Pole, pole…

Afrika Kenia Safari Strand Löwe Büffel Gazelle Zebra Griraffe Elefant Diani Beach …ist das erste Kisuaheli-Wort, was wir lernen, nachdem wir von unserem kenianischen Reiseleiter am Flughafen empfangen wurden. Pole pole bedeutet „langsam, langsam” und zugegeben, ich habe bis heute Schwierigkeiten mit der Langsamkeit im Allgemeinen.

 Nach den „pole“ Einreiseformalitäten dürfen wir den Airport verlassen und in die wärmende Sonne Afrikas treten. Es dauert nicht lange bis wir von Kofferträgern umringt sind, die ich jedoch davon überzeugen kann, dass ich unser Gepäck problemlos selbst befördern kann. Sozial ist das natürlich verantwortungslos, da die Kofferträger ihre Familien von den Trinkgeldern ernähren.

 Nun wird unsere kleine 12 Personen Reisegruppe in zwei Nissan Safari Busse gestopft und los geht die Fahrt durch Mombasa Richtung Tsavo Ost Nationalpark. Unser Bus verliert Benzin, was in Afrika offenbar weniger dramatisch ist als in unseren Breiten. Wellblechhütten rechts und Wellblechhütten links, in der Mitte eine Schlaglochpiste von der man sich nur schwer vorstellen kann, dass sie jemals asphaltiert war. Was für ein erster Eindruck! Irgendwann verlassen wir die Landesstraße und biegen auf eine Schotterpiste ab. Nun scheppert der Bus an allen Ecken und Enden, als würde er gleich auseinanderfallen. Doch schon bald werden wir abgelenkt durch Antilopen, Büffel, Elefanten, Zebras und wow auch Löwen. Nach dem Mittag gehen wir noch einmal auf Pirschfahrt und bannen Tiere auf die Filme. Nach Flug, Fahrt und den ersten Safaris sind alle wohl ziemlich platt und freuen sich auf ihr Nachtlager in der Voi Safari Lodge.

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Pelikan am Naivashasee

03.08.2000 Erwartungsvoll fahren wir nach dem Frühstück wieder in das Buschland um Tieren aufzulauern. Doch diesmal haben wir kein Glück. Kaum ein Tier lässt sich blicken und so scheppern wir mit unserem Nissan Bus stundenlang über staubige Pisten. Zum Mittag fahren wir in das Restaurant „Carnivore“ bei Nairobi. Zur Auswahl stehen Rind, Schwein, Zebra, Waterbock, Strauss, Krokodil und Huhn. Wir probieren das eine oder andere, finden es aber schon irgendwie eigenartig die Tiere zu fotografieren, Spenden für ihren Schutz auszugeben und sie dann zu essen.

Satt und satter fahren wir durch die Metropole Nairobi und während ich aus dem Fenster schaue habe ich das Gefühl, dass es mehr ist als nur die Scheibe die diese beiden Welten trennt. Auf dem Weg zum Lake Naivasha machen wir eine Pause am Ostafrikanischen Grabenbruch, dem Grand Canyon Afrikas. Ganz zufällig sind hier auch jede Menge Souvenirstände an denen wir auch etwas kaufen. Um 4:30 PM treffen wir im Lake Naivasha Hotel ein. Unser Guide meint es wäre zu spät für eine Fahrt auf dem See, was die wenigsten unsere Gruppe verstehen. In der Lodge kann man nicht viel machen und so beschließen wir selbst ein Fischerboot für 8 Personen und 1 Stunde für 3.000 Schilling (300 DM) zu mieten.
Doch die Kenianer sind nicht doof und verstehen es aus unserem Bedürfnis Geld zu machen. So mieten wir ein Boot für 6 Personen und 1 Stunde für 3.200 Schilling (310 DM). Auf der Bootsfahrt sahen wir dann noch Nilpferde, Pelikane und einen Fischadler. Am Abend gibt es ein Lagerfeuer auf dem Lodgegelände und man kann sich ein wenig fühlen wie die Kolonialherren, denen dieses Anwesen mal gehörte – mache ich aber nicht!

