WO DIE STRAUSSE ZU HAUSE SIND

11.09.1999-03.10.1999

Tag 1 „Was man nicht alles auf sich nimmt, um an Orte zu kommen die kaum jemand kennt, geschweige denn, dass ein Tourist auf die Idee käme sie zu besuchen. Was einige wenige Menschen 1999 nach Bulawayo lockt? Es sind die täglich bis zu zehn Dampflokomotiven der Sonderbauart Garrat, die in Bulawayo, und Hwange noch im Einsatz stehen. Mit dem Flugzeug von Berlin nach London Heatherow und von dort nach Johannesburg. In Johannesburg steigen wir abermals um, um nach Bulawayo in Simbabwe zu fliegen. Scheinbar ewig, torkelt die Maschine beim Landeanflug auf Bulawayo über die ausgetrocknete ockerbraune Steppe und mir wird ernsthaft übel. Endlich sind wir am Boden und als wir über das Rollfeld gelaufen sind, empfängt uns ein kleines einstöckiges wellblechgedecktes Gebäude mit Blumenrabatten davor. Mit unerschütterlicher Ruhe, fertigen eine schwarze Frau und ein schwarzer Mann, die hundert Reisenden am „Imigrantenschalter“ ab. Unglücklicher Weise, stehen vor uns einige reiche Amerikaner, die hier für viel Geld eine Lizenz zum Jagen erworben haben. Diese haben alle ihre eigenen Waffen dabei und so etwas Außergewöhnliches dauert natürlich seine Zeit. So warten wir eine Stunde bis wir die Einreisegebühr von 30 $ US pro Person entrichten dürfen. Inzwischen steht auch schon unser Mietwagen, ein weißer Mazda 323, bereit. Gepäck reinschmeißen und los geht’s… Überall rötlicher Sand und vertrocknete stachelbewährte Sträucher die darauf warten unvorsichtige Touristen aufzuschlitzen. Wir ziehen eine mächtige Staubfahne hinter uns her und Caroline ist von jedem Stein begeistert.
Keine zehn Kilometer Autofahrt durch braunes Nirgendwo liegen hinter uns und schon liebt sie Afrika! Das Hotel „Grag’s Inn“ ist ein Tipp von Freunden. Es ist preiswert aber eben auch nichts für Anspruchsvolle. So fällt nach einmaliger Benutzung die Klospülung aus und wir helfen uns fortan mit dem zum Wassereimer umfunktionierten Papierkorb aus. Das schimmelige Feuchtbiotop an der Toilettenwand ist im Zimmerpreis enthalten. Da kann man doch zufrieden sein. Tampons sind in Afrika sehr begehrt und so haben die von uns mitgeführten Tampons schon auf dem Flughafen den Weg aus unseren Koffern in einen afrikanischen Haushalt. gefunden. Die Fahrt zu einem Restaurant in der Stadt gestaltet sich schwierig, da Bulawayo wie ein Schachbrett angelegt ist und uns die Orientierung schwer fällt. Zudem finden wir heraus, dass heute irgendein Feiertag ist und fast alle Restaurants geschlossen sind. So finden wir nach einer Stunde ein „Pizza In“ und speisen dort. Zurück auf dem Zimmer, weint Caroline vor Enttäuschung. Zumindest die Liebe zu unserer Unterkunft ist an diesem Abend gestorben.

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Inkonkonio

Tag 2 Frühstück ist inklusive. Wir nehmen es wörtlich und kommen schon um 8.00 Uhr. Zu früh für ein Hotel in Bulawayo. Offensichtlich hat hier am Vorabend ein rauschendes Fest getobt und als der letzte betrunken unter den Tisch sank hat man alles so gelassen. Tischdecken, bekleckert mit allem was die Küche hergab, hängen von den Tischen. Darauf liegen leere Flaschen, Gläser und die Teller mit den Resten. Stühle liegen umgekippt auf dem Boden als wäre gerade eine Schlägerei zu Ende gegangen. Einen kleinen Tisch richten wir uns notdürftig selbst her, als Jemand verschlafen aus der Küche lugt. Sein Blick verrät, dass er gerade dabei ist zu bereuen, ein Zimmer vermietet zu haben. Denn nun muss er uns ein Frühstück zubereiten anstatt dem Mittag entgegen zu schlummern. So bekommen wir ein typisch afrikanisches Hotelfrühstück mit verbranntem Toast, zuckersüßer Marmelade, Rührei und Kaffee. Danach lassen auch wir ebenfalls alles stehen und checken aus. Heute besichtigen wir ausgiebig das Depot und den Bahnhofsbereich von Bulawayo, denn hier sind noch zahlreiche Dampflokomotiven der Bauart Garrat täglich im Rangier- und Zugdienst eingesetzt. Das will ich mir nicht entgehen lassen denn schließlich ist dies einer der Gründe gewesen, nach Bulawayo zu kommen. Der Bahnhofsbereich sieht sicher in all diesen Ländern gleich aus. Schrott, Müll und hier sogar noch einige ausgebrannte Personenwagen die vorher als Wohnung gedient haben.
Ursprünglich wollten wir noch einen Abstecher zum Waisenhaus für Tierbabys machen, sind aber zu blöd die Wegbeschreibung im Reiseführer zu finden.
So fahren wir aus der Stadt heraus in Richtung „Hawange National Park“. Einige Kilometer hinter der Stadt, sehen wir staunend die ersten Paviane und einen Affenbrotbaum der auch so gleich auf dem Film festgehalten wird. Unser Ziel ist das Baobab Hotel nahe Hawange, doch wir können es uns nicht verkneifen, uns an einer Abzweigung für einen Abstecher in den Park zu entscheiden. Schon nach wenigen Kilometern sehen wir Elefanten an einem Wasserloch. Leider müssen wir weiter denn es sind von Bulawayo nach Hawange 400 km.
Das Baobab Hotel liegt mit einer schönen Aussicht auf einem Hügel oberhalb von Hawange. Als wir dort ankommen müssen wir jedoch erfahren, dass landesweit das Hotelpersonal streikt und wir hier zumindest nicht essen und wahrscheinlich auch nicht wohnen können. Hier ändert sich eben alles ganz schnell oder es dauert doch lange. Man ist jedenfalls so nett uns auf eine Warteliste zu setzen, wozu die auch immer gut sein soll. Da bis zum Einbruch der Dunkelheit nur noch wenig Zeit ist, beschließen wir in den Park zu fahren um in einem der dortigen Camps zu übernachten. Man muss zwar zwingend vorbuchen aber wir spekulieren damit, dass wenn wir erst mal dort sind und der Park um 18.00 Uhr geschlossen wird, sich sicher irgend eine Lösung finden wird. Schließlich kann man die Leute dann ja nicht mehr in die Wildnis schicken. So jagen wir auf halbdunklen Waschbrettpisten durch die Dämmerung und treiben von Zeit zu Zeit große Gazellen vor uns her. Das Auto klappert und alles im Innern ist schon mit einer Staubschicht bedeckt. Zehn Minuten vor Schließung der Schranken erreichen wir das „Simanatella Camp“.
Auf dem Pult der Parkwache liegt bereits ein dickes Buch mit mindestens 35 vorgemerkten Leuten doch auch wir werden dazugesetzt und warten mit den anderen. Wie erwartet bekommen auch alle eins der kleinen Steinhäuschen, welche auch eine Innentoilette haben. Die Unterkünfte sind sehr sauber wenn auch einfach und was noch wichtiger ist man hat eine perfekte Ausgangsposition für eine mehrtägige Tour durch den Park. Nun gehen wir erst mal zufrieden auf der Terrasse des Restaurants Abendessen, bevor wir uns hier für eine Nacht einrichten.

