
Von dem einst weitläufigen Starßenbahnnetz, welches 1892 eröffnet wurde sind heute nur noch acht Kilometer geblieben. Auch diese acht Kliometer waren lange von der Einstellung bedroht. Doch die einzigartige Lage und die internationale Bekanntheit machten sie zu einem Touristenmagnet und so rumpeln die offenen Fahrzeuge aus der Anfangszeit der Straßenbahnn bis heute durch die Gassen. Von Silvestre geht es über eine, für eine Straßenbahn einzigartigen Viadukt, welcher früher ein Aquädukt war, hinauf nach Santa Teresa.
Trittbrettfahrer brauchen nicht zu zahlen. Doch das Auf- und Abspringen ist nicht ganz ungefährlich und will gelernt sein.
Während der fahrt machen immer wieder Lücken zwischen den Häusern den Blick frei und man hat einen grandiosen Blich auf Teile Rios.
An einigen Bergen fressen sich Favelas den Hang hinauf. Diese Armensiedlungen wurden besonders in Rio in den letzten 10 Jahren mit viel Engagement sozial entspannt. Man förderte Selbstverwaltungen, installierte Strom und Wasser und baute auch ein Müllrecyclingsystem auf.
Auch wenn die Situation in vielen Favelas verbessert wurde, so sind sie auch heute noch ein Ort an dem aus der Not heraus Drogenhandel und Kriminalität die einzige Perspektive sind.
Am Abend lud uns einer der Geschäftsführer von Viventura in einem Fünfsterne-Steakrestaurant zum Essen ein.
Man hatte wohl vernommen, dass einige von uns mit dem Reiseverlauf der Organisation und dem Mißverhältnis zwischen Preis und dem durchgeführten Programm nicht zufrieden waren. Man mag mir vorwerfen ich wäre zu anspruchsvoll aber von einem Spezialveranstalter der ebenfalls eine Spezialpreis berechnet, hätte ich erwartet:
unberührten Regenwald
unberührte spektakuläre Natur im Pantanal
Busfahrer die sich auskennen
Reiseleiterin die Informationen über Land und Leute vermittelt
keine sinnlose Zeitverschwendung in den schönsten Stunden des Tages
Seelenlose Betongebäude und zeitlich limitierte Aufenthalte an den schönsten Orten kann man sicher auch bei Cheap Tours buchen.

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Die Bonde mal aus einer anderen Perspektive.

29.09.2008: Einen Tag haben wir noch zur freien Verfügung und wir nutzen ihn um möglichst früh auf den 396 Meter hohen Zuckehut zu fahren.
Allein die Seilbahnfahrt ist ein unvergessliches Erlebnis wenn man hoch über der Bucht in der Gondel zum Felsen schwebt. Früh am Morgen, wenn der Berg von Touristen noch nicht überlaufen ist, kann man mit etwas Glück Kapuzineräffchen beobachten, die von dem dort arbeitenen Personal mit Bananen gefüttert werden.

Die „Bonde“ ist Rios, beziehungsweise Santa Teresas berühmte Tram, die auch schon Auftritte in Werbefilmen hatte. Die Bonde ist seit 1877 ununterbrochen in Betrieb. 1896 wurde sie elektrifiziert. Damit ist sie eine der ältesten Straßenbahnlinien der Welt und das älteste elektrifizierten Schienenverkehrsmittel Südamerikas. In den 1950er Jahren passte die betagte Bahn vermeintlich nicht mehr in das Stadtbild und es begann der schrittweise Abbau des weitläufigen Straßenbahnnetzes in Rio. Bis zum Jahr 1967 waren bis auf die zwei Linien nach Santa Teresa alle Strecken stillgelegt. Heute ist die Bahn nicht nur Transportmittel der Einwohner sondern zunehmend auch Touristenattraktion.Danach fahren wir mit der Bonde „Bonde“ bis zur Endstation und laufen von dort wieder talwärts. Natürlich fahren auch wir mit der Tram die gesamte Strecke nach Santa Teres ab.
Ausgefallen ist leider der Besuch einer Favela, da angeblich bewaffnete Banden in diesen Tagen schlechte Laune hatten.

Leider wird Rio immer wieder unmittelbar mit Kriminalität in Verbindung gebracht. Diese ist auch unbestritten höher als in anderen südamerikanischen Metropolen. Doch wenn man die Statistik genauer betrachtet wird schnell klar, das die meisten Fälle in den Kreisen organisierter Banden, Waffen- und Drogenhändler geschehen. Beachtet man die üblichen Sicherheitsrichtlinien so ist man genau so sicher oder eben unsicher wie in allen anderen Städten. Man sollte immer bedenken, dass für uns Kamera, Schmuck oder Geld ersetzbar sind. Für die Diebe stellt die Beute ein Vermögen dar, das ein Überleben der Familie für Wochen sichert.
Betrachtet man es aus der Sicht der Täter, so ist nur eine Art der gerechten Umverteilung von Reich zu Arm.

Trotz der kritischen Zeilen bleibt mir Brasilien und die meisten Personen sehr positiv in Erinnerung.
Ein Land, dass man in frei Wochen unmöglich entdecken kann.
Für mich als „Städtehasser“ ist Rio de Janeiro die schönste Stadt, die ich unbedingt noch vielmal besuchen muss.

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Copacabana sunrise

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