Afrika Kenia Safari Strand Löwe Büffel Gazelle Zebra Griraffe Elefant Diani Beach04.08.2000 – Vom Lake Navasha in die Masai Mara 
Die Zeit des Sonnenaufganges verbringe ich am See. Mystisch hängen Nebelschwaden über dem See und lösen sich in den ersten Sonnenstrahlen auf. Vögel sind überall am Ufer unterwegs, um irgendwelche Würmer aus dem feuchten Ufersand zu ziehen. Es gilt die Stille einzusaugen und zu speichern, denn in einer Stunde, nach dem Frühstück, werden wir für Stunden wieder im Bus durchgerüttelt. 260 Kilometer sind es bis zur Masai Mara. Die Waschbrettpisten malträtieren den Bus und es fällt auch mal ein Haltegriff ab, dessen Schrauben sich gelöst haben. Das nie endende scheppernde Geklapper des Busses, bei dem man sich unmöglich unterhalten kann, werden wir noch ewig in unseren Ohren haben, wenn wir diese Zeilen lesen.

In Narok, am Tor zum „Masai Mara Game Reserve“ macht der Fahrer einen Stopp. Natürlich gibt es auch hier „Couriosi Shops“ in denen die Preise jedoch so abgedreht sind, dass wir uns umdrehen. Hier etwas zu kaufen geht weit über Entwicklungshilfe hinaus.

 Auf der Zufahrt zu unserer Unterkunft im Masai Mara NP, der Mara Sopa Lodge, sehen wir schon Antilopen, Zebras und womit wir hier nicht gerechnet hätten – drei Kamele! Nach der Mittagspause in der Mara Sopa Lodge fahren wir wieder auf Pirsch und entdecken einen alten Löwen, welcher als Einzelgänger unterwegs ist.

 Die Mara Sopa Lodge ist ein Massenbetrieb. Täglich am Morgen und am Abend starten bis zu 20 Minibusse voll mit Touristen um im Park Tiere zu nerven. Der Vorteil ist, dass die Fahrer untereinander per Walkie Talkie verbunden sind und sich über Sichtungen informieren. So sahen wir auch einen der seltenen Geparde, der jedoch 500 Meter entfernt im Gras versteckt sass.

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Nasses Gold

 Am Abend heulen die Hyänen draußen im Park, in der Nacht rascheln kleine Tiere auf den Palmwedeln des Hüttendachs und am Morgen beginnen die Paviane die Gesänge der Vögel mit ihrem Kreischen zu übertönen. Schlaflos in Afrika! Das muss die Zeit gewesen sein als Oropax unser ständiger Begleiter für die Nacht wurde.

05.08.2000Masai Mara  Wir sind um 6.00 AM auf den Beinen und sind die ersten beim Frühstück. Die ganztägige Safari des heutigen Tages führt uns zum Mara Fluss, welcher die Grenze zu Tansania markiert und in die östlichen Ausläufer der Serengeti. Unter einem großen Baum in dem auch eine gigantische Spinne ihr Netz gespannt hat, essen wir unsere Lunchpakete und zählen die gesichteten Tiere auf. Zebra, Gnu, Dikdik (kleinste Gazellenart), Wasserbock, Spießbock, Impala (vertikal gestreift), Thompsongazelle (horizontal gestreift), Büffel, Klippschliefer, Mungo, Pawian, Hyäne, Löwen, Schabrackenschakal, Cokeskuhantilope, Eidechsen, Krokodil, Rhinozeros, Warzenschweine, Kaffernadler, Fischadler, Pelikan, Gepard.

Das Dachh des Nisan Busses wurde so modifiziert, dass man es hochklappen kann. Im hochgeklappten Zustand kann man aufrecht stehen und hat einen guten Rundumblick. Den Wind in den Haaren und die Augen in die Weite auf der Suche nach Tieren cruisen wir am Nachmittag durch den Park, als unser Fahrer über Funk die Nachricht über die Sichtung eines Nashorns empfängt.
Wir rasen sofort dortin. Doch wir kommen zu spät. Das Nashorn hat sich in eine Insel aus Gestrüpp und Bäumen zurückgezogen und ist für uns im Bus unerreichbar. Da es sicher erst in der Dämmerung das Versteckt verlässt geben wir es auch auf zu warten. Erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit treffen wir wieder in der Mara Sopa Lodge ein.