Hwange National Park Bulawayo Victoria Falls Kapstadt Strausse Garden Route Tafelberg KnysnaTag 3 Vor dem Sonnenaufgang sind wir wach und sehen uns draußen um. Am Abend war dies nicht möglich denn eine Aussenbeleuchtung gibt es nicht und so hatten wir Mühe nach dem Essen unser Heim wieder zu finden. Überall rascheln kleine Tiere durch das herumliegende Laub und bunte Vögel, die man nur aus Filmen kennt, fliegen umher. Bis das Restaurant zum Frühstück öffnet ist es noch etwas Zeit und so haben wir genügend Zeit alles genau zu betrachten und wir können auch ein Nashorn, am Fuße des Berges auf dem das Camp liegt, ausmachen. Wenn wir hier auf Anhieb ein Nashorn sehen, werden wir sicher später auch noch welche sehen, glauben wir. Doch es wird für die nächsten Jahre das letzte Mal sein, dass wir ein in freier Wildbahn lebendes Nashorn sehen. Doch dies ist uns jetzt noch nicht bewusst und so sitzen wir seelenruhig auf der Terrasse, frühstücken und lassen dabei den Blick über den Park streifen.
Die „Jagd“ beginnt als sich der kleine weiße und vollbeladene Mazda auf der Straße durch den Park in Bewegung setzt. Unser erstes Ziel ist die „Mandaru Picnic Site“. Was nicht bedeutet, dass hier Menschenfamilien gemütliches Picnic halten. Picnic gibt es hier für Tiere, die in der Trockenperiode in der die meisten Wasserlöcher austrocknen, an meist künstlichen Wasserlöchern ihren Durst löschen. Was wir noch nicht wissen, dies ist meist am frühen Morgen und am Abend der Fall und so ist hier rein gar nichts los. Ausser einem faulen Rockdussy, eine Art Riesenratte, die in der Sonne faulenzt und sich nicht stören lässt und einigen Vögeln und Wasserbüffeln sind keine Vertreter der BIG 5 an dieser Stelle und so fahren wir enttäuscht weiter. Nach weiteren zehn Kilometern Fahrt treffen wir endlich auf Giraffen mit Jungen. Die Tiere sind in diesem Park schon so an Menschen gewöhnt, dass sie neugierig oder auch desinteressiert nur vier Meter neben dem Auto vorbei und dann über die Straße marschieren. Lange beobachten wir diese Szenerie die uns völlig neu ist, bevor wir uns entschließen weiterzufahren.
Wenig später treffen wir auf einen einzelnen Elefanten. Um ihn besser zu fotografieren steige ich aus. Ihm gefällt das nicht und er beginnt zu „trompeten“ und läuft ebenfalls wenige Meter vor dem Auto mit Imponiergehabe über die Straße. Haben wir eigentlich eine Versicherung für „Der Elefant hat unser Auto plattgetreten“?
Später kommen wir zur „Shumba Picnic Site“. Dort ist es wie man es in Afrika gern hätte. Zebras, Gazellen, Affen, Perlhühner und Weißkopfadler finden sich hier am Nachmittag ein und auch hier verweilen wir einige Zeit bevor wir zum „Main Camp“ weiterfahren. Sechs Kilometer vor dem Main Camp finden wir die „Nyumandhloru Picnic Site“ wo sich eine achtzig Tiere starke Elefantenherde, Gnus, Zebras und Giraffen eingefunden haben.
Auch eine Flusspferdfamilie verbringt hier den Tag und auch zwei Krokodile haben sich hier angesiedelt. Nach kurzem Staunen fahren wir zunächst zum „Main Camp“, unser Zimmer sichern. Das geht alles völlig problemlos und die schöne bambusgedeckte Hütte kostet nur 300 US $. Dort schmeißen wir die meisten unserer Sachen rein und fahren sofort noch einmal zur „Nyumandhloru Picnic Site“ um dort Tiere zu beobachten. Auf dem Weg dorthin stehen wieder einige Giraffen unmittelbar an der Straße und zählen Autos. Das „Main Camp“ hat ein schönes Restaurant mit überdachter Terrasse. Hier kann man abends leckere Drinks, Bier und dazu leckere Burger genießen.

Hwange National Park Bulawayo Victoria Falls Kapstadt Strausse Garden Route Tafelberg KnysnaTag 4 Die Folgen des „unhygienischen“ Hotels in Bulawayo machen sich bei Caroline in Form von Herpes bemerkbar. „Zovirax“ kannten wir damals leider noch nicht. Schon vor dem Frühstück fahren wir zu der Wasserstelle um Tiere zu beobachten. Dieser Platz ist mit seiner erhöhten Beobachtungsplattform aus Holz so ideal, dass wir auch nach dem Frühstück im „Main Camp“, bei dem es leckeren Bohnentoast gibt, noch einmal dort vorbeischauen bevor wir zu einer Tour durch die Umbebung starten.
Die Straßen sind hier nur ausgewaschene Sandpisten die dem Japaner mehr abverlangen als es die Konstrukteure sich je vorstellen konnten und am Ende der Reise wird das Auto mit einer gebrochenen Feder ein wenig schief da stehen. Tiere sehen wir nur sehr vereinzelt und aus großer Entfernung. Die meisten verbringen die Stunden während der großen Hitze des Tages im dichten Busch. Kurz bevor wir wieder auf die Straße zum „Main Camp“ treffen sehen wir im Dickicht einen Wildhund der aber nur schwer auszumachen ist und auf dem Foto nur einen kleinen Teil der Bildfläche einnimmt. Zum Mittagessen finden wir uns im Camp ein. Da zu Hause alle auf Post warten, fahren wir danach nach Dete zur Post um unsere Karten auf die Reise nach Deutschland zu schicken. Da es hier auch eine Bahnstation gibt will ich versuchen einen Zug zu sehen denn auch bei unserer Ankunft in Dete fuhr gerade ein Zug ab. Doch wir warten vergeblich und auch die Nachfrage in der Station lässt uns wissen, dass auch der planmäßig dampfbespannte Touristenzug am Sonntag jeder Woche, nicht mehr verkehrt. So können wir uns also auch weiterhin der Tierbeobachtung widmen.
Im „Main Camp“ und auch in allen anderen Camps muss man jeden Morgen mit allen Sachen auschecken um dann später am Tag wieder einzuchecken. Eine kuriose Vorschrift die uns nicht so richtig einleuchten will. Wir tun dies, räumen endlich mal unsere Koffer auf und relaxen im Restaurant des Camps.

Hwange National Park Bulawayo Victoria Falls Kapstadt Strausse Garden Route Tafelberg KnysnaTag 5 Frühmorgens als wir aus der Hütte treten stehen Gazellen am Zaun. Wir lassen uns Zeit für das Frühstück und machen danach einen Rundgang durch das Camp.
Später als sonst fahren wir zur „Nyumandhloru Picnic Site“. Unterwegs treffen wir auf Warzenschweine, Giraffen und eine Art Rehe. Von der Plattform aus können wir noch einmal die Flusspferde, Krokodile, Zebras, Gnus, Giraffen und zum ersten Mal auch eine Hyäne sehen. Nun nehmen wir Abschied vom Nationalpark, besorgen uns im Camp noch etwas zu essen und fahren dann nach Hawange, wo wir abermals versuchen im „Baobab Hotel“ unterzukommen.
Das Hotelpersonal streikt zwar immer noch doch wir können zumindest einchecken. In Hwange, dieser Ort hiess früher Wanky, betreibt die „Wanky Coal Ldt.“ mehrere Kohleminen. Der Abtransport der Kohle erfolgt mit einer werkseigenen Bahn. Wenn man Kohleabbaut liegt es natürlich nahe die Züge mit Dampflokomotiven zu befördern. So hat man hier mehrere gebraucht von der Staatsbahn erworbene Loks im Einsatz. Das Werksgelände ist nicht abgesperrt und so können wir hier ungehindert umherfahren und Züge beobachten.
Auf dem Werksgelände gibt es eine lange gerade Strasse, die einfach über eine sehr spitze Bergkuppe gebaut wurde. Wenn man wie wir mehrere Male mit 80 km/h darüber hinweg fegt, sieht man erst nichts als Himmel und nach einem Moment scheinbarer Schwerelosigkeit, in dem sich der Magen einmal umdreht, geht es plötzlich wieder steil bergab. Ein echtes Achterbahngefühl in der Magengegend und ein Riesenspass.
In Hawange gehen wir Geld tauschen und bei „SPAR“ einkaufen. Doch anders als wir es gewohnt sind, ist „SPAR“ hier auf die Anforderungen afrikanischer Großfamilien ausgerichtet. Es gibt das meiste in Großpackungen und auch ganze Säcke mit Getreide und Reis. Es dauert etwas bis wir uns in dieser Lagerhausatmosphäre zurechtfinden und Getränke und Snacks in kleineren Abpackungen finden. Wie so oft werden wir auch hier, wo sich nur selten Touristen hinverirren, wie Ausserirdische betrachtet aber sehr freundlich behandelt.
Zum Abendessen besuchen wir das einzige Restaurant der Stadt, welches sich am besten mit großer Imbissbude beschreiben lässt. Man sollte zumindest einmal in einem solchen Restaurant speisen, in dem es sonst nur die Einheimischen tun. Ich trinke ein Gingerbier, dass wie Sprite mit Pfeffer schmeckt und Caroline einen Pfefferminztee. Bei den Burgern aus Toastbrot mit Wurst und Käse hat sich der Koch selbst übertroffen und sie werden serviert wie ein „Fünf Sterne Mahl“.
Lange ist es her, dass wir saubere Sachen getragen haben und der Besuch der Kohlemine hat uns schmutztechnisch den Rest gegeben. So sind wir auch hier Gesprächsthema Nummer Eins in dem sonst leeren Restaurant.
Als wir zurückkommen ist zu unserer Überraschung die Küche im Baobab Hotel wieder warm und wenn wir auch schon satt sind, so können wir uns wenigstens auf ein schönes kontinentales Frühstück freuen. w
Wir schruppen uns endlich den Staub der Steppe und der Kohlemine von der Haut bevor wir zu Bett gehen.