06.08.2000Massai Land Schon vor dem Frühstück sind wir auf einer Pirschfahrt und treffen auf ein Rudel Löwen, die gerade eine Antilope gerissen haben. Jede Minute trifft ein weiterer Mini Bus ein. Die Busse umringen das Rudel fast vollständig. Aber auch das schlechte Licht der Morgendämmerung hier im Unterholz macht gute Fotos mehr als schwierig. Eine ganze Weile können wir beobachten wie das Rudel, nach Rangordnung getrennt, die Köpfe in dem blutigen Riß versenkt um Stücken des Fleischs herauszureißen. Da bekommen wir auch Appetit und fahren zurück zur Lodge um ebenfalls zu frühstücken. Als wir damit fertig sind, fahren wir wieder auf Pirsch. Das Löwenrudel bleibt jedoch das herausragende Ereignis des Tages.

In der Tour war auch der Besuch eines Massai Dorfes enthalten, welchen wir über die Mittagszeit machten. Wie ein solcher Kral mit dem ihm umgebenen Zaun aus Dornengestrüpp aufgebaut ist und wie die sozialen Strukturen funktionieren war für uns sehr interessant. Die Fakten die man dabei vermittelt bekommt prägen sich bei einem solchen Besuch nachhaltiger ein, als würde man nur eine Reportage sehen. Trotzdem die Massai sehr offen gegenüber den Besuchern aus der anderen Welt sind, ist es ein eigenartiges Gefühl, dort mit seiner Kamera rumzutappen und die Nase in ihr Leben zu stecken. Geradezu beklemmend ist das Gefühl in den dunklen Bomas, den Hütten, deren Wände aus dünnen Ästen errichtet sind, die man mit Rinderdunk verputzt. In den Hütten, in denen wir nicht einmal aufrecht stehen konnten, brennt Tag und Nacht ein kleines Feuer das zum Kochen dient, Moskitos fernhält und in den kalten Nächten für ein wenig Wärme sorgt. Ein fahler Lichtkegel zeichnet sich in der rauchigen Luft ab, welche die Räume füllt. Möbel sucht man vergebens. Nur mehrere übereinandergelegte Rinderfelle dienen als Bett. Die Massai Dörfer sind authentische Wohnanlagen, wenn auch die Bewohner dieses Massai Dorfes, durch die Einnahmen aus dem Tourismus, inzwischen besser gestellt sind, als die Bewohner jener Dörfer die abseits der Touristenströme liegen.

Einst waren die Massai reine Nomaden, haben aber inzwischen einen Wandel zu einem meist sesshaften Leben vollzogen. Der größte Teil wohnt heute bereits als Halbnomade in einem Kral und wechselt nur noch selten und abhängig von der Fruchtbarkeit der Landschaft, den Platz.

Ein Zeichen des Wandels sind auch die aus dem Gummi alter Reifen hergestellten Sandalen, die Männer und auch Frauen tragen. Mit dem Wandel weden auch Fähigkiten verloren gehen. Einer der Massai wollte uns zeigen, wie man duch Reibung eines Stöckchens auf Holz Feuer machen kann. Nach knapp zehn Minuten gab er auf und nahm ein Päckchen Streichhölzer zur Hand.

Die Massai glauben, dass der Gott Engai ihnen die Macht über alle Rinder der Erde gegeben hat. Daraus leiten sie auch das Recht ab, anderen Völkern ihre Rinder gewaltsam wegnehmen zu können. Anders als wir es tun, nutzen die Massai alles was die Rinder hergeben. Das was nicht essbar ist, wie Knochen und Felle werden zu Werkzeugen verarbeitet oder als Wasserbehältnis, Kleidung und Bettauflage genutzt.

Für uns wird es Zeit zu gehen und wir lassen uns im Bus wieder in die richtige Position rütteln und fahren nach Nairobi, wo wir das House of Parliament von aussen bestaunen dürfen. Meiner Auffassung nach wäre jeder andere Ort in Nairobi interessanter gewesen.
Ungewohnter Luxus erwartet uns im Hotel „Nairobi Intercontinental“, dass unser Quartier für diese Nacht ist und in dem wir zum Abend eine riesige Pizza Hawaii für sensationelle fünf Mark bestellen und natürlich auch essen.

Afrika Kenia Safari Strand Löwe Büffel Gazelle Zebra Griraffe Elefant Diani Beach07.08.2000 – Vom Nairobi zum Amboseli NP   Tohuwabohu an der Rezeption beim Auschecken. Keine der Rechnungen stimmt. Alle Rechnungen wurden so erheblich nach oben korrigiert, dass es selbst denen auffällt denen es egal sein könnte. Selbst Übernachtung und Frühstück, die im Reisepreis inkludiert sind, versucht man noch einmal zu kassieren. Es dauert einige Zeit bis das Personal realisiert, das sie bei dieser Reisegruppe mit der Masche nicht zum Erfolg kommen.

 Nairobi hüllt sich an diesem Montag in gesättigte Dieselabgase und schmückt sich mit reichlich Müll. Doch der Hauptstadt Liebreiz kann uns nicht aufhalten. Wir freuen uns auf die fünf Stunden Fahrt in den Amboseli National Park. Für die Beschreibung der Straße sind derzeit noch keine Worte erfunden worden. Die Fahrzeuge fahren einfach irgendwie in grober Richtung durch die Savanne. Dort wo am meisten Fahrzeuge fahren entstehen irgendwann Fahrspuren. Diesen folgen dann die Fahrzeuge – mehr oder weniger. Allmählich verändert sich die Landschaft, kaum noch Berge, dafür viel mehr Grün und am Horizont zeichnen sich die Silhouetten von Herden wilder Tiere ab. Egal wie brutal das stundenlange Gerüttel dauert, die meisten kommen irgendwann in der Ol Tukai Lodge an.

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Kilimandscharo

Die Lodge entschädigt für die anstrengende Fahrt. Edelholz, dunkles Leder und gepflegte Grünanlagen. Teakholzbetten in den Bungalows und von der Terrasse hat man einen atemberaubend schönen Blick über die Savanne. Nach dem Abendessen veranstaltet man hier für die Touristen ein Showhüpfen der Massai. Befremdlich fühlt es sich an, wie die Gäste sitzend dem emotionalen Gesängen lauschen und sich von den springenden Massai unterhalten lassen. Interessant und faszinierend ist es für uns, die wir so etwas noch nie sahen, trotzdem. Die Ol Tukai Lodge ist von Ausstattung Service und Küche die beste Lodge auf dem Safariteil der Tour!

08.08.2000 – Amboseli NP Als wir am Morgen aus unserer Hütte kommen, blicken wir direkt auf den Kilimandscharo, der sich einige Kilometer entfernt majestätisch aus dem Buschland erhebt. Als wäre das nicht schon genug Glück sehen wir auf der Pirsch am Morgen wieder Löwen. Nach dem Frühstück fahren wir über die steinigen Waschbrettpisten 160 Kilometer weiter in den Tsavo West Nationalpark, welcher für seine „roten Elefanten” bekannt ist. Die Färbung der Haut entsteht durch den roten Lateritstaub der sich hier im Boden befindet. Zum Schutz vor Insekten und zur Kühlung „duschen” die Tiere mit der roten Erde. An einem kleinen Wasserfall gibt es ein Unterwasser-Schaufenster, von dem man mit etwas Glück Hippos schwimmen sehen kann. Von oben sahen wir zwar die Hippos im Wasser, doch leider schwammen sie nicht am Fenster vorbei. Mit fliegenden Sandklumpen und Steinchen habe ich sie dann noch versucht zu irgendwelchen Aktionen zu provozieren. Aber nichts – sie lagen einfach nur gelangweilt im Wasser.