Hwange National Park Bulawayo Victoria Falls Kapstadt Strausse Garden Route Tafelberg KnysnaTag 6 Das „Baobab Hotel“ wird privat von einer älteren Engländerin geführt und hebt sich etwas in Stil und Sauberkeit von den sonst einfachen Unterkünften abseits der Touristenströme ab. Überall an den Wänden hängen Bilder aus den Tagen, als die Staatsbahn mehrmals täglich lange Züge mit Garrat´s, der für Afrika typischen Dampflokomotiv-Sonderbauart, in einer weiten Kurve am Fuße des Berges, auf dem das Hotel liegt, zog. Lange Jahre war dieses Hotel die erste Wahl der Eisenbahnfans aus aller Welt.
Das Frühstücksbuffet ist reichhaltig und berauscht von dieser Vielfalt kippt Caroline den Orangensaft über das Buffet. Da sehr wenig Gäste ausser uns hier sind ist die Schuldfrage schnell geklärt.
Bis zum Mittag steht noch einmal Eisenbahnfotografieren auf dem Programm. Dabei machen wir auch Aufnahmen von dem Personal das für uns auf ihrer der Lok posiert. Wir notieren die Adresse von einem des Lokpersonals und werden ihm später Abzüge und Vergrößerungen schicken. Hier haben Fotos noch eine ganz andere Wertigkeit als in unseren Breiten. Sicher wird innerhalb weniger Stunden das ganze Dorf wissen, dass er einen grossen Brief aus Germany bekommen hat und noch am selben Abend, werden sich dort alle seine Bekannten einfinden, um ihre Neugier zu stillen. Von dem Ort an dem Windhosen aus Kohlenstaub die Lufthoheit haben verabschieden wir uns und fahren weiter nach Victoria Falls.
Die 93 Kilometer schafft man auf der gut ausgebauten und leeren Straße in einer dreiviertel Stunde. Victoria Falls ist eine Stadt die auf den ersten Blick nicht vermuten lässt welche Bedeutung sie für den Tourismus hat. Eine schlechte Straße führt durch den Ort und zu beiden Seiten findet man einfachste Bars, Autowerkstätten und Wohnhäuser die nicht in jedem Fall über dem sonstigen Standart liegen. Einzig die Wechselstuben, Tourbüros und die vielen Reisebusse deuten auf ausgeprägten Pauschaltourismus hin. In Victoria Falls steht eine Dampflok aus Zambia, die einen luxuriösen Sonderzug für reiche Touristen nach Victoria Falls brachte. Nach einigen Fotos und nachdem wir nach langem Handeln dem Lokführer eine riesige zambische Münze abgekauft haben suchen wir uns hier ein Hotel. Hotels gibt es hier reichlich, doch sind sie alle, ob gut oder schlecht, im oberen Preissegment zu finden. Darunter ist auch das „King´s Town Hotel“ in der Nähe des Bahnhofs, welches einer Stammes – Festung nachempfunden ist und auf einer Insel, umschlossen von einem Wassergraben liegt. Aufwendig hat man überall auf dem Gelände mit verschiedenen Pflanzen einen subtropischen Mikrokosmos arrangiert. Selbst das Personal trägt Kleidung, wie man sie sich bei Stämmen in Afrika vor etwa 400 Jahren vorstellt. Sicher hätten auch die Stammesfürsten von damals an den Pizza-, und Steakrestaurants, der Spielhalle vor allem aber an der Klimaanlage ihre Freude gehabt.
Was wir nicht wussten ist, dass die Hotelpreise hier an einem der schönsten Wasserfälle der Welt, für Individualreisende utopisch sind. Doch der Zeitpunkt ist günstig gewählt, denn durch den noch immer andauernden Streik des Hotelpersonals sind Rabatte möglich. Doch trotz allem kostet eine Nacht in der Ilala Lodge 285 US$, im Victoria Falls Hotel 250 US$ und im Kings Town Hotel 225 US$. Nach langer Suche checken wir in der etwas ausserhalb am Zambesi River gelegenen „Rainbow Zambesi River Lodge“ ein. Diese bekommen wir nach zweimaligem Verhandeln für 150 US$. Nachdem wir uns hier eingerichtet und selbst etwas hergerichtet haben, können wir es kaum erwarten die Victoria Fälle zu sehen. Der Eintritt in den Nationalpark kostet 10 US $, wird aber sicher in Anbetracht des Superlativs, des breietesten Wasserfalls der Erde von allen Besuchern gern gezahlt.
Am Ende der Regenzeit, von Febrar bis März stürzen zehntausend Kubikmeter Wasser in der Sekunde über die Felskanten in die Tiefe. Jetzt Ende September sind es nur noch zweihundert Kubikmeter in der Sekunde. Beeindruckend ist der Wasserfall dennoch.
In dem feucht warmen subtropischen Gebiet um die Wasserfälle kann man Gruppen von Pavianen, Gazellen, viele Vogelarten, Schlangen und Eidechsen sehen.
Von der kombinierten Bahn – Straßenbrücke über den Sambesi nach Zambia, kann man an einen bedenklich aufgeribbelten Seil, „Bungy“ jumpen, doch dazu fehlt uns der Mut. Abends zurück in der Lodge entspannen wir uns am Ufer des Sambesi auf dem Gelände der Lodge wo uns etwa eine Milliarde Moskitos attackieren. Später gönnen wir uns die Teilnahme am Buffet, welches aufwendig arrangiert mit so vielen verschiedenen Speisen lockt, dass man unmöglich von allem einmal probieren kann. Die Köche braten, grillen und kochen auf riesigen offenen Feuern, die den Platz in ein warmes mystisches Licht tauchen. So ist es einer der schönsten Abende der Reise hier zu sitzen und kühle Getränke zu schlürfen. Bis spät in die Nacht verwöhnen Volkloregruppen die Ohren mit „original“ afrikanischen Klängen.
Das einzige was den Abend etwas trübt, ist dass wir herausfinden, dass die Teilnahme am Buffet pro Person 20 US$ kostet. Dabei waren wir beim Essen sehr sparsam um die Reisekasse nicht allzu sehr zu belasten. Victoria Falls ist eben nicht nur einer der schönsten Plätze der Welt sonder auch überdurchschnittlich preisintensiv.

Hwange National Park Bulawayo Victoria Falls Kapstadt Strausse Garden Route Tafelberg KnysnaTag 7  Am Morgen fahre ich allein zum Bahnhof, denn ich will versuchen den dampfbespannten Zug von Rovosrail zu fotografieren. Zu meinem Erstaunen kreuzt eine kleine Herde Elefanten in der Nähe eines großen Hotels die Straße. Da es hier im August Winter ist und damit eine der trockensten Jahreszeiten, wagen sich die Dickhäuter auf der Suche nach Wasser in die Nähe von Menschen. Nicht soviel Glück habe ich mit dem Zug, denn der soll erst um 9.00 Uhr fahren und ich fahre zurück zur Lodge und zu zweit frühstücken wir auf der Terasse des „Rainbow Hotel´s“.
Dabei braucht man zu so früher Stunde allerdings noch Jacken, denn es ist noch sehr kühl. Nach dem Frühstück gehen wir in den Park um dort den nach Zambia fahrenden Zug auf der Vicfall´s Bridge zu fotografieren. Doch nach dem wir die Warterei nach einer Stunde abbrechen verpassen wir den Zug um eine Minute. Wie schon erwähnt in Afrika ändert sich eben alles ganz schnell oder es dauert doch lange. Ganz besonders triftt dies eben auch auf Fahrpläne zu.
So fahren wir nach einem Parkrundgang zu einer Krokodilfarm. Es ist erst 11.00 Uhr aber es sind schon 30° C und es ist kaum auszuhalten. So bummeln wir im Schatten der Bäume durch die Krokodilfarm. Hier gibt es nicht nur ein 4,50 Meter langes und damit eines der größten Krokodile in Gefangenschaft, sondern auch Leoparden, Löwen, Strauße, Leguane, Perlhühner und Schildkröten. Später am Zambesi in der Mittagshitze sitzend, bin ich nach zwei Bier schon leicht angetrunken, so dass es Zeit wird sich das Mittagessen zu suchen. In Anbetracht der Temperaturen bietet sich das schon beschriebene „King`s Town Hotel“ an und dort essen wir eine Pizza die so riesig ist, dass sie locker für uns beide ausreicht.
Auch der Rest des Tages ist reiner Urlaub denn wir sonnen uns und baden im Pool des „Rainbow Hotel´s“. Hier wohnen wir zwar nicht aber da der Pool in unserer Lodge gereinigt wird, was bei dem hiesigen Arbeitstempo einige Tage dauern wird, müssen wir Alternativen suchen. Etwas später besuchen wir den „Big Tree“, ein 1500 Jahre alter und 40 Meter hoher Baobabbaum, dessen Stamm einen Umfang von 20 Metern hat.
Auf dem Gelände unserer Lodge sind täglich mehrere Warzenschweinfamilien damit beschäftigt auf den eingeknickten Vorderläufen rutschend, den Rasen abzufressen. Obwohl es wildlebende Tiere sind kann man sich ihnen nähern um ihnen einen gehörigen Handschlag auf das Hinterteil zu verpassen, daß sie mit lautem Grunzen quittieren. Pawiane sind zu allen Tageszeiten damit beschäftigt dem Abfall des Hotels nach Essbarem zu durchsuchen. An dem letzten Abend in Victoria Falls sitzen wir wieder am Zambesi und geniessen Drinks bis die Moskitoplage unerträglich wird.

Tag 8  Vor dem Frühstück um 6.00 Uhr fahre ich noch einmal allein zum „Big Tree“. Bevor ich zurück zum Frühstück fahre mache ich noch einige Fotos vom Sonnenaufgang am Oberlauf des Zambesi. Die letzten Stunden vor dem Abflug nutzen wir für einen Besuch des Bahnhofs, der Victoria Fälle und es gelingt sogar den Zug nach Livingstone auf der Brücke zu fotografieren.
Am Airport geben wir den stark in Mitleidenschaft gezogenen Mazda ab.
Auf dem Rollfeld stehen circa 50 Jahre alte C 47 und DC 3 Propellermaschinen, die von Air Zambia noch eingesetzt werden. Davon gelingt mir ein Foto bevor ich vom Sicherheitsdienst mitgenommen werde. Es geht glimpflich aus und ich komme mit einer Ermahnung davon. Mit „Comair“, einer Tochtergesellschaft vorn „British Airways“ fliegen wir mit einer Boing 737-200 nach Johannesburg und steigen dort um in eine gleiches Flugzeug, mit dem wir um 17.40 Uhr in Port Elisabeth landen.
Südafrika ist etwa dreieinhalb mal größer als die Bundesrepublik Deutschland und hat durchschnittlich 33 Einwohner pro Quadratkilometer. Das südlichste Land Afrika´s ist ein Land der Kontraste, vor allem aber ein Kontrast gegenüber dem übrigen Afrika. So sind wir sehr gespannt, inwieweit sich unsere Erwartungen erfüllen.
Die Dame in der Autovermietung ist sehr nett, hilft uns auch bei der Suche nach einer Unterkunft und wenn sie langsam und deutlich spricht, verstehen wir sie sogar. Schon auf den ersten Metern der Fahrt offenbart sich, dass Südafrika mit dem Rest Afrikas nicht viel gemeinsam zu haben scheint. Alles wirkt sehr europäisch. Diesen Eindruck machen nicht nur die vielen Autos, die asphaltierten Strassen sondern auch die grossen Bungalows mit den gepflegten Vorgärten. Ungewohnt sind für uns die stacheldrahtbewährten Mauern, um die besseren Wohnviertel und Villen.
Unsere „Bed ’n Breakfast“ Unterkunft in der 1st Avenue gegenüber der Strandpromenade finden wir leicht und es bietet sich an, gleich nach der Anmeldung, sich den Indischen Ozean anzusehen. So stehen wir also zum ersten Mal an diesem Meer und nach den Eindrücken des ausgedörrten Simbabwe sind wir uns sicher. Südafrika ist eine andere Welt. Ganz in der Nähe, am Strand, ist ein Restaurant auf Betonpfeilern über den Wellen des Meeres gebaut worden.
Dort im „Blue Ozean“ gehen wir essen denn wir lieben es, wenn man beim Essen auf den Wellengang eines Ozeans sehen kann. Wir ziehen auch in Afrika die italienische Küche vor. Erfahrungen mit „einheimischer“ Küche müssen nicht zwangsweise gemacht werden und hier an der südafrikanischen Küste, geht italienisches Essen durchaus als Einheimisches durch und Pizza ist ja ohnehin eine Speise, die auf der ganzen Welt gegessen wird.
In einigen Jahren wird man sich ohnehin nicht mehr an das Essen in dem jewiligen Land erinnern können, es sein den es war extrem schlecht oder herrausragend gut.
„So lecker habe ich noch nie beim Italiener gegessen.“ sagte Caroline und auch ich fand es gut. So viel als Entschuldigung für die gelegentliche Veweigerung neuer kulinarischer Erfahrungen.
Essen wird allgemein überbewertet!
Zurück in unsere Stacheldraht bewehrte Unterkunft in einem separaten Bungalow mit riesigem Zimmer und Fernseher, bewacht von dem Yorkshire Terrier der Wirtsleute der „Bed & Breakfest“ Unterkunft.

Tag 9 Nach dem Frühstück machen wir uns auf in Richtung Plettenberg Bay, einem kleinen Ort an der Garden Route. Auf den gut ausgebauten und relativ leeren Straßen kommt man gut voran. Eine schroffe Berglandschaft beherrscht hier die Küste. Leider entspricht der bewölkte Himmel nicht ganz unserer Vorstellung von Urlaubswetter. Unterwegs machen wir einen Stopp am „Big Tree“ .So wie es der Reiseführer beschreibt gibt es hier einen Rest des Urwaldes, der einst die ganze Küste bedeckte. Dieses Gebiet ist heute Nationalpark. Den Eintritt hier sparen wir uns, in dem wir uns am Wärterhaus vorbei durch das Unterholz schlagen.
Inmitten dieses Waldes, circa 10 Minuten einen Lehrpfad entlang, steht ein 60 m hoher Baumriese. Wirklich interessant ist er wohl eher nicht. Denn wenn man dort angekommen ist, kann auch nichts weiter tun als den Hals nach oben verrenken und „ooohhh“ sagen. Dann dreht man sich um und geht wieder zum Auto zurück. Man kann natürlich auch einen der vielen kilometerlangen Wanderwege wählen und den ganzen Tag durch den Wald stapfen. Dies ist eher was für wirkliche Wanderer und der Wald wird davon auch nicht besser. Wir setzen wir unsere Fahrt fort und schauen etwas später staunend in die Schlucht des Storm´s River, die dann schon beeindruckender als der Baum ist. Gleich in der Nähe ist auch ein Restaurant wo wir schnell einen Imbiss nehmen.
In Plettenberg Bay angekommen bekommen wir in dem empfohlenen „B&B“ ein 15 Quadratmeter Zimmer für 220 R. Das entspricht 35 US$ und erscheint uns nicht gerade billig. Das großzügige Anwesen mit Villa verfügt auch über einen Pool doch es ist im Winter selten wärmer als 18° Celsius und so können wir diesen nicht nutzen. Diejenigen die glauben, die Rassentrennung sei ein für alle Male abgeschafft, werden sich nicht schlecht wundern, wenn ein von Weissen geführtes Hotel, Schwarze als Träger und Putzfrauen hat, die im hinteren Teil des Anwesens separat wohnen. Nachdem wir gegen die Kälte in unserem Zimmer einen Tee gebrüht haben fahren wir nach Knysna um dort Geld zu tauschen und uns etwas umzusehen.
Die Städte wirken mit ihren verzierten und weißen Villen, die direkt an die Felsen der Küste gebaut sind, wie amerikanische Kleinstädte aus Romanen oder Filmen. Fast alle Grundstücke haben einen Meerblick. Die Aushänge an einem Maklerbüro lassen darauf schließen, dass Haus und Grundstückspreise hier nur ein Fünftel dessen betragen was Grundstücke in Deutschland wert sind. Die Häuser haben allerdings keine Heizung und da auch hier im Winter die Temperaturen unter die Null Grad Marke sinken können, nutzt man elektrische Ölradiatoren. Viele der Häuser und Appartements dienen als Sommerquartier und so ist es um diese Jahreszeit relativ leer in den Strassen und wir bekommen am Abend dann Langeweile.
Beim Rundgang durch den Ort entdecken wir ein Restaurant mit Meerblick, welches mehr eine riesige Imbissstube ist. Ein Krims Karams Andenken Laden mit Küche und rustikalen Holztischen an denen man gemütlich sitzen und ein Steak essen kann. Caroline jedoch schmeckt die Lasagne nicht und auch sonst hält sich ihre Begeisterung in Grenzen.