Ebenso ernüchternd verlief die Nachmittagspirsch, während der wir ein 360 Quadratkilometer grosses Nashornreservat besuchten, in dem 35 Nashörner leben. Wir fanden Elefanten, Giraffen und Dikdiks, jedoch leider keine Nashörner.

 Letzte Station des Tages ist die Ngulia Lodge in der wir uns betten. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen wir bei einem Tee auf der Terrasse des Restaurants. Vor uns breitet sich das weite Buschland aus und nur wenige Meter entfernt am Wasserloch sitzt eine Gruppe Marabus. Während wir auf der Terrasse sitzen und einen Tee schlürfen, kommt ein Stachelschwein des Weges und sucht direkt an der Mauer an der wir sitzen nach Eßbarem. Anscheinend fällt des öfteren mal etwa von der Mauer herunter und das Stachelschwein hat seine Scheu vor den Menschen verloren.

Während die Dämmerung sich über der Savanne ausbreitet kommt einer der Angestellten, vermutlich der Mutigste, überwindet die Mauer und klettert auf das Gerippe einen abgestorbenen Baumes, den man nahe der Terrasse aufgestellt hat. Wir hatten schon erfahren, dass man in dieser Lodge, mit der Methode des Anfütterns, versucht einen der seltenen Leoparden anzulocken. Während wir beobachten, wie der Mutige einen rohen Fleischbrocken auf einem eigens waagerecht angebrachten Brett auf dem Baum drapiert, gellt der Schrei einer der Besucherinnen über die Terrasse. Wir begreifen zunächst nicht den Grund. Es dauert einige Sekunden bis die Translation auch bei uns angekommen ist. Aufgeregt zeigt die Frau immer in eine Richtung, in der sie einen Leoparden gesehen haben will. Ja klar – die Ängstlichen die sich vor ihrem eigenen Schatten erschrecken, denke ich und trotzdem starren wir nun ebenfalls in die Richtung in die ihr Finger weist. Wenn man nur lange genug auf eine Stelle starrt, beginnt man ja zu glauben das zu sehen was man erwartet zu sehen. Doch dort im Gras hat sich jetzt doch irgendwas geflecktes bewegt. Die Marabus und das Stachelschwein sind schon lange weg wird uns plötzlich bewusst. Im gleichen Moment schreit eine Angestellte: „Com on hurry hurry up, the leopard is here!“ Besorgnis breite sich in den Gesichtszügen des Mutigen aus und er beginnt vom Baum zu klettern. „Com on, hurry up“ gellt es von der Terrasse. Er springt und beginnt zur Mauer zu rennen. Die Besorgnis in seinem Gesicht ist nun der Panik gewichen. Der Leopard kommt aus der Deckung des toten Baums und beginnt seinen Spurt. Der Jagtinstinkt ist geweckt. Es waren nicht mehr als drei Meter zwischen Leopard und Beute als der Mutige sich mit einem beherzten Sprung auf die Mauer rettet und sich auf die Terrasse plumpsen lässt. Afrikaner werden vor Angst nicht blass, sie werden grau. „That must not be true“ keucht er mit einer Mischung aus Empörung und Erleichterung. Der Leopard indes wendet in einer Staubwolke und sucht angesichts der aufgeregten Menschen das weite.

 Als sich die Dunkelheit über der Wildnis Kenias ausgebreitet hat, siegt der Hunger und der Leopard kommt zurück. Elegant und geschmeidig erklimmt er den Baum und macht sich über seine Mahlzeit her. Auch während er das Fleisch zerteilt und verschlingt, verliert er seine Eleganz nicht.

Wir sind völlig geflasht von dem Ereignis und können uns kaum auf das Essen konzentrieren. Der Mutige serviert nun die Mahlzeiten, ist der Held des Tages und wird mit reichlich Trinkgeld belohnt.