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Kaaiman River Bridge

Tag 10 Da wir früh ins Bett gegangen waren, sind wir schon um 6.00 Uhr wach. Heute ist das Wetter deutlich besser und in den nächsten Tagen an der Küste werden wir nur Sonnentage haben. Frühstück gibt es erst ab 8.00 und so fahren wir zur „Wale Viewing Site“ die wir gestern Abend entdeckt haben. Von hier oben hat man einen grandiosen Blick über die Stadt und die Küste. Wir hatten nicht wirklich damit gerechnet, aber plötzlich tauchen in der Bucht Wale auf. So schauen wir gebannt auf das Meer bis wir zum Frühstück fahren.
Der Frühstücksraum ist in der ersten Etage und wir nehmen einen Tisch am Fenster. Die Dame des Hauses ist so nett uns ein Fernglas zu bringen. Brötchen und Croissants kauend sitzen wir mit dem Fernglas vor dem Gesicht bis die Wale verschwunden sind. Nach dem Frühstück fahren wir die Strasse, ein Stück Richtung Port Elisabeth zurück, nach „Monkey Island“. Dieser neu gegründete private Nationalpark im Kleinformat, beheimatet 12 verschiedene Affenarten aus der ganzen Welt, zwei Katzen und einen Staffordshire Terrier. Der Eintritt kostet 7,50 US$ und dafür gibt es eine Führung mit vielem Wissenswerten über Affen. Wir wussten jedenfalls noch nicht, das die Ape´s fünf Finger haben und daher Menschenaffen sind, die anderen haben vier Finger und sind die Gruppe der Monkeys. In der Mitte des Parks überquert man eine 118 Meter lange und 22 Meter hohe Hängebrücke. Da eine Gruppe von Affen dies als ihren Platz an der Sonne auserkoren hat, wird der Schwierigkeitsgrad noch erhöht. Wie die anderen Affen im Park, sind auch sdie so an Menschen gewöhnt, dass wir über sie hinwegsteigen müssen. Wenn sie nicht in der Sonne schlafen erzählt man uns, sammeln sie Steinchen und bewerfen die Enten im Fluss damit. Tierquälerei unter Tieren!
Auf der Fahrt nach Knysna kommt noch einmal Afrika Feeling auf, als wir am Strassenrand Paviane entdecken die Essbares suchen. Hier auf der vielbefahrenen Nationalstraße offenbart sich, dass wir uns noch nicht so gut an den Linksverkehr gewöhnt haben. Einige Male haben wir Glück, dass in dem Moment kein Fahrzeug kam oder wenn Rücksicht auf Touris nahm. Denn als ich von Parkplätzen komme oder inf Kreuzungen einfahre schaue ich erst nach rechts und dann nach links! Es ist schon erstaunlich wie man manche Handlungen im Alltag unbewusst und reflexartig ausgeübt werden. Ich bin eben auch nur ein pawlowscher Hund.
In Knysna machen wir ein Schnäppchen, denn ich entdecke ein „B&B“ für nur 50 R, dass sind etwa 16 US$. Es hat alles was eine Unterkunft braucht ein Bett, ein Dach, Wände aus Holz und kein Frühstück. Es liegt an der Straße und ist fast ganz im Dickicht an einem Berghang verborgen. Unserer Sachen müssen wir einhundert Stufen eine steile Holztreppe hinaufschleppen. Die Eigentümerin dieses Hotels ist eine alte Dame, der ein verfilzter Hund der früher mal weisses Fell hatte, folgt. Ihr ganzes Zimmer ist mit kitschigen Sammelsurien aus den letzten 50 Jahren dekoriert und riecht etwas muffig. Dieses „B&B“  hat den Charme von Bate´s Motel in dem bekannten Hitchcock Klassiker. Wir fahren uns noch etwas die Küste anschauen und suchen dann in Knysna ein Restaurant für den Abend.
Knysna hat ein eintausend Quadratmeter großes Zentrum in dem man beschauliche Fassaden in deutsch-österreichischem Stil findet. Sogar eine Wassermühle hat man gebaut. Caroline geht es in der Magengegend nicht so gut und so fällt das Abendessen mager aus und wir gehen in unsere Unterkunft. Die Betten in unserem Zimmer sind so hart das man kaum weiss wie man liegen soll dazu kommt der Lärm der LKWs die auch Nachts auf der Straße vorbeifahren.
Genau um Mitternacht schrecken wir aus dem Schlaf als jemand heftig an unserer Tür rüttelt. Mir stehen die Haare zu Berge.  In Gedanken versichern wir uns, dass niemand mit einem dreissig Zentimerter langen Messer vor der Tür steht sondern sich nur jemand in der Tür geirrt hat.

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Wilderness Beach

Tag 11 Am Morgen sind im Zimmer höchstens noch 10° Celsius und unsere Sachen sind total klamm. Ein Frühstück besorgen wir uns in einem Hotel am Hafen und zahlen dafür allerdings 70 R.
Dieser Tag gehört ganz der Eisenbahnlinie von George nach Knysna. Alle Züge sind im Jahr 1999 planmäßig mit Dampflokomotiven der Baureihe 19 D bespannt und es wird die letzte Eisenbahnlinie Südafrikas sein, die Züge mit dieser Traktionsart bespannt. Diese Strecke, die fast immer in Sichtweite des Ozeans verläuft, gehört auch zu den landschaftlich schönsten Eisenbahnlinien in Südafrika.
Am Mittag beziehen wir ein anderes Zimmer in Wilderness. Das Grundstück hat direkten Zugang zu Strand und Meer. Man kann auf dem Bett liegen und den Wellen zusehen wie sie unablässig auf den Strand rollen. Wir sind begeistert. Doch alles hat seinen Preis und so wird das Tosen der Wellen in der Nacht dafür sorgen, dass wir wenig gut schlafen. Jetzt ist mir das egal, ich gehe erst einmal im Indischen Ozean baden und der ist nicht einmal so kalt wie ich dachte. Aber der Wellengang ist so stark, dass es einem ständig die Beine wegreist und so traue ich mich nicht weit hinein, denn es gab schon viele die dann nie wieder herauskamen.
Im Restaurant „Coffe Shop“, das eher eine Gartenlaube ist, gehen wir essen. Hier serviert man die Brause aus der Büchse. Das hätten wir ja auch an der naheliegenden Tankstelle bekommen können. Man muss aber in diesem Zusammenhang den Service in Restaurants würdigen. Mehrere Kellner kümmern sich ständig um die Gäste, fragen ob alles OK ist und schmeckt. Anders als in Deutschland, wo sich eine frustrierte Servicekraft um fünfzig Tische kümmern muss. Kommt man in ein Restaurant hinein, kommt sofort jemand der einen nach seinen Wünschen fragt, an den Tisch geleitet oder sogar die Jacken abnimmt. Sofort kommt man die Getränkekarte. Erst mit den schnell servierten Getränken wird die Speisekarte und die Gratisvorspeisen, von denen man meist schon satt ist, gebracht. Sobald man angefangen hat zu essen, kommt noch einmal der Kellner und fragt ob alles den Wünschen entsprechend ist und wünscht „enjoy your meal“. Wenn man fertig ist werden die Teller unverzüglich weggeräumt und man wird nach Desserts gefragt. Ist die Genussorgie beendet und ist die Rechnung beglichen, wird man persönlich verabschiedet und hinausgeleitet. So lässt es sich speisen.

Tag 12  Auch heute Morgen ist es im Zimmer, sowie im Bett lausig kalt. Das Frühstück im „Sound of Sea“ ist nicht besonders, auch wenn es von der Besitzerin Erika persönlich zubereitet wird. In Pullovern sitzen wir auf der Terrasse und schauen auf das Meer. Wale sehen wir hier keine.
Nachdem wir in der Stadt getankt und eingekauft haben, gehen wir wieder zum Strand und sammeln Muscheln. Dann überqueren wir auf einer atemberaubenden Passstraße die Outeniqua Mountins, hinter denen sich die Ausläufer der „Kleine Karoo“ Wüste befinden. Auf dem Weg über schnurgerade Straßen durch die Farmen bei Oudshoorn sehen wir schon überall Strauße an den Zäunen stehen, die mit ihrem ahnungslosen Gesichtausdruck unserem Auto hinterher schauen. Die Farm die wir besichtigen wollen ist die „Highgate Oustrich Farm“.
Diese Farmen sind schon zu einem grossen Teil auf Tourismus ausgerichtet und produzieren bei weitem nicht soviel Fleisch wie dies früher der Fall war. Zwischen 1880 und 1915 wurden in Oudtshoorn zeitweise bis zu 750 000 Strauße gehalten. 1999 sind es nur noch 250.000 Strauße. Der Strauß ist der größte heute lebende Vogel: Er kann bis zu 3,10 Meter gross werden und 160 Kilogramm schwer sein. Da er sehr muskulös ist, kann er bei einer Schrittlänge von bis zu 4 Metern, 80 Kilometer pro Stunde erreichen. Doch leider passen die unproportional kleinen Flügel nicht zum Körpergewicht  und so ist ihm das Fliegen nicht möglich. Die Führung findet mit nur vier Personen statt und ist selbstverständlich in Englisch. Zum Glück haben wir vorher alles über Strauße gelesen, denn wir verstehen nur die Hälfte. An Straußenreiten oder Straußenrennen teilzunehmen finden wir nicht so passend und so begnügen wir uns damit, die Vögel mit Mais, den man vorher kaufen muss, zu füttern. Das ist ein wirklicher Spaß, wenn der Mais beim Zuschnappen mit dem Schnabel in der Gegend herumgeschleudert wird. Wir fahren mit unserem VW Chico, den man in Deutschland unter der Bezeichnung Golf I kennt, weiter über den Robinson Pass nach Mossel Bay.
Nicht weiter als 40 Meter vom Strand entfernt, finden wir ein fürstliches Restaurant, in dem man so super essen kann, dass wir beschließen am Abend wieder zu kommen. Im Hotel „Green Door“ steigen wir ab. Unser Zimmer ist riesig und überall sind rosa Rüschen angebracht. Sogar der Toilettendeckel ist mit rosa Häkelware verziert. Das Zimmer hat zwei Bäder und da es in unmittelbare Nähe zum Hafen liegt kann man sich leicht vorstellen welchem Zweck das Hotel früher gedient hat. Als wir wieder zu dem tollen Restaurant fahren ist es dunkel und wir verfahren uns in der Stadt erst wieder einmal.