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Diani Beach

09.08.2000 – Das Ende das ein Anfang ist  Am Morgen begeben wir uns nach dem Frühstück auf die letzte Pirschfahrt dieser Reise. Wir sehen jedoch absolut nichts an Tieren. Um 9:00 AM brechen wir nach Mombasa auf und auch unser zweiter Eindruck dieser Stadt ist nicht besser als der erste. Katastrophale Straßenverhältnisse, katastrophaler Verkehr, gruselige Wohnlandschaften, Hygieneapokalypse, offensichtliche Armut und der allgegenwärtige Plastikmüll.

 Wie Muzungus es tun, entziehen wir uns alledem in einer der Hotelanlagen am Indischen Ozean. Die Leisure Lodge am Diani Beach, wurde 1971 als eine der ersten Hotelanlagen in Kenia eröffnet. Nur wenige Gäste sind außer uns in der Anlage und so ist es auch kein Problem das Zimmer zu tauschen, da vor dem uns zugedachten Zimmer der Generator stand. Wir testen dann erstmal den Pool und baden im Meer. Meine besondere Beachtung findet die Poolbar, bei der man im 26° Celsius warmem Wasser sitzen und Drinks schlürfen kann. Doch schon bald wird es uns langweilig und wir fiebern dem Abendessen entgegen.

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Colobusaffe

Wir haben einen Kellner für uns allein und sitzen mit nur zwei oder drei anderen Gästen im weitläufigen Restaurant.

10.08.2000 – Diani Beach  Gegen halb acht haben wir ausgeschlafen und unsere Glieder haben sich von dem tagelangen Gerüttel erholt. Wir genießen das Frühstück ausgiebig und durchstreifen die fünfzehn Hektar große Anlage.

Die Dächer sind mit Palmenwedeln gedeckt, Möbel wurden vor Ort aus lokalem Holz hergestellt und Kissen aus einheimischen Textilien gewebt. Eine Höhle, die man durch Zufall während Säuberungen und Ausgrabungen entdeckt hat, wurde zur „Pango Bar“ ausgebaut. Auf dem Gelände finden sich 500 Jahre alte Baobab-Bäume und ein Gehege mit Schildkröten und Krokodilen. An einem Teich entdecken wir einen Baum an dem Webervögel ihre Nester aufhängen und mit etwas Glück trifft man auf die seltenen und unter Artenschutz stehenden Colobus-Affen. In den Lücken zwischen den Kokospalmen eröffnet sich immer wieder der Blick über die Weiten des Indischen Ozeans. Eine wirklich traumhafte Anlage, besonders da wir sie mit nur wenigen Touris teilen.

11.08.2000 –  Mombasa  Die schöne die Lodge auch ist die Möglichkeiten der Abendgestaltung sind überschaubar. Sich an einer Bar abzuschießen ist langweilig wenn man es alleine tun muss. Andere Touris, mit denen man plauschen könnte sind nach dem Abendessen nirgends mehr zu sehen. So sind wir früh im Bett und ebenso früh ausgeschlafen.

Bereits um halb sieben treffen wir im Restaurant zum Frühstück ein. Um 7:00 AM ordern wir an der Rezeption ein Taxi für einen Ausflug nach Mombasa. Ein gelber 1972er Mercedes Benz 200 D mit einem netten Fahrer bringt uns in die Hafenstadt. Er erzählt uns, dass in Mombasa 70 Tausend Menschen leben. Doch nur wenige leben, die meisten existieren. Präsident Moi der zum Stamm der Tugen gehört sorgt dafür, dass auch nur Stammeszugehörige der Tugen und der Kalenjin es in staatliche Ämter schaffen. Präsident Moi hat verfügt, dass Geschäfte die kein Bildnis von ihm aufhängen, geschlossen werden und so geschah es auch. Auch die Arbeitslosigkeit von über 40 Prozent birgt jede Menge sozialen Sprengstoffs. Wir erleben das Gewusel auf der Likoni Fähre über den Killindini Port, besichtigen das Fort Jesus, dass in dessen feuchten Gemäuern einst ein Gefängnis untergebracht war. Die „Wandmalereien“ der einst Eingekerkerten sind noch immer gut sichtbar. An der weißen Moschee vorbei schlendern wir durch die engen Gassen der Altstadt.