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Drowded

Tag 13 Dieses Zimmer ist das erste und letzte aller unserer Unterkünfte auf dieser Reise, dass über eine Heizung verfügt und wo es am Morgen im Zimmer angenehm warm ist. Nach dem Frühstück, das auch hier sehr mäßig ausfällt, verfahren wir uns abermals auf dem Weg durch die Stadt. Dies ist umso ärgerlicher, da ich mir einbilde, einen ausgeprägten Orientierungssinn zu haben. Die nicht besonders gut ausgeschilderten Städte im Schachbrettstil sind ohne Orientierungspunkte nur schwer zu durchschauen. Aber irgendwie finde ich dann doch das Lokdepot nahe Mossel Bay in dem viele Dampfloks stehen, die hier für Sonderfahrten bereitgehalten werden.
Es stehen uns nun 400 Kilometer Fahrt bis Kapstadt bevor. Die ersten 215 Kilometer fahren wir auf einer gut ausgebauten Nationalstrasse, holen aus dem VW Chico alles raus und schaffen so die Strecke in nur zwei Stunden. Von jetzt ab geht es langsamer voran, denn die Strasse ist nur noch zweispurig und es geht ständig bergauf und bergab. Hier gerät das kleine voll bepackte Auto an seine Leistungsgrenze. Mit 150 Kilometer pro Stunde nehmen wir Anlauf und kurz vor der nächsten Bergkuppe muss man bei 100 Kilometer pro Stunde in den vierten Gang schalten um nicht noch langsamer zu werden. Dann geht es wieder zwei Kilometer bergab und immer so weiter. Dabei hat man über die gesamte Fahrt einen schönen Ausblick auf eine Bergkette im Lichtspiel der wieder dichter werdenden Wolkendecke. Als wir die Serpentinen durch die Berge hinunter nach Kapstadt fahren, ist der Himmel dicht bewölkt, es ist kalt , windig und es regnet.
In Kapstadt irren wir zunächst wieder durch die Stadt und versuchen eins der vielen „B&B “ Hotel zu finden. Wir entscheiden, eine Unterkunft zu nehmen die auch im Dunkeln leicht wiederzufinden ist und möglichst in der Nähe Einkaufsmöglichkeiten hat. Und so steigen wir im „Flower House“ in der Flower Street ab. Geleitet wird es von zwei weissen Damen. Eine ist etwa 80 und die andere 90 Jahre alt. Hier bleiben wir die nächsten acht Tage und so können wir endlich mal die Taschen auspacken. Natürlich hat das Zimmer keine Heizung und draußen pfeift der Wind um das Haus und es regnet in Strömen.
Als am Abend das Wetter etwas aufklart, fahren wir uns die Stadt ansehen. Was von diesem ersten Abend in der Erinnerung geblieben ist, sind die Schwarzen die kiffend unter der halbfertigen Hochstrasse, an brennenden Tonnen standen, die Ratten die sich schnell in einen Hauseingang flüchteten, der Müll und die Plastiktüten die durch die Straßen geweht wurden. Der Tafelberg ist nicht zu sehen da er ganz in Wolken gehüllt ist. Die letzte Mall vor dem Südpol ist das Shoppingparadies an der Waterfront und hier verbringen wir den Abend und essen später bei „Adolfo`s“ Nudeln aus der Mikrowelle und ich nur einen Salat. Die Tische haben Gummitischdecken und ständig kommt ein anderer Kellner und stammelt wirres Zeug. So wechseln wir noch auf einen Drink ins „Balducci“ welches unser Stammrestaurant für die nächsten Tage werden wird.

Hwange National Park Bulawayo Victoria Falls Kapstadt Strausse Garden Route Tafelberg KnysnaTag 14 Die ganze Nacht hindurch hat es gestürmt und geregnet und auch jetzt regnet es noch leicht. Im Zimmer ist es nicht nur kalt, woran wir uns schon gewöhnt haben, sondern nach dem Duschen auch so feucht, dass die Linsen der Objektive beschlagen.
In der Nähe befindet sich ein Shoppingcenter und dort fahren wir hin denn es gibt dort viele Cafes in denen man frühstücken kann. Leider ist hier die Bedienung nicht so freundlich wie gewohnt, sondern eher muffelig, so dass wir in den nächsten Tagen andere Cafés probieren werden.
Da das Wetter nicht besser werden will, schlendern wir am Vormittag durch Einkaufspassagen und Straßen. Nach dem Mittagessen kommt endlich die Sonne hervor, so dass wir beschließen nach Simonstown zu fahren. Dort gibt es einen Strandabschnitt, an dem alljährlich hundert Magellanpinguine brüten. Dieser Strand ist als Nationalpark ausgewiesen. Schon auf dem Parkplatz steht der erste Pinguin und es sind Schilder aufgestellt, die mahnen, vor dem Abfahren unter das Auto zu schauen, da sich dort oft Pinguine verstecken. Auf dem Weg zum Strand liegen rechts und links überall Pinguine in den Büschen, brüten, kämpfen, schlafen oder putzen sich. Sie sind oft weniger als einen Meter entfernt. Zunächst nutzen wir im Park einen Holzsteg von dem man die Tiere am Strand und im Wasser beim baden beobachten kann. Dieser Ort bietet sicher eins der schönsten Erlebnisse in der Umgebung von Kapstadt. Wir fahren noch etwas über die Kaphalbinsel und später wieder nach Kapstadt.
Auf dem Bahnhofsgelände entdecke ich eine Dampflokomotive und die will ich natürlich fotografieren. Doch der Bahnhof von Kapstadt wirkt nicht gerade einladend und sicher. Auf dem Bahnhofsvorplatz, der mit Scherben und Müll überseht ist, stehen Minibustaxis die auf Fahrgäste warten.
Fast der gesamte Bereich ist von Mauern mit Stacheldraht umgeben. Die Zugänge sind vergittert. Kein Mensch ist weit und breit zu sehen. Wir klettern über eins der Drehkreuze und gehen eine Treppe hinunter zu den Bahnsteigen. Caroline hat Todesangst. Auf vielen Gleisen sind Vorortzüge abgestellt und in vielen Ecken richt es nach Fäkalien. Am Ende des Bahnsteigs noch ein Stück über die Gleise und das steht sie, eine 19 D aus Mossel Bay, mit dem luxuriösen Touristenzug von „Rovosrail“ .Die Reisenden machen gerade ihre Kapstadt Sightseeing Tour. Schnell ein Foto von der zwischen Zäunen und Betonmauern stehenden Lok und wieder zurück. (Das Bild ist auf sonderbare Weise für immer verschwunden.)

Auf dem Weg zur Waterfront kommen wir unweit der City an einer Hochstraße vorbei dessen Fahrbahn in zehn Metern Höhe plötzlich im Nichts endet. Darunter Hütten aus Pappe und Blech. Schwarze stehen wieder um ein brennendes Fass herum – wie in einem Endzeitfilm.  Neue Einrücke bekommt man überall und manchmal bekommt man auch nur Impressionen wie diese, die Gruppenreisenden nicht gezeigt werden. So kommt es sicher auch, dass man Kapstadt als die schönste Stadt der Welt bezeichnet. Schön ist wie fast überall die Fassade, doch hinter der Fassade stapeln sich die Probleme aus Gegenwart und Vergangenheit.
Caroline versucht in der Waterfront bei „Truworth“ ihr unstillbares Verlangen nach Schuhen zu stillen, was aber an der begrenzten Auswahl an Schuhgrössen scheitert. Zumindest modetechnisch ist man hier Europa eine Saison voraus.
Der Abend klingt im „Balducci“ aus, bevor wir um 21.00 Uhr im Bett liegen.

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Kapstadt Waterfront

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Chapmans Peak Drive

Tag 15  Um 6.35 Uhr stehen wir auf, denn endlich scheint hemmungslos die Sonne durch das Fenster. Wir sind die einzigen auf der Straße als wir zum Hotel „Intercontinental“ fahren, denn dort gönnen wir uns heute ein „richtiges“ Frühstück für 20 US$ pro Person. Als wir wieder aus dem Hotel kommen ist der Himmel wieder grau.  Trotzdem fahren wir zum „Cape of Good Hope“, wo der Indische Ozean und der Atlantik aufeinander treffen. Der Wind bläst unablässig und es ist widerlich kalt, so dass uns fastdie Ohren abfrieren. Die Standseilbahn ist gerade weg und so machen wir uns in der Hoffnung, dass Bewegung uns warm werden lässt, den fünfhundert Meter langen Fußweg rauf zum Leuchtturm. Am Fuße des Leuchtturms stehen wir und schauen auf das windgepeitschte Meer auf dessen Grund unzählige Schiffe liegen. Doch lange hält man es draussen nicht aus und so gehen wir den verbotenen Weg auf der Trasse der Standseilbahn wieder hinunter, denn hier ist es etwas windgeschützter. In dem Restaurant an der unteren Station brauchen wir dann beide dringend eine heiße Schokolade.
Wir drehen noch eine ausgedehnte Runde mit dem Auto durch den „Cape of Good Hope Nationalpark“ und kaufen an dem Stand an der Ausfahrt eine Specksteinbüste. Auf der Fahrt nach Kapstadt fängt es abermals an zu regnen und uns hat die Langeweile wieder im Griff. Bei schlechtem Wetter kann man hier nicht besonders viel machen und so verschaffen wir uns Abwechslung durch rasantes Autofahren durch verschiedene Stadtteile von Kapstadt. Um 16.30 Uhr kommen wir an der Waterfront an. Das Aquarium „Two Oceans“ schließt um 17.00 Uhr, dafür ist es also zu spät. Für alles andere ist es zu früh und so gehen wir für Caroline bei „Morgan“ ein Kleid und eine Jacke kaufen und danach eine Pizza essen. Die Pizza hat einen Durchmesser von 50 cm und so haben wir Mühe sie zu zweit aufzuessen.
Auf den hölzernen Bootsanlegern die überall am Pier festgemacht sind liegen grosse und kleine Robben und lassen sich fotografieren. Bevor ich noch ein paar Nachtaufnahmen von der Waterfront mache, gehen wir ins „Balducci“ auf einen Salat und zwei Drinks.
Wir schlafen mal so richtig aus und stehen erst um 7.30 Uhr auf. Der Himmel ist blau und die Sonne scheint. So schnell wie möglich duschen wir uns warm, ziehen uns an und fahren in das Center frühstücken. Heute wollen wir das gute Wetter nutzen um auf den Tafelberg zu fahren. Schon um halb Neun muss man hier anstehen wenn man ohne stunden langes Warten hinaus will. Wir drängen uns an einer deutschen Reisegruppe vorbei und fahren mit der nächsten Gondel nach oben. Unterwegs kann man überall auf Felsvorsprüngen Rock Dussies (Klippschliefer) in der Sonne dösen sehen. Ich ärgere mich sehr über die Sachsen, die in der Gondel ständig drängeln, bis ich bemerke, dass sich der Gondelboden dreht, und ich außen auf dem Rand stehe, der sich nicht mitdreht. Die drängeln also nicht, die werden gedrängelt.
Nun stehen wir auf 1070 Meter Höhe und müssen feststellen, dass wir wieder falsch angezogen sind. Die Aussicht jedoch ist grandios. Man kann bis weit hinter Robben Island schauen. Doch hier oben bläst der Wind so stark und kalt, dass es nur für einen kurzen Blick über die Stadt reicht, bevor wir uns im Windschatten der Seilbahnstation verstecken. Auf der Fahrt nach unten wird der Wind so stark, dass die Seilbahn stecken bleibt und so hängen wir mit langen Gesichtern hoch über der Stadt. Als wir nach einer viertel Stunde unten ankommen, stehen an der Talstation schon über hundert Menschen Schlange und wir sind froh so früh aufgestanden zu sein. Eine ähnlich gute Aussicht hat man von Signal Hill zu dem wir als nächstes fahren.
Auch den ältesten Leuchtturm Südafrikas, am Green Point, der 1824 erbaut wurde, schauen wir uns an. Nun fahren wir nach Pringels und Gordon Bay wo ich hoffe Kapstadt und den Tafelberg vom Meer aus fotografieren zu können. Leider hat man von diesen Orten aus keinen Blick auf Kapstadt aber die schroffe Küste ist allemal einen Abstecher wert. Auf der Rückfahrt, fahren wir wie schon bei der Anreise, auf einer Schellstraße durch ein „Townchip“ welches so riesige Dimensionen hat, dass man zehn Minuten benötigt um die Behausungen aus Wellblech, Pappe, Ziegeln, Holz und anderen Bauabfällen hinter sich zu lassen. Wir biegen von der Schnellstraße Richtung Hout Bay ab um auf den „Chapman´s Peak Drive“ zu gelangen.
Es ist aber wieder mit Suchen verbunden, da er schlecht ausgeschildert ist. Diese Küstenstrasse ist 1922 eingeweiht worden und gehört zu den schönsten Küstenstraßen der Welt. Die 10 Kilometer lange Strecke wurde direkt in den Fels der Steilküste gesprengt und besteht fast nur aus Kurven. Alle hundert Meter bieten sich neue und atemberaubende Ausblicke auf Meer und Küste, wie wir sie bis dahin noch nie gesehen haben. Oft ist die Strecke wegen Steinschlag gesperrt aber wir kümmern uns nicht darum und umfahren die Absperrungen einfach.
In Kapstadt versuchen wir ein anderes Zimmer zu finden, haben aber kein Glück. An der Waterfront gehen wir in ein anderes Restaurant als sonst aber Caroline findet auf der reichhaltigen Speisekarte nichts und so gehen wir wieder zurück ins „Balducci“.
Dort setzt sich Günter aus Hamburg an unseren Tisch und erzählt uns nach 30 Sekunden von den Millionen die er einem Bekannten geborgt hat und der damit nach Südafrika abgehauen ist. Wenig später erfahren wir von ihm wie schlimm und brutal in Kapstadt die Kriminalität ist. Gerade vor kurzem wurde ein Touristenpärchen abends am Signal Hill überfallen. Der Mann musste zuschauen wie seine Frau vergewaltigt wurde und danach wurden beide erstochen. Alles sehr unterhaltsam aber irgendwie doch unglaubwürdig. Der bisher schönste Tag in Kapstadt geht zu Ende.

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Blouberg Beach

Tag 17  Wir machen die Augen auf und können vom Bett aus den Signal Hill sehen. Eigentlich ist das Zimmer gar nicht so übel, wenn es nur nicht so kalt wäre. Leider haben wir gestern, als wir am Flughafen vorbeifuhren vergessen die Tickets rückbestätigen zu lassen und so müssen wir nach dem Frühstück dort noch einmal hinfahren. Auf der Schnellstraße gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung, ich glaube 120 Kilometer pro Stunde und manchmal auch nur 80 Kilometer pro Stunde aber wir fahren 140 Kilometer pro Stunde und werden von allen anderen Autos die das noch schaffen, überholt. Erst einmal an der Garden Route haben wir eine Geschwindigkeitskontrolle gesehen und an Begrenzungen haben wir uns nur gehalten wenn wir etwas gesucht haben oder abbiegen wollten.
Nach der Bestätigung der Rückflüge fahren wir wieder nach Simonstown zur Pinguine Kolonie.
Wir setzen uns mit einer Decke auf einen Stein und warten. Dies zahlt sich aus, denn wenn man sich ganz ruhig verhält und sich wenig bewegt, watscheln Gruppen von Pinguinen mit einer Mischung aus Neugier und Angst einen Meter an uns vorbei. Schnell sind die Filme verschossen, die Videocassete war schon voll als wir ankamen. Wir nehmen einen Snack im nahegelegenen und teuerem „Pinguine Restaurant“ und beschließen noch ein weiteres Mal hierher zu kommen. Da ich noch Filme im Auto habe fahren wir über den „Chapmans Peak Drive“ nach Hout bay zur „World of Birds“. Von der rasanten Fahrerei über die kurvenreichen Strassen ist Caroline so schlecht, dass sie erst einmal zwanzig Minuten im Auto liegen muss.
Die „World of Birds“ kostet 25 R (4 US$) Eintritt, was aber im Anbetracht des Gebotenen wirklich günstig ist. Es gibt hier über 3000 einheimische sowie exotische Vogelarten wie zum Beispiel Adler und viele andere Greifvögel, Eulen, Flamingos, Strauße, Papageien, Sittiche und Enten. Auch viele Affenarten und Schildkröten findet man hier. Die Vogelvolieren sind meist begehbar und die an Menschen gewöhnten Vögel schwirren um einen herum. Einer der Vögel mit einem langen gebogenen Schnabel findet meine Hosennaht interessant und will nicht aufhören daran rumzuzupfen. Wir waren fast zwei Stunden dort aber es wird sicher nicht langweilig wenn man doppelt so lange dort verweilt.
Zurück in Kapstadt schauen wir uns noch einige andere Unterkünfte an, doch die sind alle doppelt so teuer wie unsere und so bleiben wir im „Flower House“. Zum ersten Mal seit wir hier sind hat der Tafelberg sein „Tafeltuch“ aus Wolken und das Wetter scheint auch so schön zu bleiben. Auf der Fahrt zur Waterfront stehen wir im Stau, den einige Schwarze dazu nutzen an Kreuzungen Staubwedel, Autozubehör, Blumen und Süßigkeiten zu verkaufen.
Bei „Balducci“ essen wir „Fish of the Day“. Den wirklichen Namen bekommen wir auf Grund mangelhafter Englischkenntnisse nicht heraus aber er kommt nur vor der afrikanischen Küste vor. Caroline entscheidet sich für Chicken mit Honig und Obstsalat mit Eis, während ich ein Paar Gläser südafrikanischen Rotwein trinke. Wir machen an der Waterfront noch einen Verdauungsspaziergang und fahren dann ins Blumenhaus.