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Mombasa

In den Gassen verströmen viele Ecken einen gut wahrnehmbaren Endzeitgeruch, den man auch leicht mit Urin verwechseln kann. Beim neugierigen Blick durch ein Tor werden wir Zeugen der Schlachtung einer Ziege auf dem Hof eines Wohngebäudes. Gelebte Tradition. Wir sind die einzigen Touristen die sich hier in die abgelegenen Gassen verirrt haben und ehrlich gesagt fühlen wir uns zum ersten Mal im Ausland nicht wirklich sicher. So ziehen wir uns in die „Moi Avenue“ zurück und kippen eine kalte Cola. Der 1912 erbauten Markthalle statten wir ebenfalls noch einen Besuch ab. Bevor wir zu den blechernen Elefantenstoßzähne laufen. Uns begegnen Kinder in Schuluniformen und Frauen in farbefrohen Röcken, die schwere Lasten auf ihren Köpfen jonglieren. An den Straßenrändern wird gehandelt. Auf der ockerfarbenen Erde werden Obst, Gemüse, lebende Hühner, Autobatterien oder Handys verkauft. Mir persönlich ist noch ein Abstecher zur Güterbahnhof und zum Personenbahnhof wichtig. Diese Bahnhöfe markieren den Ausgangspunkt der 1896 eröffneten Uganadabahn. Einige der Nachfahren, der 30.000 zum Bahnbau angeworbenen 30.000 Inder, haben zu Reichtum gebracht und stellen die Mehrheit in Mombasas Villenviertel. Dort kostet ein Haus mit Grundstück etwa 300.000 DM.

Bevor wieder an den Diani Beach zurückkehren, besuchen wir noch den Bamburi Nature Park. Auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs wurde unter Anleitung des Schweizers René Haller, 1971 ein ökologisches Projekt eingerichtet, in dem heute wieder ursprüngliche Vegetation zu finden ist. Auf dem Gelände begegnet man vielen Vogelarten, Krokodilen und riesigen Waranen.

12.08.2000 – Diani Beach  Urlaub statt reisen ist unsere Entscheidung für heute und wir liegen bis zum Mittag am Pool und lesen oder laufen über das flache Korallenriff am Strand.

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Ukunda

An der Bar freunden wir uns mit Anthony an, der dort als Barmixer arbeitet. Er läd und zu sich nach Ukunda ein, doch wir sind uns noch unsicher ob wir die Einladung annehmen. Am Nachmittag machen wir einen längeren Strandspaziergang. Dunkle Wolken bilden einen schönen Kontrast zwischen Palmenhainen, dem weissen Strand und dem Meer. Doch aus dunklen Wolken kommt manchmal auch viel Wasser.
Wenige Minuten später stehen wir in einem tropischen Regen mit Tropfen gross wie getaute Eiswürfel. Ehe wir uns unter Palme stellen können, die ja auch nur sehr bedingt gegen Regen schützen sind wir bis auf die Haut nass. Die Druckfarbe des kenianischen Geldes ist nicht wasserfest. Die weissen Strandhosen meiner Freundin sind hin!

13.08.2000 – Ukunda  Nachdem ich den Sonnenaufgang fotografisch abgefeiert habe und wir gefrühstückt haben gehen wir am Strand spazieren und liegen später lesend auf den Liegen während über uns in den Bäumen die Riesenradnetzspinnen hängen. Nach dem Mittag lassen wir der Langeweile keine Chance und laufen zur Matatu Haltestelle. Anthonys Adresse haben wir ja also versuchen wir ihn mal zu besuchen.

Ukunda heisst das Dorf in dem er zu Hause ist. Es ist von unserem Hotel nur etwa fünf Kilometer entfernt. Für die Afrikaner ist es hier nichts außergewöhnliches das sich mal zwei Muzungus auf Abwegen bewegen. Man weis nur nicht immer ob sie über oder mit uns lachen. Die Matatus sind ausgediente Touris Safari Busse, nicht im besten Zustand und zugelassen für acht Personen. Es sind aber auch Matatus mit 35 Insassen gesichtet woden.
So voll wird unser Matatu nicht, der Fahrer fährt schon abals 21 Personen Platz gefunden haben.