Hwange National Park Bulawayo Victoria Falls Kapstadt Strausse Garden Route Tafelberg KnysnaTag 18 Klar, dass wir wieder um 7.20 Uhr aufstehen, denn auch heute lacht die Sonne. „Pannini“ heißt das Café in dem Center in der Nähe, das allmorgendlich mit Croissants und heißem Kaffee oder Kakao lockt. Heute wollen wir einen Segeltörn nach Robben Island machen. Die Insel wo einst Nelson Mandela gefangen gehalten wurde. Bis dass Schiff ablegt ist es jedoch noch ewig hin.
Von Reiseeindrücken übersättigt bummeln wir gelangweilt durch Kapstadt und schauen uns das Eine oder Andere an, dass vom Reiseführer empfohlen wird aber begeistern tut uns in dieser leicht maroden Stadt nicht viel. An der Waterfront nehmen wir ein kleines zweites Frühstück bevor wir die Schiffsfahrt buchen. Und nach kurzer Wartezeit startet der stolze Segler „Spirit of Victoria“ zunächst mit Motorkraft nach Robben Island.
Die ehemalige Gefängnisinsel, auf der sich heute ein „Kentucky Chicken Fried“ befindet wird lediglich umfahren und von nun an wird gesegelt. Man fühlt sich in die Zeit der alten Seefahrer zurückversetzt, wenn man durch die Takelage und die Segel die Küste mit dem Tafelberg sieht. Dicht am Boot schwimmen Pinguine, Robben und eine Riesenqualle vorbei. Die Bootsfahrt ist für uns ein einzigartiges Erlebnis, dass wir uns glücklicherweise nicht entgehen liessen. Doch viel zu schnell sind diese zwei Stunden vorbei. Nach einem Abstecher ins Flower House, Caroline musste sich aus, für Männer nicht nachvollziehbaren Gründen umziehen, fahren wir zurück zum Aquarium.
Im „Two Ozeans“ sind zwei riesige Meerwasserbecken durch einen gläsernen Kanal verbunden unter den man hindurchgehen kann. Wartet man einen Augenblick, so kann man drei Meter lange Haie über sich wegschwimmen sehen. In dem einen Becken werden von Tauchern die Scheiben gereinigt die sich mit Elektrostäben ab und zu vor Haiangriffen schützen müssen. Auch gibt es ein „Kuschelaquarium“ in dem man Seesterne anfassen darf. Im Aussenbereich befinden sich Becken für Pinguine und Robben aber das ist für uns nicht mehr so interessant. In einem grossen Saal ist ein Skelett eines riesigen Wales aufgehängt und man kann in kleinen Boxen sitzen und in Stereo den Gesängen der Wale lauschen.
Abendessen nehmen wir heute im „Hildebrand“ aber mich zieht es danach noch auf einen Drink ins „Balducci“.

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Muizenberg Beach

Tag 19 Das Winterwetter an der Südspitze Afrika fordert ein weiteres Opfer. Caroline hat sich erkältet. Trotzdem fahren wir zusammen noch einmal nach Simonstown zum Boulder Beach um die Pinguine zu sehen aber dieses Mal vergessen wir die Batterie der Videokamera. Der Strand der Pinguine ist durch die Flut nicht wiederzuerkennen und die Pinguine scheine alle noch zu schlafen, so dass wir nur wenige von ihnen zu sehen bekommen, Im nahe gelegenen „Pinguine Restaurant“ gehen wir danach  frühstücken. Wir verabschieden uns von Simonstown, den Pinguinen und wenig später auch von Muizenberg mit den pittoresken Strandhäusern.
Caroline bringe ich zurück ins Bett und mache allein mit dem Fotoapparat bewaffnet, einen Rundgang zu Fuss durch Kapstadt. Als ich zurück komme ist sie zwar noch immer nicht gesund aber angezogen und hungrig und so gehen wir ins „Garden Center“ besorgen ihr was Essbares und laufen dann zu „South African Museum“. Dort hängen wir uns an eine deutsche Reisegruppe, erfahren einige wirklich interessante Dinge über die Geschichte Südafrikas, die wir jedoch nach vier tagen wieder vergessen haben. Museen sind Hallen voller toter Gegenstände und nicht unser Ding. Wir berauschen uns noch ein letztes Mal an dem Blick vom Signal Hill auf Kapstadt bevor wir heute mal ein anders Restaurant testen wollen. Die Wahl fällt auf das „DROS“ in der Kloofstreet.
Dies ist ein zurzeit angesagtes Szenerestaurant in dem sich meist jüngere Leute treffen. Statt Discotheken scheint das abendliche Happening hier Essen gehen zu sein und die meisten Leute hier im Restaurant sehen auch so aus. Atmosphäre und gutes Essen hat aber auch dieses Restaurant. Es ist draussen bereits dunkel, als wir noch einmal auf den Signal Hill fahren um auf das flimmernde Lichtermeer von Kapstadt zu schauen und dabei an die Geschichte von den Überfällen zu denken.

Tag 20 Heute Morgen kommt Caroline nur mit in das „Garden Center“ bei „Panini“ frühstücken, danach bringe ich sie wieder zurück ins Bett und fahre allein nach Blouberg Beach. Von hier hat man den klassischen Postkartenblick auf Kapstadt und den Tafelberg, über das Meer. Später fahre ich noch etwas durch das „Hinterland“ von Kapstadt wo sich einmal mehr offenbart, dass die „Rassen“ sehr wohl noch durch die Wohnverhältnisse, den sozialen Status und der Verteilung von Reichtum und Besitz getrennt sind und es wohl auch noch sehr lange bleiben werden.
Kapstadt und ein gerechtes Südafrika – ein Mythos ?
Ich fahre Caroline zum Mittagessen im „Balducci“ abholen und danach gehen wir Muscheln suchen. Dies ist aber ein Misserfolg denn Muscheln findet man an den Stränden hier selten dafür aber jede Menge Müll. Da es sehr windig ist fahren wir zum „Castle of Good Hope“ dass wir uns aber nur aus dem Auto heraus anschauen. Wir jagen im zweiten Gang noch ein paar Straßen hoch, die in der Hanglage von Kapstadt meist im 45° Winkel steil bergauf  beziehungsweise bergab führen und haben dabei riesigen Spaß. Wir sind urlaubsmüde und fahren wir zurück ins „Flower House“, legen uns auf das Bett und lesen bis es Zeit ist Abend essen zu gehen.

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Town Chip

Tag 21 Heute packen wir unsere Sachen und verlassen das „Flower House“, denn der letzte Tag unserer Reise hat begonnen. Im „Waterfront Café“ gönnen wir uns ein fürstliches Frühstücksbuffet. An einem der Nebentische sitzt ein Weisser der irgendwie an einen fünfzigjährigen Michael Jackson erinnert. An seinem Tisch sitzt ein schwarzer Junge der etwa zehn Jahre alt ist und den er der Kleidung nach zu urteilen, gerade von der Strasse mitgenommen hat. Er massregelt und kommandiert den Jungen in einem fort und als er sich selbst und dem Jungen in aller Öffentlichkeit „Koks“ verabreicht wird das Verhältnis der beiden zueinander fast offensichtlich. Später fahren beide in seinem gelben durchgerosteten VW Chico davon.
Nachdem wir noch etwas durch das „Waterfront Center“ geschlendert sind, lässt sich Caroline sich von mir noch vor dem Brunnen fotografieren, an dem schon Naomi Campbell und viele andere Berühmtheiten unserer Zeit gesessen haben. Nun heißt es „good bye old dirty Cape Town“ denn wir fahren Richtung Flughafen.
Bei Fish Hoek stehen einige Menschen an der Straße und schauen auf das Meer. Dort sehen wir mehrere Sothern Right Wale und Orkas keine zweihundert Meter vom Strand entfernt und wir bereuen es, dass wir nicht doch eine Wale Watching Fahrt gemacht haben. In dem beschaulichen Ort Fish Hoek wo wir noch eine Pause einlegen, sehen wir noch einmal einen Seehund, trinken in einem Café einen letzten Kaffee Kahúla und einen Kakao. Nun müssen wir aber wirklich zum Flughafen das Auto abgeben. In der Autovermietung rächen sich abermals unsere mangelnden Englischkenntnisse, denn wir müssen 120 US$ nachzahlen da wir nicht mitbekommen haben, dass uns die nette Autovermieterin in Port Elisabeth die teuerste Vollkaskoversicherung aufgeschwatzt hat.
Um 20.44 Uhr heulen die Triebwerke auf und jagen die Boing 747-400 der British Airways über die Startbahn. Sekunden später heben wir ab und aus dem Kabinenfenster sehen wir zum letzten Mal die Lichter von Kapstadt.

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