Ukunda ist wie alle Dörfer in Afrika. Hütten aus unverputzten Ziegeln, Hütten aus Planen und Blech, staubige Wege und überall Kinder. Zwei Böcke ein paar Bretter, eine blaue Plane rüber und fertig ist der Marktstand. Ach ja – wenn möglich hat man noch ein Radio aus dem laute Musik dröhnt. Viele Stände, viele Menschen, viel Gedränge. Man nimmt uns wahr, starrt uns aber nicht an und belästigt uns auch nicht. Der Satz „Was wollen die wohl hier?“ schwebt aber über jedem Kopf. Wir fragen uns durch. „You know Anthony M. Nyange?. He´s living in near the Ukunda-Ramisi Road.”Straße in die andere Richtung runter und an der Ecke wieder fragen. Links rein, recht abbiegen und wieder fragen und tatsächlich treffen wir jemanden der ihn kennt und uns sein Haus zeigt. Ein unverputztes Steinhaus, eingeklemmt zwischen anderen Steinhäusern. Wir klopfen. Eine Frau öffnet und wir tragenunser Anliegen vor. Sie stellt sich als Malaika vor und ist seine Schwester. Sie bittet uns herein und wir bemerken das unsere Hemmungen größer als die Türschwelle sind. Schließlich geben wir uns einen Ruck.
Ein dunkler kühler Flur von dem Zimmer abgehen. Statt Türen bunte Vorhängen abgetrennt. Afrikas Erde ist der Fussboden. Wir erzählen ihr wo wir Anthony kennengelernt haben und dass er uns eingeladen hat. Sie erzählt uns in holperigen Englisch eine ganze Menge, doch wir verstehen nicht mehr als das Anthony irgendwo in irgendeiner Stadt ist um irgend etwas zu besorgen. Wir glauben auch zu verstehen, dass sie hier mit ihren Eltern und zwei Kindern wohnt. Das sind dann grob überschlagen 35 Quadratmeter für sechs Personen. Gekocht wird in einer Nische am Ende des Flurs und das Bad ist auf dem Hof unter freien Himmel. Mit Sonnenenergie erwärmtes fliessendes Wasser kommt aus einem blauen Plastikfass auf dem Dach. Wir geben ihr die Tüte mit diversen Hygieneartikeln und einigen Kleidungsstücken die wir mitgebracht hatten, sind aber auch dabei nicht sicher wie das ankommt. Wir verabschieden uns und treten wider hinaus in das gleissende Licht. Wir hätten das wohl doch vorher besser absprechen sollen.

Wie das wohl ist, wenn man als Kenianer in so einer Hotelanlage arbeitet und die Leute beobachtet, die weit mehr für einen Flug ausgeben, als man selbst im Jahr verdient?

Afrika Kenia Safari Strand Löwe Büffel Gazelle Zebra Griraffe Elefant Diani BeachUnser letzter Tag im Paradies mit vielen unterschiedlichen Eindrücken hat begonnen. Ein Paradies mit türkisfarbenem Meer, schneeweissen Stränden und Palmen die einen unermesslichen stahlblauen Himmel stützen. Das Paradies dass allen Kenianer gehört, ist doch nur ein Paradies, dass nur wenige genießen können. Wir sahen grossartige Landschaften und Müllberge. Wir wollten die „Big Five“ sehen und konnten die Armut von 20 Millionen nicht übersehen. Wir kamen aus dem Reich er Verschlossenheit und trafen auf Offenheit.

Wir verabschieden uns auch von Anthony, der wieder Dienst an der Bar hat. Er bedauert den staken Rückgang des Tourismus, bedroht es doch direkt die Existenz seiner ganzen Familie. Am nächsten Morgen, noch bevor es zu dämmern beginnt, werden wir abgeholt und zum Flughafen gefahren.

Kwa heri Kenya, Auf  Wiedersehen!

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